Ein Perkussionsrevolver ist ein Revolver, bei dem ein Perkussionsschloss ein separates Zündhütchen für die Treibladung des Geschosses zündet. Sie sind Vorderlader und stellen das Bindeglied zwischen den ersten mehrschüssigen Faustfeuerwaffen, wie etwa dem Bündelrevolver, und modernen Hinterladern für Metallpatronen dar.
Im Gegensatz zum heute üblichen Hinterlader-Revolver mussten Treibladungen und Geschosse, resp. die Papierpatronen von vorn in die Kammern der Revolvertrommel eingeführt werden. Am hinteren Ende jeder Kammer war ein Piston für das Zündhütchen eingeschraubt, das über ein Zündloch die Treibladung zündete.
Geschichte mini|Colt-Paterson-Perkussionsrevolver, 2nd Belt Model, hergestellt 1838–1840 mini|Colt „Texas“ Paterson 5th Model mini|Perkussionsrevolver; Colt Dragoon Model 1848, Kal. .44 mini|Perkussionsrevolver; Colt Pocket Model 1849, Kal. .31 mini|Perkussionsrevolver; Colt Navy Model 1851, Kal. .36 mini|Perkussionsrevolver; Colt Root’s Model 1855, Kal. .31 mini|Colt Root’s Carbine Model 1855 .56 cal. fünfschüssig, Kugelgießzange mini|Perkussionsrevolver; Colt Army Model 1860, Kal. .44 mini|Remington New Model Army Kaliber .44 mini|Savage-Navy-cal.36-Revolver, hergestellt 1860/61 bei Savage Revolving Fire-Arms Co. Middletown, CT mini|Rogers-&-Spencer-Revolver von 1865 mini|Adams-Perkussionsrevolver aus dem Jahr 1854 mini|LeMat-Perkussionsrevolver mini|Tranter-Revolver aus dem Jahre 1863, in Holzkiste mit komplettem Zubehör
Im Jahr 1835 beantragte der erst 21 Jahre alte Samuel Colt in Großbritannien ein Patent für einen Revolver, der als Colt Paterson bekannt wurde. Durch die Anmeldung in Großbritannien hielt er sich die Möglichkeit offen, das gleiche Patent auch in Frankreich und den USA anzumelden. Umgekehrt wäre dies aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen. Da andere Erfinder dieser Zeit selten Patente in mehreren Ländern anmeldeten, ist davon auszugehen, dass Colt seine Erfindung international, auch bei den Militärs, vermarkten wollte.Edward C. Ezell, Handguns Of The World - Military Revolvers and Self-Loaders from 1870 to 1945, Barnes & Noble Books Inc., 1993, Seite 24, ISBN 0-88029-618-6
Das britische Patent Nr. 6.906 vom 22. Oktober 1835 und das US-amerikanische Patent Nr. 9.430x vom 25. Februar 1836 sicherten ihm bis 1856 die alleinige Umsetzung einer Reihe von Ideen. Diese betrafen vor allem die Trennung der Zündhütchen als Schutz gegen eine gleichzeitige Zündung mehrerer Trommelbohrungen und die Bewegung und Festsetzung der Trommel, also die exakte Positionierung der Trommelbohrung vor dem Lauf.
Eine Legende über diese Erfindung besagt, Samuel Colt sei auf diese Idee gekommen, als er 1834 mit dem Schiff von England in die USA reiste. Er beobachtete, wie der Steuermann sein Steuerrad mit Hilfe eines Holzbolzens von unten arretierte. Somit blieb das Ruder gerade und das Schiff auf Kurs. Colt war von dieser Mechanik begeistert und schnitzte sofort ein Modell seiner Idee. Noch im selben Jahr ließ er vom Büchsenmacher John Pearson ein Modell anfertigen. Es wird jedoch auch vermutet, dass Colt im Royal United Service Museum in Whitehall einen Schnappschlossrevolver aus der Zeit vor 1650 gesehen haben könnte. Diese Waffe im Kaliber .500 hat bezüglich der Trommelarretierung viele Gemeinsamkeiten mit dem von Colt entwickelten Revolver.W. H. B. Smith, Joseph E. Smith, Small Arms Of The World - a basic manual of small arms, 10th Edition, Stackpoole Books, Harrisburg, Pennsylvania, 1973, Seite 159, ISBN 0-88365-155-6
Colts Cousin Dudley Selden wurde mit der Gründung der Patent Arms Manufacturing Company beauftragt. Die in Paterson (New Jersey) ansässige Firma sollte nach dem Willen des Erfinders Colt-Perkussionsrevolver und Revolvergewehre an das Militär verkaufen. Die Investoren verlangten jedoch eine schnelle Umsetzung und die Bedienung des privaten Waffenmarktes. Das Ergebnis war eine übereilte Einführung, so dass die US-Armee im Juni 1837 die Waffe ablehnte. Zum Nachladen musste der Colt Paterson zerlegt werden und es gab ein umfangreiches Zubehör, welches im Truppenalltag verloren gehen konnte. Außerdem wurde die Waffe als zu teuer und zu komplex für eine Serienfertigung angesehen. Schließlich musste die Firma 1841 schließen.Edward C. Ezell, Handguns Of The World - Military Revolvers and Self-Loaders from 1870 to 1945, Barnes & Noble Books Inc., 1993, Seite 27, ISBN 0-88029-618-6
Als 1846 der Krieg mit Mexiko begann, verfügte die texanische Regierung schon über einige Colt Paterson-Revolver. Nach Gesprächen mit Captain Samuel H. WalkerCaptain Sam Walker, Texas Ranger Dispatch Magazin, URL: , Stand 3. Juli 2008 wurde am 4. Januar 1847 zwischen Samuel Colt und der US-Regierung ein Vertrag über 1000 Revolver im Kaliber .44Frederick Wilson, Das große illustrierte Buch der Pistolen, Optimum, Seite 116, ISBN 0-600-37218-9 abgeschlossen. Da Colt keine eigene Fabrikationsstätte hatte, wurden die Waffen in der Waffenfabrik von Eli Whitney in Whitneyville, Hamden, (Connecticut), hergestellt. Bekannt wurden sie als Whitneyville-Walker-Revolver. Ab Juli 1847 wurden die Waffen mit der offiziellen Bezeichnung Colt Model 1847 Army Revolver ausgeliefert.
Wichtige Verbesserungen am Whitneyville-Walker gegenüber dem Paterson waren seine größere Robustheit und die Möglichkeit einer stärkeren Ladung, auch wenn diese durch ein Mehrgewicht erkauft werden mussten. Die Waffe wog nun mehr als 2 kg. Sie hatte statt eines einklappbaren Abzugs einen durch einen Abzugsbügel geschützten Abzug. Außerdem wurde der früher als Zubehörteil gelieferte Ladehebel jetzt direkt an der Waffe unter dem Lauf angelenkt.Wilson, Seite 117
In seinem nächsten Anlauf war Samuel Colt vorsichtiger als bei seinem ersten Versuch in Paterson. Wie vertraglich abgemacht, konnte Colt die Maschinen und Werkzeuge von Eli Whitney übernehmen und in Hartford, Connecticut die Produktion wiederaufnehmen, diesmal in eigener Regie. Seine 1847 gegründete Firma war kleiner, fest in seiner Hand und befand sich in angemieteten Räumen in Hartford. Bereits im Dezember 1847 traf die Bestellung für 1000 weitere Revolver für die US-Armee ein. Viele Fertigungsaufträge wurden an Subunternehmer vergeben.
Insgesamt wurden über 7000 Revolver des Nachfolgemodells Dragoon (auch: Old Model Army, sechsschüssig: Model 1848) an die US-Armee verkauft,Edward C. Ezell, Handguns Of The World - Military Revolvers and Self-Loaders from 1870 to 1945, Barnes & Noble Books Inc., 1993, Seite 28, ISBN 0-88029-618-6 zusammen mit der zivilen Produktion wurden über 20.000 Dragoons hergestellt.
Neben der eigentlichen Waffe brachte Colt auch die industrielle Fertigung voran, was sich nicht nur in größeren Produktionszahlen, sondern auch in einer Austauschbarkeit von Teilen und somit einer schnellen und einfachen Ersatzteilversorgung niederschlug.Frederick Wilson, Das große illustrierte Buch der Pistolen, Optimum, Seite 123, ISBN 0-600-37218-9
Bis 1850 gab es wenig Konkurrenz für Samuel Colt. Auf dem europäischen Kontinent wurden Revolver nur von Devisme und Lenormand in Handarbeit hergestellt. In England gab es keinen einzigen Hersteller, und in den USA wurden ansonsten nur Bündelrevolver produziert. 1850 stellte dann die Massachusetts Arms Company aus Chicopee Falls einen von Edwin Wesson modifizierten Leavitt-Revolver vor, für den am 28. August 1849 das US-Patent 6.669 vergeben wurde. Colt gewann einen Prozess gegen die Massachusetts Arms Company, die Kosten und Strafe in Höhe von 65.000 Dollar zahlen musste. Damit hatte Colt bis 1856 die alleinigen Produktionsrechte für Single-Action-Revolver in den USA.Edward C. Ezell, Handguns Of The World - Military Revolvers and Self-Loaders from 1870 to 1945, Barnes & Noble Books Inc., 1993, Seiten 28–29, ISBN 0-88029-618-6
Anfang der sechziger Jahre kamen dann in den USA zahlreiche andere Anbieter von Perkussionsrevolvern auf den Markt. Der erfolgreichste war Remington Arms, Ilion, NY, andere waren der Rogers & Spencer Perkussionsrevolver, die Revolver von Starr, Whitney, Savage, Cooper und Joslin. Die meisten dieser Waffen wurden im Amerikanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Unionstruppen verwendet. Die Südstaaten waren knapp an Faustfeuerwaffen und kauften solche in Europa (Englische Adams-Revolver und aus Frankreich Revolver mit Lefaucheux-Zündung). Daneben wurden mehr oder weniger genaue Kopien von Colt-Revolvern hergestellt (Griswold & Gunnison, Leech & Rigdon, Dance Bros.). Besonderes Interesse verdient der LeMat-Revolver, der zentral in der Trommelachse einen Schrotlauf hatte.
1851 hatte Colt den Konstrukteur Elisha K. Root eingestellt. Root modernisierte nicht nur die Produktion, indem er neue Maschinen einführte, er entwickelte auch die Revolver weiter, so einen Taschenrevolver mit geschlossenem Rahmen in den Kalibern .28 und .31. und ein Gewehr nach dem gleichen Prinzip.
Nun machte man sich daran, auch neue Märkte, wie etwa Europa, zu erschließen. So baute man 1852 im Londoner Stadtteil Pimlico bei der Vauxhall Bridge eine Fabrik, in der 230 Mitarbeiter angestellt waren. 1854 erhielt man dann einen Auftrag über 4000 Navy Revolver Modell 1851 für die britische Marine. Bis 1873 verkaufte man so weltweit rund 850.000 Perkussionsrevolver, bei welchen die Trommel durch das Spannen des Hahns weitergedreht wurde (Single-Action).
Ausgerechnet ein Angestellter von Colt, Rollin White, entwickelte einen Lademechanismus für Revolver, welcher Colts Firma später Probleme brachte. Dieser Lademechanismus bedingte eine zylindrisch durchbohrte Trommel, was Rollin White in seiner Patentanmeldung auch deutlich beschrieb. Zur Herstellung des Versuchsmodells verwendete er Komponenten eines Coltrevolvers. Da sich niemand für den Lademechanismus interessierte, weil er zu aufwändig erschien, verkaufte White das Patent vom 3. April 1855 an die Partner Horace Smith und Daniel Wesson. Diese brachten zwei Jahre später den ersten Patronenrevolver auf den Markt (Smith & Wesson No 1). Colt war es bis in die späten sechziger Jahre verwehrt, einen Patronenrevolver mit durchgehend zylindrisch durchbohrter Trommel auf den Markt zu bringen.
Bei der ersten Weltausstellung im Londoner Kristallpalast im Mai 1851 änderte sich jedoch die Situation für den europäischen Markt. Zwar meinte die Times über Colts Revolver, dass sie ein neues Impfmittel gegen die wilden Stämme sind, die den Weg in die Wildnis behindern, und dass der sechsschüssige Revolver mit höchster Wahrscheinlichkeit jede andere derzeitige bei Kavallerie oder jeder anderen militärischen Kraft benutzte Schusswaffe übertrifft, jedoch gab es einen kleinen Stand mit einem neuen Revolver. Hierbei handelte es sich um eine von Robert Adams unter der britischen Patentnummer 13.527 am 24. Februar 1851 patentierte Waffe.Edward C. Ezell, Handguns Of The World - Military Revolvers and Self-Loaders from 1870 to 1945, Barnes & Noble Books Inc., 1993, Seite 29, ISBN 0-88029-618-6 Bei Adams-Revolvern bestanden Rahmen und Lauf aus einem Stück, die wesentlichen Konstruktionsmerkmale der Trommel waren gleich. Der größte Unterschied war die Art der Schussauslösung. Der Adams-Revolver war selbstspannend (Double-Action-Only), der Colt-Revolver verfügte über einen Single-Action-Abzug.Frederick Wilson, Das große illustrierte Buch der Pistolen, Optimum, Seite 125, ISBN 0-600-37218-9
Am 10. September 1851 gab es dann im Royal Arsenal in Woolwich ein öffentliches Vergleichsschießen auf 50 Yards Entfernung. Im Gegensatz zum Revolver von Colt gab es bei der Waffe von Adams keine Zündversager und die Waffe konnte in 38 Sekunden statt in 58 Sekunden nachgeladen werden. Zudem war die Präzision, auch bei der Verwendung unterschiedlicher Geschosse, größer. Die fünfschüssige Waffe war zudem 681 g leichter als der 1985 g schwere Colt Revolver.Edward C. Ezell, Handguns Of The World - Military Revolvers and Self-Loaders from 1870 to 1945, Barnes & Noble Books Inc., 1993, Seite 31, ISBN 0-88029-618-6