mini|Fahndungsbild aus dem Jahre 1972 von D. B. Cooper D. B. Cooper und Dan Cooper sind Pseudonyme für einen Flugzeugentführer, der am 24. November 1971 über bergigem Gelände im Südwesten des US-Bundesstaates Washington aus einer Boeing 727 sprang, nachdem er zuvor ein Lösegeld in Höhe von 200.000 US-Dollar (entspricht einem heutigen Gegenwert von etwa Millionen US-Dollar) erpresst hatte.
Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt. Es gibt etliche Theorien, aber keine sicheren Erkenntnisse darüber, wer der Entführer war und was nach seinem Absprung geschah. Die einzigen materiellen Spuren außerhalb des Flugzeugs sind drei Bündel verwitterter Banknoten, die ein Kind 1980 am sandigen Flussufer des Columbia River ausgegraben hatte und die als Teil des Lösegelds identifiziert wurden, sowie ein Teil eines Schildes, das vermutlich von der hinteren Treppe des Flugzeugs stammt, von der Cooper abgesprungen war.
Das FBI führt den Fall Cooper unter dem Codenamen „Norjak“.Ralph P. Himmelsbach, Thomas K. Worcester: Norjak: The Investigation of D. B. Cooper. Norjak Project, West Linn, Oregon 1986, S. 135. Im Dezember 2007D.B. Cooper Redux – Help Us Solve the Enduring Mystery FBI, 31. Dezember 2007. und im März 2009In Search of D.B. Cooper – New Developments in the Unsolved Case FBI, 17. März 2009. belebte das FBI den Fall wieder und hoffte auf neue Informationen zur Klärung von Coopers Identität. Doch endgültige Antworten ergaben auch diese und neuere Recherchen nicht. Das FBI gab im Juli 2016 bekannt, es habe die Ermittlungen im Fall D. B. Cooper nach 45 Jahren eingestellt.Fall Dan Cooper: FBI gibt Suche nach Flugzeugentführer nach 45 Jahren auf spiegel.de, 13. Juli 2016.
Pseudonyme Der Entführer verwendete beim Kauf des Flugtickets das Pseudonym Dan Cooper. Bei den ersten Ermittlungen befragte das FBI einen Mann namens D. B. Cooper und ließ ihn dann wieder frei. Dieser Mann wurde nie als dringend tatverdächtig angesehen. Wegen eines Missverständnisses mit den Medien wurden seine Initialen jedoch fest mit dem Entführer verknüpft, und so ist dieser heute vor allem als D. B. Cooper bekannt.
Die Entführung Eine Aktentasche mit einer Bombe Am 24. November 1971, dem Vorabend von Thanksgiving, entführte um 16:35 Uhr Ortszeit in den USA ein unter dem Namen Dan Cooper reisender Mann eine Boeing 727-051 der Fluggesellschaft Northwest Orient Airlines mit der Flugnummer 305, wobei er mit einer Bombe drohte. Er trug eine Aktentasche voller Drähte und roter Stangen bei sich.
Cooper hatte das Flugzeug zuvor zusammen mit 36 anderen Passagieren und sechs Crewmitgliedern in Portland in Oregon in Richtung Seattle bestiegen. Er trug einen schwarzen Regenmantel, Slipper, einen dunklen Geschäftsanzug, ein sauber gebügeltes weißes Hemd, eine schmale schwarze Krawatte mit einer perlmuttbesetzten Krawattennadel sowie eine schwarze Sonnenbrille.
Das Flugzeug war kaum in der Luft, als er eine in der Nähe seines Platzes sitzende Stewardess, Florence Schaffner, wegen einer Getränkebestellung herbeirief. Beim Bezahlen gab er ihr auch einen Umschlag. Da sie dachte, er würde ihr seine Telefonnummer geben, steckte sie ihn ungeöffnet in ihre Tasche. Cooper lehnte sich näher und sagte: „Fräulein, Sie schauen sich den Zettel besser an! Ich habe eine Bombe.“ Im Umschlag befand sich ein Zettel mit dem Inhalt:
Die Flugbegleiterin bat darum, die Bombe zu sehen. Der Entführer öffnete seinen Koffer einen Spalt, lange genug, damit Schaffner rote Zylinder und Drähte erkennen konnte. Dann forderte er 200.000 US-Dollar, vier Fallschirme (zwei normale Fallschirme und zwei Reservefallschirme) und Treibstoff, um das Flugzeug wiederaufzutanken.
Nachdem die Stewardess das Cockpit über Cooper und seinen Zettel benachrichtigt hatte, kontaktierte Pilot William Scott die Flugsicherung des internationalen Flughafens Seattle-Tacoma. Diese gab die Anweisung, mit Cooper zu kooperieren. Scott wies Schaffner an, zu Dan Cooper zurückzukehren und sich neben ihn zu setzen. Als sie wiederkam, trug er eine schwarze Sonnenbrille. Er befahl ihr, dem Piloten zu sagen, dass dieser nicht landen solle, bevor das von ihm geforderte Geld und die Fallschirme in Seattle-Tacoma bereitlägen.Ralph P. Himmelsbach, Thomas K. Worcester: Norjak: The Investigation of D. B. Cooper. Norjak Project, West Linn, Oregon 1986, S. 18. Schaffner ging zurück zum Cockpit und gab Coopers Anweisungen weiter.
Freilassung der Geiseln und Fluchtplan Als das Flugzeug um 17:45 Uhr an seinem Zielort Seattle-Tacoma landete, ließ der Entführer die Passagiere im Austausch gegen 200.000 US-Dollar und vier Fallschirme frei. Während die Maschine aufgetankt wurde, informierte Cooper die Cockpitbesatzung über seinen Fluchtplan: Die Boeing sollte mit dem Ziel Mexiko-Stadt südöstlich fliegen, und zwar mit ausgefahrenem Fahrwerk und den Landeklappen auf 15 Grad, so langsam wie möglich (ca. 185 km/h) und in höchstens 10.000 Fuß (ca. 3 Kilometer) Höhe statt der normalen Flughöhe von 25.000 bis 37.000 Fuß. Der erfahrene Kopilot informierte Cooper darüber, dass das Flugzeug unter diesen Bedingungen nur rund 1000 Meilen (1600 Kilometer) weit fliegen könne, was einen Zwischenstopp für ein erneutes Auftanken erforderlich machte. Cooper einigte sich mit der Crew auf einen Zwischenstopp in Reno (Nevada).
mini|rechts|Animierte Skizze: Ausklappen der Hecktreppe, Absprung des Entführers
Um 19:40 Uhr zwang er die Cockpitbesatzung, erneut abzuheben. Gegen 20:00 Uhr zeigte eine Warnleuchte im Cockpit an, dass Cooper den Mechanismus zum Ausfahren der Hecktreppe aktiviert hatte. Die Crew bemerkte dann einen Druckabfall – offenbar hatte sich die Hecktür geöffnet. Bald danach sprang Cooper mit dem Geld von der hinteren Treppe des Flugzeugs ab. Das FBI geht davon aus, dass Cooper um 20:13 Uhr absprang, da an dem Flugzeugheck zu diesem Zeitpunkt eine Aufwärtsbewegung zu beobachten war. Die Boeing flog zu dieser Zeit bei Sturm und Regen über dem Südwesten des Bundesstaates Washington. Wegen der schlechten Sicht konnte der Absprung nicht von den verfolgenden F-106-Kampfflugzeugen beobachtet werden.
Das Flugzeug landete mit der ausgeklappten Hecktreppe gegen 22:15 Uhr auf dem Flughafen von Reno.
Untersuchungen Ort des Absprungs mini|375px|A, B, C Airports Portland – Seattle – Reno1 Erster errechneter mutmaßlicher Absprungpunkt2 Fundort der abgerissenen Gebrauchsanleitung der Hecktreppe3 Fundort der Geldbündel4 Zweiter errechneter mutmaßlicher Absprungpunkt. mini|Eine Boeing 727 mit ausgeklappter Treppe am Heck
Die Landezone wurde zunächst auf Clark County und Cowlitz County im Südwesten des Bundesstaats Washington in der Nähe des Lewis River lokalisiert. Spätere Überlegungen lokalisierten das Gebiet weiter südöstlich im Einzugsgebiet des Washougal River. Trotz mehrfacher umfangreicher Suchaktionen, auch von Privatpersonen, wurde nie eine Spur von Cooper gefunden.
Kenntnisse des Entführers Die Boeing 727 hat ein für eine Zivilmaschine seltenes Ausstattungsmerkmal – eine Hecktür mit einer ausklappbaren Treppe. Der Entführer kannte offenbar die ungewöhnliche Möglichkeit, diese Treppe während des Fluges herunterzulassen, und wusste auch, dass das Auslösen dieses Mechanismus nicht vom Cockpit aus verhindert werden konnte. Da es keinen vernünftigen Zweck für das Ausklappen der Hecktreppe während des Fluges gibt, war diese Funktion nicht einmal zivilen Besatzungen der Boeing 727 bekannt. Kenntnisse dieser Art hatten eigentlich nur einige Mitarbeiter des Herstellers und wenige Spezialisten der CIA.Ralph P. Himmelsbach, Thomas K. Worcester: Norjak: The Investigation of D. B. Cooper. Norjak Project, West Linn, Oregon 1986, S. 43.
Die Anweisungen des Entführers bezüglich des Flugs nach Reno sprechen dafür, dass er sich mit Flugzeugtechnik auskannte. Andererseits schien er von Fallschirmen nichts zu verstehen: Von den beiden Hauptfallschirmen wählte er den schlechteren aus und von den beiden Reservefallschirmen sogar ein möglicherweise funktionsunfähiges Modell. Den brauchbaren Reservefallschirm zerschnitt er, möglicherweise um die Tasche mit dem Lösegeld zu umwickeln und an sich zu schnüren. Die NZZ schrieb allerdings 2021, dass nur funktionstüchtige Fallschirme vorbereitet worden seien, da die Gefahr bestanden hätte, dass der Entführer mit einer Geisel fliehen wolle.Mysteriöser FBI-Fall: Der Luftpirat, der für immer verschwand, NZZ, 24. November 2021.
Der mit dem Fall befasste Special Agent des FBI Larry Carr sagte dazu:
Lösegeld mini|Teil des 1980 gefundenen Lösegeldes Am 10. Februar 1980 fand ein achtjähriger Junge bei einem Picknickausflug mit seiner Familie drei Bündel mit 20-Dollar-Noten, insgesamt 5800 US-Dollar, am Ufer des Columbia River, acht Kilometer nordwestlich des amerikanischen Vancouver im US-Bundesstaat Washington. Die Bündel konnten dem Lösegeld zugeordnet werden, da die Seriennummern notiert worden waren.
Der Fund warf mehr Fragen auf, als er beantwortete. Die Geldscheine waren beim Auffinden kaum von Sand bedeckt gewesen, und sie waren vor allem am Rand stark verwittert und abgewetzt, was auf einen Transport im Fluss hinwies. Wenn Cooper die drei Geldbündel verloren hätte, sei es beim Absprung oder am Fallschirm hängend oder erst nach der Landung, konnten sie früher oder später im Absprunggebiet in den Washougal River geraten sein. Es wäre aber dann rätselhaft, warum sie weit flussabwärts an genau derselben Stelle am Ufer des Columbia River abgelagert wurden. Die zur Bündelung verwendeten Gummibänder wären am Boden unter direkter Einwirkung von Wetter oder im Fluss spätestens nach einem Jahr brüchig geworden und abgefallen, sie waren aber noch erhalten und zerbröselten erst bei der Berührung nach dem Ausgraben.Rubber Band Analysis citizensleuths.com Dies sprach dafür, dass die Geldbündel innerhalb eines Jahres nach der Flugzeugentführung am späteren Fundort angeschwemmt wurden – oder dass Cooper oder eine andere Person sie irgendwann dort vergraben hatte.
Eine Untersuchung der Kieselalgen auf einem der Geldscheine konnte im Jahr 2020 einige der offenen Fragen klären. Anhand des Vergleichs mit zwei Banknoten, die testweise im November beziehungsweise im März im Columbia River versenkt wurden, zeigten sich deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung der Kieselalgenarten und charakteristischer Spurenelemente. Daraus ergab sich, dass die Geldbündel nicht in einem November und auch nicht ein ganzes Jahr lang im Columbia River gewesen sein konnten, sondern nur in einer bestimmten Jahreszeit, nämlich etwa im Mai oder Juni – also mindestens ein halbes Jahr nach Coopers Absprung aus dem Flugzeug im November 1971. Auf der Banknote aus dem Lösegeld fanden sich viele große Kieselalgen im Verhältnis zu kleineren Kieselalgen. Dies bedeutete, dass die Geldbündel einige Zeit aufgefächert im Flusswasser lagen und dort mit Kieselalgen durchspült wurden. Damit entfällt die Möglichkeit, dass Cooper oder eine andere Person trockene Geldscheine am Flussufer vergraben hat.Thomas G. Kaye, Mark Meltzer: Diatoms constrain forensic burial timelines: case study with DB Cooper money, in: Scientific Reports 10, 13036 (2020).
Der Rest des Lösegeldes wurde nie gefunden.
Wahl des Pseudonyms Ein Hinweis könnte in dem Pseudonym Dan Cooper stecken, das der Entführer gewählt hatte. Es gibt eine belgische Comicfigur namens Dan Cooper. Dieser Dan Cooper ist kanadischer Militärpilot, und in den Comics kommen unter anderem auch Fallschirmabsprünge vor. Der Entführer könnte ein Fan dieses Comichelden gewesen sein. Da die Comicserie zu dieser Zeit nicht in englischer Sprache erhältlich war, wurde spekuliert, der Entführer könne frankokanadischer Herkunft sein.FBI-backed team finds Canadian link to famous ’70s plane hijacking National Post, 24. November 2011.
Einstellung der Ermittlungen