mini|Gerhard Weinberger (2008) Gerhard Weinberger (* 31. Juli 1948 in Pfaffenhofen an der Ilm) ist ein deutscher Konzertorganist, Komponist und Professor für künstlerisches Orgelspiel.
Leben und Wirken Gerhard Weinberger wurde als Sohn von Anna Weinberger, geborener Schimmelbauer, und des Pfaffenhofener Chordirigenten und Musikmeisters Max Weinberger (1904–1987) geboren.Weinberger, Gerhard. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1318–1319, hier: S. 1318. Er ist katholisch. Nach dem Abitur am Gabrieli-Gymnasium Eichstätt studierte er von 1967 bis 1972 an der Hochschule für Musik München Orgel, ab 1970 in der Meisterklasse bei Franz Lehrndorfer, sowie katholische Kirchenmusik und Schulmusik. 1971 erhielt er den zweiten Preis im Fach Orgel beim 20. Internationalen Musikwettbewerb der ARD.
Nach einer Tätigkeit als Chordirektor von 1972 bis 1974 an der Basilika St. Lorenz in Kempten lehrte er ab 1974 als Dozent an der Staatlichen Hochschule für Musik München, wo er ab 1977 als Professor für Orgel unterrichtete. 1983 wechselte er als ordentlicher Professor für künstlerisches Orgelspiel und Leiter der Abteilung Kirchenmusik sowie des Vokalsolisten-Ensembles der Barockakademie an die Hochschule für Musik Detmold. Von 1979 bis 1983 war er zudem Lehrbeauftragter an der Kirchenmusikschule Regensburg und nahm von 1984 bis 2003 einen Lehrauftrag für Orgel an der Hochschule für Musik Würzburg wahr. Außerdem gibt er international Meisterkurse und wirkt als Juror.
Weinberger konzertiert als Organist in Europa, Asien, Nord- und Südamerika. Er brachte mehrere Orgelwerke von Harald Genzmer zur Uraufführung. 1986 gründete er das Ensemble Die Deutschen Bach-Vocalisten, mit dem er international konzertierte. Als Dirigent führte er vor allem Werke des 17. und 18. Jahrhunderts auf.
Es liegen zahlreiche Rundfunkaufnahmen und CD-Einspielungen vor sowie eine Gesamteinspielung der Orgelwerke Johann Sebastian Bachs auf bedeutenden historischen Orgeln beim Label cpo, die 2009 mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Außerdem erhielt Weinberger verschiedene Schallplattenpreise. In den Jahren 2010 bis 2023 machte er eine Gesamteinspielung der Orgelwerke Max Regers auf Orgeln der Regerzeit beim Label cpo (18 CDs).Gerhard Weinberger: Der Tag wird kommen... – Zu meiner Gesamteinspielung der Orgelwerke von Max Reger. In: Ars Organi 2/24. Abgerufen am 11. September 2024.
Weinberger ist Herausgeber und Editor von Orgelmusik und geistlicher Chormusik, insbesondere des 18. und 19. Jahrhunderts, darunter die erste wissenschaftliche Gesamtausgabe der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs und der Orgelwerke von Robert Schumann.
Er war viele Jahre Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste und des Direktoriums der Neuen Bachgesellschaft Leipzig. 2017 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Gerhard Weinberger heiratete 1978 Ulrike Schaller. Seit 1995www.voxorgani.org. ist er mit der aus Coburg stammenden Organistin Beatrice-Maria Weinberger verheiratet.Orgelmuseum Borgentreich: Beatrice-Maria und Gerhard Weinberger. Abgerufen am 29. Juni 2026. Er prägte das Pfaffenhofener Kulturleben und lebt heute in München.Organist Gerhard Weinberger feiert seinen 75. Geburtstag. In: Donaukurier.
Schüler (Auswahl) Zu seinen Schülern zählen unter anderem Thomas Albus, Matthias Beckert, Daniel Beckmann, Max Beckschäfer, Thomas Berning, Roland Büchner, Norbert Düchtel, Heidi Emmert, Friedhelm Flamme, Sebastian Freitag, David Jonies (Domorganist in Chicago), Carsten Klomp,Barbara Kraus, Gerhard Merkl, Kord Michaelis, Christiane Michel-Ostertun, Iris Rieg, Benno Schachtner, Johannes Skudlik, Josef Still, Franz Josef Stoiber, Markus Utz, Christian Weiherer und Walter Zielke.
Werke Kompositionen (Auswahl) Schutzengelmesse für Sopransolo, Chor, Saxophon, Kontrabass, Tambourin und Orgel. Jubilate-Verlag Eichstätt In paradisum deducant te angeli. Elegie für Orgel, Sonat–Verlag und Edition Récit Pfingsten. Für Orgel. Verlag récit, Straubing Toccata pasquale für Orgel. Verlag Sonat Reflexionen über die Ostersequenz für Altsolo, Echosopran, Orgel und Altarglocken. Manuskript 60 leichte Intonationen manualiter zu Liedern aus dem Gotteslob. Verlag Récit Leichte manualiter – Intonationen zu 75 Liedern aus dem Gotteslob. Verlag Jubilate Ad introitum. Choralvorspiele zu Eingangsliedern aus dem Gotteslob. Band 1 und 2. Sonat – Verlag Sonat Chorsätze und Überchöre zu verschiedenen Liedern aus dem Gotteslob (Verlage Jubilate, Feuchtinger, Böhm und Sohn, Butz) Le vent de l'Esprit. Für Orgel und Tanz. Verlag Récit Et incarnatus est. Für Chor. Verlag Jubilate Johannes Brahms - Wiegenlied für Orgel bearbeitet. Verlag Récit
Noteneditionen (Auswahl) Johann Ludwig Krebs – Sämtliche Orgelwerke in fünf Bänden (wissenschaftliche und praktische Ausgabe). Breitkopf & Härtel, Wiesbaden, Bände 1 bis 5. Orgeltrios nach Johann Sebastian Bach. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden Johann Carl Friedrich Rellstab – Sonata pel Organo o Clavicembalo D-Dur. Pro Organo, Leutkirch Johann Sebastian Bach (zugeschrieben): Drei Choralbearbeitungen für Orgel. Sonat-Verlag, Berlin Sechs Orgeltrios nach Werken Johann Sebastian Bachs. Sonat-Verlag Berlin Carl Philipp Emanuel Bach – Sämtliche Orgelwerke Band 1 und 2. Wiener Urtext Edition, Schott Music / Universal Edition Robert Schumann – Sämtliche Werke für Orgel oder Pedalklavier (Urtext). G.Henle, München Georg Andreas Sorge – Drei Sonaten für Tasteninstrumente. Merseburger, Kassel Johann Anton Kobrich – Pastorellen für Orgel oder ein anderes Tasteninstrument. Anton Böhm & Sohn, Augsburg Süddeutsche und italienische Pastoralmusik. Feuchtinger und Gleichauf, Regensburg Pro Organo et Cembalo – Orgel- und Cembalomusik aus dem Repertoire süddeutscher Klöster und Kirchen des 18. Jahrhunderts. Robert Forberg, Bonn (in zwei Bänden) In Organo Heft IV: Schwäbische Orgelmeister des 18. Jahrhunderts. Anton Böhm und Sohn, Augsburg Johann Sebastian Bach – Concerto d-Moll nach B.Marcello (BWV 974) für Orgel (Transkription: G. Weinberger) Möseler, Wolfenbüttel Johann Sebastian Bach – Concerto G-Dur nach A.Vivaldi (BWVB 973) für Orgel (Transkription: G. Weinberger) Jubilate, Eichstätt Gustav Geierhaas – Toccata, Adagio und Fuge für Orgel. Strube, München Gustav Geierhaas – Fantasie und Fugato capriccioso für Orgel. Sonat-Verlag Berlin Gustav Geierhaas – Choralsuite für Orgel. Sonat-Verlag Berlin Gustav Geierhaas – Passacaglia. Sonat-Verlag Berlin Bayerische Orgelmusik zwischen Romantik und Moderne (Musik-Edition Récit Straubing); Bände 1 bis 18. Johann Sebastian Bach – Drei Choralbearbeitungen für Orgel aus Kantaten. Anton Böhm und Sohn, Augsburg Harald Genzmer – Introduktion und Variationen über Nun bitten wir den Heiligen Geist für Orgel vierhändig. Schott, Mainz Max Jobst – „Ave Maria“ für Sopran, Violine und Orgel. Verlag Récit Gallus Zeiler – Magnificat für Soli, Chor, Oboe und Streicher. Carus, Stuttgart Franz Xaver Richter – Messe C-Dur für Soli, Chor, zwei Oboen und Streicher. Carus, Stuttgart Reihe „Four ad four for organ“, vierhändige Orgelmusik. Musikedition Récit; Bände 1 bis 7. Otto Dunkelberg – Zehn alte Marienlieder in Sätzen für vier- bis sechsstimmigen gemischten Chor. Feuchtinger und Gleichauf, Regensburg Gerhard Weinberger – Drei Orgel-Transkriptionen von Werken Joseph Haydns. Musik-Edition Récit Straubing Franz Xaver Richter – Werke für ein Tasteninstrument. Musik-Edition Récit, Straubing Joseph Schmid – Choralbearbeitungen. Musik-Edition Récit, Straubing Joseph Schmid – Orgelwerke. Musikverlag Butz Gottfried Rüdinger – Elegie für Violine und Orgel op. 77. Musik-Edition Récit, Straubing Franz Lachner – Ave Maria für Sopran und Harfe. Verlag Sonat Franz und Ignaz Lachner – Orgelwerke. Verlag Sonat/Ries und Erler Ernst Ludwig Gerber – Choralvorspiele. Ortus-Verlag Placidus Metsch – Ausgewählte Orgelwerke in zwei Bänden. Musik-Edition Récit, Straubing Joseph Ignaz Bieling – Ausgewählte Orgelwerke. Musik-Edition Récit, Straubing Joseph Anton Auffmann – Concerto in Es für Orgel, zwei Hörner und Streicher. Sonat-Verlag, Berlin Joseph Anton Auffmann – Concerto in F für Orgel, zwei Hörner und Streicher. Sonat-Verlag, Berlin Joseph Anton Auffmann – Concerto in g für Orgel, zwei Hörner und Streicher. Sonat-Verlag, Berlin Markus Zech – Concerto in D für Orgel und Streicher. Sonat-Verlag, Berlin Johann Anton Kobrich – Sechs Sonaten für Orgel oder Cembalo. Musik-Edition Récit, Straubing Joseph Haas – 40 Fughetten für Orgel. Schott, Mainz Joseph Haas – Präludien und Fughetten. Schott, Mainz Joseph Haas – Choralvorspiel „O Ewigkeit, du Donnerwort“. Verlag Schott, Mainz Giovanni Battista Pergolesi – „Ave regina coelorum“ für Sopran, Alt und Streicher. Butz, Bonn Stefan Paluselli – Missa in C für zwei Oberstimmen und konzertierende Orgel. Butz, Bonn Anonymus (18. Jahrh.) - Missa solemnis in D für zwei Soprane und konzertierende Orgel. Verlag Jubilate Diakonus Zänkl - Missa solemnis für zwei Oberstimmen und konzertierende Orgel. Verlag Butz Pantaleón Jozef Roskovský OFM – Missa solemnis für Sopransolo und konzertierende Orgel. Sonat-Verlag Berlin Leopold Hofmann - „Regina coeli“ für Sopran und konzertierende Orgel. Verlag Jubilate Gallus Zeiler – Vier marianische Antiphonen für Sopran, Str. und Continuo. Verlag Kistner und Siegel Wolfgang Amadeus Mozart – Fantasie d-Moll KV 397, bearb. für Orgel von G. Weinberger. Musik-Edition Récit, Straubing
Tastenmusik von Klosterkomponisten des 18. Jahrhunderts für Orgel, Cembalo oder Klavier. Musik-Edition Récit, Straubing, Bände I bis XV. Johann Anton Kobrich - Missa in B op. 18 Nr. 6 für hohe Singstimme, Violine ad lib. und Orgel. Verlag Butz, Bonn Johann Anton Kobrich - Missa in G op. 18 Nr. 5 für Bass-Solo, Violine ad lib. und Orgel. Verlag Butz, Bonn Johann Anton Kobrich - Missa in A op. 18 Nr. 8 für Sopran - Bass-Solo, Violine ad lib. und Orgel. Edition Goldgruber
Joseph Schmid - Adagio für vier Hörner und Orgel. Verlag Ries und Erler Ludwig Thuille - Sonate. Verlag Sonat (Ries und Erler) Friedrich Klose - Präludium und Doppelfuge über ein Thema von Anton Bruckner für Orgel und acht Blechbläser. Ortus-Verlag Joseph Anton Xaver Auffmann - Concerto in F, bearb. für Orgelsolo von G. Weinberger. Verlag récit, Straubing Joseph Anton Xaver Auffmann - Concerto in C, bearb. für Orgelsolo von G. Weinberger. Verlag récit, Straubing Joseph Anton Xaver Auffmann - Concerto in B. bearb. für Orgelsolo von G. Weinberger. Verlag récit, Straubing Joseph Rupert Ignaz Bieling - Concerto in B, rekonstruiert und bearb. von G. Weinberger. Verlag Strube, München Giuseppe Sammartini - Concerto in G op. 9. Nr. 3, für Orgel bearb. v. G.Weinberger. Verlag Strube, München Wilhelm Hanser - Missa in g für zwei Soprane, konzertierende Orgel, zwei Clarini und Pauken. Opus-Verlag München Markus Zech OSB - Concerto in C für Orgel und Orchester. Verlag Sonat (Ries und Erler) Friedrich Klose - Interludium (Wandlungsmusik), für Orgel bearbeitet (Verlag récit Straubing)
Bücher mit Ewald Kooiman und Hermann J. Busch: Zur Interpretation der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs. Merseburger, Kassel 1995, ISBN 3-87537-215-8.
Festschrift für Gerhard Weinberger Paul Thyssen: Bach und Reger im Zentrum. Gerhard Weinberger zum 75. Geburtstag. Ortus Musikverlag, Beeskow 2023, ISBN 978-3-937788-79-1.
Diskographie (Auswahl)
Als Organist Johann Sebastian Bach – 22 volumes. Sämtliche Orgelwerke auf historischen Instrumenten, schwerpunktmäßig in Thüringen und Sachsen (cpo; 1999–2007); Jahrespreis 2009 der Deutschen Schallplattenkritik Max Reger – Sämtliche Orgelwerke (18 CDs) auf Orgeln der Regerzeit (cpo; 2010–2023)
Johann Ludwig Krebs, vol. 1 bis 7. Sämtliche Orgelwerke. Gerhard und Beatrice-Maria Weinberger auf den großen süddeutschen Barockorgeln (Motette Ursina; 2001–2007)