mini|Wüste am Salar de Uyuni mit Lamas

Bolivien ( [] , benannt nach Simón Bolívar, auf Quechua Puliwya, auf Aymara Wuliwya und Guaraní Mborívia, offiziell: Plurinationaler Staat Bolivien) ist ein Binnenstaat in Südamerika, der im Westen an Peru und Chile, im Süden an Argentinien und Paraguay, im Osten und Norden an Brasilien grenzt. Im Land gibt es drei klimatische Zonen: das Gebirge der Anden im Westen, die tropischen Tiefebenen im Osten und dazwischen eine Zone von Tälern mit gemäßigtem und subtropischem Klima. Das Land zeichnet sich besonders durch seine kulturelle und ethnische Vielfalt aus, die im Namen Plurinationaler Staat zum Ausdruck kommt. Die Verfassung erkennt offiziell 36 verschiedene Ethnien und deren eigene Sprachen an. Trotz hoher wirtschaftlicher Wachstumsraten von durchschnittlich 6,2 % zwischen 2012 und 2022 gilt Bolivien noch immer als eines der ärmsten Länder Lateinamerikas.

Landesname Das Land ist nach dem südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar benannt.

Während der Kolonialzeit, als das Land Teil des Vizekönigreichs Río de la Plata war, wurde das Gebiet Alto Perú (Oberperu) genannt. In der Unabhängigkeitserklärung von 6. August 1825 ist noch die Rede von den „departamentos del Alto Perú“. Wenige Tage später verabschiedete die Generalversammlung der Abgeordneten der Provinzen von Oberperu ein Dekret, in dem Bolívar als Befreier der Provinzen mit mehreren Ehren bedacht wurde, unter anderem dem neuen Staatsnamen República de Bolívar (Republik des Bolívar). Auf Vorschlag des Abgeordneten Manuel Martín Cruz wurde dieser Name noch im selben Jahr auf Bolivia abgeändert. Seit Inkrafttreten der neuen Verfassung 2009 trägt der Staat den Namen Estado Plurinacional de Bolivia, um die multi-ethnische Zusammensetzung und Geschichte des Landes zu betonen. Im amtlichen Sprachgebrauch Deutschlands und Österreichs wird das Land Bolivien genannt, in jenem der Schweiz Plurinationaler Staat Bolivien.

Geographie

Landschaften Bolivien wird im Westen von zwei großen und weit auseinander liegenden Ketten der Anden durchzogen, deren Höhe bis über 6500 m reicht (Sajama 6542 m, Illimani 6439 m). Dazwischen liegt das zentrale Hochland, der 3000 bis 4000 m hohe Altiplano. Dieses bis weit in das Nachbarland Peru reichende und im Süden den Nordwesten von Argentinien einschließende Gebiet ist das eigentliche Kernland, in dem rund 60 Prozent aller Bolivianer leben, obwohl es nur etwa ein Drittel der Fläche Boliviens ausmacht. Inmitten des Altiplano liegen der Salar de Uyuni, der mit einer Fläche von 12.000 km² der weltweit größte Salzsee ist, sowie der Titicacasee, der höchstgelegene kommerziell schiffbare See der Erde, durch dessen Mitte die Grenze zum Nachbarland Peru verläuft.

Östlich schließt sich das sogenannte ostbolivianische Bergland an, das sich geologisch deutlich vom Hochgebirge unterscheidet. Zwischen dem Ostabhang der Anden und dem ostbolivianischen Bergland erstrecken sich in den Tälern mit Unterbrechungen Feuchtwälder in einer Höhe zwischen etwa 1200 und 1800 m ü. NN. Hervorzuheben sind diesbezüglich die fruchtbaren Yungas auf dem Gebiet des Departamentos La Paz. Eine ähnliche Landschaft findet sich auch zum Beispiel in der Provinz Chapare im Departamento Cochabamba und im Naturschutzgebiet Tariquía ganz im Süden im Departamento Tarija, auch Yunga Tarijeña genannt.

Der flächenmäßig größte Teil Boliviens sind die Llanos, die sich vom ostbolivianischen Bergland bis an die östliche und südöstliche Grenze zu Brasilien und Paraguay erstrecken. Dieses außerhalb der Großstadt Santa Cruz nur äußerst dünn besiedelte tropisch-heiße Tiefland untergliedert sich in die trockenen Savannen des Gran Chaco im Süden und die tropischen Regenwaldgebiete Amazoniens im Norden.

Eine Besonderheit sind auch die fruchtbaren Täler in den Ostabhängen der Anden im Süden des Landes auf einer Höhe von 1500 bis 2500 m ü. NN. Im Valle Central de Tarija und bei Camargo wird intensiv Weinanbau betrieben.

Grenzen und Nachbarstaaten Bolivien hat fünf Nachbarstaaten. Diese sind im Uhrzeigersinn: im Norden und Osten Brasilien (3400 km Grenzlänge), im Süden Paraguay (750 km) sowie Argentinien (742 km), im Westen Chile (861 km) und Peru (900 km). Die Gesamtlänge der Staatsgrenzen beträgt 6653 Kilometer.

Bolivien und das benachbarte Paraguay sind die einzigen Binnenstaaten Amerikas. Bolivien hatte seinen Meereszugang bei Antofagasta nach dem Salpeterkrieg im Vertrag von Valparaíso 1884 Chile überlassen müssen. Dies wurde durch den Friedensvertrag von 1904 bestätigt. Nach Ansicht Boliviens war Chile zu Verhandlungen über einen Zugang zum Pazifischen Ozean verpflichtet und reichte deshalb am 24. April 2013 beim Internationalen Gerichtshof eine Klage ein.Application instituting proceedings: Obligation to Negotiate Access to the Pacific Ocean (Bolivia v. Chile). 24. April 2013, abgerufen am 5. Oktober 2018. Der Internationale Gerichtshof verneinte am 1. Oktober 2018 eine solche Verpflichtung.Wortlaut des Urteils (englisch).Gericht weist Boliviens Anspruch auf Zugang zum Meer zurück. In: Deutsche Welle, 1. Oktober 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.

Klima

Das Klima in Bolivien ist, bedingt durch die enormen Höhenunterschiede, sehr vielfältig. Grob unterscheiden kann man auf dem Altiplano rund um den Titicacasee (etwa 150 km) und den Poopó-See (etwa 55 km) ein gemäßigtes Höhenklima mit relativ geringen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen und mittelgroßen Tag- und Nachttemperaturschwankungen sowie einer mittleren Luftfeuchtigkeit; auf dem übrigen Altiplano ein im Gesamtdurchschnitt kühl-gemäßigtes Höhenklima mit mittleren jahreszeitlichen Temperaturschwankungen und starken Tag- und Nachttemperaturschwankungen sowie allgemein einer sehr geringen mittleren Luftfeuchtigkeit; am Ostabfall der Anden ein warm gemäßigtes bis subtropisches Klima mit einer geringen jahreszeitlichen Temperaturamplitude und einer mittleren Tag-Nacht-Temperaturamplitude bei einer größtenteils hohen Luftfeuchtigkeit; im Tiefland im Gran Chaco ein Savannenklima mit relativ großen jahreszeitlichen und großen Tag- und Nacht-Temperaturunterschieden sowie im Durchschnitt einer geringen Luftfeuchtigkeit; im Regenwald ein größtenteils tropisches Klima.

Städte mini|Plaza Pedro D. Murillo in La Paz Die offizielle Hauptstadt Boliviens ist Sucre, der Sitz der Regierung befindet sich jedoch in La Paz, dessen Stadtgebiet auf Höhen zwischen 3200 m und 4100 m liegt. Damit gilt La Paz als der höchstgelegene Regierungssitz der Erde. Weitere auf 4.000 m und höher gelegene Großstädte sind El Alto, bis 1985 ein Stadtteil von La Paz, sowie Potosí. Die mit Abstand größte Stadt Boliviens ist hingegen Santa Cruz de la Sierra, die Hauptstadt des gleichnamigen Departamentos, die als der wirtschaftliche Motor des Landes gilt.

Im Jahr 2023 lebten 71 Prozent der Einwohner Boliviens in Städten. Die größten Städte Boliviens, geordnet nach der Zahl ihrer Einwohner im Jahr 2012 (Volkszählung) und 2005 (Zählung), sind:

Stadt Departamento VZ 2012 VZ 2001 Santa Cruz de la Sierra 1.441.406 1.113.582 El Alto 842.378 647.350 La Paz 757.184 789.585 Cochabamba 630.587 516.683 Oruro 264.683 201.230 Sucre 237.480 193.876 Tarija 179.528 135.783 Potosí 174.973 132.966 Sacaba 149.563 92.581

Bevölkerung Demografie

Bolivien hatte 2024 11,3 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,2 %. Zum Bevölkerungswachstum (2022) trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 21,6 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 9,1 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 2,6, die der Region Lateinamerika und der Karibik betrug 1,8. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 23,9 Jahren. Im Jahr 2023 waren 30,5 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 4,9 Prozent der Bevölkerung betrug.

Ungefähr 800.000 Bolivianer sind wegen der weit verbreiteten Armut im Land ausgewandert. Die meisten Migranten aus Bolivien leben in Argentinien, Brasilien, Chile und Spanien. In Bolivien selbst sind nur 1,3 % der Bevölkerung Ausländer.

Bevölkerungsstruktur mini|Witwe aus den Minen von Potosí, (Fotografie von Manuel Rivera-Ortiz, 2004) Die Verfassung erkennt offiziell 36 verschiedene Ethnien und deren eigene Sprachen an. Etwas über 50 % der Bevölkerung gehören indigenen Völkern (spanisch indígenas) der südamerikanischen Indianer an,. In: The World Factbook (englisch). meist Quechua (30,7 %) und Aymara (25,2 %); gut 30 % der Bevölkerung sind Mestizen. Die übrigen Bewohner des Landes sind „Weiße“, meist Nachkommen der verschiedenen Einwanderungswellen aus Europa bis nach dem Zweiten Weltkrieg, Nachkommen afrikanischer Sklaven, vornehmlich aus Angola, und Einwanderer aus Japan und China.

Waren zu Zeiten der spanischen Eroberung allein im Departamento Santa Cruz 80 indigene Gruppen zu finden, so existieren heute durch die Folgen der Conquista im ganzen Land nur etwa 40 ethnische Gruppen, die 35 Sprachfamilien angehören. Die größten ethnischen Gruppen finden sich auf der Hochebene, wo die Quechua und Aymara mit 3,2 bzw. 2,5 Millionen einen sehr großen Teil der Bevölkerung ausmachen. Etwa fünf bis acht lokale Gemeinschaften leben in den Regenwäldern und im Gran Chaco als isolierte Völker.

Im Gegensatz zu den kleinen und kleinsten indigenen Gruppen, von denen drei in absehbarer Zeit vermutlich aussterben werden, konnten die großen und mittelgroßen Bevölkerungsgruppen wie Chiquitanos (180.000), Guaraní (130.000), Moxeños (80.000) und Afrobolivianer (20.000) sogar Bevölkerungszuwächse verzeichnen. Gleichzeitig erleben die genannten Gruppen einen Prozess der Rückbesinnung auf ihre Wurzeln und ein Erstarken ihrer kulturellen Identität. In weiten Teilen des Landes bemühen sich Eltern, ihre indigene Sprache nicht an ihre Kinder weiterzugeben, um ihnen dadurch wirkliche oder vermeintliche Nachteile bei der schulischen Bildung zu ersparen. Allerdings gibt es inzwischen Bestrebungen, die Landkinder in ihrer indigenen Muttersprache zu alphabetisieren und diese Sprachen auch für gewisse Studien (beispielsweise Lehramt, Medizin) als Pflicht- oder wenigstens Freifach vorzuschreiben. Ein zumindest symbolischer Meilenstein für die Bemühungen um den Erhalt der indigenen Kulturen war die Verfassungsänderung von 1994, mit der Bolivien nun auch offiziell als multikulturelle, pluriethnische Gesellschaft anerkannt wurde. In der neuen Verfassung von 2009 werden umfangreiche Rechte für die naciones y pueblos indígena originario campesinos festgeschrieben.

Der Willakatuti ist ein staatlicher Feiertag am 21. Juni.

Religionen Laut dem Zensus 2001 bezeichnen sich 78 % der Bevölkerung als Katholiken, 19 % gaben an, einer protestantischen oder evangelikalen Richtung anzuhängen. In den urbanen Gebieten ist der katholische Anteil etwas höher als im ländlichen Raum. Bis zum Inkrafttreten der neuen Verfassung (2009) war der Katholizismus Staatsreligion. Nur 2,5 % gaben 2001 an, überhaupt nicht religiös zu sein. Weitere Religionen haben insgesamt nur einen sehr geringen Anteil, darunter auch die wenigen noch existenten ethnischen Religionen der Indigenen. Allerdings gibt es regional sehr stark präsente Gemeinden der Zeugen Jehovas, des Islam, des Bahaitums und anderer. Weit verbreitet ist auch der Synkretismus, der den christlichen Glauben mit Elementen der traditionellen Weltanschauung der indigenen Bevölkerung mischt. Während der Präsidentschaft von Evo Morales (2006 bis 2019) wurde der Synkretismus deutlich aufgewertet und erreichte mehr Bevölkerungsschichten als zuvor.

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