mini|Obernkirchen von oben Obernkirchen ist eine Bergstadt im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen, in deren Nähe die bekannten Obernkirchener Sandsteinbrüche liegen. Obernkirchen ist eine der beiden Bergstädte Niedersachsens außerhalb des Harzes (neben Georgsmarienhütte)Die Stahlproduktion in Georgsmarienhütte durch das gleichnamige Unternehmen entstand auf der Basis der Eisenerz- und Kohleförderung im heutigen Stadtgebiet. sowie die nördlichste Bergstadt Deutschlands. Wichtige Wirtschaftszweige sind: Glasindustrie, Maschinenbauindustrie (Pumpen), Gesundheitswesen und Sandsteinabbau.
Geografie Geografische Lage Obernkirchen liegt an der Bundesstraße 65 zwischen Bückeburg und Stadthagen. Der waldreiche Bückeberg () nimmt einen großen Teil der Stadtfläche ein.
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn sind dies die Gemeinde Nienstädt, Stadt Stadthagen, die Gemeinden Auetal, Buchholz, Heeßen, Bad Eilsen und Ahnsen, die Stadt Bückeburg sowie die Gemeinden Seggebruch und Helpsen.
Stadtgliederung Zur Stadt Obernkirchen gehören vier weitere Ortschaften: Ortschaft Einwohner Gelldorf 830 Krainhagen 1200 Röhrkasten 290 Vehlen 1230
Geschichte Im Jahr 775 erfolgte eine Erwähnung des Bukki-Gaus beim Rückmarsch des siegreichen Karolingischen Heeres aus Sachsen.Kaiser Karl der Große hat nach Angabe der Reichsannalen im Jahr 775 den pagus [Gau] bukki durchzogen. Damals zogen sich die Osterliudi [Ostfalen] in den „pagus, quem dicunt nomine Bukki“, zurück. Vgl. Dieter Brosius: Das Stift Obernkirchen 1167–1565 (= Schaumburger Studien 30). Bückeburg 1972, S. 8. Hieraus schloss man auf die Lage einer Burg Castrum Bukkaburg (Alte Bückeburg). Dies ist urkundlich nicht zu belegen, doch lassen Bodenvertiefungen und Wallböschungen auf einem Geländerücken ca. 1 km östlich der Stiftskirche auf ihre frühere Größe von 60 × 80 Metern schließen. Die Burganlage war schon um 1181 verfallen.
Ouerenkerken, „die obere Kirche“, gab der heutigen Stadt Obernkirchen den Namen. Am auslaufenden Hang des Bückebergs mit weitem Blick ins Norddeutsche Tiefland wurde laut einer Mindener Chronik aus dem 14. Jahrhundert von Kaiser Ludwig dem Frommen (814–840) das Kloster Obernkirchen als älteste geistliche Niederlassung zwischen Weser und Leine gegründet. Im Jahre 936 soll die Kirche bei einem Ungarneinfall niedergebrannt sein, was aber urkundlich nicht gesichert ist.
Erst 1167 berichtet eine Urkunde wieder über das Kloster und nennt den Namen Ouerenkerken. Bischof Werner von Minden gründete in Obernkirchen ein Augustinerinnenkloster. Er stammte aus dem Adelsgeschlecht Arnheim, dessen Ursprung die Alte Bückeburg war. Kaiser Barbarossa verlieh am 30. November 1181 zu Erfurt dem Stift Obernkirchen die Marktgerechtigkeit.Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1152 (1122)–1190, 4. Lieferung: 1181–1190 nach Johann Friedrich Böhmer, neubearbeitet von Ferdinand Opll, Regest 2632. Das älteste Siegel der Grafen von Poppenburg ist an einer Urkunde des Klosters Obernkirchen aus dem Jahre 1229 erhalten: Es ist das Siegel des Grafen Bernhard, der sich ab 1217 nach seiner neu erbauten Burg von Spiegelberg nannte. Es zeigt im Rundschild auf einem Querband drei fünfblättrige Rosen und lässt auf der Umschrift erkennen: „Bernardu… Poppenhor…“.
Seit 1520 ist bekannt, dass es in Obernkirchen einen Rat und einen Bürgermeister gibt. Erst Ende 1564, mit dem Tod des langjährigen Propstes Johann Kostgen, war im Zuge der Reformation auch im Augustinerinnenkloster – der Urzelle der Stadt – mit der Annahme der lutherischen Lehre ein grundlegender Wandel eingetreten. Die Reformation in der Obernkirchen umgebenden Grafschaft Schaumburg war bereits 1559 eingeführt worden. Die Propsteigüter fielen an den Landesherrn; für den übrigen Besitz des Klosters setzte der Schaumburger Adel die Einrichtung eines adeligen Damenstifts durch. Dieses existiert heute noch in den Gebäuden.
Die Ortschaft Obernkirchen bekam durch Graf Otto IV. von Schaumburg am 10. Februar 1565 ihr Fleckenrecht verliehen. Die Einwohner wurden nunmehr aus der Leibeigenschaft des Stiftes Obernkirchen entlassen. Ebenfalls war es Graf Otto, der am 22. Mai 1571 Bürgermeister und Rat des Fleckens Obernkirchen das Recht gewährte, ein Siegel zu führen, das neben einem weißen Nesselblatt mit drei Nägeln die Kirche zeigte. Die Verleihung des Stadtrechts am 26. Januar 1615 durch den Grafen Ernst von Schaumburg schloss die rechtsgeschichtliche Entwicklung Obernkirchens ab. Im Dreißigjährigen Krieg wurde 1640/1647 die alte Grafschaft Schaumburg geteilt; Obernkirchen gehörte fortan zur Hessen-Kassel, dem hessischen Teil der Grafschaft.
In Obernkirchen wurden 1659 zur Zeit von Philipp zur Lippe Hexenverfolgungen durchgeführt: Zwanzig Personen wurden hingerichtet.Gerhard Schormann: Hexenverfolgung in Schaumburg. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 45, Hildesheim 1973, S. 149–151.
Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Streitigkeiten über den Grenzverlauf zwischen den Herrscherhäusern Schaumburg-Lippe und Hessen-Kassel; 1733 wurden nach der Einigung Grenzsteine gesetzt. Nachdem 1805 Napoleons Truppen Hessen besetzt hatten, kam die Stadt Obernkirchen als Teil des Kantons Obernkirchen bis 1813 zum Königreich Westphalen. Zu diesem Zeitpunkt besaß der Kanton Obernkirchen etwas weniger als 3600 Einwohner.
mini|Glashütte Schauenstein mit Glashüttentürmen um 1860 Leben und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wurden zunehmend durch den Abbau des Sandsteins, die Steinkohlegewinnung und die Glasproduktion geprägt.
Bereits seit dem 12. Jahrhundert wurde in den Bückebergen der Sandstein abgebaut. Bis zur Verleihung der Fleckenrechte war es ausgeschlossen, dass die in den Steinbrüchen Tätigen sich zu einer Zunft zusammenschlossen. Die erste erhaltene Urkunde der Obernkirchener Steinhauerzunft datiert daher erst aus dem Jahr 1597. Der Steinkohlebergbau hat in Obernkirchen Ende des 14. Jahrhunderts begonnen, allerdings ist der Abbau erst durch eine Urkunde von 1498 belegt.
In Obernkirchen wurde die 1799 die älteste Glashütte der Region gegründet, die nach einer Unterbrechung 1827 unter dem Namen „Schauenstein“ die Produktion wieder aufnahm. 1823 wurde der Fabrikant Caspar Hermann Heye Teilhaber, 1842 übernahm er sie ganz. 1840 wurde von der Familie Stoevesandt als Konkurrenzunternehmen die „Neue Hütte“ unweit davon gegründet. Am 1. August 1900 ging von den Arbeitern der Glasfabrik Heye ein Streik der Glasmacher aus, der sich über das ganz Deutsche Reich verbreitete und Unterstützung auch in England fand. Nach gut einem Jahr brach dieser Streik erfolglos wieder zusammen; viele Arbeiter hatten im Ergebnis ihren Arbeitsplatz verloren.Wilhelm Gerntrup: „Der Kampf gilt König Heye!“ Vor 110 Jahren endet der Glasmacherstreik in Obernkirchen – für viele in einem Desaster. In: Schaumburger Nachrichten, 30. Juli 2011.
Der schon seit dem Mittelalter betriebene Bergbau wurde im 19. Jahrhundert erweitert. Am Liethstollen wurde unter anderem eine Brikettfabrik errichtet. Bis zum Ende des Steinkohlenbergbaus in Schaumburg (1960) befand sich die Verwaltung in Obernkirchen (Bergamt). Die Anfänge des späteren Gesamtbergamtes (1806) gehen bis ins Jahr 1552 zurück. Im Jahr 1873 wurde in Obernkirchen eine Bergvorschule gegründet.
1863 wurde bei Obernkirchen ein 41 Kilogramm schwerer Eisenmeteorit vom Typ IVA gefunden. Er lag in 4,5 Meter Tiefe in einem Sandsteinbruch.
Am 6. Januar 1899 legte der damalige Bürgermeister Dreyer der Stadtverordnetenversammlung einen Plan vor, nach welchem eine kleine Berufsfeuerwehr, eine so genannte bezahlte Spritzenmannschaft, angeworben werden sollte.Matthias Blazek: Feuerwehrwesen im Landkreis Schaumburg im 19. Jahrhundert. 2., aktualisierte und ergänzte Auflage. Adelheidsdorf 2002, S. 32 ff.
Eingemeindungen Am 1. April 1955 wurden die bislang selbständigen Gemeinden Beeke und Rösehöfe eingemeindet. Da die beiden Gemeinden dem Landkreis Schaumburg-Lippe angehörten, kam die Gemeinde Schöttlingen mit den Wohnplätzen Eichhöfe und einigen Häusern des Eichenbruchs im Gebietstausch zum Landkreis Schaumburg-Lippe. Die Gemeinde Schöttlingen war eine Enklave des Landkreises Grafschaft Schaumburg im Landkreis Schaumburg-Lippe und wurde 1974 nach Lindhorst eingemeindet.
Aufgrund der Niedersächsischen Gebietsreform wurden am 1. März 1974 die ebenfalls selbständigen Gemeinden Gelldorf, Krainhagen, Röhrkasten und Vehlen der Stadt Obernkirchen zugeordnet und eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Die Werte von 1961 und 1970 enthalten die Einwohnerzahlen der damals selbständigen Gemeinden Gelldorf, Krainhagen, Röhrkasten und Vehlen sowie der Stadt Obernkirchen. Jahr EinwohnerRegionalstatistische Datenbank. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen LSKN-Online 1961 10.798 1970 11.718 1987 10.078 1990 10.308 1995 10.549 2000 10.369 2005 9.884 2010 9.290 2011 9.330 2012 9.359 2013 9.295 Jahr Einwohner 2014 9.343 2015 9.196 2016 9.302 2017 9.336 2018 9.246 2019 9.167 2020 9.240 2021 9.288 2022 9.360 (Einwohnerzahlen: 1961: am 6. Juni, 1970: am 27. Mai, ab 1987 jeweils am 31. Dezember)
Religionen mini|Stiftskirche St. Marien mini|hochkant|Katholische St.-Josefs-Kirche Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde (bestehend aus Obernkirchen, Gelldorf, Krainhagen und Röhrkasten) gehört zum Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg und somit zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover. Gottesdienste werden in der 1330 erbauten Stiftskirche St. Marien gehalten.
Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Ortsteil Vehlen gehört zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe. Gottesdienste werden in der 1904 erbauten Kirche gehalten. Das Kirchspiel umfasst die Orte Vehlen, Achum und Widdensen, ferner Ahnsen-Neumühlen, Tallensen, Echtorf und Müsingen.
Die römisch-katholischen Gläubigen gehören zur Pfarrgemeinde St. Marien in Bückeburg. Gottesdienste werden in der 1908 erbauten Filialkirche St. Josef gehalten. Das Pfarramt befindet sich in Bückeburg und gehört zum Dekanat Weserbergland des Bistums Hildesheim.
Ein Königreichssaal der Zeugen Jehovas befindet sich im Ziegeleiweg.
Politik mini|Rathaus Rat Der Rat der Stadt Obernkirchen besteht mit Wahl vom 12. September 2021 aus 22 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 8.001 und 9.000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Neben den 22 in der Stadtratswahl gewählten Mitgliedern ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister im Rat stimmberechtigt. Aus den Ergebnissen der letzten Kommunalwahlen ergaben sich folgende Sitzverteilungen: Jahr CDU SPD GRÜNE FDP WIR WGO EWV Gesamt 2021 9 8 4 1 – – – 22 Sitze 2016 7 10 3 – 1 – 1 22 Sitze 2011 6 12 3 – 1 – – 22 Sitze 2006 9 10 2 – 1 1 – 23 Sitze
Bürgermeister 1903–1931 Richard Herzog 1931–1933 Friedrich Henkelmann 1933–1939 Richard Herzog 1939–1944 Wilhelm Ehlert 1945 Heinrich Behme (SPD) 1945–1946 Fritz Scheuermann (SPD) 1946–1948 Wilhelm Hormann (SPD) 1948–1974 Ludwig Gundlach (SPD) 1974–1984 Walter Warnecke (SPD) 1984–2001 Adolf Bartels (SPD) 2001–2007 Horst Sassenberg (CDU) 2007–2021 Oliver Schäfer (SPD) seit 2021 Dörte Worm-Kressin (parteilos)Schaumburg hat gewählt: Neue und alte Bürgermeister, Stichwahl in Bückeburg, shg-aktuell.de, 13. September 2021, abgerufen am 1. November 2021.
Städtepartnerschaften La Flèche in Frankreich, seit 1968Eintrag über die Partnerstadt La Flèche auf der Homepage der Stadt Obernkirchen Aufgerufen am 16. Mai 2019, 15:17 Rajongemeinde Pasvalys in Litauen, seit 2008Eintrag über die Partnergemeinde Pasvalys auf der Homepage der Stadt Obernkirchen Aufgerufen am 16. Mai 2019, 15:18
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