mini|175px|Wappen der Stadt Pirmasens Die Geschichte der Stadt Pirmasens beschreibt die Entwicklung einer kleinen Siedlung am Westrand des Pfälzerwaldes zu einer Garnisonsstadt und einem Zentrum der deutschen Schuhindustrie. Als Siedlungsursprung gilt das Gebiet um den Wedebrunnen in Pirmasens. Der Name der Stadt geht auf den heiligen Pirminius zurück, der 742 ein Kloster im nahen Hornbach gründete, als dessen Waldmark die Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Pirmasens um 750 angelegt wurde. Landgraf Ludwig IX. erweiterte das kleine Dorf im 18. Jahrhundert durch Aufbau einer Garnison zu einer Stadt. Im 19. Jahrhundert begann die „Ära der Schuhindustrie“, die bis zum Ende der 1970er Jahre andauerte.
Erste Besiedlung
Bronzezeitliche und keltische Besiedlung Die ältesten Besiedlungsspuren in Pirmasens sind ein 1930 zwischen Erlenbrunn und dem Kettrichhof entdecktes Feld aus zehn Grabhügeln. Der Heimatforscher Oskar Schäfer öffnete bei Grabungen vier der Hügel. Darin fanden sich Skelett-, Stein- sowie Brandgräber, die neben Skeletten oder Knochenresten auch Schmuck und Waffen verschiedener Epochen enthielten. Die ältesten Funde wurden auf die Frühe Bronzezeit (2000–1900 v. Chr.), andere der Hallstatt- (700–550 v. Chr.) sowie der La-Tène-Zeit (5.–1. Jahrhundert v. Chr.) zugeordnet. Die Funde wurden dem Heimatmuseum in Pirmasens übergeben, die restlichen Grabhügel blieben ungeöffnet.
Keltische Spuren finden sich in der Nähe der heutigen Ortsteile Gersbach und Windsberg. Sie wurden 1830 entdeckt und enthalten nach damaliger Deutung auch Reste von Opferstätten, die dem ursprünglich keltischen, später von den Römern übernommenen Waldgott Vosegus (auch Vosagus, Vosacius),B. Maier: Die Kelten. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. C.H.Beck, 2000, ISBN 3-406-46094-1 Namensgeber für die Vogesen (Vosges) und den Wasgau, geweiht waren.J. E. Fischer: Die Einführung des Christenthums im jetzigen Königreiche Bayern, 1863, A. Volkhart’sche Buchdruckerei Die Fundstelle ist etwa drei Kilometer vom historischen Siedlungsursprung Wedebrunnen entfernt.
Pirminius und das Kloster Hornbach
mini|150px|Standbild des Heiligen Pirminius beim Kloster Murbach Namenspatron von Pirmasens ist der Heilige Pirminius, der um 741 sein letztes Kloster in Hornbach gründete, 753 dort starb und in der Klosterkirche beigesetzt wurde.Pia Heberer: Das Kloster Hornbach in der Pfalz. Baugeschichte und Sakraltopographie. Generaldirektion Kulturelles Erbe – Rheinland-Pfalz, Mainz 2010, ISBN 978-3-936113-02-0, S. 11.. In dieser Zeit wurde ihm vom Widonen-Graf Warnharius die sehr waldreiche Hornbacher Waldmark übereignet.Franz Xaver Kemling: . Theil-Verlag, Neustadt a. d. Haardt, 1836, S. 56–57. Sie umfasste ein Landgebiet mit den später entstandenen Siedlungen Pirmasens, Ruhbank, Simten, Winzeln, Gersbach, Fehrbach, dem untergegangenen Dorf Hunscheid auf der Husterhöhe, dem auf dem linken Ufer der Rodalb gelegenen Teil des Dorfes Münchweiler, Ruppertsweiler und dem untergegangenen Dorf Gutenbach nordwestlich von Lemberg, dessen Bann mit dem von Lemberg vereinigt wurde. Die Ausdehnung der Waldmark entsprach somit in etwa dem heutigen Stadtgebiet von Pirmasens.
Das Kloster Hornbach trieb die Besiedlung voran, und die Mönche gründeten etwa 820 einen Klosterhof in der Nähe des späteren Wedebrunnens. Die älteste bekannte Erwähnung der Siedlung in der Waldmark als Pirminiseusna stammt aus der älteren Pirminsvita und wird auf die Zeit um 860 datiert (erhalten ist eine Kopie aus dem 10. Jahrhundert). Sprachgeschichtlich liegt im Namen ein Kompositum vor: Das Bestimmungswort ist der Heiligenname Pirminius, das Grundwort ist althochdeutsch *einasna ‘Einzelanwesen’. Die ursprüngliche Bedeutung des Ortsnamens ist damit ‚Einsiedelei des Heiligen Pirminius‘.Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 493. Die jüngere Pirminsvita nennt um 1000 als Namen der Siedlung Pirminishusna, was ‚bei den Häusern des Pirminius‘ bedeutet. Die infolge sprachlicher Entwicklungen eintretende starke Veränderung des Ortsnamens im Hochmittelalter hat ihn zunehmend undurchsichtig gemacht, was zu einer spekulativen, namenkundlich falschen Anlehnung an einen „Bermann“ geführt hat.
Bei der um 820 erwähnten Örtlichkeit handelte es sich womöglich um eine einsame Waldsiedlung, in der das klösterliche Vieh, vorwiegend Schweine, gehalten wurde. Inmitten der kleinen Ansiedlung entstand eine erste Kapelle oder kleine Kirche, die später mit einem größeren Gebäude überbaut wurde.Max Best: Aus der Geschichte der katholischen Kirche in Pirmasens. In: Festschrift zur Weihe der Pirmasenser Kirche St. Anton. 1931.Bei Grabungen auf dem Gelände der Färberei König wurden 1885 Mauerreste eines kleinen Kirchengebäudes mit Seiten von 5 und 8 Metern Länge entdeckt. Diese wurden unter einem Plattenboden aus dem 12./13. Jahrhundert gefunden.
Die Siedlung war an die schon lange existierende Salzstraße angebunden.
Übergang zu Speyer und zweite Kirche Die Schutzfunktion über das Kloster Hornbach, die auch als Vogtei bezeichnet werden kann, lag zunächst in den Händen des Bischofs von Metz. Homepage der Prot. Kirchengemeinden Hornbach und Brenschelbach. 1100 wurde Hornbach Eigenkloster des Bistums Speyer. Im Jahr 1150 erhielt das Dorf Pirmasens eine zweite, größere, gotische Kirche St. Juliana, die im Dorfzentrum etwas erhöht erbaut wurde und die zwischen dem Wedebrunnen und der Pirminiusstraße stehende erste Kirche aus der Zeit der Dorfgründung ersetzte.Historischer Verein Pirmasens: Als Namensgeber des wahrscheinlich als Eigenkirche entstandenen Gotteshauses diente die Heilige Juliana von Nikomedia (285–304).
Grafschaft Saarbrücken Die Anfänge Das Dorf kam mit dem Kloster Hornbach wohl zu Beginn des 12. Jahrhunderts unter die Vogtei der Grafen von Saarbrücken. Von 1182 bis 1190 wurde die Grafschaft Saarbrücken zwischen den beiden gräflichen Brüdern Simon und Heinrich geteilt. Simon erhielt den westlichen Teil, der weiterhin Grafschaft Saarbrücken genannt wurde, Heinrich alle Ländereien östlich der Blies und damit auch die Hornbacher Waldmark sowie die Lothringer Lehen, die neue Grafschaft Zweibrücken. Er ließ sich in Zweibrücken ein Wasserschloss erbauen und nannte sich fortan Graf Heinrich von Zweibrücken. Ihm wurde auch die Vogtei über das Kloster Hornbach zugesprochen, womit Pirmasens zur Grafschaft Zweibrücken gehörte.
Aus einer Urkunde des Jahres 1202 geht hervor, dass das Dorf Pirmasens ein Pfarrort mit Kirche und eigenem Pfarrer, allerdings abhängig vom Kloster Hornbach war.Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz, 1882, S. 114 Die Kirche war Mittelpunkt der Seelsorge und des Gottesdienstes für die Gläubigen aus den umliegenden Dörfern, Gehöften und Mühlen. 1225 wurde ein Siechenhaus bei der Kirche St. Juliana errichtet. Im selben Jahr bestätigte der Bischof Johann von Metz die Übertragung der Pfarrverwaltung von Pirmasens an das Kloster Hornbach.Fritz Claus: Maria Rosenberg. Legende, Sage und Geschichte. 3. Auflage, Edenkoben, 1911, Verlag Zweibrücker Volkszeitung Damit mussten alle Einkünfte der Pfarrei zur Errichtung und Unterhaltung der Krankenversorgung an das Kloster abgeführt werden.
Unter Zweibrücken-Bitsch Dem Grafen Heinrich I. folgte um 1237 sein Sohn Graf Heinrich II. nach. Die Söhne des letzteren, Eberhard I. und Walram I., übernahmen zunächst gemeinsam die Regierung der Grafschaft, entschlossen sich aber nach 1286, sie zu teilen. Eberhard erhielt 1295 mit dem Amt Lemberg den „niederen“ Teil von Birmesessen (Pirmasens), Walram bekam zu dem Amt Zweibrücken den „oberen“ Teil. Die Teilung bezog sich in erster Linie auf die Einkünfte, die Gerichtsbarkeit blieb verbunden. Die Untertanen hatten wie bisher das Recht des freien Zugs.Wenn ein Leibeigener des einen Bruders in das Gebiet des anderen zog, verblieb dessen Haus, Hof und Erbe seinem früheren Herrn. Eine Jungfrau dagegen, die einen Leibeigenen des anderen Bruders heiratete, folgte ihrem Mann, so dass ihr bisheriger Herr keine Rechte mehr über sie hatte. Witwer und Witwen durften ohne Genehmigung ihres Herrn keine neue Ehe eingehen.
Pirmasens lag in der Folge im Amt Lemberg der Grafschaft Zweibrücken-Bitsch und dort in der gleichnamigen Amtsschultheißerei Pirmasens.Friedrich Knöpp: Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstädtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden in Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6], S. 11; Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480–1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 9. Verwaltung und Rechtsprechung nahm ein vom Landesherrn eingesetzter Amtsschultheiß wahr.
1297 vertauschte Graf Eberhard I. einige Ortschaften an Herzog Friedrich III. von Lothringen und erhielt von diesem im Gegenzug die Burg und die Herrschaft Bitsch zu Lehen. Er begründete damit die Linie der Grafen von Zweibrücken-Bitsch.
Die Kirche in Pirmasens war zwischen 1322 und 1326/1327 abgebrannt und sollte wieder aufgebaut werden. Strittig war zwischen dem Kloster und den Einwohnern von Pirmasens, wer die Kosten dafür tragen sollte. Die Witwe von Eberhard, der 1321 verstorben war, Agnes von Zweibrücken, schlichtete gemeinsam mit dem Erzpriester Gerhard von Hornbach 1327 den Streit: Der Abt hatte 24 Pfund Heller zum Bau beizusteuern und das erforderliche Bauholz zu stellen. Die Bauern aber sollten dieses Bauholz selbst aus dem Wald abfahren. Die neue Kirche wurde am Ort der heutigen Lutherkirche errichtet. Seit 1360/1361 war die Pfarrei unabhängig vom Kloster Hornbach, das aber immer noch einen Klosterhof in der Ortschaft unterhielt.
Wird der Ort 1369 noch als „Birmesense“ erwähnt, tauchen zwischen 1468 und 1490 verschiedene Quellen mit der Schreibweise „Pirmeseß“ und „Pirmansens“ auf. Die Waldgegend um den Ort wird 1489 erstmals als „große Waldmark Hornbachs“ und „St. Pirminsland“ bezeichnet.
Grafschaft Hanau-Lichtenberg Der Übergang 1560 heiratete die einzige Tochter des Grafen Jakob von Zweibrücken-Bitsch (* 1510; † 1570), des letzten männlichen Mitglieds der Familie der Grafen von Zweibrücken-Bitsch, den (Erb-)Grafen Philipp V. von Hanau-Lichtenberg. Als Graf Jakob 1570 starb, beanspruchte Philipp V. das Amt Lemberg und die Herrschaft Bitsch als sein rechtmäßiges Erbe. Graf Philipp I. von Leiningen-Westerburg machte ihm diese Erbschaft streitig, da er mit Amalia, der Nichte Graf Jakobs, verheiratet war. Herzog Karl von Lothringen belehnte sowohl Philipp I. von Leiningen-Westerburg sowie auch Philipp V. von Hanau-Lichtenberg mit der Herrschaft Bitsch.