mini|297px|Ortsansicht von Süden, vorne der Neckar Ilvesheim (kurpfälzisch: Ilvese []) ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg mit etwa 9200 Einwohnern. Seit 2025 führt sie die Zusatzbezeichnung Inselgemeinde.Bekanntmachung des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen vom 17. November 2025, Az. IM2-2200-6, GABl. vom 26. November 2025, S. 878. Sie ist ein Teil der Metropolregion Rhein-Neckar, eines Ballungsraums mit 2,4 Millionen Einwohnern.

Das im Jahr 766 erstmals urkundlich erwähnte Ilvesheim gehörte jahrhundertelang zur Kurpfalz. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Ort am Neckar zu einer Wohngemeinde, deren Einwohner zum Großteil in der benachbarten Großstadt Mannheim arbeiten.

Im Ilvesheimer Schloss befindet sich mit der staatlichen Schule für Blinde und Sehbehinderte mit Internat die einzige derartige Einrichtung in Baden-Württemberg.

Geographie Lage und Naturraum Ilvesheim liegt nördlich einer großen, recht naturbelassenen Schleife des Neckars im Oberrheingraben. Der größte Teil der Bebauung liegt auf einer Insel, die in den 1920ern entstand, als – einem Durchstich ähnlich – im Norden der Neckarkanal gebaut wurde. In der Folge verwilderte die nicht mehr befahrene Neckarschleife und wurde 1987 als Landschafts- und Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Die Gemarkung erstreckt sich über 589 Hektar. Davon sind 35,8 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 6,8 Prozent sind Wasserflächen und 55 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt.Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 2017 Mit 102 m über NN ist auf dem Atzelbuckel der höchste Punkt der Gemeinde.

Der Nordrand des Gemeindegebiets liegt auf dem Neckarschwemmkegel, ansonsten herrschen Aueböden vor. Beide bieten zumeist hohe Ackerzahlen und ermöglichen eine ertragreiche Landwirtschaft.

Nachbargemeinden Im Süden, Westen und Norden grenzt Ilvesheim direkt an Mannheim. Im Nordosten und Osten schließen sich Heddesheim, Ladenburg und Edingen-Neckarhausen an. Neben Mannheim sind mit Ludwigshafen am Rhein 12 Kilometer westlich und Heidelberg 13 Kilometer südöstlich zwei weitere Großstädte nicht weit entfernt.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Ilvesheim gehören die Häuser Atzelbuckel, Beim Schießstand, Flurscheid und Weingärten.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 373–374

Außerdem besitzt Ilvesheim den kleinen Naturbereich Neckarplatten, der sich im Südosten auf der gegenüberliegenden Seite des Altneckars zwischen den beiden Gemeinden Seckenheim und Neckarhausen befindet. Dieser ist Teil des Landschaftsschutzgebiets 2.26.025 „Unterer Neckar: Südöstlich der Ilvesheimer Schlinge“.

Klima Das Klima wird zu 65 Prozent durch die Zufuhr von maritimen Luftmassen bestimmt, weswegen auch Winde aus den westlichen Richtungen vorherrschen.Kreisbeschreibung Bd. 1, S. 54 Begünstigt durch die geschützte Lage in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Haardt im Westen und Odenwald im Osten sind die Temperaturen sehr mild. Die nächstgelegene Klimastation in Mannheim maß zwischen 1971 und 2000 eine Durchschnittstemperatur von 10,5 °C und eine Niederschlagsmenge von 668 mm pro Jahr. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 19,9 °C, der kälteste der Januar mit 1,8 °C. Temperaturen über 30 °C sind im Hochsommer keine Seltenheit. Die meisten Niederschläge fallen im Juli und der trockenste Monat ist der Februar.www.klimadiagramme.de

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Mannheim 1971–2000 Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Temperatur (°C) 1,8 2,7 6,6 10,0 14,8 17,6 19,9 19,5 15,4 10,2 5,2 2,9 Ø 10,5 Niederschlag (mm) 40 38 46 48 73 74 83 49 56 54 55 53 Σ 668

Geschichte mini|Ilvesheim und Umgebung 1907 mini|Neckarbrücke zwischen Ilvesheim und Mannheim-Seckenheim mini|hochkant|Die katholische St.-Peter-Kirche Bis zum 19. Jahrhundert Ilvesheim wurde erstmals am 14. März 766 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch als Dorf „Ulvinisheim“ erwähnt. In der Folgezeit ist Ilvesheim in zahlreichen weiteren Schenkungen genannt.Ortsliste zum Lorscher Codex, Ilvesheim Die Endung -heim deutet auf eine Gründung während der fränkischen Landnahme hin. Es ist nicht geklärt, ob der heutige Ortsname sich von einem damaligen hier ansässigen Bürger „Ulvinius“ ableitet oder vom damals bei Ilvesheim in den Neckar mündenden Kanzelbach, der auch „Ilbe“ genannt wurde.

Über Kaiser Barbarossa gelangte der Lorscher Besitz um 1155 an seinen Halbbruder Pfalzgraf Konrad. Seit Ende des 13. Jahrhunderts gehörte Ilvesheim unbestritten zur Kurpfalz und war Teil der Schriesheimer Zent. Die Ortsherrschaft übten als Lehen die Herren von Strahlenberg aus. Ihnen folgten zur Mitte des 14. Jahrhunderts die Junker von Erligheim, von 1550 bis 1645 die Landschad von Steinach und um 1700 die Freiherren von Hundheim.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Dorf 1689 schwer verwüstet. Mit der Auflösung der Kurpfalz 1803 gelangte Ilvesheim zu Baden und gehörte zum Bezirksamt Ladenburg, ab 1863 zum Bezirksamt Mannheim bzw. später zum Landkreis Mannheim.

Politisch waren seit der Reichsgründung 1871 die Nationalliberalen die stärkste Strömung im Ort. Um 1890 wurden sie von SPD und Zentrum abgelöst, die auch während der Weimarer Republik die bevorzugten Parteien blieben.

20. Jahrhundert Bei der Reichstagswahl 1933 erhielten das Zentrum, die NSDAP und die KPD jeweils über 24 Prozent der Stimmen.

In der Zeit des Nationalsozialismus beteiligten sich auch Ilvesheimer Einwohner aus der Arbeiterschaft im Widerstand. Zu den Mitgliedern der Lechleiter-Gruppe, die die antifaschistische Zeitschrift Der Vorbote herausgab, gehörte Hans Kupka, zu dessen Ehrung eine Siedlung des Ortes nach der Befreiung ihren Namen erhielt.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 49, ISBN 3-89331-208-0

Bei den Gebietsreformen in den 1970ern gab es Diskussionen um eine Eingemeindung nach Mannheim. Ilvesheim konnte aber seine Selbständigkeit bewahren und ist seit 1973 ein Teil des neu gebildeten Rhein-Neckar-Kreises.

In der Vergangenheit lebten die Einwohner Ilvesheims vor allem vom Fischfang, eine Tradition, an die beim alljährlichen Fischerfest, das jeweils am ersten Juniwochenende stattfindet, erinnert wird.

Einwohnerentwicklung Im 18. Jahrhundert hatte Ilvesheim eine typische Größe für einen Landort in der Region. Bis etwa 1850 gab es dann ein starkes Wachstum. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Ort mehr als 500 Heimatvertriebene auf. Zwischen 1871 und 1961 zählte Ilvesheim zu den fünf Gemeinden im Landkreis Mannheim mit der größten Zuwachsrate. 1973 wurde mit 8196 Einwohnern ein Höchststand erreicht. Anschließend setzte eine allmähliche Abnahme bis auf 6862 Einwohner im Jahr 1997 ein. Seitdem wächst die Gemeinde wieder, was durch die Ausweisung von Neubaugebieten, wie Mahrgrund II und Ilvesheim-Nord,http://www.ilvesheim.de/index.php?id=59 Geschichte Ilvesheims befördert wurde.

Jahr 1577 1777 1818 1852 1905 1939 1950 1961 1967 1970 1973 1987 1991 1995 2005 2010 2015 2020 EinwohnerEinwohnerzahlen bis 1950 und 1967: Kreisbeschreibung Bd. 3 S. 579. Einwohnerzahlen 1961 und ab 1970: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. 330 763 995 1414 1833 3195 4296 6286 6968 7509 8196 7016 7313 7024 7613 8471 9100 9311

Religionen Eine Kirche in Ilvesheim gab es wahrscheinlich schon im Jahr 951. Im Lorscher Codex wird der Kirchhof im Dorf Ulvenesheim erwähnt. Der Ort gehörte zum Bistum Worms und das St. Cyriakusstift Worms-Neuhausen besaß das Patronatsrecht über das Gotteshaus.

Die Landschad führten nach 1550 die Reformation mit lutherischem Gottesdienst ein. Gegen den Willen der Landschad setzte die Pfalz 1575 einen reformierten Pfarrer ein. 1632 verwüsteten schwedische Truppen die Ilvesheimer Kirche und nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde Ilvesheim mit Seckenheim biniert. Die Reformierten bauten die Kirche wieder auf, doch bereits 1689 brannten die Franzosen sie bis auf den Chor und den Turm nieder.

Bei der Pfälzischen Kirchenteilung wurde die Kirche den Katholiken zugesprochen, doch es dauerte noch bis 1747, bis die Ilvesheimer Pfarrei wieder errichtet wurde. Die Reformierten hielten ihren Gottesdienst in einer Scheune ab, ehe 1803 die neue Kirche fertiggestellt werden konnte. 1872 erhielt Ilvesheim eine selbständige evangelische Pfarrei.

1807 waren 47 Prozent der Ilvesheimer Katholiken, 25 Prozent Reformierte und je 14 Prozent Lutheraner und Juden. 1948 waren 50 Prozent evangelisch und 46 Prozent katholisch. Die evangelische Kirchengemeinde Ilvesheim gehört heute zum Kirchenbezirk Neckar-Bergstraße der Evangelischen Landeskirche in Baden und die katholische Pfarrgemeinde St. Peter zum Stadtdekanat Mannheim des Erzbistums Freiburg.

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts gab es Juden in Ilvesheim. 1852 hatte die Gemeinde mit 194 Mitgliedern ihren Höchststand erreicht. Anschließend setzte eine Abwanderung in die Städte ein, insbesondere nach Mannheim, so dass 1925 nur noch 23 Juden im Ort lebten. 10 von ihnen fielen den nationalsozialistischen Verfolgungen zum Opfer und die seit 1810 bestehende Synagoge wurde in der sogenannten Reichspogromnacht 1938 verwüstet.Kreisbeschreibung Bd. 3 S. 580.Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Ilvesheim

Politik mini|Das Rathaus von Ilvesheim Gemeinderat Der Gemeinderat in Ilvesheim besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FWV Freie Wählervereinigung 33,02 6 32,5 6 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,65 5 22,5 4 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 23,55 4 19,5 3 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 16,78 3 25,5 5 gesamt 100,0 18 100,0 18 Wahlbeteiligung 66,70 % 65,0 %

Bürgermeister Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für jeweils acht Jahre gewählt. Seit dem 1. August 2023 ist Thorsten Walther (SPD) Bürgermeister von Ilvesheim.Walthers Sieg in Ilvesheim ist zugleich eine Verpflichtung, Mannheimer Morgen Bei der Bürgermeisterwahl am 21. Mai 2023 setzte er sich mit 55,9 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Metz durch.

1963–1991: Otto Trapp 1991–2007: Roland Esche (parteilos) 2007–2023: Andreas Metz (parteilos) seit 2023: Thorsten Walther (SPD)

Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: In von Gold (Gelb) und Schwarz gespaltenem Schild mit rotem Schildfuß vorn eine schwarze Harfe, hinten ein rot bewehrter, rot bezungter und rot gekrönter goldener (gelber) Löwe, im Schildfuß ein liegender goldener (gelber) Maueranker.

Es geht zurück auf ein Siegel von 1552 und wurde 1908 von Ilvesheim auf Vorschlag des badischen Generallandesarchivs angenommen. Der Pfälzer Löwe erinnert an die lange Zugehörigkeit zur Kurpfalz und die Harfe entstammt dem Wappen der Landschad von Steinach, die die Ortsherrschaft innehatten. Der Maueranker ist das Fleckenzeichen der Gemeinde, der vor 1908 manchmal auch als einfacher Doppelhaken dargestellt wurde.Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 69

Partnerschaften Ilvesheim pflegt seit 1994 mit Chécy bei Orléans in Frankreich eine Partnerschaft.Webseiten Ilvesheim, Städtepartnerschaft mit der französischen Gemeinde Chécy., auf der offiziellen Webseite von Chècy (französisch)

Nachbarschaftsverband Ilvesheim gehört zum Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, dessen Aufgabe es ist, den regionalen Flächennutzungsplan zu erstellen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Das Ilvesheimer Schloss mini|hochkant|Die evangelische Martin-Luther-Kirche