mini|Mauerreste im nördlichen Seitenschiff

Das Kloster Øm (auch cara insula, kære ø; deutsch liebe Insel; dänisch Øm Kloster) war eine Zisterzienserabtei am Mossø, etwa 4 km südöstlich der Ortschaft Gammel Rye in der dänischen Kommune Skanderborg, Region Mitteljütland. Das Kloster wurde 1172 gegründet und die Kirche 1257 geweiht. Die meisten Klostergebäude wurden erst Mitte des 15. Jahrhunderts fertiggestellt. Nach Einführung der Reformation 1536 bestand im Kloster eine Schule, bis es 1560 aufgelöst und nach 1561 abgerissen wurde.

Kloster Øm gilt als eines der besterforschten und am vollständigsten erhaltenen ehemaligen Klöster in Dänemark. Seine Grundmauern sind erhalten und können besichtigt werden. Zudem haben sich zwei wichtige schriftliche Quellen erhalten: Die Exordium Caræ Insulæ genannte Chronik der ersten hundert Jahre der Klostergeschichte ist eine bedeutende Quelle, die sowohl die ausführlichste Schilderung der Umstände einer Zisterzienserklostergründung enthält als auch die Schilderung des Kampfes um den Erhalt klösterlicher Privilegien gegenüber königlicher und bischöflicher Macht im 13. Jahrhundert. Das 1554 kurz vor der endgültigen Auflösung des Klosters angefertigte Inventarium bietet einen seltenen Einblick in den Besitz von Klöstern.

Geschichte mini|Fundamente des Kapitelsaals; die Konstruktion rechts erlaubt einen Blick in das Grab von Abt Mikkel

Gründung Im Jahr 1164 schenkte Bischof Eskil von Aarhus dem Abt Henrik des erst wenige Jahre zuvor am Limfjord gegründeten Zisterzienserkloster Vitskøl, eines Tochterklosters des Klosters Esrom aus der Filiation von Clairvaux, Land für eine eigene Tochtergründung in Sabro, damals Sahebroch, bei Aarhus. Dieser Grundbesitz wurde jedoch nicht als geeignet für die von den Zisterziensern betriebene Landwirtschaft befunden, weshalb der Bischof Flächen am Sminge See bei Silkeborg zur Verfügung stellte, die sich als ähnlich unbrauchbar erwiesen. Schon nach kurzer Zeit zogen die Mönche von dort weiter nach Veng, wo Erzbischof Eskil von Lund ihnen das um 1100 gegründete, aber fast verlassene Benediktinerkloster zuwies. Dort kam es zum Streit mit den bereits ansässigen Mönchen, die sich nicht der Zisterzienserregel anschließen wollten. Der erste Abt des neuen Klosters, ein gebürtiger Engländer namens Brian, reiste 1165/66 nach Sens an den päpstlichen Hof zu Alexander III., um die Erlaubnis zur Übernahme des Klosters Veng zu erwirken. Der Papst beauftragte König Waldemar I., dessen Thronanspruch er im selben Jahr erst anerkannt hatte, das Anliegen der Zisterzienser zu unterstützen. Allerdings gehörte ein großer Teil der Ländereien von Veng einer Verwandten des Königs, die in dem Kloster Benediktinernonnen ansiedeln wollte. So mussten die Zisterzienser Veng wieder verlassen und ließen sich 1168 auf der ihnen vom König im Austausch für Veng zugeeigneten Insel Kalvø im Skanderborg-See nieder, fanden dort aber aufgrund der lokalen Bedingungen auch nicht die geeigneten Voraussetzungen für eine Klosteranlage. Nach einem weiteren Umzug im Frühjahr 1172 gründeten die acht Jahre zuvor aus Vitskøl ausgezogenen Mönche endlich ihr neues Kloster Øm zwischen den Seen Gudensø und Mossø im Kirchspiel Gammel Rye. Dieses wurde von den Aarhuser Bischöfen, insbesondere vom 1165 ins Amt gelangten Svend, gefördert, der dem Kloster einen Teil seiner Eigengüter vermachte und seine letzten Lebensjahre in Øm verbrachte. Im Jahr 1182 erfolgte die Anerkennung durch den Papst. Es war die 393. mittelalterliche Zisterzienserabtei.

Wahrscheinlich zum Transport des Baumaterials legten die Mönche von Øm schon im Jahr nach der Klostergründung den 1,2 km langen und acht Meter breiten Munkekanal mit Schleusenanlagen zwischen Emborg und Boes an. Ein zweiter, paralleler Kanal wurde etwas später angelegt. Der Verlauf beider Kanäle ist bis heute im Terrain ablesbar.

Die Bauzeit der Klosteranlage zog sich lange hin. Zunächst wurde eine einfache Kirche errichtet, in der der 1191 in Øm verstorbene Bischof Svend beigesetzt wurde. Von den vermutlich aus Holz oder Fachwerk bestehenden ersten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden wurden bisher keine Spuren gefunden. Erst der zehnte Abt, Magnus, konnte 1234 in der noch unfertigen Klausur beigesetzt werden. 1246 wurde der Grundstein für den Kapitelsaal gelegt. Im selben Jahr starb Bischof Peder Elavsøn (Elafsen) von Aarhus, der sich als Wohltäter der Abtei erwiesen und sich häufig dort aufgehalten hatte, und wurde vor dem Hauptaltar im Chor der noch nicht geweihten neuen Kirche beigesetzt.

Streit mit König und Bischof Noch ehe die Klostergebäude fertiggestellt waren, erreichte der Bruderkrieg zwischen Erik IV. Plovpenning und Abel ab 1246 das Kloster, das überfallen und beraubt wurde. Gleichzeitig änderte sich nach dem Tod von Bischof Peder Elavsøn auch das Verhältnis der Aarhuser Bischöfe zum Kloster. Als nach dreijähriger Vakanz Peter Ugotsen († 1260) 1249 zu Elavsøns Nachfolger gewählt wurde, begann er den Konvent sofort mit Forderungen zu überziehen, wie die Chronik ausführlich und zunehmend verbittert berichtet. Er verlangte von früheren Bischöfen, insbesondere von Svend und seinem direkten Vorgänger, überlassene Besitztümer, darunter wertvolle Bücher, zurück. Ein weiterer Streitpunkt war die Frage, ob die Bischöfe von Aarhus das Recht hätten, ihre Gäste im Kloster – und auf dessen Kosten – zu empfangen.

Die Weihe der noch unfertigen Klosterkirche fand 1257 statt. Dabei wurden die Reliquien aus der alten in die neue Kirche übertragen.

Als dann 1259 König Christoph starb, angeblich von Arnfast, dem Abt des Rüdeklosters, ermordet, entzog seine Witwe, die für ihren minderjährigen Sohn Erik V. Klipping regierende Margarete Sambiria, den Zisterziensern die königliche Unterstützung. Ihr zweitägiger Aufenthalt in Øm 1260, bei dem die Mönche ihr über tausendköpfiges Gefolge verpflegen mussten, führte fast zum Ruin des Klosters. Unterstützung erhielten die Mönche von Erzbischof Jakob Erlandsen von Lund, der allerdings seinerseits im Machtkampf mit der Königin stand. Er hatte Arnfast, der sich in dieser Zeit mehrmals im Kloster Øm aufhielt, 1260 ohne rechtmäßige Wahl gegen den von der Königin vorgezogenen Tyge (amt. 1260–1272) zum Bischof von Aarhus geweiht. Schließlich verlor Jakob Erlandsen den Machtkampf gegen König Erik V. und musste 1263 Dänemark verlassen. Kloster Øm hatte sich bei seiner Weigerung, die von Bischof Tyge verlangten Abgaben und Rückerstattung der Stiftungsgüter seiner Vorgänger zu leisten, einseitig auf den Erzbischof verlassen und stand nun den von der Königin unterstützten bischöflichen Forderungen, denen dieser mit Gewalt Ausdruck verlieh, hilflos gegenüber. Selbst eine Gesandtschaft an Papst Urban IV. erwirkte nur ein päpstliches Schreiben gegen den Bischof, aber keinen greifbaren Erfolg. Auch die Äbte der benachbarten Zisterzienserklöster Vitskøl, Esrom, Løgum, Tvis, Herrevad, Sorø und Rüde traten ohne großen Erfolg für Øm ein, während die dortigen Äbte in schneller Folge wechselten. Als die Klosterchronik 1267 endete, befand sich die Klostergemeinschaft in einer sehr verzweifelten Situation.

Im selben Jahr 1267 wendete sich das Blatt: König Erik Klipping hatte im Jahr zuvor selbst die Regierung übernommen und suchte neue Unterstützer im Kampf gegen seinen Cousin Erik von Schleswig, der als Sohn von König Abel Anspruch auf Dänemark erhob. Obwohl der König 1266 wegen seiner Weigerung, den von seiner Mutter ins Exil gejagten Erzbischof Jakob zurückzurufen, vom Papst exkommuniziert worden war, stellten sich die Zisterzienser auf seine Seite, indem sie das gegen das gesamte Königreich Dänemark ausgesprochene Interdikt ignorierten und weiterhin Gottesdienste feierten und Sakramente erteilten. Zwar riskierten sie damit den Bruch mit dem Papst und dem Generalkapitel, erfreuten sich aber wieder königlicher Protektion, die auch erhalten blieb, als das Interdikt 1274 aufgehoben wurde.

Spätere Zeit In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Kloster Øm zu einem der reichsten und bedeutendsten Klöster in Dänemark. Im Durchschnitt gehörten dem Konvent etwa 25 Mönche an. Zum Klosterbesitz gehörte (Gammel) Rye mit der Sct.-Søren-Kirke, die wegen einer heilkräftigen Quelle seit dem Mittelalter ein beliebtes Wallfahrtsziel war und damit Einnahmen für das Kloster generierte. Einträglich war insbesondere der dreimal jährlich dort stattfindende Markt.

Trotz zunehmendem Wohlstand dauerte es bis Mitte des 15. Jahrhunderts, bis die um 1260 eingestellten Bauarbeiten an den Klostergebäuden wieder aufgenommen wurden. Somit wurde erst zu dieser Zeit der vermutlich ursprüngliche Plan einer geschlossenen Klausur um einen aus Steinen errichteten Kreuzgang realisiert.

1451 beauftragte es das Generalkapitel anstelle von Esrom und Sorø mit der Reform der skandinavischen Zisterzienserklöster. Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt es Unterstützung von Henrik Knudsen Gyldenstierne († 1456), dem Lehnsmann von Skanderborg Slot und Besitzer von Gut Boller. Unter seinem Schwiegersohn und Nachfolger Erik Ottesen Rosenkrantz (≈1427–1503) wurde Øm in die Fehde der Familie Rosenkrantz gegen Bischof Jens Iversen Lange hineingezogen. Der Bischof exkommunizierte 1454 Erik Rosenkrantz, aber der Abt von Øm hob dies auf, indem er Rosenkrantz persönlich zur Kommunion am Hauptaltar geleitete. Der Bischof rächte sich und entzog dem Kloster eine ihm inkorporierte Kirche, musste diese aber auf Druck von König Christian I. 1458 zurückgeben.

Auflösung Am 4. Juli 1534 wurde Christian III. in der St.-Søren-Kirche in Ry zum König gewählt. Zwei Jahre später führte er 1536 die Reformation ein. Damit fielen die Ländereien der Klöster an die dänische Krone. Das Klosterland wurde verdienstvollen Adligen als Lehen vergeben. So erhielt Peder Skram Unterhalt von Øm und ließ sich dort auch zwischenzeitlich nieder. Auch die Klosterbediensteten, wie der Apotheker, erhielten Teile des Landes.

In einigen Klöstern wie Øm durften die Mönche einen Teil der Gebäude weiter bewohnen, wenn sie Gebäude und Landbesitz für den König verwalteten. In den Klostergebäuden wurde nach königlicher Verordnung eine Lateinschule betrieben, die begabte, aber mittellose Jungen auf die Tätigkeit als lutherische Pastoren vorbereiten sollte. Abt Peder Sørensen nahm diese Aufgabe sehr ernst. Wie dem von ihm 1554 angefertigten Inventar zu entnehmen ist, erweiterte er zu dem Zweck die Klosterbibliothek, die 1554 350 Bücher umfasste, darunter auch etliche von Martin Luther. Novizen durften dagegen nicht mehr aufgenommen werden, stattdessen mussten Mönche aus geschlossenen Klöstern untergebracht werden, etwa 1551 die verbliebenen Benediktiner vom Kloster Voer, das ebenfalls am Mossø lag. Zum Aufseher der verbliebenen Zisterzienserklöster Sorø, Esrum, Herrevad, Vitskøl und Øm wurde Abt Henrik von Sorø ernannt und nach dessen Tod 1539 Niels Jensen.

König Christian III. und sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. besuchten Øm mehrmals, um die Klostergebäude, nunmehr als Jagdschloss Emsborg bezeichnet, als Quartier für eine Jagd zu nutzen. Im April 1560 löste Friedrich II. die Klosterschule auf und entließ alle Lehrer, den Organisten und sonstige Klosterbewohner mit mehr oder weniger großen Abfindungen. 24 arme Schüler nahm die Schule in Aarhus auf, der letzte Mönch wurde ins Kloster Sorø geschickt und zuletzt Abt Jens Simonsen Ende Oktober 1560 zum lutherischen Pastor im ursprünglich dem Kloster inkorporierten Kirchspiel Rosmus auf Djursland ernannt. Den Martinstag und Weihnachten 1560 verbrachte Friedrich II. auf Schloss Emsburg. Doch schon im folgenden Jahr begann er mit dem Abriss der Gebäude und ließ das Material für ein neues Schloss in Skanderborg verwenden. Das Klosterland wurde der Verwaltung des Skanderborger Amtmanns Holger Rosenkrantz von Gut Boller unterstellt.