Astrid Klein (* 20. Mai 1951 in Köln) ist eine deutsche Künstlerin, die in verschiedenen Medien wie Zeichnung, Fotografie, Text, Malerei, Installation und Skulptur arbeitet.
Leben Von 1973 bis 1977 studierte Astrid Klein an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln. 1986 war sie als Gastprofessorin an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg tätig, und von 1993 bis 2017 hatte Klein eine Professur für Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig inne.
Klein erhielt eine Vielzahl von Preisen und Auszeichnungen für ihr Werk, darunter das Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks im Jahr 1980, das Arbeitsstipendium des Kunstfonds e. V. Bonn im Jahr 1982, den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 1984 sowie den Förderpreis der Stadt Köln im Jahr 1986. Ferner erhielt die Künstlerin im Jahr 1987 das Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium und im Jahr 1991 den B.D.I.-Preis für gestaltete Räume (ars viva) sowie das Stage Set für Botho Strauß’ „Kalldewey Farce“ im Schauspielhaus Dortmund. Im Jahr 1992 wurde die Künstlerin mit einem Stipendium für zeitgenössische deutsche Fotografie von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ausgezeichnet. Im Jahr 1997 folgte der Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste in Berlin und im Jahr 2000 der Helmut-Kraft-Preis. Zu den zahlreichen Preisen zählt zudem der Kunstpreis des Bundesverbandes der deutschen Kunstverleger aus dem Jahr 2001.Käthe-Kollwitz-Preis, Preisträger.
Astrid Klein ist mit Don Nikos Marchese Araldi di Piadena verheiratet.
Werk Astrid Klein ist in den 1970er Jahren durch ihre großformatigen, schwarzweißen Fotoarbeiten und ihre raumgreifenden Installationen bekannt geworden, die in einem vielschichtigen Verfahren aus vorgefundenem Bild- und Textmaterial sowie gezeichneten und gemalten Elementen entstehen. Ihr Werk, das sich durch seine kühle Ästhetik, intellektuelle Schärfe und emotionale Intensität auszeichnet, umfasst aber auch die Malerei der schwarzen und weißen Bilder, Collagen, Neonskulpturen, Spiegelarbeiten, Transparenzen und die frühen Schriftbilder aus mehr als vier Jahrzehnten.
Ihre intensive Auseinandersetzung mit der Beziehung von Bild und Schrift führt Klein seit Ende der 1980er Jahre in ihren Neonarbeiten fort. Diese sind komplexe Strukturen aus Neonröhren, die mit Texten aus Literatur und Philosophie beschriftet sind. Während ihre Linienführung an Zeichnungen erinnert, übertragen sie auch das Prinzip der Collage in den Raum. Die Frage nach der Wirklichkeit wird von der Künstlerin mit diesen Arbeiten beleuchtet, um die Diskrepanz von Schein und Wirklichkeit aufzuzeigen.
Auf der Grundlage der Psychoanalyse, des Feminismus und der Sprachwissenschaft hat Klein ihren dekonstruktiven Ansatz ebenfalls auf andere Medien angewandt. Die Weißen Bilder oder White Paintings (1988–1993), die in Weiß auf Weiß aufgeführt sind, machen das Unsichtbare sichtbar.
Unabhängig vom Medium steht immer der Betrachter im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Zwischen ihm und dem Bild einen Denkraum zu schaffen ist das zentrale Anliegen der Künstlerin.
Es geht in Kleins Werken nicht nur darum, Machtstrukturen und Repräsentationsmechanismen zu unterlaufen oder sichtbar zu machen, sondern auch darum, sie zu demontieren und das konventionelle Bild zu destabilisieren. Ihre Werke sind wirkungsvoll und lösen beim Betrachter oft ein überraschendes Moment der Reflexion sowie ein mögliches Hinterfragen der eigenen sozialen Konstrukte und der Art und Weise des Seins in der Welt aus.
Ästhetik und Eleganz paaren sich mit einem Gespür für kritische Fragen unserer Zeit: über die Rolle der Frau, Erfolg und Scheitern, Erinnern und Vergessen, Zeit und Vergänglichkeit. Dabei verarbeitet die Künstlerin ihre unterschiedlichen Interessen für Literatur, Film, Philosophie, Wahrnehmungstheorie und Neurowissenschaften, um dem Betrachter einen ästhetisch-intellektuellen Erfahrungsraum zu eröffnen.
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen (Auswahl) 1980: Astrid Klein, Künstlerhaus Hamburg 1983: Astrid Klein, Produzentengalerie Hamburg 1983: Suggestive Bilder 1975–83, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin 1984: Utopien denunzieren, Württembergischer Kunstverein Stuttgart 1985: Astrid Klein. Fotoarbeiten, Kunsthalle Bielefeld 1987: Astrid Klein, The Ydessa Gallery, Toronto 1988: Museum of Modern Art, San Francisco 1989: Astrid Klein, Kestnergesellschaft, Hannover 1989: Astrid Klein, ICA, London 1989: Astrid Klein, Wiener Secession, Wien 1989: Astrid Klein, Forum Stadtpark, Graz 1991: Astrid Klein. Neue Fotoarbeiten, Galerie Rudolf Zwirner, Köln 1993: Astrid Klein, Träger, UBC Fine Arts, Vancouver 1994: Saarlandmuseum, Saarbrücken 1995: Kunsthalle St. Gallen 1995: Fotomuseum Winterthur 2001: Auswege II, Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg 2002: L’air de Berlin 2000. Rauminstallation, Hamburger Bahnhof, Berlin 2007/2008: Centralnervous and recollection. Neonskulpturen von Astrid Klein, Galerie Haas AG, Zürich 2008: Les Tâches Dominicales, Sprüth Magers, London 2010: Broken Heart. Arbeiten von 1980 bis 1995, Sprüth Magers, Berlin 2012: Galerie Heinrich Erhard, Madrid 2015: Astrid Klein. Collagen, Spiegel und weiße Bilder, Galerie Haas Zürich 2017: Astrid Klein. Renaissance Society, Chicago 2018: Astrid Klein. Transcendental Homeless Centralnervous, Deichtorhallen, Hamburg 2020: Astrid Klein. Dass vollkommene Liebe die Angst austreibe. Pinakothek der Moderne, München 2021: Sehnsucht, Odyssey, Köln 2022: Silence of Another Sound, Galerie Haas Zürich
Gruppenausstellungen Die Künstlerin nahm an der 14. Sharjah Biennial (2019), der documenta 8 (1987) sowie an der 42. Biennale von Venedig (1986) und an „Von hier aus“ – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf teil. 1977: Forum Junger Kunst, Museum Bochum und Städtische Galerie Wolfsburg 1981: Gegenbilder, Badischer Kunstverein, Karlsruhe 1982: Halle 6, Kampnagel -Fabrik, Hamburg 1982: Mit Fotografie, Museum Ludwig, Köln 1984: Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf, Messe Düsseldorf Halle 13, Düsseldorf 1985: Kunst mit Eigen-Sinn, Museum des 20. Jahrhunderts, Wien 1985: Rheingold, Palazzo della Promotrice delle Belle Arti, Turin 1985: Kunst in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1985, Nationalgalerie, Berlin 1985: Extending the Perimeters of 20th Century Photography, San Francisco Museum of Modern Art 1986: Reste des Authentischen, Museum Folkwang, Essen 1986: A distanced view, New Museum of Contemporary Art, New York 1986: Ein anderes Klima. Künstlerinnen gebrauchen neue Medien, Kunsthalle Düsseldorf 1987: Blow Up, Stuttgart / Berlin / Hamburg / Hannover / Frankfurt am Main 1987: Documenta 8, Kassel 1988: Exchange Germany – Ireland, Dublin / Belfast / Limerick / Cork 1989: Das Foto als autonomes Bild, Kunsthalle Bielefeld 1990: Gegenwart – Ewigkeit, Martin-Gropius-Bau, Berlin 1991: Umwandlungen, MMCA – National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul 1992: Photography in contemporary German art 1960 to the present, Walker Art Center, Minneapolis 1995: Astrid Klein und Claudio Moser, Kunsthalle St. Gallen 2003: Keep on Looking – Fragen zur Kunst, Kunsthaus Dresden 2005: Lichtkunst aus Kunstlicht / Light Art from Artificial Light, ZKM – Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe 2013/2014: In Order to Join, Museum Abteiberg / Goethe-Institut, Mönchengladbach / Mumbai 2016/2017: Das rebellische Bild, Museum Folkwang, Essen 2019: Leaving the Echo Chamber, Sharjah Biennale 14, Sharjah 2020: ON EQUAL TERMS II, PRISKA PASQUER, Köln 2020: Blumensprengung, Ludwig Forum für internationale Kunst, Aachen 2020: SUBJEKT und OBJEKT. Foto Rhein Ruhr, Kunsthalle Düsseldorf 2020: White Dimensions: Revisited, Akademie der Künste, Berlin 2021: Pictures and Promises, Vancouver Art Gallery 2021: Das Erscheinen eines jeden in der Menge, Schloss Bellevue, Berlin 2021: Von Becher bis Blume, SK Stiftung Kultur / Die Photographische Sammlung, Cologne Unsettled Objects, Sharjah Art Foundation, Arts Area, Sharjah 2021: NOTHINGTOSEENESS, Akademie der Künste Berlin 2021: architektura, Fuhrwerkswaage Kunstraum e. V., Köln 2021: Adam, Eva und die Schlange, Bundeskunsthalle / Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn 2021: Jetzt oder nie – 50 Jahre Sammlung LBBW, Kunstmuseum Stuttgart 2022: Deutscher Kaviar. Die fotografische Sammlung, Kunstmuseum Bonn 2022: Decolonizations, Galeria Studio, Warschau
Literatur (Auswahl) Astrid Klein, Ausstellungskatalog der Ezra and Cecile Zilkha Gallery, Center tor the Arts, Wesleyan University, Middletown, Connecticut, Text von Klaus Ottmann, Middletown, Connecticut (USA) (Katalog), 1991. Astrid Klein, herausgegeben von E.-G. Güse und E. W. Uthemann, Cantz-Verlag, Ostfildern (Katalog), 1994. Astrid Klein, mit Texten von Christine Hopfengart, Detlef B. Linke, E.W. Uthemann, Saarland Museum, Saarbrücken; Kunsthalle, Nürnberg (Katalog), 1994. Astrid Klein – Käthe-Kollwitz-Preis 1997, Texte von C. Hopfengart und D. Zwirner, Akademie der Künste, Berlin (Katalog), 1997. Dorothea Zwirner: Astrid Klein – Schriftbilder 1977–2007. Anlässlich der Ausstellung Astrid Klein, Neonskulpturen in der Galerie Haas AG, Zürich, Texte von D. Zwirner, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln (Katalog), 2008, ISBN 978-3-86560-377-7.
Weblinks
ifa-Datenbank Astrid Klein bei artnet.de Astrid Klein bei art-magazin.de komplette Ausstellungsübersicht
Einzelnachweise
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