Die Zuganschläge in der spanischen Hauptstadt Madrid waren eine Serie von zehn durch islamistische Terroristen ausgelösten Bombenexplosionen verteilt auf vier Züge am Morgen des 11. März 2004 Korrekte ISBN 3-596-72905-X. (in Spanien umgangssprachlich mit dem Numeronym 11-M abgekürzt), drei Tage vor den spanischen Parlamentswahlen. 193 Menschen starben und 2051 wurden verletzt, 82 davon schwer.

Drei Wochen später, am 3. April 2004, sprengte sich der mutmaßliche Rädelsführer Serhane Ben Abdelmajid bei einer Razzia in einem Vorort von Madrid in die Luft. Dabei starben sechs seiner Komplizen und ein Polizist, 15 Polizisten wurden verletzt. Die Anschläge galten Ende April 2004 als nahezu aufgeklärt.

Die Anschläge Ablauf Zahl der Todesopfer nach StaatsangehörigkeitMadrid bomb death toll lowered to 190. In: MSNBC.msn.com (ein Kind starb erst später) 140 16 6 4 4 4 3 2 2 2 2 1 1 1 1 1 1 Die Explosionen ereigneten sich an jenem Donnerstagmorgen zwischen 7:39 Uhr und 7:42 Uhr Ortszeit.

Zehn Sprengsätze explodierten in eng besetzten Personenwagen von Vorortzügen der Cercanías Madrid. Drei weitere Bomben sollten verzögert detonieren, vermutlich um die zu Hilfe kommenden Einsatzkräfte zu verletzen, detonierten jedoch nicht. Die Sprengsätze wurden später kontrolliert gesprengt, einer davon soll die Kraft gehabt haben, den zu Rushhourzeiten stark frequentierten Madrider Hauptbahnhof Atocha komplett zu zerstören. Ein verdächtiges Auto, das vor dem Bahnhof geparkt war, wurde ebenfalls kontrolliert gesprengt. Wie später bekannt wurde, befand sich unter den in einer Polizeistation eingelagerten Koffern und Taschen ein brauner Rucksack mit einem weiteren Sprengsatz, der vermutlich durch ein Mobiltelefon gezündet werden sollte. Die Ermittler wurden durch das Klingeln des Mobiltelefons auf den Rucksack aufmerksam und konnten den Sprengsatz entschärfen.

Zwei der vier Züge explodierten nicht im Bahnhof Atocha (siehe unten). Einer der Züge wäre fahrplanmäßig zum Zeitpunkt der Detonation im Bahnhof eingetroffen, er hatte jedoch Verspätung und explodierte auf dem Gleisfeld etwa 500 Meter vor den Bahnsteigen.

Rettungskräfte erreichten die Unglücksstellen nach wenigen Minuten. Angesichts des Ausmaßes der Anschläge musste ein Behandlungsplatz im Sportkomplex Daoiz y Velarde eingerichtet werden. Um 8:00 Uhr wurde die Operation Jaula („Käfig“) angeordnet: Der Verkehr von und nach Madrid-Stadt wurde unterbrochen, um die Flucht möglicher Terroristen zu unterbinden. Der Verkehr auf der Metrolinie 1 wurde eingestellt, die beiden anderen Fernbahnhöfe Madrids neben Atocha, Chamartín und Príncipe Pío, wurden geschlossen.

Die Anschläge ereigneten sich drei Tage vor den spanischen Parlamentswahlen 2004. In Spanien waren daher die Sicherheitsmaßnahmen bereits erhöht worden.

Orte der Explosionen miniatur|links|Bahnhof Atocha Sieben der zehn Explosionen ereigneten sich im Bahnhof Atocha und in dessen Nähe. Dies ist der zentrale Bahnhof der spanischen Hauptstadt für die Fernzüge aus dem Süden des Landes sowie für Regionalzüge und der wichtigste Knoten im Cercanías-Netz. Er wurde 1992 umgebaut. Drei Bomben explodierten im Zug 21431, der sich im Bahnhof befand (die erste um 7:37 Uhr, zwei weitere unmittelbar nacheinander um 7:38). Um 7:39 explodierten vier Sprengsätze im verspäteten Zug 17305, rund 800 Meter vor dem Bahnhof an der Calle de Téllez.

Zwei Sprengsätze detonierten im Zug 21435 gegen 7:38, als dieser die Station El Pozo del Tío Raimundo verließ. Eine weitere Explosion ereignete sich im Zug 21713 in der Station Santa Eugenia. Bei den Stationen Santa Eugenia und El Pozo del Tío Raimundo handelt es sich um zwei S-Bahn-Stationen in Arbeitervierteln im Südosten der Stadt. Alle Züge befuhren die Strecke Alcalá de Henares – Atocha, eine der wichtigsten Madrider Vorortverbindungen, die in der Rushhour stark frequentiert wird. Von den 191 Todesopfern starben 34 am Bahnhof Atocha, 64 an der Calle de Téllez, 67 am Bahnhof El Pozo del Tío Raimundo und 16 am Bahnhof Santa Eugenia; die übrigen zehn starben in Krankenhäusern.

Die Suche nach den Urhebern Die ETA im politischen Fadenkreuz Bald nach den ersten Meldungen über die Explosionen wurde über die Urheber spekuliert. Die spanische Regierung (Kabinett Aznar II, PP) benannte die ETA als Verdächtige; die Resolution des UN-Sicherheitsrats nannte auf Drängen der spanischen Regierung ebenfalls die ETA als Täter. Diese These wurde insbesondere von der spanischen Regierung genährt, da ein Anschlag radikaler islamistischer Gruppierungen erneute Kritik am spanischen Irakeinsatz hätte erzeugen können. Zumindest bis zu den anstehenden Parlamentswahlen drei Tage später sollte das Bild des ETA-Anschlages in der Öffentlichkeit erhalten bleiben.

Der Anschlag ähnelte dem Muster von ETA-Aktivitäten in den Jahren zuvor: Am Heiligabend 2003 wurde ein Anschlag auf den Bahnhof Chamartín in Madrid vereitelt, und am 29. Februar 2004 wurde ein ETA-Kommando, das eine halbe Tonne Sprengstoff in einem Lkw mitführte, auf dem Weg nach Madrid verhaftet. Zudem berichteten mehrere europäische Geheimdienste übereinstimmend, die ETA wolle ihre Gangart ändern. Dies sollte die ETA-fremde Handschrift des Anschlages erklären.

In der Vergangenheit hatte die ETA mehrfach vor Wahlen in Spanien Attentate verübt. Am Tag der Parlamentswahlen verlautete aus Geheimdienstkreisen, auch eine Zusammenarbeit von al-Qaida und einer radikalen Zelle der ETA könne nicht ausgeschlossen werden.Al Qaeda reivindica los atentados en un vídeo hallado en Madrid. In: elmundo.es (spanisch) Diese von regierungsnahen Kreisen lancierte These war der letzte Versuch, die ETA bei den Wählern zu diskreditieren. Die Regierung Aznar (PP) war hart gegen die ETA vorgegangen; diejenigen, die den Verdacht gegen die ETA lancierten, erhofften sich davon Wählerstimmen für die PP.

Al-Qaida gerät in Verdacht Erste Zweifel an der Darstellung wurden laut und es kam zu Demonstrationen gegen die Regierung (siehe Kapitel Reaktionen und Folgen). Arnaldo Otegi, der Sprecher der verbotenen ETA-nahen Partei Herri Batasuna, meldete sich zu Wort. Er bestritt die Verantwortlichkeit der ETA und beschuldigte stattdessen islamistische Gruppen der Attentate.

Die Londoner Zeitung Al-Quds al-arabi berichtete am Abend des 11. März, ihr liege ein mutmaßliches Bekennerschreiben der Abu-Hafs-El-Masri-Brigaden (Unterorganisation der al-Qaida) in Form einer E-Mail vor. In dem Schreiben wird Spanien als eines der wichtigsten Mitglieder der „Allianz im Krieg gegen den Islam“ genannt. Aus diesem Grund habe al-Qaida nun in Madrid zugeschlagen. Nach Angaben US-amerikanischer Geheimdienstexperten habe sich Abu Hafs El Masri in der Vergangenheit zu Taten bekannt, die nicht von ihr ausgeführt wurden, so etwa bei den großflächigen Stromausfällen in der Region New York. Die Organisation wird als Gruppe von Trittbrettfahrern eingestuft.

Am gleichen Abend teilte der spanische Innenminister Angel Acebes auf einer Pressekonferenz mit, dass ein am 28. Februar gestohlener Lieferwagen mit acht Sprengkapseln und einem Tonband mit arabischen Koranversen östlich von Madrid in Alcalá de Henares gefunden wurde. Es wird jedoch nicht ausgeschlossen, dass ETA-Anhänger gezielt arabischsprachiges Material zurückgelassen hätten, um die Ermittler zu täuschen.

Am 12. März meldete sich um 18 Uhr eine Person im Namen der ETA bei der linksgerichteten baskischen Tageszeitung Gara und dementierte die Beteiligung der ETA an den Anschlägen. Kurze Zeit später meldete sich angeblich derselbe Anrufer beim baskischen Fernsehsender ETB. Beides sind Medien, in denen sich die ETA schon früher zu Terrorakten bekannt hat. Der spanische Nachrichtendienst Centro Nacional de Inteligencia glaubte sich unterdessen sicher zu sein, dass die Tat von islamistischen Terroristen verübt wurde.

Am Abend des 13. März verkündete der spanische Innenminister Angel Acebes die Verhaftung von fünf Männern, drei Marokkanern und zwei Indern. Die Verhaftungen sollen im Zusammenhang mit dem Mobiltelefon stehen, das bei einem der nicht explodierten Sprengsätze gefunden wurde. Zwei weitere Verdächtige würden noch verhört.

Die Fahndung konkretisiert sich In der Nacht zum 14. März wurde ein Videoband gefunden, auf dem der angebliche Militärsprecher al-Qaidas mitteilt, dass al-Qaida hinter den Anschlägen stecke. Die Echtheit des Bandes wurde überprüft und später bestätigt.

Am 14. März 2004 teilte Innenminister Acebes mit, dass einer der festgenommenen Marokkaner mit den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA in Verbindung gebracht werde. Der als Jamal Zougam identifizierte und aus Tanger stammende Mann war einer bzw. der HauptverdächtigeSouad Mekhennet, Claudia Sautter, Michael Hanfeld: Die Kinder des Dschihad. Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa. Piper, München 2006, ISBN 3-492-04933-8; aktualisierte Taschenbuchausgabe ebenda (Juni) 2015, ISBN 978-3-492-30858-8, S. 134–141 (Die Gebrüder Benyaich aus Tanger), hier: S. 139–138. der 35 Verdächtigen, gegen die der spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzón vergangenes Jahr Anklage erhoben hatte.

Am 17. März 2004 wurden weitere Einzelheiten zu dem Personenkreis bekannt, nach dem gefahndet wird. Die spanische Polizei suchte mindestens 20 Marokkaner, die einer radikal-islamischen Organisation namens Islamische Kampfgruppe Marokkos (GICM) angehören sollten. Die GICM sei 1993 unter einem anderen Namen von Veteranen des Afghanistan-Krieges in Pakistan gegründet worden und werde vom Terrornetzwerk al-Qaida finanziert.

Am 21. März wurde bekannt, dass der Sprengstoff vermutlich aus einem asturischen Bergwerk stammte.

Gegen Ende März führte eine Spur nach Deutschland. Einer der festgenommenen Marokkaner lebte jahrelang legal in Deutschland, er wurde von den Behörden als extremistisch eingeschätzt. Mittlerweile wurde er freigelassen.

Tödliche Razzia in Leganés Am Abend des 3. April kam es im Madrider Vorort Leganés zu einem Schusswechsel mit den mutmaßlichen Attentätern. Als die spanische Polizei die Wohnung, in der sich die Terroristen aufhielten, gegen 21 Uhr stürmen wollte, sprengte sich der Rädelsführer in die Luft und tötete dabei sechs seiner Komplizen sowie einen Polizisten, 15 weitere Polizisten wurden verletzt. Von den Komplizen konnten nur fünf identifiziert werden, der Name von einem Toten konnte nicht ermittelt werden. Man geht davon aus, dass fünf bis acht weitere tatverdächtige Personen fliehen konnten.

Die Bluttat vom 11. März gilt als nahezu aufgeklärt. Al-Qaida drohte Spanien mit weiteren Terroranschlägen.

Abschluss der Ermittlungen Zum Abschluss der zweijährigen Ermittlungen wurde hingegen festgestellt, dass es keine direkten oder erkennbaren Verbindungen zwischen den Terroristen und al-Qaida gab. Laut dem Abschlussbericht war die Terrorgruppe international organisiert und folgte den zahlreichen Aufforderungen in Videobotschaften der al-Qaida.Associoted Press: Madrid bombing probe finds no al-Qaida link. In: msnbc.msn.com, 9. März 2006 Der Militärsprecher al-Qaidas, der angab, al-Qaida sei für die Anschläge verantwortlich, konnte als Mitglied der Terrororganisation bestätigt werden. Allerdings wurde von den Ermittlern angenommen, dass al-Qaida gerne die Verantwortung für Anschläge übernahm, in die sie nicht involviert gewesen sei, da diese ins angekündigte Schema der Organisation passten.

Im August 2005 berief sich die konservative spanische Zeitung El Mundo auf einen Ermittlungsbericht der Polizei, wonach ein aus Syrien stammender Polizeibeamter die Handys mit den Sprengsätzen verkabelt haben soll, da die Attentäter nicht die erforderlichen technischen Kenntnisse gehabt hätten und bei ihnen auch keinerlei Ausrüstung für die Manipulation der Telefone gefunden worden sei.Terror-Anschläge von Madrid: Polizist verkabelte Handys. In: n-tv.de

Reaktionen und Folgen miniatur|Kerzen vor dem Bahnhof Atocha Spanien