mini|Hans Wichard von Rochow-Stülpe, Porträt von Wolfgang Willrich (1943). Hans Wichard von Rochow-Stülpe Plessow (: „aus dem Hause“; * 25. Juni 1898 in Stülpe; † 2. oder 4. Mai 1945 in Summt) war Domherr zu Brandenburg und der letzte Kurator der dortigen Ritterakademie bis zu deren Schließung durch das NS-Regime im Juli 1944.

Leben Hans Wichard von Rochow-Stülpe Plessow, Rufname Hans, wurde am 25. Juni 1898 auf Schloss Stülpe bei Luckenwalde geboren.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1900. 1. Jg., Justus Perthes, Gotha 1900-01, S 747. Nach zwei Mädchen war er das dritte Kind des Rittergutsbesitzers Rochus von Rochow (1856–1901)Andreas Kitzing: Rochus von Rochow. Hrsg. Veikkos, Eichwalde 2020, S. 1 f. und seiner Ehefrau Margarete, geborene von Lücken (1867–1927).Andreas Kitzing: Margarethe von Rochow, Hrsg. Veikkos, Eichwalde 2020, S. 1 f. Er entstammte der von Rochowschen Familienlinie Plessow und war ein Enkel des Hans Wilhelm von Rochow-Plessow (1824–1891), welcher durch das Duell mit dem Berliner Polizeipräsidenten Carl Ludwig Friedrich von Hinckeldey 1856 bekannt wurde.

Die frühen Jahre Mit dem frühen Tod seines Vaters 1901 wurde Hans Wichard dreijährig Eigentümer des Allodialrittergutes Stülpe mit Vorwerk Holbeck, Ließen, Schmielickendorf und der Riesdorfer Heide (4590,00 ha).Landwirtschaftliches Güter-Adressbuch der Provinz Brandenburg. . In: Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adressbücher. Band VII. Paul Niekammer, Stettin 1907, S. 22 f. Der seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges in Familienhand befindliche Stülper Gutskomplex wurde für den Erben durch einen Oberförster als Forst- und Gutsverwalter betreut.Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg (Hrsg.): Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche 1910, Nicolaische Verlags-Buchhandlung, Berlin 1910, 278 f. Die Witwe Margarete von Rochow lebte mit den Kindern zunächst kurz in Berlin.Chr. J.: Daheim. Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen. (Zeitschrift). 1899. №. 28, Beilage, XXXV. Jahrgang, Fischer & Wittig, Leipzig-Daheim Expedition-Verlag Velhagen & Klasing, 8. April 1899, S. 24. Rochow wuchs dann ab dem fünften Lebensjahr in Schwerin auf und ging nach dem obligaten Privatunterricht als Schüler an das dortige bürgerliche Gymnasium. NachfolgendRitterakademie zu Brandenburg (Havel). LIX. Bericht über das Schuljahr von Ostern 1914 bis Ostern 1915. D. Schülerverzeichnis, (Schuljahr 1914/15), Untersekunda. 17, 1915. Progr. Nr. 89., Verlag Ad. Alterthum, Brandenburg (Havel), 1915-03-15, S. 17. war er von Ostern 1913 bis 1. Januar 1916 Zögling (zuletzt Primus Omnium [„Erster Senior“]) an der Ritterakademie in Dom Brandenburg. Diese Schuleinrichtung besuchten fast sämtliche Vorfahren der Familienlinie Plessow sowie viele Vettern derer von Rochow. Im Jahre 1914 erbte Hans Wichard von Rochow-Stülpe von seinem Onkel, dem Ritterschaftsrat Dr. Friedrich Ludwig VII. von Rochow, genannt Fritz von Rochow-Plessow (1858–1914), den Familienfideikommiss Rittergut Plessow mit Gutshaus Plessow, Vorwerk Burg Zolchow, sowie den Forstgütern in Ferch, Kammerode und Resau (2765 ha). Der Gutskomplex Plessow gehörte schon Mitte des 14. Jahrhunderts der märkischen Uradelsfamilie von Rochow.

Im Juni 1916 wurde Hans Wichard Fahnenjunker im 1. Garde-Ulanen-Regiment in Potsdam,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser 1917, 18. Jg., Justus Perthes, Gotha 1916, S. 755; . im März 1917 kam er als FähnrichH. Ch. v. Wietersheim-Kramsta: Einer von Vielen, J. G. Bläschke Verlag, St. Michael 1982, S. 19. ISBN 3-7053-1775-X. zur Fronttruppe des Regiments, im Februar 1918 wurde er königlich preußischer Leutnant.Bund Deutscher Offiziere (Hrsg.): Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres auf Grund der Ranglisten von 1914 mit den inzwischen eingetretenen Veränderungen, E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1926; S. 396. Sein Regiment gehörte zur sogenannten Ostseedivision und stand in Finnland. Im Februar 1919 wurde Rochow als Leutnant außer Dienst gestellt;A. v. Loebenstein: Aus dem Kriegstagebuch des 1. Garde-Ulanen-Regiments. A. W. Hayn’s Erben, Potsdam 1919, S. 60. anschließend pflegte er weiterhin den Kontakt zum Offizierskorps.Wolfgang Gans Edler Herr zu Putlitz: Unterwegs nach Deutschland. 18. Auflage. Verlag der Nation, Berlin 1976, S. 28 f.; Google Books. Daraufhin nahm Hans Wichard mit der Mutter auf seinem Schloss in Plessow bei Werder an der Havel den Wohnsitz.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1922. Jahrgang 23. Justus Perthes, Gotha 1921, S. 697. 1920 besuchte er in Vorbereitung seiner Aufgaben als Forstwirt kurzzeitig die Forstakademie Eberswalde, Album-Nr. 3743. Rochow übernahm nun, unterstützt von Forst- und Rentbeamten,Oskar Köhler: Landwirtschaftliches Güter-Adressbuch der Provinz Brandenburg. . In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Adressbücher, Band VII., 3. Auflage. Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1923, S. 20. erfolgreich die Gutsgeschäfte in eigene Hände.Oskar Köhler: Landwirtschaftliches Güter-Adressbuch der Provinz Brandenburg. . In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Adressbücher. Band VII., 3. Auflage. Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1923, S. 120. Viele Jahre waren gute Holzverkäufe zu verzeichnen. Bereits um 1920 wurde mit Unterstützung des späteren Landesforstmeisters Kurt von Varendorff ein langjähriger Forst-Betriebsplan für Plessow-Ferch und Stülpe konzipiert.BLHA: Betriebsplan von Stülpe für 1920–1940; 1921 (Akte), BLHA Rep. 2 A III F 17131/1, Potsdam/Plessow/Stülpe 1920. S. 1 f. Rochow war auch Mitglied der international geschätzten Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, an deren Spitze jahrelang erfolgreich mit Fritz Graf von Schwerin ein Gutsbesitzer aus der Nachbarschaft stand.Fritz Graf v. Schwerin: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. (Jahrbuch) 1929. Hrsg. Deutsche Dendrologische Gesellschaft, Selbstverlag der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Berlin, Thyrow, Wendisch Wilmersdorf 1929, S. 107.

Am 15. Juni 1921 heiratete er Irmgard von Gundlach Rumpshagen (1901–1955). Sie war seine CousineGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1930. 22. Jg., Justus Perthes, Gotha 1929-11, S. 320. mütterlicherseits und die Tochter des mecklenburgischen Gutsbesitzers Günther von Gundlach (1868–1945) und der Ida, geborene von Lücken (1870–1945).Mario Niemann: Mecklenburgischer Großgrundbesitz im Dritten Reich. In: Mitteldeutsche Forschungen. Band 116, Böhlau, Köln / Weimar 2000, ISBN 3-412-04400-8, S. 370. Das Paar Hans Wichard und Irmgard zog nach Schloss Stülpe bei Luckenwalde und hatte vier Söhne: Rochus Hans (1922–1943),Claudia Keller, Ines Frohl: Nachforschungen zu ehemaligen Schülern der Saldria, welche während des II. Weltkrieges gefallen sind bzw. in der Zeit nach 1945 ums Leben kamen., Band Rochus von Rochow-Stülpe, Nr. 197, Hrsg. von Saldern-Gymnasium, Selbstverlag, Brandenburg, Havel 2004, Fachportal-Pädagogik.de. Bernd Wichard (1925–2004),Bernd Wichard von Rochow: Mein Weg nach Haiti. In: Paul Toaspern (Hrsg.): Werft euer Vertrauen nicht weg … (Lebenszeugnisse). Verlag Aussat, Neukirchen-Vluyn 1995, ISBN 3-7615-3521-X, S. 97 ff.Der Forst- und Holzwirt. Verkündigungsblatt, Band 39, Verlag Schaper, Hannover 1984, S. 23; google.de/books Friedrich (Friedel) Wilhelm (1928–1976)Deutsches Adelsblatt. Mitteilungsblatt der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände, 15. Oktober 1976, 15. Jg., S. 20471 E, Nr. 10; 15. Auflage, Selbstverlag Dt. Adelsblatt, Westerbrak, , S. 228. und Sieghart (1941–2004).Melitta Sallai, geborene von Wietersheim, Angela und Sebastian von Johnston: Von Muhrau nach Morawa. Ein ungewöhnliches Leben in Europa und Afrika. 1. Auflage, (2. Auflage a. i. poln. erschienen), Verlag Warkoczynski & Krawiec, Morawa, Strzegom 2006, ISBN 83-912415-4-8, S. 51. Laut Überlieferungen galt Rochow privat als moderner Junker. Er war begeisterter Autofahrer und Hobbyfilmer, pflegte aber natürlich gleichwohl die Reittradition. Irmgard von Rochow war einige Zeit im Jugend-Ausschuss des Landkreises Jüterbog-LuckenwaldeKreisausschuss Jüterbog-Luckenwalde (Hrsg.): Heimatkalender für den Kreis Jüterbog-Luckenwalde. Jüterbog 1934, S. 37. ehrenamtlich tätig und engagierte sich vor allem in den Kirchengemeinden Plessow und Stülpe. Nach Kriegsende wurde sie mit dem Ehrenpatronat der Kirchengemeinde Stülpe geehrt.Andreas Kitzing: Das Leben eines märkischen Junkers. Hans Wichard von Rochow-Stülpe, 1898–1945. Monographie, Verlag Thomas März, Wahlsdorf 1998, ISBN 3-00-002916-8, S. 69.

Seine älteste Schwester Anna Luise hatte später den Vetter Lothar Freiherr von Rochow geheiratet, die Schwester Margarethe den Offizier Otto von Rohr, der von etwa 1920 bis 1935 als Gutsverwalter erst in Stülpe und dann in Plessow agierte.

Hans Wichard von Rochow wurde 1923 Mitglied des Stahlhelm und war Mitglied der DNVP bis zum Oktober 1931. Zeitweise Kreisvorsitzender dieser Partei, saß der Rittergutsbesitzer kurz im Kreistag Jüterbog-Luckenwalde.Kreisausschuss des Kreises Jüterbog-Luckenwalde (Hrsg.): Heimatkalender für den Kreis Jüterbog-Luckenwalde. Jüterbog, Luckenwalde 1932, S. 128. Opus4.Kobv.de. (PDF; 110 MB). 1932 tagte in Stülpe der Deutsche Hochschulring (DHR), eine national-konservative Vereinigung im Spannungsfeld zwischen DNVP und NSDAP.Gerhard Fließ, Jürgen John: Deutscher Hochschulring (DHR). In: Dieter Fricke, Manfred Weißbecker (Hrsg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789–1945). Band 2. Bibliographisches Institut, Pahl-Rugenstein, Köln / Leipzig 1984, ISBN 3-7609-0877-2, S. 116–127. Des Weiteren ist Rochows Mitgliedschaft im Landbund, im Waldbesitzerverband, in der Deutschen Adelsgenossenschaft, im Alldeutschen Verband, in der Offizier-Vereinigung des ehemaligen Königlich Preußischen 1. Garde-Ulanen-Regiments sowie im Verein der ehemaligen Zöglinge der Brandenburger Ritterakademie nachweisbar. Im Februar 1930 wurde er EhrenritterListe der Mitglieder der Brandenburgischen Provinzialgenossenschaft des Johanniterordens 1935. Eigenverlag, Berlin / Potsdam 1. Mai 1935, S. 53. KVK des evangelischen Johanniterordens und musste dieses Amt im November 1938 wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP aufgeben.Johanniter-Ordensblatt. Mitteilungsblatt für die Mitglieder des Johanniterordens, 22. November 1938 Nr. 10, 79. Jg., 142. Nachweisung. Berlin, S. 62 (Austritt aus dem Orden durch Doppelmitgliedschaft m. NSDAP).

Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise 1931 gründete er eine Kaffeepflanzung in Angola. Die Pflanzung lag etwa 450 km nordöstlich von Luanda entfernt, trug den Namen Roca CanzeleFederal Register. Band 7. 5. Auflage. Washington 16. Mai 1942, S. 3644. S. 3644. und blieb bis Mitte der 1970er Jahre in Familienbesitz.Peter-Hannes Lehmann, Gerd Heidemann: Lieber lasse ich mich umbringen. Eine deutsche Festung im Urwald. In: Stern, 1971, Nr. 1/2, S. 14 ff.

Ab 1930