Die irische Rugby-Union-Nationalmannschaft (; ) ist die offizielle irische Nationalmannschaft in der Sportart Rugby Union und vertritt sowohl die Republik Irland als auch Nordirland bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die organisatorische Verantwortung trägt die Irish Rugby Football Union (IRFU). Das Team nimmt an den jährlichen Six Nations teil, zusammen mit England, Frankreich, Italien, Schottland und Wales. Irland ist auch eines der Länder, deren Spieler für die British and Irish Lions spielberechtigt sind, eine Auswahlmannschaft der vier britischen Home Nations.

Seine wichtigsten internationalen Auftritte hat das Team bei den alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften. Seit deren Einführung im Jahr 1987 nahm Irland an allen Turnieren teil und erreichte acht Mal das Viertelfinale. Das erste Test Match fand 1875 statt. Seit dem Beginn des ersten Vorgängerturniers von Six Nations, der Home Nations Championship, im Jahr 1883 gewann Irland das Turnier insgesamt 16 Mal und teilte sich acht weitere Male den Titel. Traditionell spielt Irland in grünen Trikots mit weißen Hosen und grünen Socken. Das Heimstadion ist das Aviva Stadium in Dublin. Der Weltverband World Rugby betrachtet Irland als eine Rugbynation der ersten Stärkeklasse (). 2018 zeichnete World Rugby sie als „Mannschaft des Jahres“ aus. Zwölf ehemalige irische Rugbyspieler wurden in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.

Die irische Nationalmannschaft repräsentiert die gesamte Insel Irland. Ihr gehören Spieler sowohl aus der Republik Irland als auch aus dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland an. Aus diesem Grund verwendet sie ihre eigene Flagge (jene der IRFU) und Hymne (Ireland’s Call). Alternativ betritt die Mannschaft das Spielfeld sowohl mit der Flagge Irlands als auch mit der Flagge der Provinz Ulster. Das Team wird, neben der ähnlich aufgestellten Hockeynationalmannschaft der Herren und der Damen sowie der irischen Cricket-Nationalmannschaft, als wichtiges Symbol für Frieden und Zusammenarbeit auf der politisch geteilten Insel betrachtet.

Organisation

mini|Die vier Provinzverbände der Irish Rugby Football Union

Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Irland ist die Irish Rugby Football Union (IRFU), die 1879 durch den Zusammenschluss zweier Verbände entstand. 1886 gründete die IRFU zusammen mit der Scottish Rugby Union (SRU) und der Welsh Rugby Union (WRU) das International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Außerdem trat die IRFU 1999 dem europäischen Kontinentalverband FIRA-AER (heute Rugby Europe, RE) bei. Die IRFU besteht aus den vier Provinzverbänden Connacht Rugby, Leinster Rugby, Munster Rugby und Ulster Rugby, die mit jeweils eigenen Mannschaften an der internationalen Liga United Rugby Championship teilnehmen, an der auch Teams aus Italien, Schottland, Südafrika und Wales beteiligt sind. Darunter angesiedelt ist die All-Ireland League mit 50 Vereinen aus ganz Irland. Der United Rugby Championship übergeordnet sind die zusammen mit Mannschaften aus England, Frankreich, Italien, Schottland und Wales ausgetragenen internationalen Pokalwettbewerbe European Rugby Champions Cup und EPCR Challenge Cup.

Neben der Nationalmannschaft ruft die IRFU weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Irland über eine U-20-Nationalmannschaft, die an den entsprechenden Six Nations und Weltmeisterschaften teilnimmt. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung. Die zweite Nationalmannschaft Irlands bilden die Ireland Wolfhounds, gefolgt von Emerging Ireland („Aufstrebendes Irland“). Für Schüler gibt es die Nationalmannschaft der Schoolboys, die alle Vorstufen zur Nationalmannschaft bilden.

Als größte Ehre für irische Spieler gilt es, alle paar Jahre mit den British and Irish Lions auf Tour in die Südhemisphäre zu gehen, um gegen die All Blacks aus Neuseeland, die Springboks aus Südafrika oder die Wallabies aus Australien anzutreten.

Geschichte Einführung von Rugby in Irland Irland besitzt eine jahrhundertelange Tradition von Ballspielen, die gewisse Ähnlichkeiten mit modernen Sportarten wie Rugby, Fußball und Gaelic Football hatten. Die Regeln waren uneinheitlich und unterschieden sich je nach Landesgegend zum Teil erheblich. Einzige Gemeinsamkeit war das Prinzip, einen üblicherweise runden, aus Tierhäuten und -blasen gefertigten Ball von einem Ende des Feldes zum anderen zu bewegen. Berichte über solche Spiele in den Grafschaften Meath, Louth und Dublin reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Verschiedene Zeitungen aus Dublin berichteten in den Jahren 1758 bis 1766 von Spielen in umliegenden Orten. Eine Variante, die besonders in der Grafschaft Kerry größere Verbreitung fand, war Caid, das auf einer abgegrenzten Fläche und mit einer festen Anzahl Spielern ausgetragen wurde. Caid wies ebenfalls gewisse Ähnlichkeiten mit dem späteren Rugby auf und bildete die Grundlage insbesondere für Gaelic Football.

Ehemalige Schüler der Rugby School und anderer Public Schools gründeten 1854 am Dubliner Trinity College den Dublin University Football Club (DUFC), um das Spiel, das sie während ihrer Schulzeit in England kennengelernt hatten, auch in Irland ausüben zu können. Das genaue Gründungsdatum ist unbekannt, jedoch war in einer Anzeige im Daily Express vom 1. Dezember 1855 zu lesen, dass der Verein seit über einem Jahr existierte. Der DUFC gilt somit als der älteste bis heute ununterbrochen bestehende Rugbyverein der Welt. Keinem Dubliner Verein war es erlaubt, gegen die erste Mannschaft des DUFC anzutreten, solange er nicht die zweite Mannschaft geschlagen hatte. Regelmäßig fanden Begegnungen mit anderen Hochschulmannschaften statt; dazu gehören insbesondere die Royal Schools in Armagh, Dungannon und Enniskillen.

Charles Burton Barrington vom DUFC publizierte im Januar 1868 ein Regelwerk. Es wich zwar ein wenig von den in England üblichen Regeln ab, erleichterte aber die Verbreitung des Rugbysports über die gesamte Insel und führte zur Gründung zahlreicher Vereine. Der im Dezember 1874 gegründete Verband Irish Football Union war für Leinster, Munster und Teile von Ulster zuständig; einen Monat später folgte die Gründung der Northern Football Union of Ireland, die in Belfast tätig war. 1879 schlossen sich beide Verbände zur Irish Rugby Football Union (IRFU) zusammen. 1884 gründete Michael Cusack als Reaktion auf die als bedrohlich empfundene Verbreitung von aus England stammenden Sportarten die Gaelic Athletic Association (GAA), um auch im Sport eine Identifikation mit der irischen Kultur zu ermöglichen. Über ein Jahrhundert lang verbot Regel 42 der GAA-Satzung die Ausübung „fremder Spiele“ () auf Anlagen des Verbandes, wobei mit „fremd“ ausdrücklich Rugby, Fußball, Hockey und Cricket gemeint waren. Bis 1971 war es GAA-Mitgliedern gemäß Regel 27 sogar verboten, diese Sportarten auszuüben oder auch nur Spielen als Zuschauer beizuwohnen.

Die ersten Jahre der Nationalmannschaft mini|Die erste irische Rugbymannschaft am 15. Februar 1875 im Londoner Oval

Beide Rugby-Verbände stellten Anfang 1875 eine gemeinsame irische Auswahl zusammen, um gegen die Auswahl Englands anzutreten. Das erste Test Match fand am 15. Februar im Londoner Oval statt und ging mit null zu zwei Toren verloren. Wie damals üblich zählten beide Mannschaften je 20 Spieler; erst seit 1877 üblich ist die heutige Anzahl von 15 Spielern. Das erste Heimspiel fand am 13. Dezember 1875 ebenfalls gegen England statt, und zwar auf dem Gelände des Leinster Cricket Club im Dubliner Vorort Rathmines. Lansdowne Road, die Heimspielstätte des Lansdowne Football Club und später der IRFU, war für nicht geeignet befunden worden. Sie war erstmals am 11. März 1878 Austragungsort, als Irland wiederum gegen England antrat. Ein Jahr zuvor, am 19. Februar 1877, hatten die Iren in Belfast erstmals gegen Schottland gespielt.

Seinen ersten Sieg in einem Test Match (nach zehn Niederlagen in Folge) errang Irland am 19. Februar 1881 in Belfast gegen Schottland. Das erste Spiel gegen Wales folgte am 28. Januar 1882 und endete mit einer Niederlage. Im selben Jahr beschlossen die Verbände von England, Irland, Schottland und Wales, die bisher unregelmäßig ausgetragenen Test Matches zu einem Turnier zusammenzufassen und riefen die Home Nations Championship ins Leben, den Vorläufer der heutigen Six Nations. 1884 fehlten den Iren beim Spiel gegen Wales in Cardiff zwei Spieler für eine komplette Mannschaft, worauf sich zwei walisische Ersatzleute dazu bereit erklärten, für Irland anzutreten. 1886 gründete der irische Verband zusammen mit seinen schottischen und walisischen Äquivalenten das International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Nach lauter Niederlagen in den ersten vier Turnieren feierten die Iren am 5. Februar 1887 in Dublin erstmals einen Sieg über England.

mini|Gemeinsames Gruppenfoto der irischen und südafrikanischen Mannschaft (30. November 1912) In den 1890er Jahren galt Rugby in der irischen Öffentlichkeit vor allem als Spiel der protestantischen Mittelklasse, auch wenn dieses von der IRFU gepflegte Image nicht unbedingt den Tatsachen entsprach. Beispielsweise dominierten katholische Institutionen die seit 1887 ausgetragene Schülermeisterschaft von Leinster. Die damalige Vormachtstellung der Protestanten in der Verbandsführung hatte jedoch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Nationalmannschaft. Als diese bei der Home Nations Championship 1894 erstmals das jährliche Turnier für sich entschied, gehörte ihr mit Tom Crean ein einziger Katholik an. Die geografische Verbreitung war ebenfalls begrenzt: Von den 18 eingesetzten Spielern stammten 13 von drei Dubliner Vereinen (Wanderers, DUFC und Bective Rangers), die übrigen fünf aus Ulster im Norden der Insel. Dem Beispiel der Waliser folgend, setzte Irland in diesem Turnier erstmals sieben statt wie bisher üblich sechs Hintermannschaftsspieler ein und schaffte mit Siegen über England, Schottland und Wales erstmals die Triple Crown. Weitere Turniersiege feierten die Iren in den Jahren 1896 und 1899, sodass zur Jahrhundertwende alle vier beteiligten Verbände erste Erfolge in einem Sport aufwiesen, der sich wachsender Beliebtheit bei Zuschauern erfreute. Im Oktober 1899 entsandte die IRFU eine Auswahl nach Kanada – auf Einladung eines irischstämmigen Unternehmers, der dort den Rugbysport fördern wollte. Die vier Wochen dauernde Tour umfasste elf Spiele, von denen die Iren zehn gewannen; die einzige Niederlage erlitten sie gegen eine Auswahl aus Halifax. Test-Matches gab es keine, da noch kein kanadisches Nationalteam existierte.

Das Interesse am ersten Besuch der All Blacks aus Neuseeland am 26. November 1905 war groß und erstmals war ein von der IRFU organisiertes Länderspiel ausverkauft. Die Iren verloren vor 12.000 Zuschauern mit 0:15; der erste Sieg über die All Blacks sollte erst 111 Jahre später gelingen. Bei der Home Nations Championship 1906 teilte man sich den Titel mit Wales. Fast ein Jahr nach dem Besuch der Neuseeländer waren am 24. November 1906 auch die Springboks aus Südafrika zu Gast; in Belfast endete die erste Begegnung zwischen beiden Teams mit einer knappen 12:15-Niederlage der Iren. Ihr erstes Spiel gegen Frankreich am 20. März 1909 in Dublin gewannen sie mit 19:8. Ab 1910 nahmen die Franzosen ebenfalls am jährlichen Turnier teil, weshalb es nun Five Nations hieß. Einen weiteren geteilten Turniersieg, diesmal zusammen mit England, feierten die Iren beim Five Nations 1912. Am 30. November 1912 kam es im Rahmen der Springboks-Tour 1912/13 zur ersten Begegnung mit den Südafrikanern in Dublin. Die Partie ging mit 0:38 verloren, gleichbedeutend mit der bisher höchsten Niederlage gegen die Springboks.

Zeit der Weltkriege und Teilung Irlands mini|Illustration eines Rugbyspieles zwischen Irland und Wales, 1920