Endingen am Kaiserstuhl ist eine Kleinstadt im Landkreis Emmendingen im Südwesten Baden-Württembergs.
Geographie mini|hochkant=1.2|Luftbild von Endingen Lage Endingen mit den dazugehörigen Winzerdörfern Amoltern, Kiechlinsbergen und Königschaffhausen liegt im Norden des Kaiserstuhles. Höchster Punkt der Gemeinde ist der im Süden der Kernstadt liegende Katharinenberg, auf dessen Spitze eine Kapelle steht. Mit ist der Katharinenberg der dritthöchste Gipfel des Kaiserstuhls.
Geologie Der Kaiserstuhl entstand durch die tektonische Aktivität des Oberrheingrabens. Grabenbruch führte hier zu verstärktem Vulkanismus, was zur Ausbildung mehrerer Schichtvulkane, die den Kaiserstuhl bildeten, führte. Der Katharinenberg in Endingen ist ein Beispiel dafür. Das Vulkangestein, das den Sockel des Kaiserstuhls bildet, wird größtenteils von eiszeitlichen Lössablagerungen bedeckt, und ist somit nicht überall sichtbar.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Westen im Uhrzeigersinn): Sasbach, Wyhl am Kaiserstuhl, Forchheim, Riegel, Bahlingen, alle im Landkreis Emmendingen, und Vogtsburg, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.
Klima Die Stadt liegt in einer der wärmsten Gegenden Deutschlands, am Kaiserstuhl.
Stadtgliederung Endingen gliedert sich in die Kernstadt und die drei Stadtteile Amoltern, Kiechlinsbergen und Königschaffhausen. Diese bilden zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem. In den Ortschaften sind jeweils Verwaltungsstellen mit der Bezeichnung „Ortschaftsamt“ eingerichtet. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und durch Bindestrich verbunden nachgestellt die Namen der Stadtteile. Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den ehemaligen Gemeinden gleichen Namens. Das Stadtgebiet ist zudem in die vier Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung Wohnbezirk I (Endingen), Wohnbezirk II (Amoltern), Wohnbezirk III (Kiechlinsbergen) und Wohnbezirk IV (Königschaffhausen) unterteilt.Hauptsatzung der Stadt Endingen am Kaiserstuhl vom 7. November 2001 Zu den drei Stadtteilen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur Stadt Endingen in den Grenzen von 1970 gehört die Stadt Endingen und das Gehöft Wilhelmshöfe. Im September 2024 hatte die Kernstadt nach Angaben der Stadtverwaltung 6.514 Einwohner und die Gesamtstadt einschließlich der Ortsteile zählte 10.757 Einwohner.
Geschichte Endingen Im Gemeindegebiet gab es im 6./7. Jahrhundert n. Ch. eine alamannische Siedlung. Hiervon zeugt ein Reihengräberfriedhof.Barbara Elisabeth Theune-Grosskopf: Ein frühmittelalterliches Gräberfeld von Endingen am Kaiserstuhl. Dissertationsdruck, Bonn 1989; Willi Kramer: Zwei ungewöhnliche alamannische Grabfunde von Tuniberg und Kaiserstuhl. In: Archäologische Nachrichten aus Baden. Band 27, 1981, S. 21–25 (Digitalisat). Der Ort wurde erstmals 862 urkundlich erwähnt. Er gehörte mehrere Jahrhunderte zum Besitz der Herren von Endingen, die ihren Sitz auf der nahegelegenen Koliburg hatten, bis es an die Herren von Üsenberg überging, die Endingen zwischen 1285 und 1286 die Stadtrechte verliehen. Nachdem die Üsenberger 1379 ausstarben, wurden 1425 die Küchlin mit ihr belehnt, kam die Stadt in habsburgischen Besitz und wurde Vorderösterreich zugeordnet, wobei sie Anfang des 15. Jahrhunderts kurzzeitig den Status einer freien Reichsstadt hatte.
1751 fand in Endingen einer der letzten Hexenprozesse in Europa statt: am 24. April wurde Anna Schnidenwind auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nach dem Frieden von Pressburg 1805 kam Endingen mit dem gesamten bisher vorderösterreichischen Breisgau an Baden. In den folgenden Jahren fungierte Endingen auch zwischenzeitig als Hauptort zunächst des 1810 bis 1813 bestehenden Amtes Endingen, dann von 1813 bis 1819 des Bezirksamtes Endingen.
Die Endinger Bürgerschaft ist sehr traditionsbewusst. Altes Brauchtum hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Seit Jahrhunderten wird in Endingen an Heiligabend während des Schlagens der Kirchenglocken zur Mitternacht aus den vielfach vorhandenen Brunnen das fließende Wasser geholt und als „Heiliwog“ getrunken. Dazu wird der Spruch gesagt: „Heiliwog – Gottes Gob, Glick ins Hüs – Unglick nüs!“ „(Heiliwog – Gottes Gabe, Glück ins Haus, Unglück raus)“
1843 wanderten 358 Bürger aus der Gegend des Kaiserstuhls über Le Havre nach Colonia Tovar, Venezuela aus, vornehmlich aus Endingen am Kaiserstuhl, Forchheim (Kaiserstuhl), Wyhl und Oberbergen. Dort wurden sie nach einigen Wirren an ihrem heutigen Ort angesiedelt. Die Bauern pflanzten Gemüse und Obst an und brauten auch das erste Bier Venezuelas; sie bauten ihre Häuser im Fachwerkstil.
In dem Ort feierte man jahrhundertelang das Gedenken an einen angeblichen jüdischen Ritualmord an einer vierköpfigen Bettlerfamilie aus dem Jahr 1462 und die in diesem Zusammenhang erfolgte Verbrennung von mindestens drei Juden 1470. Noch bis ins Jahr 1967 stellte man dazu in der Pfarrkirche St. Peter die präparierten Leichname der „Unschuldigen Kinder von Endingen“ zur Schau. Der mittlerweile leere Sarkophag ist noch vorhanden (2012), über dem rechten Seitenaltar zeigt – über dem hl. Sebastian – ein kleines Bild die beiden vermeintlich getöteten Kinder. Auch auf der 1714 gegossenen Glocke Osanna sind sie abgebildet. Die Aufklärung dieser Ritualmord-Geschichte beruht im Wesentlichen auf den Forschungen von Karl Kurrus (1911–1993)Badisches Landesmuseum: Heimatforscher und Heimatdichter Karl Kurrus (1911–1993) Zu ihm existiert auch ein Artikel in der alemannischen Wikipedia: :als:Karl Kurrus, der den Anstoß dazu 1962 von der vor den Nazis geflohenen und seit 1939 in den USA lebenden Toni Oelsner erhalten hatte. Oelsner sorgte auch dafür, dass die Ergebnisse von Kurrus' Recherchen in den USA bekannt wurden.
Mit Ausnahme von Kiechlinsbergen, das vor der Eingemeindung zum ehemaligen Landkreis Freiburg gehörte, war die Stadt seit der Zugehörigkeit zum Land Baden Teil des Landkreises Emmendingen.
Eingemeindungen mini|hochkant|Kirche St. Vitus im Ortsteil Amoltern
1. Dezember 1971: Amoltern 1. Januar 1974: Kiechlinsbergen 1. Januar 1975: Königschaffhausen
Politik Gemeinderat mini|hochkant|Rathaus in Endingen Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 ergab bei einer Wahlbeteiligung von 62,0 % (− 1,6) folgende Verteilung der jetzt 24 Sitze (− 1) im Gemeinderat der Stadt Endingen:– Stadt Endingen am Kaiserstuhl, Amtliches Endergebnis der Wahl des Gemeinderats am 9. Juni 2024
Partei / Liste Stimmenanteil G/V %p Sitze G/V CDU 32,8 % + 3,7 8 + 1 GRÜNE 19,4 % − 4,3 3 − 2 SPD 7,4 % − 1,4 2 ± 0 Endinger Bürgergemeinschaft (EBG) 25,7 % − 3,1 6 − 1 Die Unabhängigen (DU) 20,0 % + 3,1 5 + 1
Jugendgemeinderat Ab 2010 gab es in Endingen einen Jugendgemeinderat, nachdem zuvor die damalige SPD-Landtagsabgeordnete Marianne Wonnay zusammen mit der örtlichen Hauptschule die Idee ins Leben gerufen hatte. Der Jugendgemeinderat vertrat alle Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren.
Der Jugendgemeinderat verlor immer mehr an Bedeutung, sodass die geplante Wahl im Herbst 2017 nicht stattgefunden hat. Der Jugendgemeinderat wurde nicht erneut gewählt und aufgelöst.
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: „In gespaltenem Schild vorn in Rot ein silberner Balken, hinten in Blau ein silberner Flügel (der sogenannte Üsenberger Flug).“
Städtepartnerschaften Seit 1970 pflegt Endingen eine Partnerschaft mit der elsässischen Stadt Erstein in Frankreich, nur etwa 30 Kilometer rheinabwärts auf der anderen Seite des Rheins. Freundschaftliche Beziehungen gibt es auch zur französischen Gemeinde Coulonges-sur-l’Autize in der Region Nouvelle-Aquitaine im Westen Frankreichs. Zur Gemeinde Colonia Tovar in Venezuela, die zum Teil von Auswanderern aus Endingen mitgegründet wurde, werden ebenfalls Kontakte gepflegt.
Wirtschaft und Infrastruktur Landwirtschaft Der Weinbau spielt, wie überall im Kaiserstuhl, eine herausragende Rolle. In jeder Ortschaft und in der Kernstadt gibt es eine Winzergenossenschaft. Ferner sind in der Gemeinde mehrere unabhängige Weingüter ansässig. Besonders Königschaffhausen ist für seinen Kirschanbau bekannt.
Verkehr
Bahnverkehr Endingen liegt an der Kaiserstuhlbahn, im Stadtgebiet gibt es zwei Bahnhöfe, in Endingen und im Ortsteil Königschaffhausen.
Bahnhof Endingen Der Bahnhof Endingen ist Betriebsmittelpunkt der Kaiserstuhlbahn. Sie wurde von 2017 bis 2021 elektrifiziert und wird seither von zwei Linien im Netz der Breisgau-S-Bahn bedient.
Die S5, betrieben von der SWEG, verbindet stündlich den Bahnhof Riegel-Malterdingen an der Rheintalbahn über Endingen mit Breisach am Rhein.
Die S11, von DB Regio betrieben, startet in Endingen und führt über Riegel Ort und Gottenheim im 30-Minuten-Takt zum Freiburger Hauptbahnhof. Danach im Wechsel weiter nach Kirchzarten oder Neustadt (Schwarzwald) über Titisee.
Samstags, Sonntags und Feiertags verkehrt sie im Wechsel bis Neustadt (Schwarzwald) oder weiter bis Villingen (Schwarzwald) über Donaueschingen.
Bahnhof Königschaffhausen Am Bahnhof Königschaffhausen hält die S5 stündlich in Richtung Riegel-Malterdingen und Breisach.
Radverkehr Durch Endingen und den Ortsteil Königschaffhausen verläuft als Landes-Radfernweg der Badische WeinradwegBadischer Weinradweg auf www.schwarzwald-tourismus.info. Er führt von Grenzach-Wyhlen am Hochrhein nach Laudenbach im Norden Baden-Württembergs, dabei werden sieben der neun badischen Weinanbaugebiete untereinander verbunden. Ab Schallstadt gibt es zwei Varianten: Am Tuniberg entlang nach Ihringen und über den Kaiserstuhl nach Sasbach am Kaiserstuhl, Endingen und Riegel oder weiter am Rande des Rheintals über Freiburg und Emmendingen. Die Varianten treffen sich in Malterdingen wieder, danach führt die Route meist oberhalb des Rheintals weiter Richtung Kippenheim und nach Lahr/Schwarzwald.
Straßenanbindung Endingen liegt südlich der L 113 (neu). Bis 2007 ging die Landesstraße durch den Ort.
Entfernungen: Freiburg im Breisgau (ICE-Halt): 25 km Basel: 80 km Mülhausen im Elsass (int. Flughafen Basel-Mülhausen): 70 km Bundesautobahn 5 (Karlsruhe–Basel): 5 km
Ansässige Unternehmen VollherbstDruck produziert mit 120 Mitarbeitern Etiketten für Weine aus aller Welt.
Die Südwestdeutsche Verkehrs AG betreibt in Endingen ein Betriebszentrum für Schienenfahrzeuge und Busse.
Die 1856 gegründete Buchhandlung Vollherbst-Koch ist der älteste Endinger Einzelhändler.
Das Unternehmen Keller Blechtechnik (gegründet 1901) ist ein Spezialist in der industriellen Blechbearbeitung.
Rilit Lackfabrik GmbH entwickelt und produziert mit seinen 50 Mitarbeitern Lacksysteme für den Stahlbau, Automotive und Sonderlösungen.
ekp coatings GmbH ist ein Spezialist für Verpackungslacke in der Lebensmittelbranche & Pharma.
BEO Software (gegründet 1987 durch Clemens Sexauer) ist ein Spezialist für Versand- und Zollsoftware.
VCM Morgenthaler GmbH (VCM Gruppe) ist eine der größten Möbelmarken im europäischen E-Commerce und hat seit 2015 den Hauptsitz in Endingen.
Bildung In Endingen gibt es zwei Kleinkindbetreuungen von einem bis drei Jahre. in der Kernstadt hat sie fünf Kindergärten (Kindergarten Regenbogen, Kindergarten Schatzinsel, Kindergarten St. Elisabeth, Kindergarten Maria Quell, sowie der Waldkindergarten Wurzelkinder). Drei weitere Kindergarten befinden sich in den Ortsteilen Amoltern (Kindergarten St. Anna), Kiechlinsbergen (Kindergarten St. Josef) und Königschaffhausen (Kindergarten Bienenkorb).