Pepi II. (griechisch Phiops II.) war der fünfte König (Pharao) der altägyptischen 6. Dynastie im Alten Reich. Er regierte etwa innerhalb des Zeitraums von 2245 bis 2180 v. Chr.Jahreszahlen nach Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002. und kam bereits als Kind auf den Thron. Mit wahrscheinlich mehr als 60 Regierungsjahren war seine Herrschaft eine der längsten in der Geschichte des alten Ägypten.

In der Landesverwaltung ist unter Pepi II. eine Fortsetzung der bereits länger anhaltenden Dezentralisierung sowie ein Wachstum der Beamtenschaft festzustellen. In einem komplexen Zusammenspiel mit ungünstigen klimatischen Veränderungen scheint dieses Anwachsen der Beamtenschaft im fortgeschrittenen Verlauf seiner Regierung zu einer Ressourcenverknappung beigetragen zu haben, die schließlich unter seinen Nachfolgern zum Zusammenbruch des Alten Reiches führte. Durch Grabinschriften und archäologische Funde sind intensive Handelskontakte nach Byblos sowie nach Nubien und Punt überliefert. Die Kontakte nach Süden wurden allerdings durch Feindseligkeiten mit Beduinenstämmen und erstarkten nubischen Fürstentümern zunehmend erschwert. Wichtigstes Bauprojekt Pepis II. stellt seine Pyramidenanlage im Süden von Sakkara dar.

Herkunft und Familie Pepi II. war der Sohn von Pharao Pepi I. und dessen Gemahlin Anchenespepi II. (auch Anchenesmerire II. genannt). Seine Halbbrüder waren sein Amtsvorgänger Merenre und die beiden Prinzen Tetianch und Hornetjerichet. Als Ehefrauen sind seine Halbschwestern Neith und Iput II., seine Nichte Anchenespepi III. sowie zwei weitere Frauen namens Anchenespepi IV. und Wedjebten bekannt. Aus der Ehe mit Neith ging Pepis Thronfolger Nemtiemsaef II. (Antiemsaef II.) hervor, aus der Ehe mit Anchenespepi IV. der spätere König Neferkare Nebi. Bei Nebkauhor-Idu und Ptahschepses handelt es sich möglicherweise um weitere Söhne Pepis II.Aidan Dodson, Dyan Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. London 2004, S. 70–78. Abgesehen von Neferkare Nebi ist das familiäre Verhältnis zu den zahlreichen nur sehr kurz regierenden Königen der 8. Dynastie völlig unklar.

Herrschaft Regierungsdauer Obwohl unter Ägyptologen Einigkeit darüber herrscht, dass die Herrschaft Pepis II. sehr lang war, ist ihre genaue Dauer nach wie vor umstritten. Im Königspapyrus Turin aus dem Neuen Reich werden in seinem stark beschädigten Eintrag 90 Jahre angegeben (eventuell auch 93 oder 94). Der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebende ägyptische Priester Manetho berief sich offenbar hierauf und gab an, Pepi II. sei mit sechs Jahren auf den Thron gekommen und im Alter von 100 Jahren gestorben, woraus sich 94 Regierungsjahre ergeben.

Trotz dieser außerordentlichen Länge (zum Vergleich: die Herrschaft von Sobhuza II. von Eswatini, die längste sicher belegte Amtszeit eines Staatsoberhaupts, dauerte „nur“ 82 Jahre) wurden die Angaben Manethos und des Turiner Papyrus auch in jüngerer Zeit von einigen Forschern als plausibel angesehen, so etwa von Wolfgang HelckWolfgang Helck: Geschichte des alten Ägypten (= Handbuch der Orientalistik. Abt. 1: Der Nahe und Mittlere Osten. Band 1). Brill, Leiden / Köln 1981, S. 75, (Onlineversion). oder Erik Hornung.

Zweifel hieran äußerte Hans Goedicke, der die Angabe im Turiner Papyrus als Verschreibung von „60“ zu „90“ ansah. Die zeitgenössischen Datumsangaben scheinen diese Interpretation zu stützen. Ein Graffito im Totentempel der Pepi-II.-Pyramide sah Goedicke als Hinweis auf Pepis Todesjahr an. Es handelte sich um die Angabe eines „Jahrs des 31. Mals der Zählung“. Hiermit ist die ursprünglich als Horusgeleit eingeführte landesweite Zählung des Viehs zum Zwecke der Steuererhebung gemeint. Diese Zählung fand ursprünglich alle zwei Jahre statt (das heißt, auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte ein „Jahr nach dem x-ten Mal der Zählung“), später aber zum Teil auch jährlich (auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte das „y-te Jahr der Zählung“). Diese Interpretation wird aber von anderen, höheren Datumsangaben nicht gestützt. So gibt es noch eine Felsinschrift aus dem „Jahr nach dem 31. Mal der Zählung“ und eine nicht ganz sicher zu lesende Angabe, die wohl auf das „Jahr des 33. Mals der Zählung“ verweist.Anthony Spalinger: Dated Texts from the Old Kingdom. In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Band 21, 1994, S. 307–308.Michel Baud: The Relative Chronology of Dynasties 6 and 8. Leiden / Boston 2006, S. 152–153, 156. Unklar ist bislang, ob die Zählung unter Pepi II. regelmäßig alle zwei Jahre oder unregelmäßig stattfand, da insgesamt sechs Jahre der Zählung (2, 11, 12, 14, 31 und evtl. 33) aber nur drei oder vier Angaben von „Jahren nach der Zählung“ (11, 22 und 31 sowie evtl. 1) überliefert sind. Es ergibt sich für ihn daher eine minimale Regierungsdauer von 34 Jahren und eine maximal belegte von 62 bis 66 Jahren.

Letzteres wird heute von der Mehrzahl der Forscher als plausibel angesehen, auch weil für Pepis Herrschaft zwei Sedfeste belegt sind. So geht etwa Jürgen von Beckerath von 60 JahrenJürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. Mainz 1994, S. 150. und Thomas Schneider von 65 JahrenT. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 315. aus.

Landesverwaltung Zu Beginn von Pepis Herrschaft fungierte seine Mutter Anchenespepi II. als Regentin, aber auch sein Onkel Djau spielte eine bedeutende Rolle. Dieser bekleidete das Provinz-Wesirat in Abydos. Ihm folgten später Idi und Pepinacht. Als Wesire in Meir sind Anch-Pepi-Heriib und Anch-Pepi-Henikem bekannt. Residenz-Wesire in Memphis waren Ihichenet und Chenu, Ima-Pepi und Schenai, Chabauchnum/Biu und Nihabsedneferkare sowie Teti.T. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 193–194.

Das wichtige Amt des Wesirs erfuhr unter Pepi II. eine Umstrukturierung seiner Kompetenzen. Der Titel des „Vorstehers aller Arbeiten des Königs“ war nun direkt an den Residenz-Wesir gebunden. Ihm fiel somit die direkte Zuständigkeit für die königlichen Bauprojekte und für die Rekrutierung von Arbeitskräften zu. Im Gegenzug wurden aber die Ämter des Scheunen- und des Schatzhausvorstehers, die zuvor sehr eng mit den Wesiren verbunden waren, jetzt zunehmend mit Nicht-Wesiren besetzt. In der Provinzverwaltung lässt sich für Pepis Regierungszeit feststellen, dass zumindest gelegentlich das Amt des Scheunenvorstehers auch von Wesiren getragen wurde. Beim Amt des Schatzhausvorstehers war dies jedoch so gut wie nie der Fall. Die Verteilung der Titel legt nahe, dass Pepi ursprünglich beabsichtigte, die Provinz- der Residenzverwaltung gleichzustellen oder sie sogar von dieser unabhängig zu machen. Dies wurde aber für das Scheunenressort nur zum Teil und für das Schatzhausressort praktisch gar nicht umgesetzt. Stattdessen verblieb die Kontrolle über beide Ressorts durch die Besetzung mit rangniederen Beamten in der Provinz faktisch bei der Residenzverwaltung.Petra Andrássy: Untersuchungen zum ägyptischen Staat des Alten Reiches und seinen Institutionen (= Internetbeiträge zur Ägyptologie und Sudanarchäologie. Band XI). Berlin / London 2008 (), S. 41–42.

Außenbeziehungen und Expeditionswesen mini|Felsinschrift Pepis II. im Wadi Maghara mini|In den Beamtengräbern auf der Qubbet el-Hawa berichten autobiografische Inschriften von zahlreichen Expeditionen nach Nubien und Punt.

Zahlreiche Expeditionen aus Pepis Regierungszeit sind durch Inschriften belegt, darunter eine in die Kupfer- und Türkis-Minen des Wadi Maghara auf der Sinai-Halbinsel im 2. Jahr der ZählungJames Henry Breasted: Ancient records of Egypt. Historical documents from the earliest times to the Persian conquest. Volume I: The first to seventeenth dynasties. University of Chicago Press, Chicago 1906, §§ 339–343 (PDF; 12,0 MB). sowie zwei Expeditionen in die Alabaster-Steinbrüche von Hatnub in Mittelägypten, die im 14. Jahr der Zählung und im Jahr nach dem 31. Mal der Zählung stattfanden. Auch Handelskontakte mit der Stadt Byblos im heutigen Libanon sind durch zahlreiche Fundstücke (vor allem Alabaster-Gefäße) mit Pepis Namenszug belegt, die im dortigen Tempel gefunden wurden.Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings. VII. Nubia, the Deserts, and Outside Egypt. Griffith Institute, Oxford 1952, Reprint 1975, ISBN 0-900416-23-8, S. 388–391 (PDF; 21,6 MB).

Wie schon unter seinem Vorgänger Merenre spielte aber auch der Handel mit Nubien eine zentrale Rolle. Die Beziehungen nach Süden waren allerdings unter Pepis Herrschaft von zunehmenden Feindseligkeiten beherrscht. Bereits in Pepis zweitem Regierungsjahr unternahm der aus Elephantine stammende Beamte Harchuf eine Reise in das Land Jam. Er hatte bereits unter Merenre dreimal Nubien bereist und diese Reisen in seiner Grabanlage auf der Qubbet el-Hawa ausführlich beschrieben. Aus diesen Berichten geht hervor, dass eine veränderte politische Situation ihm die Heimreise bei seiner dritten Expedition sichtlich erschwerte und er nur dank eines starken Truppenkontingents des Fürsten von Jam sicher zurück nach Ägypten gelangte. Über seine vierte und letzte Reise existiert kein Bericht. Stattdessen ließ Harchuf an seinem Grab die Kopie eines Briefs des jungen Pepi II. anbringen, in dem dieser seine große Freude darüber ausdrückt, dass Harchuf ihm einen „Tanzzwerg“ (wohl ein Pygmäe) aus Jam mitbringt und ihn ermahnt, sehr gut auf diesen aufzupassen.James Henry Breasted: Ancient records of Egypt. Historical documents from the earliest times to the Persian conquest. Volume I: The first to seventeenth dynasties. University of Chicago Press, Chicago 1906, §§ 335–336, 350–354 (PDF; 12,0 MB).

Weitgehend friedlich scheinen die Reisen gewesen zu sein, die im Grab des Chui auf der Qubbet el-Hawa genannt werden. Dort berichtet ein Diener namens Chnumhotep, dass er zusammen mit seinem Herrn Chui und einem weiteren hohen Beamten namens Tjetji insgesamt elf Reisen nach Nubien und nach Punt im heutigen Eritrea oder Somalia unternommen hat.James Henry Breasted: Ancient records of Egypt. Historical documents from the earliest times to the Persian conquest. Volume I: The first to seventeenth dynasties. University of Chicago Press, Chicago 1906, §§ 355–360 (PDF; 12,0 MB).

Von feindseligen Auseinandersetzungen berichtet hingegen Sabni in seinem Grab auf der Qubbet el-Hawa. Sein Vater Mechu I. hatte eine Expedition nach Nubien geleitet und war dort gestorben. Offenbar war er ermordet worden, denn sein Leichnam verblieb zunächst in Nubien und Sabni musste mit einem größeren Aufgebot an Soldaten nach Nubien marschieren, um ihn heim zu holen.James Henry Breasted: Ancient records of Egypt. Historical documents from the earliest times to the Persian conquest. Volume I: The first to seventeenth dynasties. University of Chicago Press, Chicago 1906, §§ 362–374 (PDF; 12,0 MB). Sabni selbst starb offenbar unmittelbar nach seiner Rückkehr von einer Nubien-Expedition in Elephantine. Sein Sohn Mechu II. weilte zu dieser Zeit selbst in Nubien und erhielt nach seiner Rückkehr die Unterstützung der königlichen Residenz für die Ausstattung des Grabes seines Vaters.Elmar Edel: Die Grabungen auf der Qubbet el Hawa 1975. In: Walter F. Reineke (Hrsg.): Erster Internationaler Ägyptologenkongreß, Kairo 2.–10. Oktober 1976 (= Schriften zur Geschichte und Kultur des Alten Orients. Band 14). Akademie-Verlag, Berlin 1979, S. 194–196.