Bartimäus ist eine Fantasy-Buchreihe des britischen Schriftstellers Jonathan Stroud, die insgesamt vier Teile umfasst. Hauptfiguren sind der Dschinn Bartimäus und der junge Zauberlehrling Nathanael, der im Laufe der ersten drei Bände zu einem sehr fähigen Magier wird. Die Trilogie erschien zwischen 2003 und 2005 und wurde 2010 um ein Prequel erweitert. Weltweit wurden 6 Millionen Exemplare in 35 Sprachen verkauft.Mike Fleming Jr.: Start Media Reignites Jonathan Stroud Fantasy Series ‘The Bartimaeus Sequence’ Artikel vom 30. Mai 2019. Abgerufen am 7. Mai 2020
Stil und Genre Bartimäus ist eine Jugendbuchreihe, ist allerdings auch für Erwachsenen geeignet. Des Weiteren sind zahlreiche für Fantasy typische Elemente zu finden – so spielen zum Beispiel Magie, Zauberer und Dämonen eine wesentliche Rolle.
Der Stil ist geprägt vom Wechsel zwischen mehreren Perspektiven und dem damit verbundenen Wechsel zwischen den Ansichten, Perspektiven und Erzählstilen der verschiedenen Charaktere. In vielen Kapiteln fungiert Bartimäus als Ich-Erzähler. Sein Erzählstil weist eine hohe Dichte an sarkastischen Kommentaren und Fußnoten auf und ist stark persönlich gefärbt. Die anderen Kapitel werden fast ausschließlich aus Sicht von Nathanael und ab dem zweiten Band auch aus der von Kitty Jones erzählt. Sie sind sachlicher geschrieben und ohne Fußnoten. Obwohl sie in der dritten Person geschrieben sind, ist der Erzählstil persönlich gefärbt.
Die Phantasiewelt Trotz starker Bezüge zur tatsächlichen Gegenwart und Geschichte der Menschheit spielt die Handlung in einer alternativen Realität, in der sich die Geschichte anders entwickelt hat.
In dieser Welt herrschen Zauberer in London, dem Zentrum eines Weltreichs, das auch Teile Europas und Nordamerikas umfasst. Die Macht der Zauberer gründet sich auf der Macht von Dämonen. Sie allein beherrschen die Magie, werden von den Zauberern mittels Pentagrammen und Bannzaubern jedoch gezwungen, sie in deren Interesse einzusetzen.
Dieses Geheimnis ihrer Macht geben die Zauberer nur von Meister zu Schüler weiter und verbergen es gegenüber den Gewöhnlichen (Nicht-Zauberern). Diesen bleiben wichtigere Regierungsposten verwehrt, während Zauberer das Reich verwalten, sich dem Luxus hingeben und etwaige andere Privilegien genießen. In der Bartimäus-Reihe beginnen die „Gewöhnlichen“ daher, gegen die Vorherrschaft der Zauberer aufzubegehren. Anfangs tut dies nur eine kleine Gruppe; im Verlaufe der Geschichte wächst jedoch der Unmut in der Bevölkerung, insbesondere aufgrund der hohen Verluste im Krieg gegen Aufständische in den amerikanischen Kolonien und den immer strikteren Gesetzen, welche die Freiheiten der Gewöhnlichen stark einschränken. Außer von inneren Unruhen und Aufständischen in den Kolonien wird das Britische Weltreich auch von anderen Staaten bedroht. Besonders Prag, ehemals Zentrum des Heiligen Römischen Reiches und Sitz der Kaiser, sinnt auf Rache, nachdem Gladstone 1868 der Stadt die jahrhundertelange Vorherrschaft in Europa in einem blutigen Krieg entriss.
Dämonen Dämonen sind Wesen verschiedener Elemente und beherrschen Magie. Sie leben am Anderen Ort, wo sie keine körperliche Gestalt annehmen müssen und ihre Substanz regeneriert wird, die ihre Lebenskraft darstellt. Am Anderen Ort sind sie keine Einzelwesen, sondern alle Teil eines großen Ganzen.
Werden Dämonen in die Menschenwelt gerufen, müssen sie ihre Substanz zu einer Gestalt formen, die sie nach Belieben verändern können. Nur auf den höheren Ebenen haben die Dämonen eine feste Gestalt, die meist ihren Charakter widerspiegelt. Da sie am Anderen Ort aber gestaltlos sind, bereitet ihnen der Aufenthalt auf Erden Mühen und Schmerzen. Diese Schmerzen lassen sich durch regelmäßige Gestaltwechsel nur zeitweise lindern. Vor allem bereitet ihnen aber die Berührung mit Silber und Eisen Schmerzen und schädigt ihre Substanz, weshalb z. B. Silber als wirkungsvolle Waffe gegen sie verwendet wird.
Dämonen lassen sich anhand ihrer unterschiedlichen magischen Macht grob in sieben Klassen einteilen. Diese Klassen werden wiederum unterteilt in verschiedene Kategorien. Die wichtigsten der Klassen sind (in aufsteigender Reihenfolge ihrer Macht): niedere Wesenheiten Kobolde Foliot Dschinn Afriten Mariden höhere Wesenheiten
Es gibt innerhalb der Klasse der Dschinn noch Abstufungen (z. B. Horla, Sukkuben und Ghule), welche nur für bestimmte Aufgaben beschworen werden (z. B. Horla als Wachen), sowie in der Klasse der Kobolde (z. B. Mauler oder Stechlinge), welche Zauberer selten beschwören, aber genauso wie die Mächtigeren von ihnen z. B. in Gegenstände gebannt werden und somit Schaden anrichten können. Oberhalb dieser Klassen gibt es noch sehr viel mächtigere Wesen, wie Ramuthra (Teil 1), Nouda (Teil 3) oder den Ringgeist Uraziel (Teil 4). Sie können aufgrund ihrer Macht im Normalfall nicht beschworen werden. In Ausnahmefällen (siehe Band 1), wenn sie in Gegenstände gebannt (z. B. der Ringgeist oder das Wesen im Amulett von Samarkand) oder an diese gebunden sind (z. B. an ein Beschwörungshorn), kann sich ihrer Magie bemächtigt werden.
Ebenen In der Bartimäus-Reihe spielen zudem die Ebenen eine wichtige Rolle. Es gibt sieben relevante Ebenen, es existieren aber weitere, die jedoch unbedeutend sind. Diese Ebenen sind alle Teil der Realität und liegen übereinander. Während sich in der ersten Ebene die stofflichen Dinge (also alle Gegenstände und nichtmagischen Lebewesen) befinden und deren Handlungen abspielen, sind die höheren Ebenen magischen Wesen und Aktivitäten vorbehalten. Menschen sehen nur die erste, Katzen sehen auch die zweite, Zauberer können mit Hilfe von speziellen Kontaktlinsen oder anderen Sehhilfen auch die zweite, dritte und verschwommen die vierte Ebene wahrnehmen. Dämonen sind je nach ihrer Macht unterschiedlich viele Ebenen zugänglich.
Zauberer Die Macht der Zauberer besteht darin, dass sie gelernt haben, Dämonen zu beschwören. Dazu verwenden sie exakt festgelegte Aufstellungen von Kerzen, Räucherwerk, bestimmte Pentagramme, um die besondere Runen gezogen werden, und Zauberformeln. Durch die Beschwörung eines Dämons gewinnt der Zauberer Macht über ihn und dieser muss ihm gehorchen. Tut er dies nicht, stehen dem Zauberer Strafen zur Verfügung. Daher hassen die meisten Dämonen die Zauberer und töten diese, wenn sie Gelegenheit dazu haben. Das macht die Beschwörung auch für die Zauberer gefährlich: Verlässt der Zauberer mit einem Teil seines Körpers (sei es auch nur ein Haar) sein eigenes Pentagramm, verwischt eine Rune (welche mit Kreide gezeichnet werden) oder macht er einen Fehler bei der Beschwörungsformel, hebt er die Fesseln des Dämons auf und kann von diesem getötet werden.
Die Zauberer geben das Wissen, wie man Dämonen beschwört und versklavt, nur an ihre Schüler weiter und bilden so eine vom Rest der Gesellschaft abgegrenzte Gemeinschaft der Eingeweihten. Innerhalb der Zaubererschaft herrscht allerdings starke Rivalität. Mächtige Zauberer müssen ständig um ihr Leben bangen und umgeben sich daher mit magischem Schutz. Neben Machtgier und Verfolgungswahn zeichnen sich die meisten Zauberer auch durch Völlerei und Prunksucht aus.
Jeder Zauberer hat neben seinem Geburts- auch einen Zauberernamen. Den Geburtsnamen kennt nur er selbst, er erhielt ihn bei seiner Geburt von seinen Eltern und legte ihn bei seinem Eintritt in die Zauberergemeinschaft ab. Als Lehrling hat er bis zum Alter von 10 bis 12 keinen Namen. Dann wählt er einen Namen, der ihn von nun an repräsentiert. Ein Dämon, der den Geburtsnamen eines Zauberers kennt, hat Macht über ihn, da er die ihm auferlegten Strafen abwehren kann. Zudem besteht die Gefahr, dass er den Namen eines erfahrenen Zauberers an andere Wesenheiten oder Menschen weitergibt und kann somit praktisch nicht mehr beschworen werden. Deshalb vermeidet es jeder Zauberer, seinen Geburtsnamen zu verraten.
Bartimäus-Trilogie Das Amulett von Samarkand
Hauptfiguren und Perspektiven In diesem Band wird die Geschichte abwechselnd aus Sicht des Dschinns Bartimäus und des Zaubererlehrlings Nathanael erzählt.
Nathanael, später John Mandrake, ist der Lehrling des wenig befähigten Ministers für Innere Angelegenheiten, Arthur Underwood. Er ist außerordentlich intelligent und talentiert, jedoch fördert Underwood sein Talent nicht und hält ihn für einen etwas einfältigen Schüler. Nathanael ist sehr ungeduldig, was seine Ausbildung betrifft, lernt allerdings bald, dies nicht zu zeigen, während er seine Ausbildung durch Bücher selbst in die Hand nimmt. Bartimäus von Uruk, auch Sakhr-al-Dschinni, N’gorso der Mächtige, Necho, Rekhyt und die Silbergefiederte Schlange, ist ein 5000 Jahre alter Dschinn. Einst mächtig und Vollbringer großer Taten, glänzt er nun vor allem durch hohe Intelligenz und gewitzte Kommentare, mit denen er es oft schafft, sich aus der Affäre zu ziehen (siehe: Trickster). Wie die meisten Dämonen verabscheut er Zauberer und die Sklaverei, kannte aber im Gegensatz zu den meisten anderen seiner Art einen gütigen Zauberer: Ptolemäus, mit dem er befreundet war und dessen Gestalt er mit Vorliebe annimmt. Zu Nathanael entwickelt er ebenfalls eine engere Beziehung. Obgleich diese nicht als freundschaftlich bezeichnet werden kann, so schadet er ihm zumindest weniger, als er es könnte. Arthur Underwood ist ein eher schlechter Zauberer und fungiert als Minister für Innere Angelegenheiten in den Diensten der Regierung. Er hat keinen starken Charakter und gibt, wenn er es mit stärkeren Zauberern zu tun hat, schnell klein bei. Seinen Lehrling behandelt er allerdings wie einen Dummkopf und tituliert ihn des Öfteren auch so. Das Potenzial des Jungen wird von ihm verkannt. Er kleidet sich sehr klischeehaft und hat einen langen weißen Bart, um seine Unfähigkeit für die Augen der Gewöhnlichen zu überdecken, in Zaubererkreisen dagegen brandmarkt er sich damit unwissentlich als Zauberer von geringer Macht. Er und seine Frau sterben mittig des Buches. Simon Lovelace ist ein Zauberer von großer Macht, fungiert jedoch nur als stellvertretender Handelsminister. Er ist intelligent und wie die meisten Zauberer überheblich und gewissenlos. Er wird am Ende des Buches aufgefressen. Faquarl ist ein Erzfeind von Bartimäus und wie dieser etwa 5000 Jahre alt. Seit Bartimäus es schaffte, Dschingis Khan zu vergiften, während Faquarl dessen Vorkoster war, tritt dieser sehr oft in der Erscheinung eines dicken Kochs auf. Er besitzt eine ähnliche Intelligenz wie Bartimäus, ist sehr stark und dient Simon Lovelace. Jabor ist ein brutaler und äußerst mächtiger Afrit niederer Intelligenz. Er tritt, sofern es nicht anders geht, in der Gestalt eines schakalköpfigen Menschen mit roter Haut auf. Ihn und Bartimäus verbindet eine lange und innige, wenn auch etwas überzogene Fehde. Jabor stirbt gegen Ende des Bandes, nachdem Bartimäus ihn ausgetrickst hat.
Handlung Der eher mittelmäßige Zauberer Arthur Underwood, Minister für Innere Angelegenheiten, muss, wie jeder Zauberer es einmal tun muss, einen Lehrling bei sich aufnehmen. Höchst widerwillig nimmt er den kleinen Nathanael bei sich auf. Dieser ist intelligent und wissbegierig und versucht, gut zu lernen; sein Meister erkennt sein Talent jedoch nicht und behandelt ihn eher wie einen Dummkopf. Unter anderem deshalb ist Nathanael sehr ungeduldig und wünscht sich, sein Unterricht ginge schneller voran denn er liest sehr viele Zauberbücher.
Eines Tages empfängt sein Meister Gäste und will ihnen seinen Lehrling vorführen. Unter diesen ist Simon Lovelace, der Nathanael prüft. Obwohl er alle Fragen korrekt beantworten kann, zeigt Lovelace sich nicht beeindruckt und demütigt Nathanael, der auf Rache sinnt. Aufgrund dieses Konflikts wird Nathanaels Zeichenlehrerin entlassen, die für ihn Partei zu ergreifen versuchte und eine wichtige Bezugsperson darstellt.