mini|Graf Anton Günther an der Spitze des Festumzuges 2006 mini|Festumzug vor dem Kramermarkt

Der Kramermarkt ist ein jährlich stattfindendes Volksfest in Oldenburg. Der Markt beginnt meist am letzten Freitag im September oder am ersten Freitag in Oktober und endet zehn Tage später. Die Zeit, in der der Kramermarkt stattfindet, wird in Oldenburg auch Die fünfte Jahreszeit genannt.

Geschichte Ursprünge als Verkaufsmarkt Graf Anton Günther von Oldenburg (1583–1667) gilt durch eine Verordnung aus dem Jahre 1608 als Begründer des heutigen Kramermarkts. Am 27. September 1608, dem Gedenktag des Erzengel Michaels, wurde erstmals der sogenannte „Michaelis-Markt“ ausgerichtet. Fünf Tage lang wurden auf dem Marktplatz beim Rathaus zum Abschluss der Erntezeit die eingeholten Erträge gehandelt. Später als Krahmer-Marckt bezeichnet, waren die Marktbeschicker hauptsächlich Krämer und reisende Händler, die Waren außerhalb der Region wie Gewürze, Tabak und Porzellan anboten.

Im Jahr 1872 fiel der Markt wegen einer Bakterienruhr aus und 1834, 1866 und 1873 aufgrund der Cholera.

Anfänge als Volksmarkt In den Anfängen des 19. Jahrhunderts wurde der Markt durch Schausteller und erste Fahrgeschäfte, wie Karussells erweitert. Bereits 1825 wurde erstmals ein Karussell aufgestellt. Infolgedessen wuchs der Markt immer weiter, da er vor allem auf die Landbevölkerung der umliegenden Dörfer im Oldenburger Land eine große Anziehungskraft hatte und der Stadt bedeutsame wirtschaftliche Einnahmen brachte.

Im Jahr 1842 reichte der Kramermarkt bereits vom Marktplatz über den im Jahr zuvor erschaffenen Kasinoplatz bis hin zum Waffenplatz. Die Staustraße und der Stauwall kamen 1860 dazu. Die Stadtverwaltung teilte den Markt 1877 aufgrund der nun sehr großen Anzahl an Buden auf. Die Händler blieben mit ihren Waren auf dem Rathausmarkt, die Fahrgeschäfte wurden fortan auf dem Pferdemarkt aufgebaut.

Nachdem auf dem Bremer Freimarkt 1857 erstmals Luftballons verkauft wurden, wurden sie infolgedessen auch auf dem Oldenburger Kramermarkt angeboten.

Der Kramermarkt im 20. Jahrhundert Um die Jahrhundertwende um 1900 fanden auf dem Oldenburger Kramermarkt sogenannte Menschenschauen statt, bei denen Menschen mit Behinderungen gegen Eintritt zur Schau gestellt und als Attraktion präsentiert wurden.

Aufgrund des Ersten Weltkriegs fiel der Markt in den Jahren 1914 bis 1915 aus. Im Jahr 1926 wurde erstmals ein Autoscooter aufgebaut.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war auch der Kramermarkt in Oldenburg von der Gleichschaltung der Schaustellerbetriebe betroffen. Spätestens ab 1935 waren Schausteller verpflichtet, sich der „Nationalsozialistischen Handels- und Gewerbe-Organisation“ (NS-HAGO) anzuschließen, die bis 1945 bestand. Voraussetzung für die Ausübung eines Gewerbes war zudem der Nachweis der sogenannten „arischen Abstammung“. Hierzu mussten Schausteller anhand von Stammbäumen nachweisen, dass sie weder jüdisch noch Sinti oder Roma sind.

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs fand der Markt zwar statt, wurde aber mit einem langjährigen Tanzverbot belegt. Von 1945 bis 1962 fand der Kramermarkt auf dem Pferdemarkt statt. Aus Platzgründen wurde der Markt 1963 auf das Freigelände der Weser-Ems-Halle verlegt. Seither sind Händler und Fahrgeschäfte wieder zusammengelegt, wobei die Fahrgeschäfte den größeren Teil des Markts ausmachen.

Der Kramermarkt findet seit 1990 an drei Sonn- und Feiertagen statt, da mit dem Tag der deutschen Einheit als Feiertag der dritte Oktober jedes Jahr in der Kramermarktszeit liegt.

Jüngere Vergangenheit Aufgrund der COVID-19-Pandemie musste der Kramermarkt im Jahr 2020 abgesagt werden. An seiner Stelle fand der temporäre Freizeitpark „LaOLa“ vom 17. September bis zum 11. Oktober 2020 statt. Im Jahr 2021 musste der Kramermarkt zum zweiten Mal aufgrund der Pandemie abgesagt werden, eine Ersatzveranstaltung fand vom 16. September bis 10. Oktober 2021 statt.

Der nächste reguläre Kramermarkt wurde vom 30. September bis zum 9. Oktober 2022 ausgetragen.

Der Kramermarkt zählt mit rund 1,5 Millionen Besuchern auf dem 90.000 Quadratmeter großen Freigelände zu den zehn größten Volksfesten Deutschlands.

Verlauf mini|hochkant|links|Kramermarktgetümmel von oben mini|hochkant|Kramermarktgetümmel von unten Bevor der Kramermarkt überhaupt startet, kann traditionell von mehreren Orten der Stadt aus der Aufbau des Riesenrads „Mein Rad“ verfolgt werden, welches als das größte transportable Riesenrad der Welt gilt.

Am ersten Samstag der Veranstaltung findet mit dem Kramermarktsumzug nachmittags ein festlicher Umzug durch die Innenstadt statt, an dem sich zahlreiche lokale Vereine und Gruppen beteiligen. An der Spitze des Zuges reitet die Figur Graf Anton Günther als Begründer des Marktes voran.

Früher wurde mit dem Kramermarktsumzug der Beginn des Festes eingeleitet. Seit 1992 beginnt der Markt aber schon am Freitag, die Tradition des Umzugs ist geblieben. Die Route führt durch die Innenstadt Oldenburgs bis zum Marktgelände bei der Weser-Ems-Halle. Es ist Tradition, dass der Oberbürgermeister den amtierenden Kohlkönig des Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten, meist eine Person auf der Bundespolitik, auf die Ehrentribüne einlädt. Von 2001 bis 2022 übertrug der NDR den Umzug live im Fernsehen.

Während des Kramermarktes werden drei Feuerwerke gezündet. Am ersten Freitag findet ein größeres Eröffnungsfeuerwerk statt, am zweiten Freitag ein kleines Feuerwerk als Abschluss des Laternenumzuges für Kinder und am letzten Sonntag um 22:00 Uhr ein großes Brillantfeuerwerk. Damit wird traditionell das Ende des Marktes eingeleitet, die Schausteller dürfen ihren Betrieb allerdings bis am späten Abend weiterführen.

Das Marktgeschehen beginnt täglich am frühen Nachmittag und dauert bis Mitternacht. Viele Schausteller fahren nach Beendigung des Kramermarkts direkt zu den nächsten Volksfesten in Norddeutschland, beispielsweise zum Gallimarkt in Leer oder dem Bremer Freimarkt.

Weblinks

Offizielle Homepage Der Kramermarkt früher und heute Die Sonderseiten der NWZ mit Artikeln, Bildern und Filmen zum Kramermarkt

Einzelnachweise

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