miniatur|Die Royal Festival Hall während der Wiedereröffnungsfeierlichkeiten 2008 nach der Renovierung Die Royal Festival Hall in London ist ein modernistisches Multifunktionsgebäude für Konzert-, Tanz- und Vortragsveranstaltungen, das 1951 eröffnet wurde. Sie ist Teil des Southbank Centre, das sich am Südufer der Themse im Stadtteil Lambeth, unweit der Hungerford Bridge, befindet. Der Bau genießt als Grade-I-Listed Building („gelistetes Gebäude der Stufe I“) speziellen Bestandsschutz und war 1981 der erste Nachkriegsbau in England, der in diese Kategorie eingereiht wurde. Seit 1988 ist im Gebäude die National Poetry Library beheimatet.

mini|Der Konzertsaal

Geschichte der Institution Der Grundstein wurde 1949 an der Stelle einer ehemaligen Brauerei durch den damaligen Premierminister Clement Attlee gelegt. Mit dem Bau sollte nicht nur ein Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Queen’s Hall geschaffen werden. Es handelte sich um den Beitrag des London County Council (LLC) zum Festival of Britain, einer 1951 eröffneten Nationalausstellung, die mit Kulturveranstaltungen über mehrere Monate hinweg als Leuchtturm der Hoffnung („beacon of hope“) das Trauma des Krieges zu überwinden helfen und die Nation feiern sollte. Neben mehreren temporären Einrichtungen auf der Southbank, war die Festival Hall das einzige auf Dauer dafür errichtete Gebäude. Die offizielle Eröffnung fand am 3. Mai 1951 statt.Die Royal Festival Hall auf den Seiten des Southbank Centre. Abgerufen am 20. Juni 2026.

Der LLC entschied sich 1955 für den Bau einer weiteren Konzerthalle und einer Kunstgalerie. 1967 eröffnete die Queen Elizabeth Hall (mit dem Purcell Room), ein Jahr später die Hayward Gallery. Zusammen mit diesem Gebäudekomplex wurde die Royal Festival Hall vom Nachfolger des LLS, dem Greater London Council (1965), 1968 zum Southbank Centre zusammengefasst.Nach der Auflösung des Greater London Council 1986 wurde die Festival Hall zunächst vom Arts Council England betrieben. Das Southbank Centre ist das größte Kulturzentrum des Vereinigten Königreichs.

Das Gebäude bietet einen großen Konzertsaal, mehrere Veranstaltungsräume, Foyers, verschiedene Gastronomie und eine Bibliothek. Der Konzertsaal verfügt über 2.900 Sitzplätze, die benachbarte Queen Elizabeth Hall über 917 und der Purcell Room über 370 Plätze. Die Royal Festival Hall ist Stammsitz des London Philharmonic Orchestra, des Philharmonia Orchestra, dem Orchestra of the Age of Enlightenment, sowie der London Sinfonietta. Zuletzt traten 2004 das Kammerensemble Aurora und 2015 das multiethnische Orchester Chineke!.

Seit den späten 1980er-Jahren verfolgt die Festival Hall ein „Open Foyers“-Prinzip, wobei wesentliche Foyer-Räume tagsüber für den Publikumsverkehr geöffnet werden, auch wenn dort keine Darbietungen stattfinden. Dies stieß auf breite Resonanz, und die Foyers der Festival Hall sind nun einer der meistgenutzten öffentlichen Räume Londons. Auch der Clore Ballroom wird heute vor allem für offene Veranstaltungen für Tanz und Begegnung genutzt.

mini|Die National Poetry Library

Die von T. S. Eliot und Herbert Read 1953 gegründete National Poetry Library zog nach mehreren Ortswechseln schließlich 1988 in die Royal Festival Hall, deren Räumlichkeiten im fünften Stock von Seamus Heaney eröffnet wurden.National Poetry Library auf den Seiten des Southbank Centre. Abgerufen am 20. Juni 2026. Mit mehr als 200.000 Büchern und Objekten wurde sie als weltweit eine der größten Bibliotheken für Poesie bezeichnet."Southbank to Host London's First Festival of Literature", London Evening Standard, 17 Mai 2007. Die Southbank zwischen Westminster Bridge und Blackfriars Bridge, mit dem Queen’s Walk entlang der Themse und den Jubilee Gardens ist außerdem Sitz des Royal National Theatre und dem BFI Southbank, die von anderen öffentlichen Institutionen getragen werden.

Das Southbank Centre war laut BBC mit über 3,7 Millionen Besuchern 2024 die fünft-beliebteste Besucherattraktion des Landes.Emma Saunders: „British Museum most visited UK attraction in 2024“, BBC News, 21. März 2025. Abgerufen am 19. Juni 2026. Die genaue Adresse für das Southbank Centre ist Belvedere Road, London, SE1 8XX. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Waterloo und Embankment. Außerdem halten mehr als 20 verschiedene Buslinien im Umkreis von 500 Metern.

Geschichte des Gebäudes Die Gestaltung der Festival Hall folgt dem Modernismus, nachdem der vom Festival beauftragte Architekt Hugh Casson entschieden hatte, nur junge Architekten heranzuziehen. Für die Entwürfe zeichneten Leslie Martin, Peter Moro und Robert Matthew vom LCC’s Architects’ Department verantwortlich; Martin war erst 39-jährig, als er Ende 1948 mit der Leitung des Entwurfteams beauftragt wurde. Martin konzipierte die Grundstruktur als „Ei in der Schachtel“ („egg in a box“); er verwendete diesen Begriff, um die Trennung des kurvenförmigen Auditoriums vom umgebenden Baukörper – und damit auch von Lärm und Vibrationen durch die benachbarte Eisenbahnbrücke – zu beschreiben.

Das Gebäude erfuhr 1964 eine erhebliche Substanzveränderung, als Foyers und Terrassen an der Flussseite des Gebäudes hinzugefügt wurden und außerdem die Zahl der rückseitigen Umkleideräume erhöht wurde. Dadurch erhielten die ursprünglich stilistisch an einen skandinavisch-leichtfüßigen Modernismus angelehnten Fassaden ein klareres und kantigeres Aussehen. Die ursprüngliche Abfolge der Eingänge wurde durch diese Eingriffe wie auch durch die spätere Hinzufügung erhöhter betonierter Zugänge deutlich beeinträchtigt. 1967/68 kam der benachbarte brutalistische Gebäudekomplex aus Queen Elizabeth Hall, Purcell Room und der Hayward Gallery hinzu.

Unter der Leitung von Allies and Morrison Architects wurde in den letzten Jahren eine eingehende Renovierung durchgeführt, um die schlechte Akustik zu verbessern, die Leistungsfähigkeit der Zugänge und die Flexibilität des Auditoriums zu erhöhen sowie die generelle Qualität des Gebäudematerials, der Eingangszonen und der Foyerausstattung zu steigern. Eine Reihe von sieben Geschäfts- beziehungsweise Gastronomieeinrichtungen wurde an der Flussseite ergänzt und der benachbarte Gehweg am Fluss neu gestaltet, wodurch allerdings Londons bevorzugtes öffentliches Skateboardareal unterhalb der Hall weggefallen ist. Die Gesamtkosten der Renovierung werden auf etwa 115 Millionen £ beziffert. Im Juni 2008 wurde die Renovierung des Southbank Centre abgeschlossen.

2014 wurde auch die Restaurierung der 1954 in die Royal Festival Hall eingebauten Orgel mit 7710 Pfeifen abgeschlossen, die im Zuge der Umbauarbeiten entfernt wurde. Die Restaurierung wurde von der Firma Harrison & Harrison, die die Orgel ursprünglich auch gebaut hatte, durchgeführt.

Literatur Edward Jones, Christopher Woodward: A Guide to the Architecture of London. Weidenfeld & Nicholson, London 1983, ISBN 0-297-78188-X.

Weblinks

Die Royal Festival Hall auf den Seiten des Southbank Centre

Einzelnachweise

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