Der Alboinplatz ist ein innerstädtisches Gartendenkmal im Südosten des Berliner Ortsteils Schöneberg im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Der ovale Platz liegt im Zuge der Alboinstraße direkt auf der Grenze zum Ortsteil Tempelhof, wobei nur die östliche Bebauung zu Tempelhof gehört. Das Straßenland des Platzes und die westliche Bebauung gehören zu Schöneberg.

Ein für Berliner Verhältnisse tief gelegener See, das Naturdenkmal Blanke Helle, prägt das Bild des Platzes. Auf der Südböschung der Seemulde steht eine markante Skulptur eines Auerochsen bzw. Stiers mit einer bemerkenswerten Entstehungsgeschichte (siehe #Skulptur Auerochse/Stier). Das Verständnis der Skulptur erschließt sich über eine Sage, die sich um die Blanke Helle rankt.

Der Platz Namensgebung mini|Silhouette Alboins am Turm des Alboinkontors

Namensgeber des Platzes ist Alboin (vor 526 bis 572/573), König der Langobarden und Gründer des langobardischen Reichs in Oberitalien. Die Langobarden kamen ursprünglich aus den Gebieten der unteren Elbe nach Italien und waren ein Teilstamm der germanischen Sueben. Am denkmalgeschützten Alboinkontor, der ehemaligen Schwarzkopf-Fabrik aus den Jahren 1928 bis 1930 von Carl Mackensen an der Alboin- / Ecke Magirusstraße, zeigt seit etwa 2004 eine Silhouette den König der Langobarden auf einem Pferd.Kiezbox:

Vor 1931 hieß das Oval Platz Q. Eine 1945 nach dem Kriegsende vorgeschlagene Umbenennung des Alboinplatzes in Egerlandplatz (wahrscheinlich nach dem hingerichteten NS-Widerstandskämpfer Erich Egerland) genehmigte der Berliner Magistrat nicht.

Bau des Platzes Der Platz in seiner heutigen Form war bereits 1909 auf Stadtplänen eingezeichnet.Kiessling’s grosser Verkehrs-Plan von 1909 Der nordwestliche Viertelkreis der Fahrbahn wurde um 1920 zur Erschließung der damals neuen Siedlung Lindenhof gebaut. Darüber verkehrte von Anfang an bis 1962 die Straßenbahnlinie 60, die seitdem durch Busse ersetzt ist, die noch heute so über diesen Viertelkreis fahren.

Noch 1928 war nur die westliche Seite des geplanten Platzes tatsächlich trassiert, im Osten auf der Tempelhofer Seite befanden sich noch Kleingärten.Luftbild von 1928, über FIS-Broker Die östliche Wohnbebauung des Platzes wurde 1929–1931 von Erich Glas und Hans Jessen im Auftrag der DeGeWo errichtet.

Beschreibung und Umgebung mini|Säulengang an der Nordseite mini|Blanke Helle

Der Alboinplatz hat einen Durchmesser von rund 230 m. Der 2500 m² große See liegt im Südbereich des Platzes und ist gesäumt von Wiesen mit einem lichten Baumbestand aus Birken, Buchen, Eiben und Holunder. Am steileren Südufer befindet sich an der Einmündung der Alboinstraße die Auerochsen-/Stierskulptur auf einem breiten Vorplatz, von dem ein Rundweg sanft abfällt und das Areal umfasst. Die Alboinstraße verläuft beidseitig um den Platz.

Von dem Denkmal und seinen gesenkten Hörnern geht eine Sichtachse über den See bis zu einem gegenüberliegenden breiten und säulengerahmten Eingangsweg, nach dem sich die Straße schnurgerade nach Norden fortsetzt. Westlich neben der Pfeilerreihe liegt ein Spielplatz, auf dem mit einem Findling ein weiteres Berliner Naturdenkmal steht.Verordnung zum Schutz von Naturdenkmalen in Berlin. Vom 2. März 1993. S. 35 oben; Schutzzweck: Naturgeschichtliche Gründe PDF bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Die Konzeption der als Gartendenkmal geschützten Grünanlage stammt von dem Gartenarchitekten Erwin Barth aus den Jahren 1912 und 1932 und hat eine Fläche von rund 4,6 Hektar.

Auf der Schöneberger Westseite schließt sich im Süden der landeseigene Friedhof Schöneberg II an der Eythstraße an, der mit dem Krummen Pfuhl ein ähnlich tief gelagertes Gewässer aufweist wie der Alboinplatz mit der Blanken Helle. Jenseits der Eythstraße, die den Alboinplatz in der Mitte trifft, folgen die Michaelkirche, ein Seniorenwohnhaus und anschließend ein Industriegebiet. Das heutige Schöneberger Gebiet westlich des Platzes bis zur Siedlung Lindenhof gehörte früher zur Gemarkung Tempelhof.

Siedlung Blanke Helle und Tempelhofer Schweiz mini|Siedlung Blanke Helle auf der Tempelhofer Seite

Das Bild der bei Tempelhof verbliebenen Platz- und Straßenseite, der Ostseite, bestimmt eine durchgehende Bebauung mit einem langgezogenen halbrunden Wohnblock, der lediglich von einem Durchgang unterbrochen ist. Der Block ist Bestandteil der Siedlung Blanke Helle, die sich in den abzweigenden drei Straßen (Burgemeisterstraße, Friedrich-Wilhelm-Straße und Kaiserin-Augusta-Straße) fortsetzt. Die drei- und viergeschossige Wohnanlage aus den Jahren 1929 bis 1931 entwarfen die Architekten Erich Glas und Hans Jessen im Auftrag der gemeinnützigen landeseigenen Deutschen Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaues, kurz Degewo. Die Gesamtanlage steht als Baudenkmal unter Schutz. Das gesamte Gebiet bis hinunter zur Eresburgstraße, dem Gäßnerweg, der Bose- und Manteuffelstraße mit den Siedlungen Blanke Helle und Attilahöhe nannten die Berliner Tempelhofer Schweiz. Der Grund für diese Namensgebung ist unklar, denn die Einheitsbauten haben wenig Schweizerisches. Die Bezeichnung war entweder ironisch gewendet oder hatte ihren Grund in dem zerklüfteten Gelände, das eine eiszeitliche Seerinne mit verschiedenen Pfuhlen prägte (siehe Schweiz (Landschaftsbezeichnung)).Klaus-Dieter Wille: Spaziergänge …

Blanke Helle Geologie Der Alboinplatz mit dem Pfuhl Blanke Helle und die weiteren Pfuhle der ehemaligen Seerinne liegen am Westrand des Tempelhofer Oberlandes auf dem Teltow, einer flachwelligen eiszeitlichen Platte, die vor rund 20.000 Jahren im Brandenburger Stadium der Weichsel-Kaltzeit entstand.

Kette von Toteislöchern mini|hochkant=1.7|Im Jahr 1901 noch weitgehend unbebautes Gebiet: 1 = Toteisloch Blanke Helle am heutigen Alboinplatz 2 = Toteisloch Krummer Pfuhl auf dem heutigen Friedhof Eythstraße3 = Dorfpfuhl und Kleine Blanke Helle in der heutigen Siedlung Lindenhof4 = Toteisloch Wilhelmsteich (rechts der Ziffer, der wesentlich größere See links der Ziffer existiert nicht mehr und ist im Bosepark aufgegangen)5 = Klarensee6 = Toteisloch Francketeich mini|Krummer Pfuhl mini|Östlicher Teich im Lindenhof

Der Teltow war komplett mit Eis überzogen und die schmelzenden Wassermassen hinterließen auf der Hochfläche verschiedene Toteislöcher wie die Blanke Helle (1) und den Krummen Pfuhl (2; heute auf dem Areal des II. Städtischen Friedhofs Eythstraße gelegen). Beide Löcher gehören zu einer Kette von Toteislöchern, die sich in einer ehemaligen Senke aneinanderreihen. Teile der glazialen Rinne und einige Tümpel, die auf der nebenstehenden Karte von 1901 im noch jungfräulichen Gebiet gut zu erkennen sind, sind heute überbaut. Die Anlage von Friedhöfen und Parks folgt allerdings – ähnlich wie bei der Kleinen Grunewaldseenkette – weitgehend dieser geologischen Formation, sodass sie im Grundzug noch heute sichtbar ist und den Begriff Tempelhofer Schweiz erfahrbar macht.

Eines der weiteren Toteislöcher liegt in der denkmalgeschützten Siedlung Lindenhof, die westlich an den Friedhof und den Krummen Pfuhl anschließt. Die Siedlung stammt aus den Jahren 1918–1920 und geht auf Pläne von Heinrich Lassen und Martin Wagner zurück. Die nebenstehende Karte zeigt neben der Eisenbahntrasse den ehemaligen Dorfpfuhl und die ehemalige Kleine Blanke Helle (3), die heute zu einem Teich im Lindenhof verbunden sind. Die Freiflächen und Gartenanlagen um die Pfuhle stehen als Gartendenkmal unter Schutz und sind ein Werk des Gartenarchitekten Leberecht Migge aus den Jahren 1918/1921. Nordöstlich der Blanken Helle schließen sich das Toteisloch Wilhelmsteich (4) am heutigen Lehnepark, der Klarensee (5) im heutigen Alten Park und östlich des Tempelhofer Damms das Toteisloch Francketeich (6) im heutigen Franckepark an.

Die Seerinne führte bis zum Hambuttenpfuhl an der Grabertstraße in der ehemaligen Steglitzer Villenkolonie Südende. Noch um 1900 hatten die Toteislöcher ein deutlich höheres Wasservolumen als heute. Die Mulde des Alboinplatzes war komplett mit Wasser gefüllt. Der nahe Teltowkanal, der 1906 fertiggestellt war, zog einen erheblichen Teil der Wasser ab. Die Blanke Helle weist zudem starke jahreszeitliche Schwankungen des Wasserstandes auf, fällt im Sommer allerdings nicht trocken, wie manche Pfuhle.

Naturdenkmale und fossile Funde mini|Der größere Findling auf dem Spielplatz mini|Der kleinere Findling auf dem Spielplatz

Mit der Verordnung vom 10. August 2004 nahm der Berliner Senat die Blanke Helle (ND-16), den benachbarten Krummen Pfuhl (ND-24), den Wilhelmsteich (ND-25) und den Francketeich (ND-19) in die Liste der Naturdenkmale Berlins auf.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Naturschutzbuch Berlin, Amtliche Liste gemäß § 26 Berliner Naturschutzgesetz (Stand März 2006), S. 10, ND 16, 19,24,25 PDF bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Schutzzweck ist es, „diese naturgeschichtlich wertvollen und seltenen eiszeitlichen Toteislöcher dauerhaft zu erhalten.“Verordnung zum Schutz der Naturdenkmale „Blanke Helle“, […], im Bezirk Tempelhof-Schöneberg von Berlin. 10. August 2004. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für Berlin, 60. Jg., Nr. 35, 28. August 2004, hier S. 348–350 (Auszug als PDF).

Auf dem Spielplatz auf dem Alboinplatz befinden sich zwei Findlinge, die wegen ihrer Größe als Naturdenkmale der Stadt Berlin ausgezeichnet wurden.Margot Böse, Gerhard Ehmke: , Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, Kleinmachnow, 3 (1996), 1, S. 155–159.

Ökologie mini|Blanke Helle, Vogelperspektive

Hels Pfuhl, wie der See seinerzeit hieß, gehörte als Tränke zur Viehtrift der Dorfflure von Tempelhof und Mariendorf. Bis 1900 war der Teich von Wiesen und Feldern umgeben. Nach dem Ende der Landwirtschaft und Wiesenbewirtschaftung in diesem Bereich breiteten sich Bäume und Sträucher ungehindert am Ufer aus, das zuvor zweimal jährlich gemäht worden war. In der Zeit des Siedlungs- und Straßenbaus erfuhr das Gelände eine weitere Veränderung, denn Bohrungen zu Forschungszwecken ergaben eine starke Schicht aus Bauschutt, Sanden und umgelagertem Geschiebemergel an den Hängen. Auf diese Schicht wurde wahrscheinlich der heutige Boden und Bewuchs mit halbruderalen Wiesengesellschaften in den Hangbereichen und lichten Gehölzen gesetzt.

Angesichts einer starken langjährigen Verschlammung des Sees, jahrelangem Missbrauch als größte Hundetoilette Berlins und seiner umbauten Lage weisen See und Park eine erstaunliche Artenvielfalt auf, die durch die Pflegemaßnahmen der Schutzverordnung erhalten und gefördert wird. In den Jahren 1988/1989 wiesen Forschungsgruppen „165 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen nach, wovon 12 als gefährdet in den Berliner Roten Listen stehen.“'Hainer Weißpflug: Die „Blanke Helle“ …, S. 60.

An Fischarten waren zur Zeit der Untersuchung das Moderlieschen und die Karausche heimisch. Wasservögel sind sehr spärlich vertreten. Die üblichen Brüter an derartigen Kleinstgewässern wie Blässhühner oder Zwergtaucher fehlen fast völlig, lediglich ein Brutpaar einer Teichralle mit drei Jungvögeln konnte nachgewiesen werden. In den alten Bäumen unterstützt ein großer Bestand an Nistkästen den „recht guten Besatz des Gebietes mit […] Höhlenbrütern“ wie Star, Kleiber, Feldsperling und Blaumeise. Bodenbrüter waren im Untersuchungszeitraum 1988/1989 nicht vorhanden. Trotz aller Schutzmaßnahmen wird sich der ursprüngliche Zustand des Gebiets – noch in den 1870er Jahren sollen in der Blanken Helle Sumpfschildkröten gefangen worden seinPaul Wollschläger, Der Bezirk …, S. 30 – nicht wiederherstellen lassen, dazu „ist das Gebiet zu klein, der Pfuhl zu sehr verstädtert.“Hainer Weißpflug: Die „Blanke Helle“ …, S. 61. Ein Rückbau ist nicht möglich.

Hels Pfuhl und seine Sage mini|Hels Pfuhl oder Blanke Helle