mini|Kent Nagano, 1990er-Jahre Foto: Rory Carnegie Kent Nagano (* 22. November 1951 in Berkeley, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Dirigent mit japanischen Wurzeln. In den Spielzeiten 2015/2016 bis 2024/2025 war er Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg.
Leben und Werk Kent Nagano wuchs in Morro Bay, Kalifornien auf. Sein Vater George Kimiyoshi war Architekt und Mathematiker, seine Mutter Ruth Okamoto war Mikrobiologin und Pianistin. Beide hatten an der University of California, Berkeley studiert. Naganos Großeltern väterlicherseits hatten in Japan eine Landwirtschaft mit Gemüseanbau und wanderten 1917 nach Morro Bay in Kalifornien aus. Als sie ernstlich erkrankten, übernahmen Kents Eltern die Farm der Großeltern. Kent wuchs ohne Fernsehen, Kino und Stereoanlage auf, anstelle dessen gab es ein Klavier. Von früh an machte er mit seiner Familie Hausmusik. Als er in die örtliche Grundschule (Elementary School) eingeschult wurde, besuchte er vor und nach dem Unterricht eine dort integrierte Musikschule. Unterrichtet wurde er in Klavier und Klarinette von dem an der Münchner Musikhochschule ausgebildeten Georgier Wachtang Korisheli, einem studierten Philosophen und Hobbymaler, der manchmal auch für die Kinder Grundkurse in Kunstgeschichte oder Philosophie gab. Mit dem Lernen und Üben konnten Schule und Musik bis zu 12 Stunden täglich dauern.John Newman: Kent Nagano’s Twin Passions: Music and Community. In: UC Santa Cruz Review, Ausgabe Winter 2002 (PDF; 2,8 MB), S. 8–13. Bereits als Achtjähriger dirigierte er den Kirchenchor.Im Gespräch: Kent Nagano sueddeutsche.de, 17. Mai 2010. mini|Régis Campo (links) mit Kent Nagano nach der Uraufführung von "Paradis perdu" für Sopran und Orchester am 8. August 2015 in Montreal. Von 1970 bis 1974 studierte Nagano zunächst an der Universität von Santa Cruz Soziologie und Musik. Er setzte sein Studium in San Francisco bis 1978 fort. Hier lernte er bei dem emigrierten legendären László Varga, einem Cellisten, der u. a. auch bei den New Yorker Philharmonikern Mitglied war. Nebenbei dirigierte Nagano an der Universität Werke seiner Kommilitonen.
Von 1978 bis 2009 war Kent Nagano Music Director beim Berkeley Symphony Orchestra und ist dort weiterhin als Conductor Laureate tätig. Nagano wurde 1984 international bekannt, als Olivier Messiaen Seiji Ozawa empfahl, ihn bei der Vorbereitung zur Premiere seiner einzigen Oper Saint François d’Assise assistieren zu lassen. Diese nur selten aufgeführte Oper dirigierte er 1998 selbst bei den Salzburger Festspielen und zuletzt am 2., 6. und 9. Juni 2024 als Hamburger Generalmusikdirektor mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg in der Elbphilharmonie., 13. Mai 2024 Mittlerweile hat er das gesamte Konzertwerk Messiaens auf Tonträger eingespielt. Ab 1984 dirigierte er das Bostoner Sinfonie-Orchester. Seine Karriere setzte er 1989 in Lyon fort, wo er bis 1998 als musikalischer Leiter der Opéra National de Lyon diese zur zweitwichtigsten Opernbühne Frankreichs machte. Daneben wurde er von 1991 an auch Music Director beim zweitältesten britischen Orchester, dem Hallé-Orchester in Manchester bis zum Ende der Saison 1999/2000. 1994 gab er sein Debüt an der Metropolitan Opera in New York mit Francis Poulencs Dialogues des Carmélites.
mini|Kent Nagano 2010 bei „Oper für Alle“, eine Veranstaltung, die von der bayerischen Staatsoper jährlich organisiert wird.|links|320x320px Im Jahr 2000 dirigierte er bei den Salzburger Festspielen die Uraufführung von Kaija Saariahos Oper L’amour de loin. 2000 übernahm Nagano die künstlerische Leitung des Deutschen Symphonie-Orchesters in Berlin bis zum Spielzeitende 2006. Als Ausdruck der Verbundenheit ernannte das Orchester seinen scheidenden Chefdirigenten 2006 zum Ehrendirigenten – eine Auszeichnung, die in der sechzigjährigen Geschichte des Orchesters erst zum zweiten Mal vergeben wurde.
Von 2006 bis 2013 leitete Nagano als Generalmusikdirektor die Bayerische Staatsoper. Er war vierzehn Jahre lang der Directeur musical des kanadischen Orchestre symphonique de Montréal (OSM), mit dem sein Vertrag im Jahr 2020 auslief.APA: Dirigent Kent Nagano bleibt mindestens bis 2020 in Montreal. In: Der Standard, 12. November 2013.
Von 2015/16 bis 2024/25 war er Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg; Opern- und Orchesterintendant war der Schweizer Georges Delnon. 2016 leitete Nagano an der Hamburgischen Staatsoper die Uraufführung von Toshio Hosokawas Oper Stilles Meer.
Die Salzburger Festspiele 2018 eröffnete Kent Nagano – noch als Dirigent des Orchestre symphonique de Montréal – mit dem Oratorium in lateinischer Sprache, der Lukaspassion von Krzysztof Penderecki aus dem Jahre 1966.Lukaspassion – Orchestre Symphonique de Montréal · Nagano, auf der WebSite der Salzburger Festspiele, abgerufen am 23. Juni 2019Kent Nagano Künstlerbiografie auf salzburgerfestspiele.at, abgerufen am 23. Juni 2019
In der Saison 2023/24 wird Kent Nagano unter anderem in der Rosey Concert Hall im schweizerischen Rolle, im Konzerthaus Bozen, im Maison symphonique in Montréal, im Concertgebouw in Amsterdam, in der Tonhalle in Zürich, in der Philharmonie in Berlin, in der Konzerthalle in Bamberg und im Kulturpalast in Dresden zu hören sein. Darüber hinaus wird er das Orchestre de l’Opera de Lyon dirigieren und eine Neuproduktion von Ligetis Le Grand Macabre von Krzysztof Warlikowski an der Bayerischen Staatsoper in München leiten.
Er ist Principal Artistic Partner der Filarmonica Arturo Toscanini in Parma, eine Position, die er 2025 im Rahmen einer dreijährigen Vereinbarung übernommen hat, beginnend mit der Saison 2025/2026.
Akademische Auszeichnungen Seit 2005 ist Kent Nagano Ehrendoktor der McGill University in Montréal/Kanada, seit 2006 Ehrendoktor der Université de Montréal und seit 2018 Ehrendoktor der San Francisco State University in den USA.
Im Oktober 2020 wurde Kent Nagano in Anbetracht „seiner herausragenden Verdienste um die Musikkunst“ zum Mitglied der Royal Swedish Academy of Music gewählt.
Im Jahr 2021 ernannte ihn die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg zum Professor.
Privates Kent Nagano ist seit 1991 mit der japanischen Pianistin Mari KodamaInternetpräsenz von Mari Kodama. (englisch) verheiratet und hat mit ihr eine Tochter namens Karin Kei Nagano, die Pianistin ist.
Auszeichnungen 1995 Grammy Award for Best Opera Recording für Susannah mit Orchester und Chor der Opéra National de Lyon 2007: Ehrenbürgerschaft der Stadt MontrealListe der Ehrenbürger von Montreal, Internetseite der Stadt Montreal 2008: Orden der Aufgehenden Sonne, Gold Rays with Rosette. In: Consulate-General of Japan in San Francisco, Dezember 2008. 2010: Wilhelm-Furtwängler-Preis, Beethovenfest Bonn 2011: Bayerische Europamedaille In: mittelbayerische.de, 14. Juli 2011. 2012: Wilhelm-Furtwängler-Preis 2013: Bayerischer Verdienstorden 2017: Echo Klassik (Dirigent des Jahres) 2017: „Compagnon“ des „Ordre des arts et des lettres“ von Québec/Kanada 2017: Juno Award für Classical Album of the Year – Vocal or Choral Performance, Orchestre Symphonique de Montréal dirigiert von Kent Nagano (L’Aiglon) 2020: Wahl zum Mitglied der Royal Swedish Academy of Music 2020: Juno Award für Classical Album of the Year – Orchestre Symphonique de Montréal dirigiert von Kent Nagano (The John Adams Album) 2023: „Chevalier“ im „Ordre des art et des lettres“ von Frankreich 2024: Großes Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens 2024: Brahms-Preis
Zitate
Schriften mit Inge Kloepfer: Erwarten Sie Wunder! Expect the Unexpected. Berlin-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8270-1233-3, Inhaltsverzeichnis, Autobiografie. mit Inge Kloepfer: 10 Lessons of My Life: Was wirklich zählt, Berlin-Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-8270-1447-4, Inhaltsverzeichnis.
Literatur Habakuk Traber: Kent Nagano. Musik für ein neues Jahrhundert. Henschel, Berlin 2002, ISBN 3-89487-413-9, mit Diskografie.
Filmografie Nagano Road. Kent Nagano – Ein Dirigent zwischen Welten und Kulturen. Dokumentation, Deutschland, 2002, 45 Min., Buch und Regie: Daniel Finkernagel und Alexander Lück, Produktion: finkernagel & lück medienproduktion, Inhaltsangabe und Filmausschnitt, 4:48 Min. Kent Nagano – Neue Wege, neue Klänge. Filmporträt, 2006, 58 Min., Buch und Regie: Oliver Becker, Produktion: Deutsche Welle TV, Inhaltsangabe vom ARD. Kent Nagano dirigiert Monumente der Klassik. Musik-Dokumentation, Deutschland, 2006, Buch und Regie: Oliver Becker und Ellen Fellmann, Produktion: Deutsche Welle TV und Unitel classica.DW-TV: Preisgekrönte Klassik-Dokumentation jetzt auf DVD. In: Deutsche Welle, 8. Oktober 2007. Kent Nagano – Montreal Symphony. Deutschland, Kanada, 2010, 97 Min., Buch und Regie: Bettina Ehrhardt, Kino-Start: 13. Januar 2011, Inhaltsangabe von film-lexikon.com. Naganos Kinderlieder. Musik-Dokumentation, Deutschland, 2010, 60 Min., Regie Nadja Frenz, Produktion: Vidicom und NDR, Inhaltsangabe von ARD. Der Traum des Dirigenten Kent Nagano. Dokumentarfilm, Deutschland, 2017, 55:20 Min., Buch und Regie: Nadja Frenz und Inge Kloepfer, Kamera: Jan Kerhart, Produktion: Vincent TV, ICI artv, NDR, arte, Reihe: Stars und Newcomer am Dirigentenpult, Erstsendung: 26. November 2017 bei arte, Inhaltsangabe von ARD.
Weblinks Offizielle Website von Kent Nagano Wagner in historischer Aufführungspraxis. In: WDR 3 TonArt, 2. Oktober 2017, 8:36 Min.
Interviews Florian Schär: Interview Kent Nagano. In: Classicpoint.ch, Schweizer Klassikportal, 1. April 2016. Mark Obert: Sehnsuchtsort Europa. In: Berliner Zeitung, 6. November 2011. Bernhard Neuhoff: PausenZeichen - Klassik-Stars im Gespräch Kent Nagano, Dirigent und Laurent-Aimard, Klavier PausenZeichen mit Bernhard Neuhoff, 23. Juni 2017. Presse-Artikel Katja Engler: Neuer Opernchef Nagano will Hamburgs Oper an die Weltspitze führen. In: Die Welt, 25. September 2012. Manuel Brug: Ahornblatt-Maestro. In: Die Welt, 30. Juni 2007. Manuel Brug: „Ich hatte diese Tiefe und diesen kulturellen Reichtum nicht erwartet.“ In: Die Welt, 6. März 2006, zum Abschied Naganos von Berlin.
Einzelnachweise
Kategorie:Intendant (Bayerische Staatsoper) Kategorie:Generalmusikdirektor (Bayerische Staatsoper) Kategorie:Generalmusikdirektor (Hamburg) Kategorie:Gastdirigent (Sächsische Staatskapelle Dresden) Kategorie:Interpret (Neue Musik) Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Echo-Klassik-Preisträger Kategorie:Träger des Ordens der Aufgehenden Sonne Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Ehrenbürger von Montreal Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1951 Kategorie:Mann