Die Zwickauer Mulde ist ein Fluss im Südwesten Sachsens mit generell nordöstlicher Fließrichtung. Sie entsteht bei Schöneck/Vogtland aus zwei Quellflüssen und bildet bei Colditz zusammen mit der von Südosten heranströmenden Freiberger Mulde die vereinigte Mulde. Die Zwickauer Mulde ist mit 167 Kilometern der längere der beiden Quellflüsse, aber dennoch mit einer Wasserführung von 26,4 m³/s kleiner als die Freiberger Mulde.Der mittlere Mündungsabfluss der Zwickauer Mulde ist ermittelt aus den Werten der Pegel Wechselburg 1 (Zwickauer Mulde) sowie mittelbar Golzern 1 (Mulde) und Erlln (Freiberger Mulde). Für das Zwischeneinzugsgebiet unterhalb von Wechselburg wurde aus den Pegeldaten der Gebietsabfluss ermittelt und mit der Einzugsgebietsfläche der Zwickauer Mulde unterhalb des Pegels Wechselburg 1 multipliziert.

Geographie und Hydrologie Verlauf mini|hochkant|links|Beginn der Zwickauer Mulde unterhalb der Talsperre Muldenberg mini|hochkant|links|Zusammenfluss bei Sermuth mini|links|Ausbiss des Rußkohlenflözes am linken Ufer nahe dem Cainsdorfer Bahnhof Die Zwickauer Mulde bildet sich aus zwei Quellbächen, der Roten Mulde und der Weißen Mulde, beide auf dem Gebiet der Stadt Schöneck im Vogtland in 770 m ü. NHN. Die Rote Mulde ist der Hauptquellfluss.Internationale Kommission zum Schutz der Elbe: Die Elbe und ihr Einzugsgebiet – ein geographisch-hydrologischer und wasserwirtschaftlicher Überblick, Kapitel 4.6 – Die Mulde, o. J., erschienen nach 2002, S. 115 Beide fließen in die Talsperre Muldenberg, die auch vom Saubach gespeist wird. Vom Zusammenfluss dieser drei Bäche an fließt die Zwickauer Mulde überwiegend in nordöstliche Richtung durch waldreiches Gebiet sowie durch die Orte Muldenberg, Hammerbrücke, Jägersgrün und Rautenkranz.Im oberen Einzugsbereich besteht ein mittleres Gefälle von 8,8 ‰.Nachdem der Fluss in engem Tal ins Westerzgebirge übergetreten ist, wird er großflächig an der Talsperre Eibenstock aufgestaut.

Bei Aue nimmt die Zwickauer Mulde das Schwarzwasser auf und wendet sich nach Nordwesten. Die Mulde passiert danach Hartenstein, Fährbrücke und Wiesenburg mit dem einstigen Wasserwerk der Stadt Zwickau. Ab Silberstraße folgt die Bundesstraße 93 dem Tal der Mulde. In Wilkau-Haßlau überquert die A 72 das Tal mit einer 718 m langen und 50 m hohen Brücke.

Bevor die Mulde das Stadtzentrum ihrer Namenspatin Zwickau östlich umfließt, bildet sie im Ortsteil Cainsdorf Stromschnellen, früher Schauplatz internationaler Kajak-Slalom-Wettbewerbe, heute als Geotop geschützt, weil hier Steinkohleflöze zu Tage treten. Im Ortsteil Schedewitz quert der Fluss die Feuersteinlinie, die den Südrand der Elstervereisung anzeigt.

Nachdem die Mulde bei Zwickau das Erzgebirge verlassen hat, wird das Tal breit mit weiten Retentionsflächen in Wiesen und Feldern. Hier liegen das VW-Werk Mosel und die Stadt Glauchau, wo der Lungwitzbach mündet. Das nun wieder enger und felsig werdende Tal ist von zahlreichen Burgen besetzt und weiterhin recht dicht besiedelt mit den Orten Waldenburg, Penig, Rochsburg, Lunzenau und Rochlitz. Bei Penig überquert die A 72 die Mulde, die Brücke wurde 2011 eingeweiht. In der Nähe von Wechselburg nimmt der Fluss seinen bei weitem größten Nebenfluss, die Chemnitz auf. Nahe dem Wechselburger Ortsteil Göhren überquert die Bahnstrecke Leipzig-Chemnitz das Tal in einer Höhe von 68 Metern im zweistöckigen Göhrener Viadukt.

Auf der Gemarkung des Colditzer Ortsteils Sermuth vereinigt sich nach 167 Kilometern Lauf die Zwickauer Mulde mit der Freiberger Mulde zur Mulde. Entlang des Flusses verläuft eine Route des Muldentalradwanderweges.

Einzugsgebiet mini|links|Einzugsgebiete der Zwickauer Mulde (grün) und der Freiberger Mulde (orange) Das 2.352 km² große Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde umfasst große Teile des westlichen Erzgebirges und des Vogtlandes. Es ist lang gestreckt, so dass die Zwickauer Mulde zwar der längere Quellfluss der Mulde ist, die Freiberger Mulde aber wegen ihres breiteren Einzugsgebietes der wasserreichere.

Abflussregime und Talsperrensystem mini|links|Talsperre Muldenberg mini|Talsperre Eibenstock Die Zwickauer Mulde war mit ihren Zuflüssen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum reguliert und sorgte immer wieder für verheerende Überschwemmungen. Noch im Jahr 1954 wurden Städte und Dörfer von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde ein Talsperrensystem geschaffen, das für die Trinkwasserversorgung und den Hochwasserschutz des Westerzgebirges von großer Bedeutung ist: Nach dem Bau der Talsperre Muldenberg 1925, der Talsperre Carlsfeld im Jahr 1929, die die Wilzsch aufstaut, entstand 1952 die Talsperre Sosa, die das Wasser der Großen Bockau staut, und schließlich die große Talsperre Eibenstock (28 Kilometer unterhalb von Muldenberg) mit der Vorsperre Schönheiderhammer und dem Vorbecken Rähmerbach, die im Jahr 1982 fertiggestellt wurden. Die Schäden des Jahrhunderthochwassers von 2002 hielten sich an der Zwickauer Mulde auch deshalb noch in Grenzen. Die Eibenstocker Talsperre senkte den Scheitelabfluss bei diesem Hochwasser von 180 m³/s auf 55 m³/s.Internationale Kommission zum Schutz der Elbe: Die Elbe und ihr Einzugsgebiet – ein geographisch-hydrologischer und wasserwirtschaftlicher Überblick, Kapitel 4.6 – Die Mulde, o. J., erschienen nach 2002, S. 116 Die Talsperre Eibenstock lief dabei zum ersten Male seit ihrem Probestau während der Inbetriebnahme über, was auch beim Hochwasser 2013 erneut geschah.

Aus vergangenen Jahrhunderten ist überliefert, dass das Flussbett während extremer Dürreperioden mindestens zweimal ausgetrocknet war. Die Talsperre Eibenstock sichert nunmehr den ökologisch erforderlichen Mindestabfluss von 0,50 m³/s.

Geschichte Naturräumliche Entwicklung mini|Rochlitzer Berg Die Zwickauer Mulde durchfließt im mittleren Teil bis etwa Rochlitz das Mittelsächsische Berg- und Hügelland mit Gesteinen, die weit vor der Variszischen Gebirgsbildung entstanden (Granulitgebirge). Unterhalb von Wechselburg erhebt sich am linken Ufer der hohe Rochlitzer Berg, ein durch seinen Porphyr-Tuff bekannten Rest eines Stratovulkanes aus der Gesteinseinheit des Rotliegend. Seit dem Mesozoikum ist das Gebiet landfest.

Während der Hebung und pultschollenartigen Nordwestkippung des Erzgebirges im Zuge der Saxonischen Bruchschollentektonik entwickelte sich das heutige nach Norden gerichtete Entwässerungssystem, gelegentlich mit markanten Richtungswechseln nach Nordwesten. Die Tallinie der Zwickauer Mulde oberhalb des Nordwestknicks bei Aue setzt sich weiter nördlich im Tal der Zwönitz fort. Diese Richtungswechsel werden teilweise auf stauende Randlagen skandinavischen Inlandeises während älterer Eiszeiten zurückgeführt. Glaziale Ablagerungen aus der Elster-Kaltzeit sind nur in Resten erhalten. Über 25 m mächtige, feuersteinführende Sande und Kiese bei Wechselburg werden als saalekaltzeitliche Ablagerungen eines alten Muldelaufes aufgefasst. Aus der Weichsel-Kaltzeit, die etwa vor 10.000 Jahren endete, stammt der flächendeckend verbreitete Löss, die Ursache für die fruchtbaren Böden der Region. Danach haben sich in der Talsohle Flusskiese und -sande sowie Auelehm abgesetzt.

Kulturlandschaftliche Entwicklung Die Täler im Einzugsgebiet der Mulde wurden vermutlich schon seit dem Ende der letzten Kaltzeit als Zugänge in das von dichten Urwäldern bedeckte Erzgebirge genutzt, was Reste von Niederlassungen altsteinzeitlicher Jäger, sowie bronze- und eisenzeitliche Funde bis in das obere Erzgebirge hinein belegen.

Später zählte das Westerzgebirge zum Gebiet germanischer und slawischer Stämme. Pfade, Handelswege und Heerstraßen und verbanden die alten Siedlungsräume um Leipzig und Altenburg mit Böhmen. Die Saumpfade mieden jedoch die Flüsse zugunsten der Höhenrücken. An unvermeidlichen Flussübergängen (Furten, später mit Fähren und Brücken) und an Wegekreuzungen entwickelten sich Burgen, Dörfer und Klöster. Manche der mittelalterlichen Burgen wurden in späteren Epochen zu Schlössern ausgebaut. Zu der historischen Burgenkette gehören (in Stromrichtung von Süd nach Nord):

mini|Ruine Isenburg mini|Die Burg Stein am felsigen Ufer bei Hartenstein

Von Hartenstein bis Wechselburg gehörten alle diese Burgen – bis auf Wiesenburg, Zwickau und Wolkenburg – zu den Schönburgischen Herrschaften. In einem Seitental entstand über einem Bach, der bei Wiesenburg in die Zwickauer Mulde fließt, das Schloss Wildenfels. Vom Zusammenfluss mit der Freiberger Mulde an, die – ebenso wie die in sie mündende Zschopau – von einer vergleichbaren Burgenkette begleitet ist, setzt sich die Kette entlang der Mulde bis zur Mündung in die Elbe bei Burg Roßlau fort.

Mit Bekanntwerden der ergiebigen Silbervorkommen im späten Mittelalter begann auch die Erschließung der Quellbäche im oberen Erzgebirge und die Entstehung der Bergstädte.

Namensherkunft Albrecht Greule sieht bei den beiden sich zur Mulde vereinigenden Flüssen, Freiberger Mulde und Zwickauer Mulde, in Entsprechung der geographischen Verhältnisse ursprünglich zwei Flussnamen. Das althochdeutsche Wort „Milda/Milta“ (in der Wortbedeutung wasserreich) als wahrscheinlich für die Freiberger Mulde und das ebenfalls althochdeutsche „Mold-aha“ für die Zwickauer Mulde. „Mold-aha“ sei ein Kompositum mit dem aus dem Althochdeutschen stammenden Grundwort „aha“ in der Bedeutung Fließgewässer und dem germanischen Bestimmungswort „muldo“ für Staub, Erde. Dieses Wort gebe es im Gotischen als „mulda“, im Altwestnordischen als „mold“, im Altenglischen als „molde“ und im Althochdeutschen als „molta“.Albrecht Greule: Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der dazugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen, Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-033859-1, S. 363 (Digitalisat), s. auch Albrecht Greule: Von der Memoria zum Kognitiven Merkzettel. Namentypen und Memoria. In: Nomen et Fraternitas: Festschrift für Dieter Gruenich zum 65. Geburtstag. Berlin 2008, ISBN 978-3-11-020238-0, S. 201 Der Wortbestandteil Mel mit Bezug auf Mahlen wird zuweilen mit der Vielzahl der früher am Fluss betriebenen Mühlen in Verbindung gebracht, was außer Acht lässt, dass Flussnamen die älteste, oft vorgermanische, geographische Namensschicht darstellen.

Der unterscheidende Namenszusatz bezieht sich auf die Stadt Zwickau als größter Siedlung im Verlauf des Flusses. Die Zwickauer Mulde wurde früher als Schneebergische oder Schneeberger Mulde bezeichnet, so von Christian Lehmann im Jahr 1699 Christian Lehmann: Natur-Chronik, veröffentlicht als: Historischer Schauplatz derer natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Ertzgebirge, Leipzig 1699, als Digitalisat veröffentlicht von der Bayerischen Staatsbibliothek, abgerufen am 14. Januar 2014 und noch im Jahr 1819 in Neueste Kunde von dem Königreich Sachsen.Neueste Länder- und Völkerkunde: Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Neueste Kunde von dem Königreich Sachsen, aus guten Quellen bearbeitet. Im Verlage des G. H. S. privil. Landes-Industrie-Comptoirs. Weimar 1819, Seite 38, Digitalisat, abgerufen am 6. Januar 2015. Henry Lange berichtet 1860, der Fluss werde auch „die westliche oder voigtländische [Mulde] genannt“.Henry Lange's Atlas von Sachsen: ein geographisch-physikalisch-statistisches Gemälde des Königreichs Sachsen in zwölf Karten mit erläuterndem Text, F. A. Brockhaus, Leipzig 1860, Erläuterung zu No. 1 „Hydrographische Karte“ (Link zum Digitalisat)

Umwelt

Gewässerstruktur mini|Die Zwickauer Mulde in Zwickau