Zur See ist eine 9-teilige Fernsehserie, die im Auftrag des Fernsehens der DDR von 1974 bis 1976 unter anderem auf dem Lehr- und Frachtschiff J. G. Fichte der Deutschen Seereederei produziert wurde.
Viele prominente Schauspieler der DDR waren bei dieser Serie für die Hauptrollen verpflichtet worden. Mit Horst Drinda, Günter Naumann, Günter Schubert und Erik S. Klein standen die wohl populärsten Akteure ihrer Zeit vor der Kamera. Die Serie wurde zu einer der erfolgreichsten und meistgesehenen Produktionen im DDR-Fernsehen.
Beschreibung In den neun Folgen werden der Alltag und die beruflichen Situationen einer Schiffsmannschaft der sozialistischen Handelsflotte der DDR vom Kapitän bis zum Decksmann auf ihrem Schiff zwischen See- und Landgang, im Wesentlichen auf tatsächlichen Ereignissen basierend, geschildert. Viele seemännische Traditionen werden darin beleuchtet, wie z. B. die Äquatortaufe und viele seemännische Begriffe und Flüche erklärt wie z. B. das Kielholen. Aber auch die Probleme innerhalb von Familien zweier Kapitäne und die ganz normalen anderen zwischenmenschlichen Probleme, die durch lange Trennung von den Familien entstehen, werden dabei behandelt. Es wird aber auch die Freundschaft zu den sozialistischen Seefahrtstaaten wie der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion geschildert; diese stehen der Fichte stets hilfsbereit zur Seite, ebenso wie die kubanischen Behörden.
Die Serie gilt zudem als Zeitdokument für das Ende der Stückgutfrachter in der Seefahrt: Im Film werden noch mit großem Personaleinsatz Säcke, Fässer und Einzelstücke wie Autoreifen oder Maschinenteile verladen, während sich etwa zur selben Zeit international die Container durchzusetzen beginnen.Drehbuchautorin Eva Stein in der Dokumentation "Als der Osten das Traumschiff erfand." Nach ihrer Ansicht ließen sich die Geschichten der Serie vom Arbeitsalltag der Seeleute auf den heutigen Containerschiffen nicht mehr filmwirksam umsetzen.
Titelmusik Die Titelmusik der Fernsehserie wurde von Helmut Nier komponiert und 1974 vom DEFA-Sinfonieorchester unter der Leitung von Gerhard Rosenberg eingespielt.
Die Episoden Autoren für die einzelnen Episoden waren Eva Stein, Manfred Dietrich, Anne Dessau, Hans Georg Lietz sowie Kapitän Gerd Peters. Regisseur bei allen neun Episoden war Wolfgang Luderer.
Die neun Episoden hatten unterschiedliche Laufzeiten bei der Ausstrahlung im Fernsehen und lagen zwischen 60 und 75 Sendeminuten je nach Produktion. Sie wurden bei ihrer Erstsendung am Freitagabend um 20 Uhr im 1. Programm des DDR-Fernsehen ausgestrahlt.
1. Folge Die Bewährung (EA: 7. Januar 1977,Peter Flieher: ZUR SEE: 1. DIE BEWÄHRUNG (1976). Auf fernsehenderddr.de, abgerufen am 23. April 2019. 70 Minuten)
Mit zwei neuen Besatzungsmitgliedern geht das Handelsschiff J. G. Fichte auf Fahrt in die Gewässer jenseits der Ostsee. Kapitän Hans Karsten übernimmt kurzfristig das Kommando über das Schiff, und auch Detlef Hartwig, der Koch, der zum ersten Mal auf See ist, hat seine erste Bewährungsprobe auf dem Schiff zu bestehen. Während das Schiff nach dem Ablegen zunächst ruhige Fahrt aufnimmt, ordnet der Kapitän wenig später an, dass die Maschine mit höherer Drehzahl laufen soll, damit die wichtige Fracht rechtzeitig im Bestimmungshafen ankommt um neue Ladung aufzunehmen. Chief Paul Weyer versucht vergeblich dem Kapitän zu erklären, dass eine höhere Belastung auf Dauer der Maschine schaden könne. Und so kommt es dann bald auch. Während das Schiff volle Fahrt voraus fährt, fällt die Maschine durch einen Kolbenfresser aus, und das Schiff beginnt, bei starkem Seegang manövrierunfähig, auf einen Küstenstreifen zu treiben. In dieser Situation steht der Kapitän zwischen zwei Entscheidungen: Entweder das Schiff mit hohen Kosten in den nächsten Hafen schleppen zu lassen, oder auf die Künste seines Chiefs zu vertrauen, und eine Reparatur unter großem Risiko aufzulegen, und damit einem ungewissen Ausgang entgegensehen. Vierzehn Stunden haben der Chief und seine Leute Zeit, den Kolben zu wechseln bzw. die Maschine wieder in Gang zu bringen. Unterdessen hat der neue Koch so seine Mühe mit dem Leben auf hoher See. Ständig wandelt er zwischen Kombüse und Reling, um sich gegen die Seekrankheit zu stemmen. Doch auch die unterschiedlichen Wünsche der Besatzungsmitglieder machen dem Smutje arg zu schaffen. Es naht Hilfe in Form von Matrose Thomas, der nicht mehr von seiner Seite weicht und als Speiseplanberater fungiert.
2. Folge Die Hochzeitsüberraschung (EA: 14. Januar 1977,Peter Flieher: ZUR SEE: 2. DIE HOCHZEITSÜBERRASCHUNG (1976). Auf fernsehenderddr.de, abgerufen am 23. April 2019. 64 Minuten)
Im Heimathafen Rostock liegt die Fichte fertig zum Auslaufen. Doch es gibt ein Problem: Der Funker ist ausgefallen, und so sucht man fieberhaft nach einem Ersatzfunker. Als einzig verfügbarer Funker steht Horst Petersen zur Verfügung, doch der hat auch ein Problem. In wenigen Tagen steht seine Hochzeit bevor, die er zuvor schon zweimal verschieben musste, weil er immer kurzfristig aufs Schiff beordert wurde. Um nicht mit leeren Händen dazustehen, reist Kapitän Karsten nun im Auftrag der Reederei als offizieller Gratulant ins Erzgebirge zum Hochzeitspaar. Dort versucht er die zukünftige Frau des Funkers, Rita Herfurth, von der Wichtigkeit der Sache zu überzeugen. Allerdings bedenkt er dabei nicht, dass ein Brautpaar auch auf Hochzeitsreise geht, und kommt auf die grandiose Idee, das Paar könne diese auf der Fichte machen. Deshalb sollte die Braut bis zur Genehmigung durch die Seereederei und die übergeordneten Stellen nichts von der geplanten Überraschung erfahren. Ganz geheuer ist der Braut das geheimnisvolle Geplauder und Tun zwischen dem Kapitän und ihrem zukünftigen Mann nicht. Sie vermutet, dass beide irgendetwas im Schilde führen und die Hochzeit doch noch platzen könnte. Es kommt zum Streit zwischen Petersen und seiner Braut. Petersen ist völlig verzweifelt und betrinkt sich hemmungslos. Doch Kapitän Karsten kann die beiden wieder versöhnen. Während der Hochzeitsfeier wartet Karsten ungeduldig auf die Genehmigung der Reederei für die geplante Hochzeitsreise auf der Fichte, die erst in letzter Minute eintrifft. Auch der Betrieb der Braut, der sich zuerst wegen Arbeitskräftemangel quer gestellt hatte, lenkt ein und beurlaubt sie für die Dauer der Reise. Doch die Braut hat sich geschworen, nie mehr ein Schiff zu betreten, nachdem sie vor einigen Jahren auf einer Rügenrundfahrt mal seekrank geworden war. Doch letztendlich kann das Schiff dann in Rostock ablegen und zwar mit Horst und Rita an Bord.
3. Folge Der Ladungsbrand (EA: 21. Januar 1977,Peter Flieher: ZUR SEE: 3. DER LADUNGSBRAND (1976). Auf fernsehenderddr.de, abgerufen am 23. April 2019. 60 Minuten)
Auf der Fichte heuert der Matrose Winfried Mantey an. Ein Seefahrtsneuling, der voller Energie und Ideale für seinen Beruf steckt. Im lateinamerikanischen Zielhafen angekommen wartet auf die Schiffsbesatzung jede Menge Arbeit. Man teilt dem neuen Besatzungsmitglied den Laderaum 2 bei der Überwachung des Lösch- und Ladebetriebes des Schiffes zu. Doch Winfried verlässt gegen die Vorschriften die Luke, um für die durstigen Stauerleute Trinkwasser zu holen. Auf der Heimreise kommt es zu einem Ladungsbrand, der auf dem Schiff großen Schaden anrichtet. Von Panik ergriffen steigt der junge Matrose in die Luke, um den Brand selbst zu löschen, und bringt sich dabei in große Gefahr. Auch der Schiffskoch Detlef macht seine Erfahrungen an Land. Er will Zutaten für ein Abendessen besorgen, zu dem der Kapitän verschiedene Geschäftspartner eingeladen hat. Doch er bekommt an Land eine Sack Zwiebeln auf den Kopf, als er sich ausruhte. Durch die dadurch verursachte Benommenheit und die bei dem Unfall stehen gebliebene Uhr, ist ihm die Uhrzeit nicht bekannt. Er wird durch Einheimische versorgt und kommt in Kontakt mit der Bevölkerung. Als er die Uhrzeit erfährt, und feststellt, dass er viel zu spät auf die Fichte zurückkehren wird, kehrt er in einer Kneipe ein, wo er etwas zu viel trinkt und in Unkenntnis der Sitten des Landes von den Einheimischen ausgeplündert wird. Der Wirt behauptet, Detlef hätte das ganze Lokal eingeladen, und präsentiert eine gewaltige Zeche. Da er nicht zahlen kann, muss er Hemd und Hose dort lassen. Als er dann nur spärlich in einen Zementsack gekleidet viel zu spät, aber halbwegs gesund auf dem Schiff zurück ist, stellt er mit großer Erleichterung fest, dass seine Freunde das kalte Buffet für den Empfang beim Kapitän gerettet haben.
4. Folge Die Kollision (EA: 28. Januar 1977,Peter Flieher: ZUR SEE: 4. DIE KOLLISION (1976). Auf fernsehenderddr.de, abgerufen am 23. April 2019. 70 Minuten)
Die Fichte ist in südamerikanischen Gewässern unterwegs und hat beim Einlaufen in den Hafen eine Kollision mit dem heimischen Frachter Ferreapolis. Die Presse des Landes wirft dem Kapitän vor, durch ein falsches Fahrmanöver den Tod von drei Matrosen verursacht zu haben. Bei einer Anhörung werden verschiedene Zeugenaussagen gemacht, eine davon belastet Kapitän Karsten schwer. Wenn es ihm nicht gelingt, das Gegenteil zu beweisen, muss er für mehrere Jahre ins Gefängnis. Es beginnen zermürbende Wochen des Wartens, auch dadurch bedingt, dass der Kapitän kaum die Möglichkeit bekommt, mit seiner Reederei zu Hause Verbindung aufzunehmen, da die DDR noch keinerlei diplomatische Vertretung in dem Land hat. Ein etwas zwielichtiger westdeutscher Diplomat bietet Karsten Hilfe an unter dem Hinweis, dass er schließlich ein Landsmann wäre – auch wenn er aus der DDR kommt, wohin er ja auch nicht unbedingt zurückkehren müsse. Karsten lehnt jedoch ab. Die Zeit arbeitet gegen den Kapitän: Der beauftragte Rechtsanwalt vor Ort lässt sich viel Zeit, die Behörden unterdessen erstellen ein Gutachten des Unfallhergangs. Dabei stellt sich heraus, dass der Fahrtenschreiber einen anderen Kurs ausweist als den vom Kapitän vorgegebenen. Auch in der Reederei in Rostock arbeitet man an der Analyse des Unfallhergangs. Eines Tages findet der zuständige Havariespezialist durch Simulationen mit Schiffsmodellen die entscheidende, aber verhängnisvolle Ursache für das Unglück: Die Strömungs- und Fahrwasserverhältnisse und das zu enge Vorbeifahren des anderen Schiffes in dem engen Kanal haben eine unerwartete Schiffsdrehung verursacht. Ein Havarieinspektor reist nach Südamerika zu Karsten. Er hat zudem einen Privatdetektiv beauftragt. Dieser findet heraus, dass die Seemänner auf der Ferreapolis erhebliche Fehler während ihrer Fahrt gemacht haben. So war beispielsweise die Brücke zum Kollisionszeitpunkt nicht ordnungsgemäß besetzt und der wachhabende Rudergänger rauchte unter Deck eine Zigarette. Nun werden diese Fakten dem ermittelnden Kommissar vorgelegt, woraufhin Kapitän Karsten dann gegen Kaution von 5.000 Dollar nach Hause kann, und zwar mit der Interflug.
5. Folge Ruf an Rügenradio (EA: 5. Februar 1977,Peter Flieher: ZUR SEE: 5. RUF AN RÜGEN-RADIO (1976). Auf fernsehenderddr.de, abgerufen am 23. April 2019. 60 Minuten)