mini|E.T.A. Hoffmann. Dargestellt in einem Selbstporträt Ignaz Denner ist eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann, die 1814 entstand und erstmals 1816 im ersten Teil der Nachtstücke erschienen ist. Aufgrund seiner unheimlichen Thematik ist das Werk zur Schauerromantik zu zählen.

Inhalt Andres, Leibjäger des Grafen Aloys von Vach, begleitete diesen auf einer Reise durch Italien. Dadurch, dass Andres sich und den Grafen vor einem Raubüberfall rettete, wurde er zum Revierjäger befördert. Auf dieser Reise hielten sie sich für eine gewisse Zeit in Neapel auf, wo Andres seine zukünftige Gattin Giorgina kennenlernte. Sie lebte als Waise bei einem Wirt, der sie schlecht behandelt. Andres und der Graf nehmen sie mit auf ihre Reise, während der sie den Revierjäger ehelicht. Trotz der angesehenen Stellung, die Andres innehat, und welche eigentlich eine Belohnung für seine guten Dienste sein sollte, leben Andres, seine Frau und sein Knecht in Not und Elend.

Durch die Geburt des ersten Kindes verschlechtert sich Giorginas Gesundheitszustand so sehr, dass sie mit dem Tode ringt. Da bekommen sie Besuch von einem Fremden, der sich als reisender Kaufmann ausgibt und erklärt, sich verlaufen zu haben. Zeuge des Elends und der Not, in die Andres geraten ist, heilt er Giorgina vom einen Tag auf den anderen, indem er ihr eine geheimnisvolle, dunkelrote Flüssigkeit einflößt. Als der Fremde am nächsten Tag wieder aufbrechen will, bietet er Andres als Belohnung gar Dukaten an, die dieser jedoch ablehnt; eine innere Stimme verbietet ihm die Annahme des Geldes. So wendet sich der Fremde an Giorgina, die die Dukaten nicht ablehnt. Der Fremde bittet Andres noch um drei Gefälligkeiten. Er verlangt von Andres, ihn jährlich für ein paar Tage aufzunehmen, weil er durch seinen Beruf zweimal im Jahr durch das Gebiet von Vach reisen muss. Zudem soll Andres eine Kiste des Fremden, deren Inhalt kostbare Juwelen sind, bis zum nächsten Wiedersehen aufbewahren. Als Letztes wird Andres gebeten, den Fremden aus dem Wald zu begleiten. Auf dem Weg durch den Wald offenbart der Kaufmann seinen Namen: Ignaz Denner. Durch die Großzügigkeit Denners ist es der Familie des Revierjägers möglich, ein relativ wohlhabendes Leben zu führen, was Andres, der sich durch eine ausgeprägte christliche Demut auszeichnet, großes Unwohlsein bereitet, löst die Verbindung mit dem ihm unheimlichen Denner doch einen Gewissenskonflikt in ihm aus. Denner erscheint wieder, als ihr Sohn neun Monate alt ist. Da er selbst weder Frau noch Kinder hat, bittet er Andres und Giorgina, ihm ihren Sohn zu geben. Das Ehepaar weigert sich, was Denner zunächst sichtbar unzufrieden macht. Dieser Umstand verstärkt Andres’ Zweifel an der Person des Ignaz Denner. Sonst ändert sich allerdings nichts an der Beziehung zwischen den beiden. Die Kiste indes bleibt nach wie vor bei Andres.

Als Denner den Revierjäger das nächste Mal aufsucht, ist es mitten in der Nacht, und Andres wird gebeten, ihn in den Wald zu begleiten. Dort lüftet Denner sein Geheimnis, dass er der Anführer einer Räuberbande ist. Andres wird gezwungen, bei einem Raubüberfall auf die nahegelegene Pachterwohnung teilzunehmen, da ihm ansonsten mit dem Tod seiner Familie gedroht wird. In einem Kampf zwischen Räubern und Reitern des Grafen von Vach wird Denner verletzt und von Andres in Sicherheit gebracht. Aus Dankbarkeit beschließt Denner den Revierjäger und seine Familie von nun an in Frieden zu lassen und das Gebiet rund um die Jägershütte zu verlassen. Das Kistchen mit dem Schmuck bleibt indessen in Andres Obhut.

mini|Illustration von Theodor Hosemann (1844) Nachdem Denners Gaben versiegen, lebt die Familie rasch wieder in großer Armut. Giorgina bringt einen weiteren Jungen zur Welt. Eines Nachts schleicht Denner wieder um Andres’ Haus herum und verlangt Schutz. Diesmal bleibt Andres hart und weist ihn ab. Darauf erfährt Andres von seinem Herrn, dass der neapolitanische Wirt, der Stiefvater Giorginas, verstorben sei und ihr in seinem Testament 2000 Dukaten vererbt habe. Bei einem Kaufmann in Frankfurt am Main kann Andres das Geld abholen. Er macht sich unter einem Vorwand auf, um Giorgina zu überraschen. Als er zurückkehrt, findet er sein Haus verwüstet vor. Giorgina, in großer Angst, erzählt ihm alles: Ignaz Denner überfiel mit seiner Räuberbande das Haus, um nach einem Überfall auf das Vachsche Schloss Unterschlupf zu finden. Als alle Räuber, außer Denner, das Haus wieder verlassen hatten, nahm dieser den jüngsten Sohn und schloss sich mit ihm in ein Zimmer ein, schlitzte ihm die Brust auf und fing das Blut in einer Schüssel auf. Der Knecht wurde bei dem Versuch, Denner aufzuhalten, von diesem umgebracht.

Voller Angst und Verzweiflung wollen Andres und Giorgina den Wald verlassen, worauf jedoch Reiter des Grafen von Vach erscheinen und Andres verhaften. Denn während des Überfalls auf das Schloss wurde der Graf ermordet. Die Räuberbande wurde größtenteils verhaftet, so auch ihr Anführer Denner. Sie alle geben an, dass Andres Mitglied ihrer Bande gewesen sei und er den Grafen ermordet habe. Obwohl Andres mehrfach seine Unschuld beteuert, sprechen alle Fakten gegen ihn: Der Frankfurter Kaufmann, von dem Andres das Erbe erhalten hatte, bleibt unauffindbar. Zudem behaupten mehrere Untergebene des Grafen mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie Andres ihren Herrn ermordet hat. Erst nach Jahren ist der Prozess abgeschlossen; Andres wird schließlich durch Folter zu einem Geständnis gezwungen und zum Tode verurteilt. In der Kerkerzelle erscheint ihm im Dämmerzustand eine gespenstische Gestalt, die ihm eine Phiole mit dem Herzblut seines getöteten Sohnes anbietet. Später wird sich herausstellen, dass es sich um Doktor Trabacchio handelte. Andres fleht daraufhin zu Gott. Kurz vor der Vollstreckung wird er in letzter Minute durch das Eintreffen ebenjenes Frankfurter Kaufmanns gerettet, der ihm das Erbe Giorginas ausgehändigt hat. Auch Denners Hinrichtung wird ausgesetzt und Untersuchungen werden angestellt, die nach Neapel verweisen, der Geburtsstadt Denners. Dort war einst ein gewisser Doktor Trabacchio als Giftmischer und Hexenmeister überführt worden. Der Prozess gegen ihn hatte ergeben, dass er seine eigenen Kinder getötet hatte, um deren Blut zur Herstellung seiner Arzneien zu verwenden. Da niemand etwas von der Existenz seiner Kinder wusste und er auch deren Mütter getötet hatte, blieben seine Taten lange Zeit unentdeckt. Nur seinen letzten Sohn hatte er der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Verlauf des Prozesses hatte man versucht, Beweise für Trabacchios Taten in dessen Haus zu sammeln und war auf ein geheimnisvolles Labor gestoßen, das man aber nicht hatte öffnen können. Die Bemühungen eines herbeigerufenen Dominikaners aus Palermo führten letztlich dazu, dass das ganze Haus in Flammen aufging und einzustürzen drohte. Die herbeigelaufene Menge beobachtete erstaunt, dass Trabacchios Sohn kurzzeitig mit einem Kistchen unter dem Arm auf den brennenden Trümmern erschien und sogleich wieder verschwand. Als man dies Trabacchio kurz vor seiner Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen mitteilte, zeigte dieser hämische Freude. Sein Tod blieb allerdings aus: Kurz bevor ihn die Flammen erreichten, verschwand er vor den Augen der versammelten Menge, zeigte sich auf einem entfernten Hügel, höhnisch lachend, in seiner gewohnten Kleidung und mit einem Kistchen unter dem Arm. Er blieb seitdem verschwunden. Der Prozess gegen Denner brachte nun hervor, dass er eben jener Sohn des Doktor Trabacchio ist. Andres erfährt all dies vom Neffen des Grafen Vach, bei dem er nach seinem Freispruch zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn lebt und sich als Jäger verdingt. Giorgina stirbt bald an der Folge der erlittenen Strapazen.

Nach zwei Jahren Prozessdauer soll Denner hingerichtet werden. Doch gelingt ihm die Flucht: Andres findet ihn eines Abends völlig entkräftet im Wald. Als Denner ihm offenbart, dass er Giorginas Vater sei, erbarmt sich Andres und pflegt ihn im Schloss des Grafen gesund. Hier erzählt ihm Denner, dass er, in die Fußstapfen seines Vaters tretend, sich einst eine Frau genommen habe, die ihm eine Tochter schenkte. Auch er habe beabsichtigt, aus dem Blut dieses Kindes Arznei herzustellen, doch habe die Mutter, aufgrund einer Ahnung, ihm das Kind entziehen können. Denner gibt sich in der Folge als geläuterter Christ. Zwar bleibt Andres misstrauisch, doch lässt er den Großvater unbedacht mit seinem Enkel spielen. So wird er eines Nachts im Wald entsetzt Zeuge, wie Denner und der alte Doktor Trabacchio seinen Sohn Georg über einen Rost gespannt haben und Denner gerade im Begriff ist, dem Kind die Brust aufzuschneiden. Andres schießt Denner nieder. Der alte Trabacchio verschwindet.

Andres bringt seinen Sohn unbeschadet zurück ins Schloss, kehrt aber mit einem Jäger in den Wald zurück, um Denners Leiche zu begraben. Denner lebt noch und gibt erst unter Flüchen seinen Geist auf. Sie verscharren seine Leiche, und Andres beschließt, am nächsten Tag zurückzukehren, um ihm ein Kreuz auf das Grab zu stellen. Jedoch findet er die Erde aufgewühlt und die Leiche ist verschwunden. Andres findet erst endgültige Ruhe, nachdem er Denners Kistchen, das sich wieder in seinem Besitz befindet, in eine tiefe Bergschlucht wirft.

Handelnde Personen Andres: Protagonist der Erzählung, erst Leib-, dann Revierjäger des Grafen Aloys von Vach, lebt mit seiner Frau, seinen Kindern und einem Knecht sowie zwei Doggen in einem einsamen, wilden und durch Räuber unsicher gemachten Forst in der Nähe von Fulda. Er führt ein äußerst bescheidenes Leben. In größter Not lässt er sich von einem Fremden, der nachts an seine Tür klopft, helfen. Seine tiefe christliche Überzeugung lässt ihn von Beginn an eine gewisse Skepsis gegenüber dem vermeintlichen Kaufmann Denner verspüren. Auch versucht er zunächst die materiellen Geschenke, die ihm Denner aufnötigt, abzulehnen, da es ihm seine christlich motivierte Demut untersagt, Reichtum zur Schau zu stellen. Nachdem sich Denner ihm als Anführer einer Räuberbande offenbart, möchte er endgültig mit ihm brechen, jedoch droht dieser Andres’ Frau und Kinder zu ermorden, weshalb er sich überreden lässt, am Überfall einer nahegelegenen Pachterwohnung teilzunehmen. Als Denner während des Raubzugs verletzt wird und beinahe von den Männern des Grafen von Vach erwischt wird, ist es Andres, der ihn aus Dankbarkeit für die Rettung seines Sohnes durch Denner, außer Gefahr bringt. Die Verbindung mit Denner bringt für den Revierjäger schlimme Folgen mit sich: Als vermeintlicher Mörder seines Herrn, dem Grafen von Vach, wird er inhaftiert, gefoltert und schließlich zum Tode durch den Strang verurteilt. Auch nach seiner Rehabilitierung wirft Denners Existenz weite Schatten auf Andres Leben, so muss er den Verlust seiner Frau Giorgina hinnehmen, die die schrecklichen Vorkommnisse derart mitgenommen haben, dass sie kurze Zeit nach Andres Freilassung stirbt. Andres glaubt bis zum Schluss daran, dass auch ein Schurke wie Denner sich ändern an, scheint es doch so, dass dieser, nachdem seine Herkunft als Sohn des Hexenmeisters Trabacchio offenbart wurde, geläutert ist und seine Verfehlungen bitter bereut. Erst als er versucht auch Andres zweiten Sohn zu ermorden, tötet ihn dieser. Um vollends von den Heimsuchungen Denners und Trabacchios erlöst zu sein, wirft er das vom Räuberhauptmann hinterlassene Kästchen mit Schmuck in eine tiefe Bergschlucht.