mini|Die 86 Meter hohen Hallen der Meyer Werft
Die Meyer Werft GmbH (Eigenschreibweise MEYER WERFT) ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bau von modernen Kreuzfahrtschiffen für international bedeutende Kreuzfahrtreedereien wie Carnival Cruise Line, Disney Cruise Line und MSC Cruises. Die Schiffe werden in den überdachten Baudocks in der in Papenburg (Landkreis Emsland) ansässigen Werft gebaut.
Die Geschäfte werden seit der Gründung 1795 in mittlerweile siebter Generation von der Familie Meyer geführt. Seit 2015 ist die Meyer Werft Teil der ebenfalls von der Familie Meyer gegründeten Holdinggesellschaft Meyer Neptun S.à.r.l. mit Sitz im luxemburgischen Senningerberg.
In jüngerer Vergangenheit geriet die Werft durch die Corona-Pandemie und gestiegene Finanzierungskosten für den Schiffbau in eine existenzbedrohende Finanzkrise. Folglich übernahmen im September 2024 im Rahmen einer weitgehenden Verstaatlichung der Bund und das Land Niedersachsen mehrheitlich die Anteile der Werft, um ihren Erhalt inklusive mehrerer tausend Arbeitsplätze zu sichern.Rettung der Meyer Werft: Jetzt baut der Staat Kreuzfahrtschiffe ARD Tagesschau, 16. September 2024; abgerufen am 22. April 2026
Die Papenburger Werft ist Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) und Teil der Route der Industriekultur im Nordwesten..
Geschichte der Werft Die Werft wurde am 28. Januar 1795 von Willm Rolf Meyer, dessen Nachfahren das Unternehmen fast ununterbrochen bis in die siebte Generation leiteten, als Holzschiffswerft am Papenburger Hauptkanal gegründet.Timo Jann: Schmiede für edle Kreuzfahrtschiffe. In: Täglicher Hafenbericht vom 28. Januar 2020, S. 4+13, abgerufen am 18. September 2015. Als in einer schweren Krise, ausgelöst durch den Wandel von Holz- zu Stahlschiffen, Franziskus Wilms Meyer 1876 und ein Jahr darauf auch sein ältester Sohn starben, wurde sie vorübergehend geschlossen.
Joseph L. Meyer, ein weiterer Sohn, begann bereits 1872 die Produktion auf der als offene Handelsgesellschaft geführten Eisenschiffswerft, Eisengießerei und Maschinenfabrik „Barth & Meyer“ mit dem Bau von Stahlrumpfschiffen, die Dampfmaschinenantrieb hatten. 1878 zog Barth seine Beteiligung an der Werft zurück, so dass diese fortan nur noch unter dem Namen „Jos. L. Meyer“ firmierte. 1880 umfasste die Belegschaft 62 und 1890 sogar bereits 216 Mitarbeiter. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges stieg deren Zahl auf etwa 400 an.
20. Jahrhundert mini|Meyer Werft um 1890, Schiffbau auf Längs- und Querhelgen Ab 1913 wurde mit Zustimmung des Reichskolonialamtes im Auftrag der Ostafrikanischen Eisenbahn-Gesellschaft auf der Meyer-Werft das Dampfschiff Goetzen erbaut. Es nahm als Hilfskriegsschiff ab 1915 am Ersten Weltkrieg teil.
Zwischen den beiden Weltkriegen baute die Werft vor allem Fischdampfer, Lotsenboote, Feuerschiffe sowie Passagierschiffe für die Küstenfahrt. 1936 übernahm Joseph-Franz Meyer (* 1908) von seinem Vater Franz-Joseph Meyer die Schiffswerft.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 838. Während des Zweiten Weltkrieges war die Werft vor allem mit Reparaturaufträgen beschäftigt. Für die Kriegsrüstung wurden in geringer Zahl kleinere Einheiten wie U-Jagdboote gebaut. Nach den Kriegen wich die Werft auch auf den Bau von Maschinen aus, wodurch sie die Nachkriegsjahre überdauern konnte.
Seit 1961 wurden hier auch rund 55 Gastanker hergestellt. Während der erste Tanker, die Kirsten Tholstrup, nur 900 m³ Tankvolumen hatte, wuchs das Tankvolumen bis zum größten auf der Meyer-Werft gebauten Tanker, der Donau, auf 30.000 Kubikmeter. Von 2011 bis 2013 entstand hier der LNG-Tanker Coral Energy für die niederländische Reederei Anthony Veder (Rotterdam).
Bis in die 1980er Jahre befand sich die Meyer-Werft in der Papenburger Stadtmitte. Zunehmender Platzmangel zwang dazu, die Werft in den Außenhafen direkt an der Ems zu verlagern. Auf dem ehemaligen Gelände entstand das Kulturzentrum Forum Alte Werft.
Das Bauprogramm der Werft umfasste in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts unter anderem Fährschiffe, RoRo-Schiffe, Containerschiffe und Tiertransporter. Insgesamt hat die Meyer Werft 27 Schiffe zu Tiertransportschiffen umgebaut, darunter die Al Shuwaik, zeitweise das größte Tiertransportschiff der Welt. Im Fährschiffbau ist insbesondere die über viele Jahre bestehende Zusammenarbeit mit der staatlichen indonesischen Fährreederei Pelayaran Nasional Indonesia (PELNI) zu nennen. Zwischen 1983 und 2008 lieferte Meyer insgesamt 24 Passagierfähren der Typen 1000, 2000 und 3000 mit einer Passagierkapazität zwischen 1.000 und 3.000 Personen an PELNI, die im innerindonesischen Verkehr eingesetzt werden. 3 weitere, kleinere Fähren (Typ 500) mit einer Fassungsvermögen von 500 Passagieren wurden nach Entwürfen von Meyer bei einer indonesischen Werft gefertigt.Passagierschiffe für Indonesien, Broschüre der Meyer Werft, abgerufen am 11. Februar 2021
Seit Mitte der 1980er Jahre wurde der Fokus immer stärker auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen gelegt.
Spezialisierung auf Kreuzfahrtschiffe (1980er bis 2020) mini|Die im Jahr 1987 fertiggestellte Halle 5 mini|Blick in die Halle 5 mit der in Bau befindlichen AIDAdiva
1985 lief das erste Kreuzfahrtschiff der Werft vom Stapel. Die Homeric war das letzte Kreuzfahrtschiff dieser Größe, das mit einem klassischen Quer-Stapellauf zu Wasser gelassen wurde. Es war auch das einzige Schiff dieser Größe, das jemals zur Meyer-Werft zurückgekehrt ist; 1990 wurde es hier um 40 Meter auf 244 Meter verlängert. Zuvor war eine neue Dockschleuse errichtet worden, da die Homeric mit einer Breite von 29 Metern die alte Seeschleuse nicht passieren konnte.
Die folgenden Kreuzfahrtschiffe wurden in dem zur damaligen Zeit weltweit größten überdachten Baudock gebaut, das 1987 in Betrieb genommen wurde. Die Halle misst – nach einer Verlängerung um 100 Meter in den Jahren 1990/1991 – heute 370 Meter in der Länge und ist dabei 101,5 Meter breit und 60 Meter hoch. Das Dock selbst in dieser Halle hat eine Länge von 358 Meter und eine Breite von 39 Meter.
Da die Werft Schwierigkeiten hatte, die größeren Schiffe auf der Ems zu überführen, wurde in den Jahren 1998 bis 2002 das Emssperrwerk errichtet.
mini|Halle 6 bei der Grundsteinlegung zur Erweiterung. Im Hintergrund die Celebrity Solstice mini|Die Arvia, das bisher größte auf der Meyer Werft gebaute Schiff Im Jahr 2000 wurde mit dem Bau einer zweiten überdachten Baudockhalle (384 Meter Länge, 125 Meter Breite und 75 Meter Höhe) begonnen. Als erstes Schiff entstand die im Jahr 2002 abgelieferte Norwegian Dawn in der neuen Halle. Zuvor war bereits die Norwegian Star in der neuen Halle fertiggestellt worden, deren Rohbau in der alten Halle entstanden war. Innerhalb der im Jahr 2002 fertiggestellten zweiten Halle misst das Dock 362 × 45 Meter. Ebenfalls wurden neue Vorfertigungshallen errichtet, in denen vor allem Laserschweißtechnik eingesetzt wird.
Kurze Zeit später wurde jedoch die Belegschaft um 500 Personen auf 2.000 reduziert als Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 und der damit einhergehenden Krise des Tourismus-Sektors besonders in den USA.
Im Dezember 2007 begannen die Bauarbeiten für die Verlängerung der zweiten Halle um 120 Meter.Emslandkurier am Sonntag für Papenburg, 2. Dezember 2007, S. 1. Mit 504 Meter Länge ist diese Halle seitdem das weltweit größte überdachte Baudock. Die symbolische Grundsteinlegung erfolgte am 18. Januar 2008 durch den Geschäftsführer Bernard Meyer. Am 31. August 2008 wurde das 2000 Tonnen schwere Dach für die Erweiterung der Bauhalle in die neue Position gehoben. Der Bau wurde im Dezember 2008 abgeschlossen.
Von 2005 bis 2013 wurden sieben Clubschiffe der Sphinx-Klasse für AIDA Cruises gebaut. Im September 2008 wurde das Schiff Celebrity Solstice, das erste der fünf Schiffe der Solstice-Klasse für Celebrity Cruises, abgeliefert. Das Schiff hat eine Vermessung von 122.000 BRZ, womit die Meyer-Werft erstmals die 100.000-BRZ-Marke überschritt. Die ab 2014 an Royal Caribbean Cruises abgelieferten Kreuzfahrtschiffe der Quantum-Klasse sind sogar mit rund 167.000 BRZ vermessen. Im Mai 2011 feierte die Werft das 25-jährige Bestehen des eigenen Kreuzfahrtschiffbaus.
Im Jahr 2013 wurden an der Dockschleuse Rollfender aus Kunststoff angebracht. Hierdurch soll verhindert werden, dass die Schiffe bei der Passage beschädigt werden. Im folgenden Jahr wurde die Dockschleuse durch das Versetzen der Hydraulikzylinder, die bisher in die Durchfahrt hineinragten, um rund einen Meter verbreitert.
2017 ließ Meyer durch die Depenbrock Gruppe die Halle 6 um rund 25 Meter verlängern- und eine weitere Halle um rund 100 Meter.
Am 27. März 2015 unterzeichnete Carnival Corporation & plc eine Absichtserklärung über den Bau von vier neuen Schiffen für die Marken Costa Crociere und AIDA Cruises, die auf den Werften in Turku und Papenburg gebaut werden sollen. Das Typschiff, die AIDAnova, war bei Ablieferung 2018 mit einer Vermessung von 183.900 BRZ das größte in Deutschland gebaute Passagierschiff und das erste weltweit, das mit LNG fahren konnte. Weitere Anschluss-Aufträge des Konzerns folgten und das Auftragsvolumen verdoppelt sich auf aktuell neun bestellte Schiffe.
Ab 2015 wurde auf der Werft ein neues Technologiezentrum errichtet.
Weitere Aufträge für Disney Cruise Line folgten 2016 und 2017.
Im Oktober 2018 bestellte Silversea Cruises zwei Kreuzfahrtschiffe bei der Meyer Werft. Die Schiffe mit einer Vermessung von 44.650 BRZ sollten 2022 und 2023 abgeliefert werden. Das erste Schiff, die Silver Nova, wurde 2023 fertiggestellt, das zweite, die Silver Ray, soll im Jahr 2024 folgen. Sie werden in dem kleineren Baudock gefertigt werden, wie bereits zwei Schiffe für Saga Cruises, die 2019 und 2020 abgeliefert wurden, nachdem sie 2015 bzw. 2017 bestellt worden waren. Der Baudock war vor dem Bau der beiden britischen Kreuzfahrtschiffe mit einer Größe von 55.900 BRZ, 234 Meter Länge und 30,8 Meter Breite hauptsächlich zum Bau von Schiffsmodulen genutzt worden.
Seit 2020: Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und Staatseinstieg Durch die COVID-19-Pandemie fanden im Jahr 2020 viel weniger Kreuzfahrten statt als in den Jahren zuvor.siehe auch (ab Minute 3:10) Das Auftragsbuch der Werft verzeichnete für die Zeit ab 2023 zunächst keine neuen Aufträge. Daraufhin versuchte die Werft durch Streckung des Auftragsbuches und Kurzarbeit die Folgen der Maßnahmen abzumildern. Im Juli 2020 vereinbarten Unternehmensleitung und Betriebsrat eine sechswöchige Betriebsschließung. Einen Lichtblick bildete hierbei die Bestellung eines Schiffes von Nippon Yūsen im Jahr 2021. Ein Appartement-Schiff mit dem Namen Njord wurde im selben Jahr vorbehaltlich der Finanzierung bestellt. Beide sollten in Papenburg gebaut werden und u. a. einen LNG-Antrieb bekommen.
mini|Das neue Logistikzentrum im Bau Bis 2021 errichtete die Werft für etwa 40 Millionen Euro ein neues Logistikzentrum im neuen Gewerbegebiet Bokeler Bogen. Dort entstand auch eine neue Werksfeuerwache. Das Logistikzentrum hat eine Höhe von 30 Metern, bietet Platz für 25.000 Ladeeinheiten und liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Rheiderlandstraße (K158), weshalb diese für rund 28 Millionen Euro bis 2025 verlegt werden soll. Die Rheiderlandstraße war bereits Ende der 1990er Jahre zugunsten der Erweiterung der Werft verlegt worden.
2023 stieg die Meyer-Werft in den Bau von Offshore-Konverterplattformen ein.