miniatur|right|Satellitenbild von Maro Reef Maro Reef oder Maro-Riff ist ein großes Korallenriff im nördlichen Pazifischen Ozean, das geografisch zu den nordwestlichen Hawaii-Inseln (engl.: Northwestern Hawaiʻian Islands oder Leeward Islands) gehört und politisch zu Hawaii, dem 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten.

Geografie Das Maro-Riff ist ein großes Korallenriff in der Kette der Hawaii-Inseln, die sich im nördlichen Pazifik über 2 400 km von Südost nach Nordwest ausdehnt. Es liegt zwischen den Gardner Pinnacles im Süden und der Insel Laysan im Norden. Die Basis ist eine untermeerische Bank von 1 550 km², der Überrest eines versunkenen Schildvulkans, die sich 57 km in ostwestlicher Richtung und 33 km in nordsüdlicher Richtung erstreckt. Das eigentliche Riff ist 22 km lang und 9 km breit und auch bei Ebbe überflutet.Richard N. Uchida, James H. Uchiyama: Fishery atlas of the northwestern Hawaiian Islands. NOAA Technical Report, NMFS September 1986

Das Maro Reef ist, ähnlich wie die Neva Shoals, ein offenes Atoll, dem das klassische, umschließende Saumriff fehlt. Stattdessen zeigt es eine lineare und netzartige Riffstruktur. Die seichten, im Mittel 2 m tiefen Bereiche bestehen aus Fleckenriffen (patch reefs) und länglichen, strahlenförmig auslaufenden Strukturen, die als Sporn- und Rillenformationen (spur and groove formations) bezeichnet werden. Dazwischenliegende Kanäle können Tiefen bis zu 18 m aufweisen. Diese Art von Atoll ist nur aus dem Hawaii-Archipel bekannt. Das einzig sichtbare Land, möglicherweise der Überrest einer versunkenen Insel, besteht aus einigen Blöcken und Spitzen, die aber nur bei niedrigen Wasserständen hervortreten. Mit 1 508 km² ist sein potenzieller Lebensraum für riffbildende Korallen (in weniger als 100 m Tiefe) der zweitgrößte innerhalb der nordwestlichen Hawaii-Inseln.John J. Rooney et al. Geology and geomorphology of coral reefs in the Northwestern Hawaiian Islands. In: Bernhard M. Riegl, Richard E. Dodge (Hrsg.): Coral Reefs of the USA. Springer Science & Business Media, New York 2008, ISBN 978-1402068461, S. 519 f.Christine Taylor: Northwestern Hawaiian Islands: a resource guide. United States Office of Ocean and Coastal Resource Management 2003

Fauna Am Maro Reef ist eine außergewöhnlich zahlreiche und vielfältige Meeresfauna zu beobachten. Hier wurde mit 14 Prozent der Gesamtfläche die dichteste Korallenbedeckung im Bereich der nordwestlichen Hawaii-Inseln festgestellt.Jean C. Kenyon et al.: Community structure of hermatypic corals at Maro Reef in the Northwestern Hawaiian Islands: a unique open atoll. Atoll Research Bulletin 558, Smithsonian Institution, Washington D.C. 2008 Nach einer Studie aus den 1980er Jahren beherbergt das Riff 21 Korallenarten. Es dominieren Steinkorallen (Scleractinia) der Gattung Porites, zum Beispiel Porites lobata oder Porites compressa. Weitere, häufig vorkommende Korallen gehören zu den Gattungen Montipora (z. B. Montipora capitata), Leptastrea (z. B. Leptastrea purpurea) und Acropora (z. B. Acropora cytherea).Richard W. Grigg: Community structure, succession and development of coral reefs. In: Marine Ecological Progress Series, Jg. 11, 1983, S. 1–14 Neuere Studien aus dem Jahr 2001 erwähnen 37 Arten von Steinkorallen.

Mehrere Indikatoren deuten auf einen gesunden Korallenbestand hin, zum Beispiel: die dichte Korallenbedeckung, die Erholung von der Korallenbleiche, die geringe Verbreitung von Korallenkrankheiten, die Seltenheit von Dornenkronenseesternen und die hohe Ansiedlungsrate der Larven. Die Ansammlung von Meeresmüll aus externen Quellen ist jedoch problematisch.

Die Riffe sind Lebensraum für zahlreiche Fische, besonders häufig sind Falterfisch- und Doktorfischarten. Dickkopf-Stachelmakrelen (Caranx ignobilis) und Blauflossen-Makrelen (Caranx melampygus) sind Großfische in den offenen Gewässern zwischen den Riffstrukturen. Mehrere Haiarten kommen vor: Weißspitzen- und Graue Riffhaie sowie große Schwärme von Galapagoshaien. Mantarochen und Adlerrochen sind nicht selten. Mönchsrobben und Grüne Meeresschildkröten, ansonsten auf den Nordwestlichen Hawaii-Inseln häufig, kommen am Maro-Riff kaum vor, da Rastplätze sowie Strände zur Eiablage fehlen.

Geschichte Es ist anzunehmen, dass das Maro-Riff den Ureinwohnern Hawaiis bekannt war, denn es kommt in mehreren, mündlich tradierten Legenden und Gesängen vor. Obwohl keine archäologischen Indizien dafür bekannt sind, dürfte der Fischreichtum ein nachvollziehbarer Beweggrund gewesen sein, das Riff mit hochseetüchtigen Kanus anzusteuern.

Entdeckung Die Bark Maro aus Nantucket befand sich auf ihrer zweiten Reise vom 26. Oktober 1819 bis 10. Mai 1822 auf der Jagd nach Pottwalen im Pazifischen Ozean. Kapitän Allen war von den Schiffseignern angewiesen worden, von den „Sandwichinseln“ Westnordwest zu den neu erschlossenen Fanggebieten um die japanischen Inseln zu segeln. Nach einem Zwischenaufenthalt auf der Insel Oahu entdeckte Allen am 2. Juni 1820 die auf den Karten nicht verzeichneten Gardner Pinnacles und anschließend das Maro-Riff:Alexander Findlay: Directory for the Navigation of the North Pacific Ocean [...] Richard Laurie, London 1870, S. 1149.

Kapitänleutnant (später Admiral) der Kaiserlich Russischen Marine Friedrich Benjamin von Lütke leitete die zwölfte russische Weltumseglung vom 14. August 1826 bis 16. September 1829 mit den Korvetten Senjawin und Moller. Die Senjawin und die unter dem Kommando von Marine-Leutnant Mikhail Nikolaevich Staniukovich (Михаил Николаевич Станюкович; auch Stanyukovich, Stanjukovič, Stanikowitsch) (1786–1869) stehende Moller segelten dieselbe Route, waren jedoch nach der Umrundung von Kap Hoorn zeitweise getrennt.William Barr: Fedor Petrovich Litke and his Expeditions to Novaya Zemlya 1821-24. The Journal of the Hakluyt Society, Dezember 2017, S. 31. Lütke legte mit der Senjawin einen Zwischenstopp auf Hawaii (Big Island) ein.Voyage autour du monde, exécuté par ordre de Sa Majesté l'empereur Nicolas 1er, sur la corvette le Séniavine, dans les années 1826, 1827, 1828 et 1829, par Frédéric Lütké […]. Didot Fréres, Paris 1835, Band 1, S. 88 f. Unabhängig davon führte Staniukowich zeitgleich umfangreiche hydrografische Messungen im hawaiischen Archipel durch. In seinem Expeditionsbericht erwähnt Lütke die Fahrt der Moller nur in wenigen Zeilen:

Weitere Informationen zum Maro-Riff sind in Lütkes Expeditionsbericht nicht enthalten. In Alexander Findlays Navigationshandbuch von 1870 findet sich allerdings die folgende Anmerkung:

Die Briggs Porpoise, Oregon und Flying-Fish der United States Exploring Expedition (US Ex. Ex.) der US Navy von 1838 bis 1842 hatten den Auftrag, die nordwestlichen Hawaii-Inseln zu erkunden und anschließend nach Japan weiterzusegeln. Die Schiffe passierten die Neckerinsel und die French Frigate Shoals und erreichten am 7. Dezember 1841 das Maro-Riff. Sie segelten im sicheren Abstand von 4 Meilen (7,5 Kilometer) an der Gefahrenstelle vorbei und Kapitän Cadwalader Ringgold von der Porpoise ermittelte die nautische Position.Charles Wilkes: Narrative of the United States Exploring Expedition during the years 1838, 1839, 1840, 1841, 1842. Band V, Lea & Blanchard, Philadelphia 1845, S. 366–367.

Vom 26. April bis 7. August 1859 suchte die unter der Flagge Hawaiis segelnde Bark Gambia, Kapitän Brooks, einige der nordwestlichen Hawaii-Inseln für die Robbenjagd und zur Guano-Exploration auf und passierte dabei auch das Maro-Riff.

1859 entsandte die US Navy die Sloop USS Fenimore Cooper zu einer Erkundungsmission zu den nordwestlichen Hawaii-Inseln, um die genauen Koordinaten der Inseln, Atolle und Riffe sowie die Gefahren für die Schifffahrt zu ermitteln. Die Fenimore Cooper erreichte das Maro-Riff im Januar 1859. Kapitän John M. Brook schrieb, das Riff sei sehr gefährlich, niedrig und von Brechern bedeckt („Maro Reef is very dangerous – low and covered with breakers“).The Washington Union, Washington D.C., 31. März 1859, S. 2. In der Folge wurde die Liste der NavigationshindernisseReported Dangers to Navigation in the Pacific Ocean – Part 1, North of the Equator. Government Printing Office, Washington D.C, 1871. berichtigt. Die Messungen von Leutnant Brook waren auch die Grundlage einer neu herausgegebenen Karte der nordwestlichen Hawaii-Inseln.Report Nr. 194, The Senate of the United States, 40th Congress, 3d Session, 28. Januar 1869.The Pacific Commercial Advertiser, Honolulu, 22. Februar 1868, S. 1.

Die erste multidisziplinäre Forschungsreise zu den nordwestlichen Hawaii-Inseln war die sogenannte Tanager-Expedition der Smithsonian Institution mit dem Minensuchboot USS Tanager (AM-385), das die US Navy zur Verfügung gestellt hatte. Auf dem Weg von den French Frigate Shoals nach Laysan passierte die Tanager am 7. April 1923 das Maro-Riff in sicherer Entfernung an Steuerbord. Die Gischt der brechenden Wellen war von Deck aus deutlich auszumachen. Eine nähere Untersuchung des Riffes erfolgte nicht.Storrs L. Olson: History and Ornithological Journals of the Tanager Expedition of 1923 to the Northwestern Hawaiian Islands […]. Atoll Research Bulletin 433, Smithsonian Institution, Washington D. C. 1996, S. 122.

Havarien Die frühen Entdecker wiesen unisono auf die Gefährlichkeit des Maro-Riffes hin. Das unter dem Meeresspiegel liegende Navigationshindernis wurde mehreren Schiffen zum Verhängnis, insbesondere weil die Position in den Navigationshandbüchern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts unterschiedlich angegeben war. Der US Coast Pilot, ein verbreitetes Navigationshandbuch, warnt heute noch eindringlich vor den Gefahren: „Alle Manöver in der Nähe des Brandungsbereichs müssen mit äußerster Vorsicht und bei Tageslicht durchgeführt werden, sodass Untiefen erkannt und vermieden werden können.“ (All maneuvering in the vicinity of the broken area must be done with extreme caution and with light such that shoal spots can be seen and avoided).United States National Oceanic and Atmospheric Administration: United States Coast Pilot 7: Pacific Coast – California, 56th Edition 2024, Kapitel 14 (Hawaii) Die meisten Schiffe umfahren das gefährliche Seegebiet weiträumig. Dennoch gab es Havarien bis in die Neuzeit.

Huntress Die Bark Huntress aus San Francisco, unterwegs nach Hongkong, lief in der Nacht zum 20. Mai 1852 auf das Maro-Riff auf. Die Ursache für die Havarie war, dass die Seekarte, die Kapitän Soule benutzt hatte, eine Abweichung von 18 Seemeilen (33 km) zur tatsächlichen Position des Riffes aufwies. Bis zum Morgen lief das Schiff voll Wasser, aber brach erst nach vier Tagen auseinander. Das verschaffte der Mannschaft Zeit, drei Beiboote herzurichten, um damit eine der bewohnten Hawaii-Inseln zu erreichen. Aber wegen widriger Winde entschloss sich der Kapitän, nach Guam zu segeln. In der Nacht zum 25. Juni 1852 verlor eines der Boote den Anschluss und wurde nie wieder gesehen. Nach weiteren 14 Tagen auf See begegneten die zwei Boote dem Schiff Gentoo aus San Francisco, das die Männer aufnahm und nach Manila brachte.The New York Daily Tribune vom 1. November 1852, S. 6

O.M. Kellog