mini|Lage der Stadt Würzburg in Deutschland mini|hochkant=1.5|Hochwasserereignisse am Pegel WürzburgWasser- und Schifffahrtsdirektion Süd (Hrsg.): 175 Jahre Pegel Würzburg – Daten und Fakten. S. 43. Siehe auch: Literatur. bis 2003
Hochwasser in Würzburg treten beinahe jährlich auf. Der Main kann dabei nach langanhaltenden Niederschlägen oder nach der Schneeschmelze hohe Wasserstände erreichen. Bei einem Jahrhundert-Hochwasser reicht der Main in Würzburg bis an das Rathaus und überflutet eine Altstadtfläche von etwa 25 Hektar; das Wasser kann sogar fast bis zum Dom hinaufgelangen. Die Stadtverwaltung hat 1971 mit der Errichtung eines Hochwasserschutzes, bemessen für ein 100-jährliches Hochwasser, begonnen. 2008 wurde er fertiggestellt.
Hochwasserentwicklung mini|links|Kleines Hochwasser im Jahr 2005
Der Main lässt sich ab Mündung der Regnitz in mehrere Abschnitte unterteilen, in denen die Hochwasser etwa gleichbleibende Abflüsse haben. Der erste Abschnitt endet bei der Einmündung der Fränkischen Saale in Gemünden am Main. Der zweite erstreckt sich von der Fränkischen Saale bis zur Taubermündung, der dritte von der Tauber- bis zur Kinzigmündung, der vierte von der Kinzig- bis zur Niddamündung und der letzte von dort bis zur Mündung des Mains in den Rhein in Mainz. Würzburg liegt im ersten Abschnitt, wo auf einer Fließstrecke von beinahe 200 Kilometern keine größeren Nebenflüsse gegeben sind.
Die Hochwasser in Würzburg werden überwiegend durch die Abflüsse des Mains oberhalb der Regnitzmündung und der Regnitz geprägt. Eine nach dem Zusammenfluss aufgebaute Hochwasserwelle erreicht etwa 36 Stunden später Würzburg. Diese Hochwasserwelle kann durch Zwischengebietseinflüsse verändert werden. Pegelstände über 7 Meter werden als Hochwasser wahrgenommen.Hochwasserstände über 7 Meter seit 1831
Der Main kann dem sogenannten pluvio-nivalen Abflussregime zugerechnet werden. Dieses ist typisch für Mittelgebirgsregionen. Der Main ist geprägt durch ein sommerliches Minimum und zwei winterliche Maxima. Das erste Wintermaximum wird durch Niederschläge am Winteranfang im November/Dezember hervorgerufen. Zu diesem Hochwassertyp zählen die Ereignisse von 1882.
In den Mittelgebirgen werden dann im Hochwinter die Niederschläge in Form von Schnee gebunden. In der frühjährlichen Tauperiode im Februar/März fließt dieser gebundene Schnee ab. Durch das Zusammentreffen mit Frühlingsniederschlägen kann dieses zweite Maximum besonders stark ausfallen, wie 1784 und 1845. Verstärkend kommt dann noch hinzu, dass der Untergrund entweder gefroren oder wassergesättigt und somit nicht aufnahmefähig ist.
Infolge von vermehrten Warmlufteinbrüchen im Winter, die die Schneedecke schon im Hochwinter abschmelzen lassen, bildet sich dann oft nur ein einziges, dafür aber ein breites Abflussmaximum. Die Wasserstände können sich durch den sogenannten Eisstand in wenigen Tagen beträchtlich erhöhen, ohne dass in diesem Zeitraum Niederschlag gefallen ist. Diese Hochwasser werden überwiegend durch Westwetterlagen, die häufigste Großwetterlage Deutschlands, verursacht. Ausführlichere Informationen über die Eisverhältnisse des Mains in Würzburg siehe Pegel Würzburg.
Seltener treten extreme Hochwasser, wie 1342, im Sommer auf. Diese Hochwasser werden nach tagelangem Regen auf bereits gesättigten Böden ausgelöst.
Quellenlage mini|Lage der Stadt Würzburg im Bezug zum Main Anhand der Aufzeichnungen von Historikern aus früheren Jahrhunderten, die den Hochwasserablauf, die Eisverhältnisse und die verursachten Schäden schildern, und der an Gebäuden am Main angebrachten Hochwassermarkierungen konnten einige der höchsten Wasserstände der letzten etwa 700 Jahre rekonstruiert werden. Besonders hervorzuheben sind die 1958 publizierten Ausarbeitungen von Franz Seberich (1886–1964Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 840.) und die von Heinz Schiller aus dem Jahr 1989, die anhand der überlieferten Wasserstände die Hochwasser der letzten 700 Jahre ermittelt haben.
Für die Hochwasserereignisse in Würzburg gibt auch das unter Denkmalschutz stehende Maintor in Eibelstadt, das etwa zehn Kilometer oberhalb von Würzburg liegt, einen guten Anhaltspunkt. An diesem Tor sind, über die Jahrhunderte verteilt bis zurück in das Jahr 1546, 27 historische Hochwasserstände eingemeißelt.Klimastatusbericht (PDF) DWD. mini|Abflusskurve des Main in Würzburg, zur Umrechnung der Wasserstände in Abflüsse Hochwassernachrichtendienst. In Würzburg befinden sich Hochwassermarkierungen bis zum 17. Jahrhundert zurück, so an der Innenseite des aus dem Jahr 1584 stammenden, auch Schwanentor genanntenStefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände. Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 616. Spiegeltores und am Portal zum Roten Bau des Rathauses. An der heute abgebrochenen Bäckerei Götz in der Karmelitenstraße befanden sich ebenfalls Markierungen. Durch diese Markierungen, die allerdings nicht immer absolut genau sind, lassen sich die einzelnen Wasserstände errechnen. Verschiedene Umstände, wie Stauung, Strömung und Wellenschlag beeinflussten die Messungen. Für das gleiche Hochwasser können demnach unterschiedliche Werte vorliegen.
Von großer Bedeutung sind die Markierungen am Portal des Rathauses aus den Jahren 1682, 1784 und 1845. An gleicher Stelle wurde 2004 vom Umweltamt der Wasserstand von 1342, der durch die Quellenlage recht genau zu ermitteln war, ergänzt. Der Hochwasserstand von 1845 ist durch die Pegelmessung bekannt, so dass die Wasserstände der anderen Hochwasser berechnet werden konnten.
Der 1769 in Schlüsselfeld geboreneBernhard Schemmel: Nachwort. Zu: Carl Gottfried Scharold: Würzburg und die umliegende Gegend, für Fremde und Einheimische kurz beschrieben. Joseph Stahel und im IntelligenzComtoir, Würzburg 1805; Nachdruck, Palm & Enke, Erlangen 1980 (= Bibliotheca Franconia. Band 6), ISBN 3-7896-0306-6. Würzburger Carl Gottfried Scharold, Churfürstlicher Pfalzgraf, berichtete 1805 in der Würzburger Stadtchronik über mehrere Hochwasser der letzten 400 Jahre, namentlich die Ereignisse von 1306, 1342, 1442, 1451, 1546, 1633 und 1682.
Des Weiteren gab er mehrere Hochwasser aus dem 18. Jahrhundert an, die alle über dem Pflaster des Bronnbacher Hofes gemessen worden waren. Anhand des bekannten Wasserstandes von 1784 konnten die anderen Höchststände ermittelt werden. So liegen Angaben für die Hochwasser von 1682, 1740, 1744, 1764, 1782, 1784 und 1805 vor.
Der Würzburger Magister Lorenz Fries berichtete in einer um 1546 erschienen Würzburger Chronik über mehrere Hochwasser in Würzburg.
Hochwasserstände + Hochwasser in WürzburgFranz Seberich: Die alte Mainbrücke zu Würzburg. S. 177–181. Siehe auch: Literatur.Heinz Schiller: Ermittlungen von Hochwasserwahrscheinlichkeiten am schiffbaren Main und überregionaler Vergleich der Ergebnisse. S. 224–232. Siehe auch: Literatur.Infotafel am Oberen Mainkai in Würzburg: „Historische Hochwasser am Main“ Datum Wert am Pegel Wiederkehrzeit in cm in m³/s 1306 – – – 21. Juli 1342 1000 3350 >1000-jährlich 1413 – – – 21. Juli 1442 900 2500 300- bis 500-jährlich 12. März 1445 – – – 24. Februar 1451 840 2200 100- bis 200-jährlich 12. Juni 1481 – – – 17. Januar 1497 – – – 1523 – – – 24. Januar 1546 860 2300 200-jährlich 14. Mai 1551 – – – 16. Mai 1573 760 1650 20- bis 50-jährlich März 1595 840 2200 100- bis 200-jährlich 1618 – – – 25. Januar 1633 790 1900 50- bis 100-jährlich 27. Januar 1682 863 2250 100- bis 200-jährlich 17. Februar 1709 644 1400 20-jährlich 21. Dezember 1740 683 1250 10- bis 20-jährlich 5. März 1744 720 1400 20-jährlich 1. Januar 1764 805 1750 50- bis 100-jährlich 26. Januar 1781 673 1150 10-jährlich 29. Februar 1784 928 2600 300- bis 500-jährlich 21. Januar 1820 720 1350 10- bis 20-jährlich 1827 650 1150 10- bis 20-jährlich 4. Januar 1830 675 1200 10- bis 20-jährlich 6. März 1831 705 1295 10- bis 20-jährlich 1834 635 1050 5- bis 10-jährlich 1839 675 1200 10- bis 20-jährlich 20. Januar 1841 709 1318 10–20-jährlich 28. Februar 1844 652 1100 5- bis 10-jährlich 30. März 1845 834 2170 100- bis 200-jährlich 2. Juni 1845 686 1200 10- bis 20-jährlich 10. Februar 1848 688 1220 10- bis 20-jährlich 5. Februar 1850 710 1320 10- bis 20-jährlich 2. Februar 1862 732 1454 20- bis 50-jährlich 19. Februar 1876 750 1580 20- bis 50-jährlich 4. Januar 1880 652 1100 5- bis 10-jährlich 17. Dezember 1880 638 1040 5- bis 10-jährlich 9. März 1881 631 1020 5- bis 10-jährlich 28. November 1882 728 1460 20- bis 50-jährlich 29. Dezember 1882 749 1670 20- bis 50-jährlich 7. Februar 1909 760 1800 50- bis 100-jährlich 16. Januar 1920 721 1540 20- bis 50-jährlich 22. März 1942 640 1050 5- bis 10-jährlich 31. Dezember 1947 702 1540 20- bis 50-jährlich 25. Februar 1970 669 1390 10- bis 20-jährlich 7. Januar 1982 637 1230 10- bis 20-jährlich 29. März 1988 640 1235 10- bis 20-jährlich 29. Januar 1995 615 1250 10- bis 20-jährlich 6. Januar 2003 648 1350 10- bis 20-jährlich 17. Januar 2011 642 1368 10- bis 20-jährlich
Die Abflussverhältnisse und die daraus resultierenden Wasserstände änderten sich im Laufe der Zeit. Durch den Eingriff des Menschen veränderte sich das Bettvolumen (Breite und Tiefe) des Mains. Durch den stetigen Ausbau des Mains erhöht sich der Abfluss bei gleichem Wasserstand. Bei gleichem Hochwasserscheitel wie in früheren Jahren kann heute mehr Wasser abfließen. Um die Hochwasser besser miteinander vergleichen zu können, wird deshalb heute neben der Höhe des Wasserstandes auch die Menge des abfließenden Wassers gemessen.
Das Hochwasser vom 21. August 1820 erreichte bei einem Abfluss von 1350 m³/s einen Wasserstand am Pegel von 720 Zentimetern. Etwa 180 Jahre später und nach vielen baulichen Änderungen im und am Fluss, erreichte das Hochwasser vom 6. Januar 2003 bei gleichem Abfluss von 1350 m³/s einen Pegelstand von 648 Zentimetern. Das Hochwasser vom 17. Januar 2011 erreichte bei einem etwas höheren Abfluss von 1368 m³/s einen Pegelstand von 642 Zentimetern. Dementsprechend hat die Anzahl der hohen Wasserstände abgenommen.
Bedingt durch die baulichen Änderungen im Würzburger Bereich, basieren die historischen Jährlichkeitsangaben nur auf dem Abfluss, da die damaligen Wasserstände deutlich höher waren als heute und so zu verfälschten Jährlichkeiten führen würden. Alle Angaben ab 1823 stammen vom Pegel Würzburg; davor resultieren sie aus Hochwassermarkierungen und historischen Berichten.
Ausführliche Angaben über die Änderungen der Abflussverhältnisse und die Jährlichkeiten siehe Pegel Würzburg.
Als hundertjährliche Abflussereignisse werden Abflussmengen von 2000 m³/s und mehr charakterisiert. Das geschah in den Jahren 1342, 1442, 1451, 1546, 1595, 1682, 1784 und 1845. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert lagen die Abflussmengen unter 2000 m³/s.Infotafel am Oberen Mainkai in Würzburg: „Historische Hochwasser am Main“
mini|HochwasserabflüsseMartin Schmidt: Hochwasser und Hochwasserschutz in Deutschland vor 1850. S. 275. Siehe auch: Literatur.Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd (Hrsg.): 175 Jahre Pegel Würzburg – Daten und Fakten. S. 52. Siehe auch: Literatur. mini|Wasserhöchststände seit 1823 im Abflussjahr vom 1. November bis zum 30. Oktober des nächsten Jahres. mini|Höchste Abflüsse seit 1823 im Abflussjahr vom 1. November bis zum 30. Oktober des nächsten Jahres.Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd (Hrsg.): 175 Jahre Pegel Würzburg – Daten und Fakten. S. 53. Siehe auch: Literatur.
Hochwasserereignisse
1306