Eine fixe Idee ()Theo R. Payk: Psychopathologie: Vom Symptom zur Diagnose. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Springer, Berlin 2015, ISBN 978-3-662-45531-9, S. 222 (: „überwertige (fixe) Idee“). ist als „geflügeltes Wort“ Bestandteil der (gehobenen) Umgangssprache. Das Deutsche Wörterbuch definiert fixe Idee als „eine Vorstellung, die die Seele unaufhörlich und alle andere Vorstellungen beherrschend, einnimmt“.
Begriffsgeschichte Der deutsche Begriff erscheint in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts z. B. bei Jean Paul,Eine fixe Idee. In: Redensarten-Index. Abgerufen am 7. Februar 2020 (ein Tooltip zählt Vorkommnisse bei Jean Paul auf).Wahnsinn. In: Jean-Paul-Portal. Julius-Maximilians-Universität Würzburg, abgerufen am 7. Februar 2020 (Register-Eintrag mit mehreren Vorkommnissen von „fixe Idee“ und flektierten Formen davon, auch „fixer Iden“). Novalis (1798/99) und Johann Adam Bergk (1799; die Vermutung des 1998er Büchmann zum Ursprung des Ausdrucks ist falsch).
Google-Buchsuchen fördern zusammen etwa 50 Titel aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts zu Tage (Stand 2020),Suchphrase fixen ideen in der Google-Buchsuche. Abgerufen am 14. Februar 2020 (1777: Johann Gottlob Immanuel Breitkopf).Suchphrase fixe ideen in der Google-Buchsuche. Abgerufen am 14. Februar 2020. darunter Johann Christoph Adelungs Geschichte der menschlichen Narrheit, Werke der Theologen Jakob Danzer, Johann JahnSuchphrase fixe idee in der Google-Buchsuche. Abgerufen am 14. Februar 2020. und Samuel Friedrich Nathanael Morus,Suchphrase fixen idee in der Google-Buchsuche. Abgerufen am 14. Februar 2020. vermischte Schriften des Philosophen Christian August ClodiusSuchphrase fixer idee in der Google-Buchsuche. Abgerufen am 14. Februar 2020. sowie ein Philosophielehrbuch Karl Heinrich Ludwig Pölitz’ mit psychologisch-psychiatrischen Inhalten.Suchphrase fixer ideen in der Google-Buchsuche. Abgerufen am 14. Februar 2020. Weiter finden sich Besprechungen in Rezensionszeitschriften wie der Allgemeinen Literatur-Zeitung (teils zu psychologisch-psychiatrischen Themen).
Psychiatrie Bei einer fixen Idee konzentrieren sich alle Gedanken auf ein Kernthema. Abgesehen davon denken die Betroffenen ansonsten logisch, so dass sie für vernünftig gehalten werden, wenn das kritische Gebiet nicht berührt wird.
Rainer Tölle bezeichnete fixe Idee und überwertige Idee 2008 als überholte Termini und verwendete stattdessen emotional überwertete Vorstellungen.
Begriffliche Abgrenzung
Monomanie: Die Bezeichnung wird aktuell nicht mehr benutzt, auch nicht laienhaft und hat nur historische Bedeutung, dort wesentlich als Krankheitsbegriff. Das Monomanie-Konzept wird in der modernen Psychiatrie abgelehnt. Fixe Idee: Es handelt sich um einen Laien-Begriff, der auch literarisch verwendet wurde (z. B. Kapitän Ahab in Moby-Dick). Er hat eine abfällige Konnotation (Bedeutung). Eine Abgrenzung zu Wahn und Zwang wird kaum wahrgenommen. In der Musik gibt es den Begriff der Idee fixe (Kernthema, Leitmotiv). Das Merkmal „überwertige Idee“ als psychopathologischer Begriff wird aktuell in der Psychiatrie benutzt. Es bezeichnet keine Krankheit an sich (die jedoch zu einer Folge der [inhaltlichen] Denkstörung werden kann). Es wird strikt von Zwang (Ich-dyston) und Wahn (Ich-synton; bei voller Ausprägung unkorrigierbar) abgegrenzt.
Trivia In der belgisch-französischen Comic-Serie Asterix gibt es das Hündchen Idefix, das (nach der Erscheinungsfolge des französischen Originals) erstmals in dem Heft Tour de France auftritt. Wie eine fixe Idee begleitet Idefix die Helden der Erzählung, wird aber erst ganz am Ende von Obelix wahrgenommen.
Siehe auch Idée fixe (Begriffsklärung) Magisches Denken Perseveration überwertige Idee Monomanie
Literatur
Peter Haffner: Die fixe Idee. 13 Versuche, die Welt zu erklären; Einstein, Scheerbart, Schliemann, Pauling, Fort, von Däniken, Doyle, Oken, Reich, Linné, Poe, Miller, Svev. NZZ, Zürich 1999, ISBN 3-85823-621-7 (als Taschenbuch: Die fixe Idee, 13 Genies und ihre Spleens. dtv 20208, München 2002, ISBN 3-423-20208-4). Theo R. Payk: Psychopathologie: Vom Symptom zur Diagnose. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Springer-Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-662-45531-9, S. 222 ().
Weblinks
Eintrag eine fixe Idee im Redensarten-Index
Einzelnachweise
Kategorie:Psychopathologisches Symptom Kategorie:Geschichte der Psychiatrie