Der Dritte Makedonisch-Römische Krieg war eine von 171 bis 168 v. Chr. dauernde Auseinandersetzung zwischen Perseus von Makedonien und der Römischen Republik, aus der Letztere als Sieger hervorging.
Die Vorgeschichte
Der Ausgang des zweiten makedonischen Krieges bedeutete auch das vorläufige Ende der makedonischen Hegemonie über Griechenland. Philipp V. musste Entschädigungszahlungen an Rom entrichten und verlor einen Großteil seiner Kriegsmarine. Ein wesentlicher römischer Kontrahent im Ostmittelmeerraum schien somit beseitigt zu sein.
Philipps letzte Regierungsjahre und die Machtübernahme des Perseus
Nach dem Frieden mit Rom im Jahre 197 v. Chr. herrschte ein zunehmend antimakedonischer Patriotismus der Hellenen vor. Da Makedonien an Stärke verlor und mit innenpolitischen Problemen zu kämpfen hatte, glaubten viele makedonisch besetzte Ländereien nun, gegen ihren einstigen Herren aufbegehren und die Freiheit fordern zu können. Die Athamanen und einige perrhaebische und thessalische Städte beschwerten sich in Rom über Philipp V. Hierbei ging es vor allem um scheinbar nicht eingehaltene Verträge seitens der Makedonen oder Viehdiebstahl. Philipp war nun gezwungen, sich einem römischen Schiedsgericht zu unterwerfen, das im Regelfall gegen ihn entschied. Auch Philipps jüngster Sohn Demetrios, ein beliebter Freund Roms, der im Winter 183/4 v. Chr. als Verteidiger des Königs auftrat, konnte die Schiedssprüche gegen Makedonien nicht verhindern. So musste sich der König 189 v. Chr. von der thrakischen Küste zurückziehen und auch die Besatzung der sich beschwerenden Städte aufgeben.
Diese vermeintlichen Demütigungen wollte Philipp V. nicht auf sich beruhen lassen. Er plante einen Revanchekrieg gegen Rom und begann, sein Reich auf einen neuen Feldzug vorzubereiten. Er erhöhte die Staatseinnahmen, indem er Agrarsteuern einführte. Dennoch galt seine Finanzpolitik am Ende seiner Regentschaft als wesentlich liberaler, als dies zu Beginn der Fall war. Er erhob Hafenzölle und forcierte zudem den Abbau von Edelmetallen. Sein vorrangiges Ziel war es allerdings, die Populationsrate zu steigern. Dazu rief er sein Volk einerseits auf, sich stärker zu vermehren, andererseits ließ er Thraker in Makedonien ansiedeln. Über eine Reorganisation seines gegen Rom gescheiterten Heeres ist nichts bekannt. Aus der Taktik und der Kräfteverteilung des Heeres im nachfolgenden Krieg lässt sich jedoch schlussfolgern, dass Philipp auf eine grundlegende Reform im militärischen Bereich verzichtete.
Obwohl Makedonien offiziell ein amicus Roms war, versuchte man, die Stellung der Makedonen zunehmend zu schwächen. Mit Hilfe der Attaliden, Erzfeinden Philipps, sollte ein starkes, romfreundliches Reich als Gegenpol zu Makedonien an dessen Grenze etabliert werden. Gleichzeitig versuchte der römische Senat unter Federführung des Titus Quinctius Flamininus in Makedonien eine römische Partei einzuführen, die eventuelle romfeindliche Bestrebungen des Königs paralysieren sollte. Rom lag nämlich daran, dass Demetrios künftiger Herrscher der Makedonen werden sollte. Daher gab man Philipp zu verstehen, wie sehr man das Auftreten und die Entscheidungen seines jüngsten Sohnes schätze und dass man Philipp um seines Sohnes Willen verzeihen werde. Diese Tatsache verschärfte die Rivalität zwischen den Brüdern Perseus und Demetrios. Ein an den König gesandter Brief des Flaminius erreichte Perseus. Dieser hatte Angst um seine Thronfolge und suggerierte dem makedonischen König, dass Demetrios mit Rom paktiere und bald fliehen wolle. Daraufhin erteilte Philipp 180 v. Chr. den Befehl, seinen jüngsten Sohn hinrichten zu lassen. Der König erkannte die Intrige zu spät und wollte Perseus stoppen, doch er starb zu früh, um seinen ältesten Sohn angemessen zu bestrafen.
Kurz nach Philipps Tod im Sommer 179 v. Chr. wurde Perseus König von Makedonien. Er erbte ein Reich, das infolge dieser Intrige innenpolitisch zerrüttet war. Dennoch war das makedonische Nationalgefühl ungebrochen. Obwohl der eigentliche Favorit ermordet worden war, schien Rom keine Widerstände gegen den neuen Regenten zu richten.
Erich Gruen geht davon aus, dass Rom die Geschehnisse in Makedonien unbesorgt und passiv betrachtete. Dem war jedoch nicht so, denn zum einen hatte Rom ein lebhaftes Interesse an der Mitgestaltung der politischen Verhältnisse Makedoniens, andererseits trug der römische Senat aktiv – wenn vielleicht auch ungewollt – dazu bei, dass Demetrios ermordet wurde und sich somit seine von Rom erwünschte Regentschaft nicht erfüllte.
Perseus’ Amtszeit
In einer ersten Amtshandlung erneuerte Perseus die amicitia mit Rom von 179 v. Chr., ein Akt der durchaus auf Anerkennung und Respekt in der römischen und hellenischen Welt stieß. Besonders die eigenen Landsleute, aber auch viele Hellenen, sahen in ihm den rechten Feldherrn, der in der Lage war, einen kommenden „Befreiungskrieg“ gegen Rom zu führen.
Perseus wollte jedoch vorrangig die Restauration des Vaters fortführen und Makedoniens innen- und außenpolitische Situation weiter verbessern. Er erweiterte den Staatsschatz und ließ die staatlichen Kornspeicher und Waffenarsenale füllen. Das Militär wurde auf etwa 30.000 Mann hochgerüstet und durch Grenzkriege gegen thrakische Barbaren in Übung gehalten.
Durch eine Amnestie von makedonischen Schuldnern und politischen Gefangenen erreichte er sowohl einen Popularitätsgewinn in seinem Volk, als auch die Rückkehr vieler geflohener Bürger. Zusätzlich erklärte er alle Makedonen von ihren Schulden an den Fiskus frei. Das Land florierte zunehmend und Perseus verschaffte sich einen guten Ruf in Griechenland. Es bestand jedoch weiterhin das Problem der politischen Isolation Makedoniens. Nach der Niederlage im zweiten makedonischen Krieg wandten sich viele ehemalige Verbündete ab und wurden Klientel der Römer. Perseus musste Bündnisse eingehen, um dauerhaft bestehen zu können. Dazu versuchte er ein Netz aus Koalitionen zu stricken, das hauptsächlich aus von Rom „unterdrückten Staaten“ bestehen sollte. Im Jahre 177 v. Chr. heiratete er daher Laodike, die Tochter des Seleukos IV., um ein Bündnis mit den Seleukiden einzugehen. Gleichzeitig vermählte Perseus seine Schwester Apama mit Prusias II. von Bithynien. Diese Heiratspolitik war durchaus üblich, verschaffte dem makedonischen König jedoch nicht den erhofften Erfolg. Daher trat er in Verhandlungen mit Karthago und Rhodos. Besonders die Rhodier, ursprünglich enge Verbündete des Eumenes, waren zunächst bereit, sich Perseus anzunähern. Doch allmählich relativierte sich das Verhältnis zu Makedonien, da man gegenüber Rom nicht den Anschein erwecken wollte, dass man heimlich antirömische Koalitionen schmieden wolle. Es gelang Perseus jedoch, feste Beistandsbekundungen von Teilen der boeotischen Stämme und Genthios von Illyrien zu erhalten. Die Treue des Kotys, Herrscher von Ostthrakien, schwankte indes zu keiner Zeit. Er blieb Hauptverbündeter der Makedonen. Auch mit Byzantion und Lampsakos am Hellespont konnte ein Schutzbündnis geschlossen werden, das jedoch in erster Linie defensiven Charakter hatte. Im Wesentlichen gelang es Perseus dennoch nicht, entscheidende und starke Bündnisse in der hellenischen Welt zu installieren. Viele Stämme und Völker hatten sich nämlich zuvor schon mit Rom arrangiert und maßen Perseus nicht viel Bestandskraft bei.
Anders sah dies jedoch bei den Propagandamaßnahmen des Makedonenkönigs aus. Schon beim Konzil von Amphictyonic im Jahre 178 v. Chr. befahl er die Aufstellung zweier Monumente, die sein Ebenbild tragen sollten. Vier Jahre später marschierte er friedlich mit seinem Heer zum Orakel von Delphi, um sich den Hellenen zu zeigen und die Macht seiner Armee zu demonstrieren. Diese Aktion erregte das Misstrauen der Römer, die Perseus’ Außenpolitik bis dahin mehr passiv verfolgten. Zusätzlich begann er, die ökonomische Zerrüttung Griechenlands für seine Propagandazwecke zu benutzen, indem er „[…] sämtliche wegen politischer oder anderer Verbrechen oder ihrer Schulden wegen landflüchtig gewordenen Griechen […]“ dazu aufforderte, nach Makedonien zu kommen. Hier sollten sie wieder in ihre früheren Ämter eingewiesen werden und verlorene Güter zurückerstattet bekommen. Die Resonanz war enorm und Perseus erreichte das Aufflammen einer nationalen Erhebung, die das Ende der römischen Vorherrschaft propagierte. Der makedonische König konnte somit den erstarkenden, hellenischen Nationalismus für seine Zwecke nutzen.
Das Streben nach einem Ende der politischen Isolation kann ebenso wie die propagandistische Mobilmachung der Hellenen als Teil eines Kriegsplanes gegen Rom interpretiert werden. Hier muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass Perseus im Zuge der Erneuerung seines Landes zwangsläufig auch außenpolitisch an Stärke und Stabilität gewinnen musste, um nicht früher oder später zwischen Mächterangeleien unter den hellenischen Staaten aufgerieben zu werden. Fest steht jedoch, dass Rom lange Zeit nicht reagierte und dann umso heftiger auf die sich rasch verändernde Lage auf der griechischen Halbinsel antwortete.
Der dritte makedonische Krieg Der Kriegsausbruch
Der römische Senat begriff spätestens nach dem Marsch auf Delphi, dass man viel zu lange gezögert und Perseus’ Ehrgeiz unterschätzt hatte. Rom war der Auffassung, dass die makedonischen Bündnisse und der ständig schwelende Konflikt zwischen den Makedonen und verschiedenen thrakischen Stämmen eine Verletzung des Friedens von 197 v. Chr. darstellte. Aus diesem Grund wurden im Jahre 173 v. Chr. Gesandte zur achäischen Tagsatzung geschickt, die vor den Hellenen verkündeten, dass ein Bündnis mit Perseus gleichbedeutend mit der Abkehr von Rom sei. Ein Jahr später reiste der Attalidenkönig Eumenes II. nach Italien, um dem römischen Senat den vermeintlichen Ernst der Lage zu schildern und eine Reihe von Beschwerden gegen Perseus vorzubringen. Eumenes war viel daran gelegen, die Spannungen zwischen Rom und Makedonien zu verschärfen, denn er erhoffte sich durch einen möglichen Krieg die Ausschaltungen eines potentiellen Gegners, sowie die damit verbundene Vergrößerung seines eigenen Territoriums.
In einer geheimen Sitzung beschloss der Senat die Kriegserklärung und traf erste Vorkehrungen für eine Mobilmachung der Truppen und die Erkundung der Landeplätze für das Heer am griechischen Festland. Man wollte jedoch zunächst die Formalien einer solchen Handlung wahren und schickte 172 v. Chr. Gesandte nach Makedonien, um Perseus die Möglichkeit zur Rechtfertigung zu geben. Dieser bot Rom einen neuen Vertrag an und äußerte seinen Wunsch nach einem römisch-makedonischen Bündnis. Den Vertrag aus dem Jahre 197 v. Chr. und dessen Erneuerung von 179 v. Chr. sah er jedoch als aufgehoben an. Die Gesandten wies er zusätzlich an, das makedonische Reich binnen drei Tagen zu verlassen. Dies kam de facto einer Kriegserklärung gleich. Rom forderte daraufhin umgehend alle Makedonen auf, das italische Festland innerhalb von dreißig Tagen zu verlassen.
Von der römischen Invasion bis zum Wechsel der Initiative
Zum Zeitpunkt des Kriegsausbruches verfügte Perseus über ein Heer von 43.000 Mann, mit dem er schon im Herbst 172 v. Chr. in der Lage gewesen wäre, Griechenland unter seine Kontrolle zu bringen und die sich auf dem Festland befindliche römische Division zu zerschlagen. Er entschloss sich jedoch zunächst abzuwarten und Rom doch noch zu Verhandlungen zu bewegen. So verstrich der Winter des Jahres 172 v. Chr., ohne dass eine der beiden Kriegsparteien in Aktion trat. Unterdessen begannen sich jedoch die verschiedenen Bündniskonstellationen zu verändern. Die boeotischen Stämme unterließen es, Perseus Unterstützung zuzusagen. Die zuvor in ihrer Haltung zu Makedonien schwankenden Archaer, Ätolier und Thessalier wurden indes nicht müde, ihren Beistand zu bekunden.