In der Henauer Urkunde vom 6. August 754 wurden die Ostschweizer Ortschaften Henau (, Ortsteil der Gemeinde Uzwil), Wil SG (oder Wilen TG), Rickenbach TG und Züberwangen erstmals erwähnt.
In der besagten Urkunde vermachte ein Rotphald seine Besitztümer dem Kloster St. Gallen. Er wollte dadurch sicherstellen, dass seine Seele in den Himmel kommt.
Geschichte Die Urkunde lag vor der Reformation im Kloster St. Gallen. Anlässlich der Reformation wurde das Kloster von der Stadtbevölkerung geplündert. Alles, was noch nicht geplündert wurde, wurde in Sicherheit gebracht. Dazu gehörte auch die Henauer Urkunde. Der St. Galler Bürgermeister und Reformator Joachim Vadian kam so in den Besitz der Urkunde. Nach seinem Tod gelangte die Urkunde über diverse BesitzerDetailliert bei Obrich, 2004, S. 15–19. schliesslich 1624 nach Bremen, wo die Urkunden zur Sicherheit vor der Vernichtung im Dreissigjährigen Krieg gebracht wurden. Dort blieben diese bis nach dem Zweiten Weltkrieg.Obrich, 2004, S. 19.
Auf Gesuch der St. Galler Kantonsregierung gelangte die Henauer Urkunde 1948, zusammen mit 51 weiteren Schriftakten (v. a. Briefe von den Reformatoren Vadian und Zwingli) nach 15-monatigen Verhandlungen mit den Bremer Behörden wieder zurück.Obrich, 2004, S. 22–29.
Da die Schweiz während des Krieges Bremen viel geholfen hat, wurden die historischen Briefe unter der Bestätigung der amerikanischen Militärregierung sowie des alliierten Kontrollrats dem Kanton St. Gallen als Leihgabe für eine Dauer von 99 Jahren übergeben.
Im Jahre 2045 sollen die Schriftstücke, darunter auch die Henauer Urkunde, Eigentum des Kantons St. Gallen werden. In: ass-stgallen.ch.
Wortlaut der Henauer Urkunde aus dem Lateinischen:
1 Um die Frage ob mit "Wila" das heutige Wil SG oder Wilen TG gemeint ist, gibt es eine Kontroverse. Nach Einschätzung zweier Sprachwissenschaftler, des früheren Stiftsarchivars Paul Staerkle und dem Historiker Otto P. Clavadetscher, handelt es sich bei Wila höchstwahrscheinlich um Wil SG.Obrich, 2004, S. 8–10.
Quellen StiASG: Urk. Bremen, 7. Chartularium Sangallense. Band I (700-840). Bearbeitet von Peter Erhart unter Mitwirkung von Karl Heidecker und Bernhard Zeller, Herausgeber- und Verlagsgemeinschaft Chartularium Sangallense (Historischer Verein des Kantons St. Gallen, Staatsarchiv, Stadtarchiv, Stiftsarchiv St. Gallen), St. Gallen 2013, Nr. 21, S. 21f. Thurgauisches Urkundenbuch. Erster Band 724-1000. Bearbeitet von Friedrich Schaltegger. Kommissionsverlag von Huber & Co., Frauenfeld 1924, Nr. 2, S. 3f.
Literatur Willi Obrich: Ersterwähnung Wils im Kanton St. Gallen im Jahre 754 n. Chr. Die Odyssée einer Urkunde. Wil 2004.
Weblinks Henauer Urkunde. e-chartae.ch; abgerufen am 25. Juni 2020.
Einzelnachweise
Kategorie:Historisches Dokument (Mittelalter) Kategorie:Geschichte (Kanton St. Gallen) Kategorie:Uzwil Kategorie:Wil SG Kategorie:754 Kategorie:Schweizerische Geschichte (Mittelalter)