Frank Lawrence „Lefty“ Rosenthal (* 12. Juni 1929 in Chicago, Illinois; † 13. Oktober 2008 in Miami Beach, Florida) war ein US-amerikanischer Spieler und früherer Casino-Manager in Las Vegas. Er wurde mehrere Male wegen gesetzeswidrigen Glücksspiels verhaftet.
Frühe Jahre in Chicago Frank Rosenthal wuchs als Sohn einer jüdischen Familie, im Westen Chicagos auf, wo er schon in jungen Jahren mit dem Alltagsleben der Amerikanischen Cosa Nostra in Berührung kam. Als er etwa 14 Jahre alt war, verließ er die Schule, um täglich an den Pferderennstrecken sein zu können. Sein Vater besaß zum damaligen Zeitpunkt einige Pferde, die er an diesen Rennbahnen in Chicago laufen ließ. Dies war auch der Ort, der Rosenthal entscheidend prägte, da er nach einer gewonnenen Pferdewette die Entscheidung traf, das Wettgeschäft fortan beruflich zu betreiben. Er erkannte schnell den Wert exklusiver Informationen und begann, diese auch zu kaufen. Gab er dafür zunächst nur wenige Dollar aus, spannte er bald zwei seiner Freunde für diese Aufgabe ein. Auch die morgendliche Lektüre der neuesten Tageszeitungen gehörte dabei zu seinem Pflichtprogramm. Schnell wurden andere Handicapper und Buchmacher auf ihn aufmerksam. Rosenthals Vorbild war dabei die führende Persönlichkeit auf diesem Geschäftsfeld: Hymie the Ace.
Mit 19 Jahren erhielt Rosenthal einen Job bei dem Sportwettenbüro „Angel-Kaplan Sports Service“ im Norden des Chicago Loop. Er war so erfolgreich, dass er vermutlich bereits zu dieser Zeit ein Assoziierter der Verbrecherorganisation Chicago Outfit war; mit Anfang 20 zahlte er jede Woche einen Teil seiner Einnahmen an den Capo Fiore Buccieri.
Zwischenzeitlich heiratete Frank Rosenthal zum ersten Mal. Doch es war eine kurze Ehe mit einer Frau, die noch nicht einmal seine Familie richtig kannte. Auch in dem sonst gut informierten Buch „Casino: Love and Honor in Las Vegas“ von Nicholas Pileggi ist nichts darüber verzeichnet.
In den späten 1950er Jahren verstärkte sich seine Beziehung zu Anthony Spilotro. Diesen kannte Rosenthal bereits seit seiner Jugend, jedoch hatte der Altersunterschied eine engere Freundschaft bis dato verhindert. Im Gegensatz zu Rosenthal konnte Spilotro als Italo-Amerikaner später Mitglied der Mafia werden. Zunächst profitierte er aber ebenso wie andere Mobster des Outfit von Rosenthals Wissen und Informationen bezüglich der Ergebnisse bei Sportarten wie z. B. College Football. Frank Rosenthal war schon Ende der 1950er Jahre in der Lage, auf Spielergebnisse bis zu 50.000 US-Dollar zu setzen. Dabei unterließ er es, das Wort „bet“ (am.: Wette), oder „betting“ (am.: wetten) zu verwenden. Stattdessen nutzte er den Ausdruck „wager“.
Miami Aufgrund der Anhörungen vor dem Kefauver Crime Committee, einer gerichtlichen Untersuchung der illegalen Wettbüros und Buchmacher in den USA, entschied Frank Rosenthal im Jahr 1961, dem Druck der örtlichen Polizei in Chicago zu entfliehen und nach Miami zu ziehen.
Zusammen mit zwei Freunden aus Chicago realisierte er dort Wetteinsätze von bis zu 15.000 US-Dollar. Aufgrund seiner Fähigkeiten und dem Können seiner Freunde gelang es ihnen, diesen Einsatz innerhalb einer Saison auf 750.000 US-Dollar zu steigern. So war es ihm zu dieser Zeit auch möglich, einen Einsatz zwischen 20.000 und 30.000 US-Dollar pro Spiel zu platzieren. Rosenthal und seine Assoziierten verfügten über einen sehr guten Informationsfluss, der durch spezielle Telefonleitungen vereinfacht wurde, die es ihm ermöglichten, innerhalb von Sekunden mit allen großen Buchmachern des Landes zu kommunizieren.
Der Name „Lefty“ war umgehend zahlreichen anderen Handicappern und Buchmachern im ganzen Land bekannt, da Rosenthal schon während der Jahre in Chicago mit diesen Leuten gute Geschäftsbeziehungen geführt hatte und diese wussten, dass er ein fairer Partner war. Neben seinen Handicapping-Aktivitäten unterhielten er und sein Vater noch immer einige Rennpferde in Miami, die sie dort auf lokalen Rennbahnen laufen ließen.
Nachdem er sich geweigert hatte, einem gewissen „Eli the Juice Man“ wöchentlich 500 US-Dollar zu bezahlen, hetzte dieser nun die Polizei auf ihn und seine Leute. Auf diese Weise geriet Rosenthal erstmals mit dem Gesetz in Konflikt und wurde mehrere Male wegen illegaler Buchmacherei verhaftet. Seine Freundschaft zu Anthony Spilotro wurde in den Jahren in Miami noch enger, da dieser sich oft in der Stadt aufhielt, um einen großen Buchmacherring des Chicago Outfit zu überwachen. Spilotro sorgte nun auch für Rosenthals Schutz. Fortan war es für einen Polizisten schwer, Frank Rosenthal zu verhaften ohne Ärger mit Spilotro zu bekommen.
Rosenthals Ruf in Miami wurde erheblich von seiner Anhörung im Jahr 1961 vor dem Kefauver Crime Committee geprägt, das unter Leitung von Robert F. Kennedy stattfand. Er antwortete nicht einmal auf die Frage, ob er Rechts- oder Linkshänder sei, obgleich die Antwort hierauf kein Geheimnis darstellte, da er seinem Status als Linkshänder seinen Beinamen „Lefty“ verdankte. Insgesamt berief er sich 37-mal auf das „Fifth Amendment“ (Zeugnisverweigerungsrecht der US-amerikanischen Verfassung). Während dieser Anhörung wurde er auch beschuldigt, einen Basketball-Spieler bestochen zu haben. Daraufhin plädierte Rosenthal weder auf schuldig noch auf unschuldig. Das sollte später in den 1970er Jahren bei seinen Casinolizenz-Anhörungen zu Problemen führen.
Las Vegas Anfänge Als der Druck der Behörden in Miami für Rosenthal im Jahr 1967 zu groß wurde, entschloss er sich, zunächst wieder nach Chicago zurückzukehren. Dort wettete er weiter, platzierte aber seine Sportwetten über das Telefon bei einem Wettbüro in Las Vegas, weil dort bessere Quoten geboten wurden. Nach einigen Wetterfolgen entschied Rosenthal, nach Las Vegas zu ziehen, da er glaubte, er könne dort seinem Geschäft legal ohne Störungen durch die Polizei nachgehen. In Las Vegas ist das Glücksspiel seit den 1930er Jahren legal. Frank Rosenthal bezog in Las Vegas eine Suite im luxuriösen Kasinohotel Tropicana und begann vom Wettbüro „Rose Bowl Sports Book“ aus, seine Wetten zu platzieren. Doch auch in Las Vegas geriet Rosenthal in Konflikt mit dem Gesetz. Die Polizeibeamten der Stadt machten ihm unmissverständlich klar, dass er nicht erwünscht sei und die Stadt verlassen solle. Mit Hilfe seiner Freunde, darunter Elliot Price, einem leitenden Angestellten des Kasinohotels Riviera, und Eddy Torres, dem CEO des Riviera, gelang es ihm, sich mit der Polizei zu arrangieren.
Seine Arbeit als Handicapper verrichtete er weiterhin äußerst erfolgreich. Er gewann fast jede Wette auf die Wochenendspiele und mit einer einzigen Ausnahme alle Montagsspiele. Inzwischen setzten er und seine anderen Top-Handicapper, Joey Boston und Marty Kane, zwischen 10.000 und 50.000 US-Dollar auf jedes Spiel. In dieser Zeit traf Rosenthal seine spätere Frau Geraldine „Geri“ McGee. Sie war eine Tänzerin im Tropicana und „Chip-Hustlerin“. Als letztere begleitete sie – in der Regel – männliche Personen einen oder mehrere Tage beim Spielen in den Kasinos und erhielt dafür von diesen eine Entlohnung. Rosenthal ging regelmäßig mit ihr aus und verliebte sich. Dies beruhte aber von Beginn an nicht auf Gegenseitigkeit. Geri hing noch immer an ihrem Ex-Liebhaber Lenny Marmor, der zwischenzeitlich als Zuhälter in Los Angeles aktiv war. Daraus machte sie vor Rosenthal kein Geheimnis.
Schließlich konnte Rosenthal Geri trotzdem zu einer Heirat überreden. Am 1. Mai 1969 ließen sie sich im Caesars Palace trauen. Maßgeblich zu Geris Entscheidung beigetragen hatte der Umstand, dass Rosenthal ein Bankschließfach für sie anlegte, das rund 250.000 US-Dollar in bar sowie Schmuck im Wert von über einer Million US-Dollar beinhaltete. Noch im selben Jahr hinterlegte Rosenthal für Notfälle weitere zwei Millionen US-Dollar bar in einer Bank in Los Angeles. Im Jahr 1969 kaufte er für seine Familie ein Haus auf dem Gelände des Las Vegas Country Clubs im Wert von einer Million US-Dollar, das dort noch heute anzufinden ist. 1970 kam Franks und Geris erster Sohn, Steven, zur Welt. 1973 folgte eine Tochter, Stephanie.
Der Boom der Spielbanken Im Jahr 1971 wurde Frank Rosenthal erneut wegen illegaler Buchmacherei verhaftet. Er leitete das Wettbüro „Rose Bowl Sports Book“, war ein professioneller „Handicapper“ und lebte mit seiner Frau und seinem Sohn in wohlsituierten Verhältnissen. Seine Ehefrau Geri war jedoch der Meinung, er solle die Dinge etwas langsamer angehen und einen respektablen Job annehmen, was zu dieser Zeit in Las Vegas bedeutete, in einem Casino zu arbeiten. Rosenthal fragte zuerst im Circus Circus an, dann im Tropicana und schließlich im Stardust. Dort fand er aufgrund seiner Beziehung zu Bobby Stella, dem Vizepräsidenten der Spielbank, eine Anstellung. Zum damaligen Zeitpunkt wurde das Kasino von Al Sachs aus Chicago geleitet.
In Wahrheit gehörte das Kasino jedoch dem Chicago Outfit, dessen Leute die Spiel- und Zählräume kontrollierten. Der „Skim“, also die illegale Abschöpfung von Einnahmen, die folglich steuerrechtlich nicht erfasst wurden, wurde an die Bosse des Outfits sowie an die von Kansas City und Milwaukee ausgezahlt. Rosenthal startete seine Laufbahn 1971 als ein Floor man, der vier Blackjacktische überwachte. Dafür bekam er 60 US-Dollar am Tag. In den folgenden Wochen und Monaten machte er sich mit den „in and outs“ (sinngemäß: geht oder geht nicht) des Kasinogeschäfts vertraut. Er lernte, wie man Falschspieler sowie betrügerische Croupiers erkennen konnte und wie das „skimming“ (am.: abschöpfen) funktionierte. Doch das Wichtigste in diesem Geschäft war der Umgang mit den Gästen.
1971 wurde Anthony Spilotro ebenfalls nach Las Vegas gesandt. Er nahm dort die vakante Position von Marshall Caifano als „enforcer“ (am.: Durchsetzer) ein. Fortan oblag es erneut speziell Spilotros Aufgabenbereich, Rosenthal vor anderen Mobstern zu beschützen.
Bis heute besteht der Verdacht, dass Rosenthal von Anfang an für die Oberhäupter der Cosa-Nostra-Familien aus Chicago, Milwaukee und Kansas City das Kasino leitete und deren „Skim“ sicherte. In den Jahren bis 1974 änderte er ständig seine Berufsbezeichnung, da es ihm seitens der Behörden wohl nicht erlaubt worden wäre, als ehemaliger Buchmacher ein Kasino zu managen. Er wurde deshalb zum „Food & Beverage Manager“ und später unter anderem zum PR-Manager ernannt, um sich einer Lizenzanhörung zu entziehen. Doch allen Beschäftigten war klar, dass in Wahrheit alle Machtbefugnisse innerhalb des Kasinos in den Händen von Rosenthal lagen. Für sie war „Lefty“ Rosenthal der eigentliche CEO.
Übernahme durch Allen Glick Im Jahr 1974 standen das Stardust und das Fremont, das zur selben Gesellschaft wie das Stardust gehörte, zum Verkauf. Als Käufer stellte sich die Argent Corporation von Allen Glick heraus. Dieser hatte 1973 schon das Hacienda erworben. Für die Finanzierung des Kaufs nahm Glick einen Kredit in Höhe von 65 Millionen US-Dollar aus dem Central States Pension Fund in Anspruch. Der Kontakt wurde dabei über offizielle Kanäle der Teamsters-Gewerkschaft zu Frank Balistrieri hergestellt, dem Boss von Milwaukee. Balistrieri kontaktierte anschließend Nick Civella und den Fondsverwalter Roy Williams, welcher schließlich nur noch seine Unterschrift abliefern musste. Dieselbe Form der Finanzierung fand auch beim Kauf der Kasinos Aladdin, Circus Circus, The Sands, Dunes und Tropicana Verwendung. auf www.klas-tv.com (englisch)