Die Stadt Frauenfeld (im einheimischen Dialekt [],Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 366. älter []Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V, Karte 1.) ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Schweizer Kantons Thurgau sowie des Bezirks Frauenfeld. mini|Freiestrasse in Frauenfeld mini|Bankplatz in Frauenfeld Auf «unserer lieben Frauen Feld», also einer der Muttergottes geweihten Flur, einer Hochfläche, die nach Westen steil in die Thurebene, im Süden in einem felsigen Absturz zur Murg abfällt, wurde der Kern der Stadt Frauenfeld ab zirka 1230 auf einem Rechteck von 250 × 110 Meter erbaut.

Die Stadtgemeinde besteht aus den acht Quartieren Vorstadt (Altstadt und obere Vorstadt), Ergaten-Talbach, Kurzdorf, Langdorf, Herten-Bannhalden, Huben, Gerlikon und Erzenholz-Horgenbach-Osterhalden.

Geschichte mini|Luftbild aus 800 m von Walter Mittelholzer von 1929 Vor- und Frühgeschichte Die ältesten Siedlungszeugnisse auf dem heutigen Stadtgebiet sind Gräber aus der Latènezeit, die östlich von Langdorf gefunden worden sind.

Durch die nördlich liegende Grosse Allmend verlief die Römerstrasse von Oberwinterthur nach Pfyn. Gutshöfe standen zu Talbach und zu Oberkirch, wo für das Frühmittelalter ein Friedhof nachgewiesen ist und spätestens im 9. Jahrhundert eine Kirche errichtet wurde.

Name und Stadtgründung Zum ersten Mal wird in einer Urkunde vom 24. August 1246 im Namen eines Ritters («B. von Vrowinvelt») auf Frauenfeld Bezug genommen. Die Siedlung entstand wohl im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft zum spätestens um 1230 erbauten Turm des Frauenfelder Schlosses, auf dem sich von Eschikofen bis Gachnang erstreckenden Grund des Klosters Reichenau. Der erste Bestandteil des Namens Frauenfeld dürfte sich auf die Jungfrau Maria, Schutzpatronin der Reichenauer Klosterkirche in Mittelzell, beziehen.Department f. Erziehung u. Kultur d. Kantons Thurgau: Thurgauer Namenbuch, Band 1.1 (ISBN 3-7193-1309-3), S. 492 ff. 1294 erlaubte Herzog Albrecht von Österreich den Bürgern von «Vrowenfeld», ihre Töchter gleich erbberechtigt zu erklären wie ihre Söhne.Geschichte der Bürgergemeinde Frauenfeld, Herausgeber Bürgergemeinde Frauenfeld, S. 3

Erst 1286 ist Frauenfeld als Stadt bezeugt, die damals sicherlich unter habsburgischer Landesherrschaft stand, wogegen für die Zeit vorher die genauen Verhältnisse nicht geklärt sind.

Spätmittelalter mini|Schloss Frauenfeld mit Postgebäude (links) und Rathaus (rechts)

Die Burg, ehemals im Besitz der Ritter von Frauenfeld-Wiesendangen, ging im späten 14. Jahrhundert an die Landenberger über. Durch die dauernde Verpfändung der Grafschaft Kyburg, von der aus das Amt Frauenfeld vorher verwaltet worden war, gewann die Stadt als landesherrlicher Sitz nun an Bedeutung.

Zwischen 1415 und 1442 stand Frauenfeld unter der Schirmherrschaft eines Reichslandvogts, danach gehörte es bis zur Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen im Jahr 1460 zu Österreich.

In der Folgezeit bis 1515 fanden in Frauenfeld mehrmals Tagsatzungen statt, und seit 1499 war die Stadt Landgerichtsort. 1499 wurde Frauenfeld ständiger Sitz des Thurgauer Landvogts, der ab 1504 im Spiegelhof residierte.

Im Jahr 1512 erhielt die Stadt von Papst Julius II. eigens ein wertvolles «Juliusbanner» für die im «Grossen Pavier-Feldzug» geleisteten Dienste zur Vertreibung der Franzosen.Winfried Hecht: Das Juliusbanner des zugewandten Ortes Rottweil. In: Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz. 126/7 (1973/4). doi:10.5169/seals-118647

Frühe Neuzeit mini|Die Stadt Frauenfeld in der Chronik von Johannes Stumpf (1548)

1579 wurde Dorothea Merck aus Frauenfeld ein Opfer der Hexenverfolgung in Waldshut.

Obwohl Frauenfeld bis 1531 überwiegend zum reformierten Bekenntnis übergetreten war, konnten die Katholiken aufgrund des Zweiten Kappeler Landfriedens ihren Anspruch auf Vertretung in den städtischen Behörden zunächst aufrechterhalten. Erst nach dem Vierten Landfrieden, in der Zeit zwischen 1712 und 1720, wurden sie aus allen städtischen Ämtern verdrängt. Bis zum Bau der neuen evangelischen Stadtkirche 1645 teilten sich beide Konfessionen die beiden alten Kirchen in Frauenfeld und Oberkirch. 1595 wurde vor der Stadt ein Kapuzinerkloster errichtet.

Seit 1712 wurden in Frauenfeld wieder mehrmals Tagsatzungen abgehalten (in regelmässigem Wechsel mit Baden), von 1742 bis 1797 tagten die Eidgenossen ständig hier.

In den Jahren 1771 und 1788 wurde die Stadt von verheerenden Feuersbrünsten heimgesucht, bei denen die meisten alten Häuser zerstört wurden. Das heutige Stadtbild wurde daher in hohem Masse am Ende des 18. Jahrhunderts geprägt, besonders durch die spätbarocken und klassizistischen Repräsentationsbauten, die teilweise auf die Tagsatzungsdelegationen der verschiedenen Kantone zurückzuführen sind (Luzerner Haus, Berner Haus).

Die aufkommende Industrialisierung im 18. Jahrhundert wurde dadurch behindert, dass die im ausgehenden 17. Jahrhundert gegründeten Zünfte die Abschliessung des städtischen Gewerbes beförderten. Sie beschränkte sich auf die Vorstädte, wo einige Seidenverarbeitungsbetriebe entstanden.

Die erste Postannahmestelle in Frauenfeld wurde am 16. Februar 1790 im Gasthof «Kreuz» eingerichtet.

1798 bis heute Mit der Einrichtung der Helvetik wurde Frauenfeld Hauptort des nun aus der gemeinen Herrschaft der Acht Alten Orte entlassenen Thurgaus. Diese Stellung hat die Stadt bis heute behalten, jedoch tagt das Kantonsparlament seit 1832 halbjährlich abwechselnd in Frauenfeld und in Weinfelden.

Am 25. Mai 1799 wurde Frauenfeld in einem Gefecht zu einem der Austragungsorte des Zweiten Koalitionskrieges (1799–1802), als österreichische und französische Truppen dort aufeinandertrafen.

In der Folge der politischen Umwälzungen um 1800 öffnete sich die Stadt zusehends. 1807 wurde das seit vor 1606 bestehende Einbürgerungsverbot beseitigt, verschiedene politische Vereinigungen wurden gegründet, die Thurgauer Zeitung (bis 1809 Wochenblatt für den Kanton Thurgau) erschien. Zwischen 1804 und 1846 fielen die Befestigungsanlagen. In den Jahren 1813 bis 1816 liess Bernhard Greuter, der ab 1805 in Frauenfeld eine Filiale seiner Islikoner Textilfärberei betrieb, den Stadtgraben auffüllen und eine Promenade anlegen.

1855 wurde Frauenfeld mit der Eröffnung der Strecke Zürich–Romanshorn ans Eisenbahnnetz angeschlossen; 1887 nahm die Frauenfeld-Wil-Bahn den Betrieb auf.

Neben dem Turm des Schlosses als Zeuge des Mittelalters erhielt Frauenfeld 1906 zwei weitere Türme, die der Stadt ihr unverwechselbares Gesicht gaben: den Turm der neubarocken, mit Jugendstilelementen ausgestatteten katholischen Stadtkirche St. Nikolaus mit dem 45 m hohen Kirchturm sowie den achteckigen Turm des nach Süden erweiterten Rathauses. In den 1930er-Jahren folgte der quadratische Turm der evangelischen Stadtkirche.

Seit 1812 bestand die Munizipalgemeinde Frauenfeld mit ihren Ortsgemeinden Frauenfeld, Langdorf, Kurzdorf, Huben, Herten und Horgenbach; 1849 wurden die Aumühle und vorübergehend der Weiler Schönenhof zur Stadt geschlagen. 1919 gingen alle diese Ortschaften in der neuen Einheitsgemeinde Frauenfeld auf, in welche 1998 noch die Ortsgemeinde Gerlikon sowie die Weiler Schönenhof und Zelgli, die bis dahin zur Ortsgemeinde Oberwil gehört hatten, aufgenommen wurden.

Die Bürgergemeinde Frauenfeld verlor gemäss der neuen Kantonsverfassung am 1. Januar 1870 ihre Stellung als Trägerin der öffentlichen Interessen. Sie verwaltet noch das ausgeschiedene Eigentum der Bürger. Die hauptsächlichen öffentlichen Aufgaben werden von der Ortsgemeinde wahrgenommen.Mitteilung von Titus Moser, Präsident der Bürgergemeinde Frauenfeld

Am 24. November 1898 nahm die Post im Hauptpostamt den Betrieb auf. Erstmals waren alle Postdienste, Briefpost, Telefon, Telegraf und Reisepost, unter einem Dach.

Wappen Blasonierung: In Weiss ein steigender, gelb bewehrter, roter Löwe, von roter, gelbgezierter Frau an gelber Kette gehalten.Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019

Das älteste Stadtsiegel aus dem Jahr 1331 zeigt Löwe und Frau Rücken an Rücken. Mit dem Juliusbanner von 1515 setzte sich die heutige Darstellung – Löwe und Frau rechtsgewendet – durch. Der Löwe erinnert an die Habsburger, die die Herrschaft von den Kyburgern erbten. Die Frau steht für die Jungfrau Maria, die Patronin des Klosters Reichenau. Die Farben Rot und Weiss entstammen dem Wappen des Klosters Reichenau.

Bevölkerung 1919 wurden aus der Munizipalgemeinde Frauenfeld und ihren sechs Ortsgemeinden Frauenfeld, Herten, Horgenbach, Huben, Kurzdorf und Langdorf die Einheitsgemeinde Frauenfeld gebildet. 1998 wurden die von der Munizipalgemeinde Gachnang abgetrennte Ortsgemeinde Gerlikon sowie die von der Ortsgemeinde Oberwil (Munizipalgemeinde Gachnang) abgetrennten Ortsteile Zelgli und Schönenhof nach Frauenfeld eingemeindet.

Im Januar 2017 erreichte die Stadt die 25'000-Einwohner-Marke; am hatte Frauenfeld Einwohner.

Von den insgesamt 25'456 Einwohnern der Gemeinde Frauenfeld im Jahr 2018 waren 6000 bzw. 23,6 % ausländische Staatsbürger. Die Ortschaft Frauenfeld zählte zu diesem Zeitpunkt 24'918 Bewohner.

+Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Frauenfeld Jahr 1850 1870 1888 1900 1910 1930 1950 1970 1990 2000 2010 2018 2019 2020 20222023 Einwohner 3444 5122 5996 7761 8459 8795 11'114 17'576 20'204 21'954 23'128 25'456 25'622 25'734 26'09326'461

Nationalitäten Von den insgesamt 26'461 Einwohnern der Gemeinde Frauenfeld am 31. Dezember 2023 waren 6810 bzw. 25,7 % ausländische Staatsbürger. Nationalität S. 10 (abgerufen am: 6. August 2013). 1970 1980 1990 2000 2010 20182023 Schweiz78,32 %82,25 %78,30 %77,53 %77,71 %76,4 %74,3 % Italien14,56 %9,85 %8,70 %6,76 %5,13 %n.n.n.n. Portugaln.n.n.n.5,26 %4,90 %4,54 %n.n.n.n. Deutschland2,20 %1,40 %1,19 %1,37 %3,20 %3,4 %3,8 % Mazedonienn.n.n.n.n.n.1,91 %1,86 %n.n.n.n. Türkei0,34 %0,85 %1,35 %1,18 %0,83 %n.n.n.n. Spanien1,60 %1,31 %1,19 %0,82 %0,54 %n.n.n.n. Österreich1,19 %0,69 %0,53 %0,55 %0,44 %n.n.n.n. Kroatienn.n.n.n.n.n.0,57 %0,38 %n.n.n.n. Bosnien und Herzegowinan.n.n.n.n.n.0,45 %0,22 %n.n.n.n. Total ausländische Staatsbürgern.n.n.n.n.n.18,51 %17,14 %23,6 %25,7 %

Konfessionen Am 31. Dezember 2024 gehörten 7346 (28,0 %) der 26.193 Einwohner der römisch-katholischen Kirche und 7123 (27,2 %) der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau an, 11.724 (44,8 %) gehörten sonstige oder keinen Glaubensgemeinschaft an. 2011 waren noch 35,6 % Katholiken und 38,8 % Evangelische.

Der lokalen Sektion der Evangelischen Allianz gehören sieben evangelische Gemeinden und Gruppen an.evang-frauenfeld.ch Evangelische Allianz in Frauenfeld

Wirtschaft Frauenfeld ist Standort zahlreicher Unternehmen. Von weltweiter Bedeutung sind SIGG, Sia Abrasives, Baumer, DocMorris und der Europasitz des amerikanischen Chemieunternehmens Chemtura. Im Jahr 2020 zügelte der Schweizer Ableger von Wärtsilä mit seinen 135 Mitarbeitern von Winterthur nach Frauenfeld. Anfang 2022 eröffnete Stadler Rail hier einen Service-Standort. Für die Landwirtschaft von Bedeutung ist die Zuckerfabrik in Oberwiesen im Westen Frauenfelds. Ausserdem ist Frauenfeld Standort eines Paketverteilzentrums der Schweizerischen Post. Ein grosser Wirtschaftsfaktor ist auch der Waffenplatz (Ausbildungsgelände des Militärs) auf der Allmend im Norden der Stadt.

Im Jahr 2019 bot Frauenfeld 16'386 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 0,5 % in der Land- und Forstwirtschaft, 24,9 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 74,6 % im Dienstleistungssektor tätig.

Politik Exekutive Für die Legislaturperiode 2023–2027 wurden die folgenden Personen in den Stadtrat gewählt: