Wörth am Rhein ist eine verbandsfreie Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Landkreis Germersheim im Südosten von Rheinland-Pfalz. Sie liegt gegenüber von Karlsruhe am linken Rheinufer. Die Ansiedlung des Mercedes-Benz-Werks Wörth, des größten Lkw-Montagewerkes der Welt, und einer Raffinerie in den 1960er Jahren führte dazu, dass die Einwohnerzahl von etwa 3500 im Jahr 1960 auf 9000 Mitte der 1970er Jahre stieg. Große Wohngebiete und ein neues Zentrum auf dem Dorschberg entstanden in der Folge der Industrieansiedlung. Seit 1977 trägt Wörth die Bezeichnung „Stadt“.
Wörth am Rhein ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Geographie Lage Den größten Teil des Stadtgebiets nimmt der Bienwald, ein großes Waldgebiet, ein. Ganz im Nordwesten reicht das Stadtgebiet bis an den Viehstrich heran. Westlich der Stadtgemarkung befindet sich bereits der Landkreis Südliche Weinstraße. Direkt am Rhein liegt Maximiliansau. Am Ostrand des Bienwaldes befindet sich Wörth. Büchelberg liegt in einer Rodungsinsel im Bienwald, etwa zehn Kilometer westlich von Wörth. Schaidt liegt am nördlichen Rand des Bienwaldes, etwa 15 Kilometer westlich von Wörth. Im Süden ist Wörth teilweise weniger als 100 Meter von der deutsch-französischen Grenze in Form des Grenzflusses Lauter entfernt, allerdings in jedem Fall durch eine andere Gemeinde von der Grenze getrennt, hauptsächlich Scheibenhardt.
Gewässer mini|Heilbach innerhalb der Waldgemarkung von Wörth
Im Osten bildet der Rhein die Stadtgrenze. Bis an die Kernstadt reicht der Wörther Altrhein heran. Im Norden bildet der Otterbach teilweise die Gemarkungsgrenze zu Kandel. Dessen rechter Zufluss Bruchbach fließt durch Schaidt. Weiter südlich verlaufen der Schmerbach, der Heilbach, der Wiebelsbach und der Heßbach, die alle hauptsächlich in West-Ost-Richtung verlaufen. Der Heilbach nimmt außerdem von rechts den Saugraben auf, in den zuvor der Aschbach mündet und der Heßbach den Langen Graben.
Bei Rheinhochwasser stellt das Schöpfwerk Wörth am Nordende des Landeshafens die Binnenentwässerung sicher.Ministerium für Umwelt und Forsten, Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Flußwander- und Flussfahrradweg Südpfälzischer Rheinhauptdeich., S. 18 (PDF, 4,3 MB). Nördlich des Schöpfwerks liegt der Polder Wörth/Jockgrim, der dem Hochwasserschutz dient.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 752 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich in vier Ortsbezirke (Einwohner Stand 12. Februar 2020).Zahlen, Daten, Fakten – www.woerth.de Die fünf Gemarkungen sind Schaidt, Bienwald, Büchelberg, Wörth und Maximiliansau.
Ortsbezirk Einwohner (Haupt- und Nebenwohnsitze) Fläche km² Büchelberg 866 96,99 davon: Gemarkung Bienwald 93,74 Maximiliansau 6.794 10,47 Schaidt 1.851 4,91 Wörth 9.141 19,26 Stadt Wörth 18.652 131,63
Nachbargemeinden
Geschichte Die älteste Urkunde, in der Wörth erwähnt wurde, stammt aus dem Jahr 1280. Siedler aus den benachbarten Dörfern dürften sich in der Auenlandschaft niedergelassen und den Ort, in Anspielung auf die Lage am Wasser, „Werde“ genannt haben („eingezäuntes oder auf andere Weise geschütztes Gelände“), später „Wörth“ (Flussinsel).
1628 wurden die Wörther durch eine Überschwemmungskatastrophe gezwungen, ihre Siedlung aufzugeben und sich in der Wüstung Forlach niederzulassen, der sie den Namen ihres untergegangenen Ortes gaben.
Die Orte Wörth und Pfortz (das spätere Maximiliansau) gehörten zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und unterstanden dort dem Amt Hagenbach. Büchelberg, Schaidt sowie der Bienwald gehörten hingegen zum Hochstift Speyer, Amt Lauterburg. Ende des 17. Jahrhunderts ging die Landeshoheit über Teile der heutigen Südpfalz, darunter Wörth mit allen seinen heutigen Stadtteilen, auf das Königreich Frankreich über. Mit der Französischen Revolution erloschen die verbliebenen zweibrückischen landesherrlichen Rechte, Wœrth-sur-le-Rhin – so die damalige Bezeichnung – wurde vollumfänglich Teil Frankreichs und in den Kanton Kandel eingegliedert. 1815 kam Wörth von Frankreich an Österreich, 1816 an Bayern und 1946 an Rheinland-Pfalz.
1864 erhielt Wörth einen Bahnhof an der Bahnstrecke Winden–Karlsruhe, die damals zwischen Winden und Maximiliansau eröffnet wurde. 1876 wurden die Bahnstrecken Schifferstadt-Wörth und Wörth–Strasbourg eröffnet.
Der Tiermaler Heinrich von Zügel (1850–1941) bildete in Wörth Jahrzehnte hindurch Künstler aus dem In- und Ausland aus. Wörth galt daher als „Malerdorf“.
1960 kaufte die Daimler-Benz AG Flächen bei Wörth und errichtet dort in den Folgejahren ein LKW-Montagewerk. 1962 kaufte Mobil Oil Flächen zur Errichtung der Raffinerie Wörth, die 1970 die Produktion aufnahm.Amtsblatt Wörth am Rhein: (PDF; 17,0 MB), 2. April 2006 Zusätzlich errichtete das Land den Landeshafen Wörth, der 1967 übergeben wurde.
Durch die Industrieansiedlung beflügelt entstand westlich des Altortes von Wörth ein neuer Ortsteil („Dorschberg“). 1964 verkaufte das Land der Gemeinde 30 ha Gelände im Bienwald westlich der Bienwaldsiedlung. In einem städtebaulichen Wettbewerb setzte sich die Konzeption von Albert Speer jr. durch, die dort ein neues Stadtzentrum vorsah. 1967 verkaufte das Land der Gemeinde weitere 32,5 Hektar Bienwald, wo bis 1977 vorwiegend Wohnbebauung entstand. 1967 wurde die Dorschbergschule fertiggestellt, in der zunächst das Gymnasium untergebracht war, bis es 1970 ein eigenes Schulgebäude bezog. 1970/71 waren das Rathaus mit Tiefgarage, das Hallenbad, der Bürgerpark und 1973 die Festhalle und die katholische Kirche St. Theodard fertiggestellt. Zwischen 1974 und 1977 wurde die Bienwaldhalle als Mehrzweckhalle gebaut. Zudem entstanden zwei Kindergärten.
Mit Urkunde vom 14. Mai 1977 wurde die Ortsgemeinde Wörth am Rhein zur Stadt erhoben. Der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut Kohl bezeichnete Wörth im Jahr 1972 aufgrund des schnellen wirtschaftlichen Wachstums als „Visitenkarte des Landes Rheinland-Pfalz“.
Am 30. Juni 1996 schloss Mobil-Oil die Raffinerie. Nach der Demontage der Raffinerie bis 2000 und der Sanierung kaufte die Stadt Wörth das Gelände zurück. Ab 2001 siedelte sich die Papierfabrik Palm auf dem östlichen Teil des Geländes an. Daneben siedelten sich weitere Unternehmen an. Zwischen 2005 und 2007 errichtete die DaimlerChrysler AG ein Entwicklungs- und Versuchszentrum mit Teststrecke an der Hafenstraße, südlich der ehemaligen Raffinerie.
Ab dem 17. Mai 2024 unterstützten Einheiten von Feuerwehr, THW, DRK und Malteser aus dem gesamten Bundesgebiet bei der präventiven Schadenabwehr durch HochwasserHochwasser: Eine böse Überraschung und eine überraschende Lösung, Die Rheinpfalz v. 21. Mai 2024. Abgerufen am 30. Mai 2024., welches das Tief „Katarina“Extreme Gefahr durch Hochwasser im Saarland, tagesschau v. 18. Mai 2024. Abgerufen am 30. Mai 2024. verursachte und Altwörth bedrohte sowie zur Evakuierung von etwa 1780 Menschen geführt hätte.Hochwasser: Die Überflutungsgefahr für Altwörth ist gebannt, Die Rheinpfalz v. 22. Mai 2024. Abgerufen am 30. Mai 2024. Wasser aus dem Heilbach und dem Bienwald konnten mit Pumpen in den Schauffele-See und von dort in den Altrhein gepumpt werden. Das Rückhaltebecken des Heilbachs konnte so gezielt entlastet werden. Der Einsatz endete am 23. Mai 2024.Hochwasser: Die Überflutungsgefahr für Altwörth ist gebannt, THW v. 24. Mai 2024. Abgerufen am 30. Mai 2024.
Verwaltungs- und Gebietsreform mini|Das Rathaus in Wörth. Im Rahmen der in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre begonnenen rheinland-pfälzischen Funktional- und Gebietsreform wurde auf der Grundlage des „Dreizehnten Landesgesetzes über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz“ vom 1. März 1972, in Kraft getreten am 22. April 1972, die Verbandsgemeinde Wörth gebildet, der die eigenständigen Gemeinden Büchelberg, Maximiliansau, Schaidt und Wörth angehörten.
Zum 8. Juni 1979 wurde die Gemeinde Büchelberg nach Wörth eingemeindet und zum 10. Juni 1979 die Verbandsgemeinde Wörth, die Stadt Wörth am Rhein sowie die Ortsgemeinden Schaidt und Maximiliansau aufgelöst und aus diesen eine verbandsfreie Gemeinde gebildet. Gleichzeitig wurde ein Gebietsteil mit 60 Einwohnern von Wörth am Rhein nach Scheibenhardt umgemeindet. Ebenfalls am 10. Juni 1979 wurde die neue Gemeinde Wörth am Rhein zur Stadt erhoben.
Bevölkerungsentwicklung Die Industrieansiedlung in den 1960er Jahren führte dazu, dass die Einwohnerzahl Wörths von 3558 im Jahr 1961 auf 7282 bis zum Jahr 1970 und auf 9144 im Jahr 1978 stieg.Amtliche Einwohnerzahl, vgl. Statistisches Jahrbuch der Stadt Karlsruhe 1978, S. 109, zit. n. Manfred Bader, Albert Ritter und Albert Schwarz: Wörth am Rhein. Ortschronik. 1983, S. 1626
Bezogen auf den heutigen Gebietsstand stieg die Einwohnerzahl von 10.294 im Jahr 1963 um fast 72 % auf 17.698 im Jahr 1978, sank bis 1986 auf 16.880 und erreichte im Jahr 2001 mit 17.732 ihren bisherigen Höchststand. 2015 lag sie mit 17.645 Einwohnern knapp darunter.Regionaldaten des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz, Bevölkerungsentwicklung 1963 bis 2015, Zahl bezogen auf die alleinige bzw. Hauptwohnung. Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Volkszählung 1987 bzw. 2011. Abgerufen am 24. Oktober 2016.
Statistik zur Einwohnerentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Wörth am Rhein bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 48,1 % römisch-katholisch, 26,4 % evangelisch und 25,5 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Wörth am Rhein Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem beträchtlich gesunken. Mit Stand Juli 2025 waren von den Einwohnern 31,0 % katholisch, 17,9 % evangelisch und 51,1 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Wörth am Rhein Gemeindestatistik, abgerufen am 17. August 2025
Religion
Evangelische Kirchen Maximiliansau Es existiert die sogenannte Protestantische Kirchengemeinde Maximiliansau mit einer evangelischen Kirche.
Wörth Die protestantische Christuskirche befindet sich in der Mitte des alten Ortsteils. Sie wurde 1835 bis 1836 erweitert. 1890 wurde der hölzerne Kirchturm durch einen steinernen Turm ersetzt.Manfred Bader, Albert Ritter und Albert Schwarz: Wörth am Rhein. Ortschronik. 1983, S. 1199
Die protestantische Friedenskirche wurde zwischen 1981 und 1984 errichtet. Es ist ein zweigeschossiges Gebäude mit einem achteckigen Kirchenraum im Obergeschoss, der durch zwei Zuschalträume erweitert werden kann. In den Kirchenräumen befinden sich Kunstverglasungen von Johannes Schreiter.Förderverein Farbfenster Friedenskirche Wörth auf den Seiten der Prot. Friedenskirchengemeinde Wörth, abgerufen am 5. März 2014. Die Gemeinde Wörth unterstützte den Bau mit 100.000 Mark und stellte die Grundstücke zur Verfügung. auf den Seiten der Pfarrgemeinden St. Ägidius und St. Theodard, abgerufen am 5. März 2014.
Katholische Kirchen Seit 2015 bilden die Kirchengemeinden aus Wörth, Hagenbach, Maximiliansau, Berg, Büchelberg und Neuburg eine gemeinsame Pfarrei unter dem Namen Hl. Christophorus mit dem festen Gottesdienstort in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Maximiliansau. Die Pfarrei Schaidt bildet gemeinsam mit Kandel, Steinweiler und Minfeld die Pfarrei Hll. Vierzehn Nothelfer mit festem Gottesdienstort Kandel., Pfarreienstruktur des Bistums Speyer 2015, abgerufen am 7. April 2014., Die Namen der neuen Pfarreien, abgerufen am 7. April 2014.
Büchelberg
Maximiliansau Die Kirche Mariä Himmelfahrt wurde 1787 erbaut, 1843 und von 1936 bis 1938 erweitert.Homepage der Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt, abgerufen am 7. April 2014.
Schaidt
Wörth