Sinetula Chaidarowitsch Biljaletdinow (; * 13. März 1955 in Moskau, Russische SFSR) ist ein ehemaliger sowjetisch-russischer Eishockeyspieler und derzeitiger -trainer tatarischer Herkunft. Zwischen 2014 und 2019 betreut er erneut Ak Bars Kasan aus der Kontinentalen Hockey-Liga.
Karriere
Als Spieler bei Dynamo Moskau Sinetula Biljaletdinow spielte während seiner kompletten Spielerkarriere für Dynamo Moskau. Während der Saison 1973/74 debütierte er für die Herrenmannschaft des Klubs in der Wysschaja Liga, der damals höchsten Spielklasse der Sowjetunion. Ab der folgenden Spielzeit gehörte er fest zum Kader des Klubs, mit dem er insgesamt sieben Mal sowjetischer Vizemeister (1977–1980, 1985–1987) wurde. Zudem gewann er mit Dynamo 1976 den sowjetischen Pokalwettbewerb. 1988 beendete er vorübergehend seine Karriere, ehe er seine Karriere zwischen 1989 und 1991 bei der zweiten Mannschaft von Dynamo in der zweiten Spielklasse, der Perwaja Liga, ausklingen ließ. Dabei agierte er als Spielertrainer.
Insgesamt erzielte er 63 Tore in 588 Spielen der Wysschaja Liga.
Biljaletdinow beendete 1979 sein Studium am Zentralinstitut für Körperkultur und Sport in Moskau und 1982 ein Studium am Regionalen Pädagogischen Institut Moskau, Fakultät für Leibeserziehung.
International Sinetula Biljaletdinow vertrat sein Heimatland erstmals bei der U19-Junioren-Europameisterschaft 1974, bei der die Silbermedaille gewann. Anschließend folgten Teilnahmen an den U20-Junioren-Weltmeisterschaft 1974 und 1975, bei denen er mit der sowjetischen U20-Auswahl jeweils Weltmeister wurde.
Am 20. August 1976 stand Biljaletdinow in einem Spiel gegen Schweden zum ersten Mal für die Herren-Nationalmannschaft (Sbornaja) auf dem Eis. Sein erstes größeres Turnier war der Canada Cup 1976, bei der die Sbornaja den dritten Platz belegte. Sein erster großer Erfolg im Herrenbereich war der Gewinn des Weltmeistertitels 1978, der 1979 wiederholt wurde. 1980 nahm er mit dem Nationalteam an den Olympischen Winterspielen in Lake Placid teil, bei dem aufgrund des Miracle on Ice die erfolgsverwöhnte Sbornaja nur die Silbermedaille gewann.
In den folgenden Jahren nahm Biljaletdinow an weiteren Weltmeisterschaften teil und gewann dabei 1981, 1982, 1983, 1985 und 1986 erneut die Goldmedaille. Darüber hinaus nahm er am Canada Cup 1981 und 1984 teil.
Seine internationale Karriere wurde mit der Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen 1984 gekrönt. Seine letzte Weltmeisterschaft absolvierte er 1987, bei der er die Silbermedaille gewann. Am 2. Februar 1988 bestritt er sein letztes Länderspiel.
Für die sowjetische Nationalmannschaft erzielte er insgesamt 21 Tore in 244 Länderspielen.
Als Trainer
Biljaletdinow begann seine Trainerkarriere 1988 als Assistenztrainer von Juri Moissejew bei Dynamo Moskau und hatte dieses Amt bis 1992 inne. während dieser Zeit gewann Dynamo Moskau drei Meisterschaften. Zwischen 1993 und 1997 war er Assistenztrainer im Franchise der Winnipeg Jets, das 1996 nach Phoenix (Arizona) zog und in Phoenix Coyotes umbenannt wurde. Er war damit der erste russische Trainer in der National Hockey League und lernte während dieser Zeit viel über nordamerikanische Trainingslehre und -praktiken. 1997 kehrte er nach Russland zurück und wurde Cheftrainer bei Dynamo Moskau. Unter seiner Führung wurde das Team 1999 Vizemeister und 2000 russischer Meister. Zudem belegte das Team in dieser Zeit zweimal den zweiten Platz in der European Hockey League. Im Mai 2001 entschied er sich für ein Vertragsangebot des HC Lugano aus der Schweizer Nationalliga A, wurde aber im Dezember 2001 nach drei Niederlagen in Folge entlassen. Im Februar 2002 wurde er erneut zum Cheftrainer von Dynamo Moskau ernannt und erreichte mit der Mannschaft das Playoff-Viertelfinale. In den folgenden zwei Jahren war die Saison jeweils auch im Viertelfinale beendet, so dass er anschließend keinen neuen Vertrag erhielt.
Neben seiner Tätigkeit als Vereinstrainer unterstützte Biljaletdinow den russischen Eishockeyverband regelmäßig bei großen Turnieren. So war er Assistenztrainer der russischen Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften 1998, 1999, 2000 sowie bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano und den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City. Dabei gewann er 1998 die olympische Silber- und 2002 die Bronzemedaille.
mini|links|Biljaletdinow bei der Weltmeisterschaft 2012 (rechts) Nach der Weltmeisterschaft 2004 übernahm Biljaletdinow erstmals das Amt des verantwortlichen Nationaltrainers der russischen Auswahlmannschaft und bereitete diese auf den World Cup of Hockey 2004 vor, bei dem die Russen im Viertelfinale gegen die US-amerikanische Nationalmannschaft verloren. Am 30. September 2004 wurde er zum Cheftrainer von Ak Bars Kasan ernannt, mit dem er 2006 die russische Meisterschaft sowie 2007 den IIHF European Champions Cup gewann. 2009 führte er sein Team zum erstmaligen Gewinn des – mit Gründung der Kontinentalen Hockey-Liga eingeführten – Gagarin-Pokals. Ein Jahr später, am Ende der Saison 2009/2010, gewann der Ak Bars abermals den Gagarin-Pokal, verbunden mit der russischen Meisterschaft. Mit insgesamt vier russischen Meistertitel war er damit Rekordhalter der Trainer der höchsten russischen Spielklasse.
Im Juni 2011 wurde Biljaletdinow als Cheftrainer der russischen Nationalmannschaft vorgestellt und ersetzte Wjatscheslaw Bykow, dessen Kontrakt nach der Weltmeisterschaft 2011 nicht verlängert wurde. Mit der Sbornaja gewann er im Mai 2012 die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft, nachdem sie alle zehn Spiele des Turniers gewonnen hatte. Bei der Weltmeisterschaft 2013 erreichte die russische Mannschaft erstmals nach sechs Jahren nicht das Halbfinale, da sie im Viertelfinale der US-amerikanischen Nationalmannschaft mit 3:8 unterlagen.
Biljaletdinow führte das Nationalteam auch bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi an. Aufgrund der nicht überzeugenden Spielweise und des Ausscheidens des Nationalteams im olympischen Viertelfinale trat er am 5. März 2014, kurz nach den Winterspielen, zurück und wurde durch Oleg Snarok ersetzt.
Im März 2014 übernahm Biljaletdinow das Amt des Vizepräsidenten und General Managers bei Ak Bars Kasan. Zur Saison 2014/15 wurde er erneut Cheftrainer von Ak Bars und absolvierte im Oktober 2014 sein 800. Spiel als Trainer in der höchsten russischen Spielklasse. Unter seiner Führung erreichte Ak Bars 2015 erneut das Gagarin-Pokal-Finale und verlor dort gegen den SKA Sankt Petersburg mit 1:4.
Im März 2017 erreichte er als fünfter russischer Trainer den Meilenstein von 1.000 Spielen und im Oktober 2018 absolvierte er sein 1.1000 Spiel als Trainer. Am 22. April 2018 gewann Ak Bars zum dritten Mal den Gagarin-Pokal, als sein Team den HK ZSKA Moskau mit 4:1 in der Finalserie besiegte. Damit wurde Ak Bars mit drei Siegen der Rekordgewinner des Meisterschaftspokals. Ein Jahr später trat Biljaletdinow von seinem Amt als Cheftrainer zurück, nachdem Ak Bars im Play-off-Achtelfinale ausgeschieden war.
Privates Familie Biljaletdinow entstammt einer tatarischstämmigen Arbeiterfamilie, die ihre Wurzeln in der Oblast Nischni Nowgorod hat. Sein Vater Chaidar Biljaletdinow (1928–1999) war Arbeiter in einer Schuhfabrik. Seine Mutter Njaima Biljaletdinowa (1926–2000) war zuerst Arbeiterin in einer Textilfabrik und danach Reinigungskraft bei der bekannten Moskauer Konditorei "Roter Oktober".
Sinetula Biljaletdinow ist mit Nadeschda Wiktorowna, einer Ingenieurin, verheiratet. Das Paar hat eine erwachsene Tochter (* 1978), die mit dem ehemaligen Eishockeyspieler Stanislaw Romanow verheiratet ist und mit ihm zwei Kinder hat. Eines davon (und somit Biljaletdinows Enkel) ist Alexander Romanow, der als Eishockeyspieler den Sprung in die NHL schaffte.
Sonstiges Sinetula Biljaletdinow trägt den militärischen Dienstgrad "Oberst der Reserve".https://www.kp.ru/daily/24445/610688/
Erfolge und Auszeichnungen
siebenfacher sowjetischer Vizemeister 1977–1980, 1985–1987 sowjetischer Pokalsieger 1976
International
Als Trainer
mini|Ehrung durch Wladimir Putin nach dem Gewinn der Goldmedaille bei der WM 2012 Ehrungen und Orden 1978 Verdienter Meister des Sports der UdSSR 1978 Ehrenzeichen der Sowjetunion 1981 Ehrenzeichen der Sowjetunion 1984 Orden der Völkerfreundschaft 1992 Verdienter Trainer Russlands 2009 Orden „Für Verdienste gegenüber der Republik Tatarstan“ 2011 Orden der Ehre 2018 Verdienstorden für das Vaterland IV. Klasse
Karrierestatistik Saison Team Liga Sp T V Pkt SM 1973/74 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 22 0 1 1 2 1974/75 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 36 2 1 3 6 1975/76 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 34 1 2 3 13 1976/77 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 33 1 4 5 18 1977/78 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 35 2 3 5 27 1978/79 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 43 6 4 10 55 1979/80 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 43 14 8 22 44 1980/81 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 49 6 5 11 54 1981/82 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 47 6 9 15 28 1982/83 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 42 1 8 9 20 1983/84 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 42 2 6 8 36 1984/85 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 36 4 8 12 24 1985/86 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 40 11 14 25 38 1986/87 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 40 6 5 11 12 1987/88 Dynamo Moskau Wysschaja Liga 46 1 10 11 20 1989/90 Dynamo Moskau II Perwaja Liga 20 0 2 2 26 1990/91 Dynamo Moskau II Perwaja Liga 21 1 3 4 4 Wysschaja Liga gesamt 588 63 88 151 397
International
Jahr Team Veranstaltung Sp T V Pkt SM Resultat 1974 Sowjetunion U19-EM 5 0 0 0 4 20px Silbermedaille 1974 Sowjetunion U20-WM 5 1 0 1 5 20px Goldmedaille 1975 Sowjetunion U20-WM 2 0 2 20px Goldmedaille 1976 Sowjetunion Canada Cup 50114 20px Bronzemedaille 1978 Sowjetunion WM 1000 0 17 20px Goldmedaille 1979 Sowjetunion WM 8347220px Goldmedaille 1980 Sowjetunion Olympia 71342 20px Silbermedaille 1981 Sowjetunion Canada Cup 70118 20px Goldmedaille 1981 Sowjetunion WM 8123220px Goldmedaille 1982 Sowjetunion WM 92131420px Goldmedaille 1983 Sowjetunion WM 70331020px Goldmedaille 1984 Sowjetunion Olympia 7112020px Goldmedaille 1984 Sowjetunion Canada Cup 000 20px Bronzemedaille 1985 Sowjetunion WM 1000014 20px Bronzemedaille 1986 Sowjetunion WM 80111420px Goldmedaille 1987 Sowjetunion WM 3022420px Silbermedaille
Als Cheftrainer Hauptrunde Play-offs Team Liga / Turnier Sp S OTS U OTN N Pkt Platzierung S N ResultatHK Dynamo MoskauSuperliga 1997/984630 –6 –10665. Platz – –keine Play-offs ausgetragen Superliga 1998/994226 –11 –5633. Platz115Vizemeister Superliga 1999/0038260426841. Platz134Meister Superliga 2000/01 entlassen – – – HC Lugano NLA 2001/02 entlassen – – –HK Dynamo MoskauSuperliga 2001/02 7. Platz03Niederlage im Viertelfinale Superliga 2002/035122311114847. Platz23Niederlage im Viertelfinale Superliga 2003/0460282121171016. Platz03Niederlage im Viertelfinale Russische NationalmannschaftWorld Cup 200432000142. Platz01Niederlage im ViertelfinaleAk Bars KasanSuperliga 2004/05492835112964. Platz13Niederlage im Viertelfinale Superliga 2005/0651255948982. Platz121Meister Superliga 2006/07543537181191. Platz115Vizemeister Superliga 2007/0857285 –519997. Platz73Niederlage im Halbfinale KHL 2008/0956364 –6101222. Platz148Gagarin-Pokal KHL 2009/1056258 –518963. Platz Ost-Konferenz157Gagarin-Pokal KHL 2010/1154295 –8121052. Platz Ost-Konferenz54Niederlage im Viertelfinale Russische NationalmannschaftWM 2012770 –00211. Platz30Weltmeister WM 2013750 –02152. Platz01Niederlage im Viertelfinale Olympia 2014421 –1092. Platz01Niederlage im Viertelfinale Ak Bars Kasan KHL 2014/1560346 –6141201. Platz Ost-Konferenz137Vizemeister KHL 2015/1660256 –920965. Platz Ost-Konferenz34Niederlage im Achtelfinale KHL 2016/1760299 –4181093. Platz Ost-Konferenz87Niederlage im Halbfinale KHL 2017/1856302 –6181001. Platz Ost-Konferenz163Gagarin-Pokal KHL 2018/1962344 –618825. Platz Ost-Konferenz163Niederlage im Achtelfinale
Weblinks
Statistik bei chidlovski.net (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Eishockeynationaltrainer (Russland)