Die F. W. Breithaupt & Sohn GmbH & Co. KG ist ein deutscher Hersteller von Präzisionsmessinstrumenten, heute das weltweit älteste Unternehmen dieser Branche.
Das Unternehmen hat seit seiner Gründung 1762 durch den späteren Hofmechaniker Johann Christian Breithaupt (1736–1799) am Hofe des Landgrafen von Hessen-Kassel seinen Sitz in Kassel und stellt feinmechanisch-optische Instrumente her. Mitglieder der Unternehmerfamilie, die seit acht Generationen die Geschäfte führt, waren der zweite Sohn des Gründers, Hofmechanicus Friedrich Wilhelm Breithauptsiehe den Artikel Breithaupt, Friedrich Wilhelm in der ADB, auch zu den damaligen Produkten des UnternehmensSiehe außerdem (1780–1855), dessen Enkel, der Erfinder Wilhelm Breithaupt (1841–1931), der Erfinder und Offizier Wilhelm Ritter von Breithaupt (1809–1889) und Georg August Breithaupt (1806–1888).
Geschichte Die Anfänge in der Amalienstraße, 1762–1831 Nach einer Ausbildung zum Hofbüchsenmacher trat Johann Christian Breithaupt im Jahre 1757 mit 21 Jahren in die mechanisch-optische Werkstatt von Johann Gottlieb Stegmann in Kassel ein. Dieser lehrte dort am Collegium Carolinum Philosophie, Mathematik und Physik. Im Rahmen einer regen praktisch-experimentellen Tätigkeit baute Stegmann in seiner Werkstatt alle Arten von Gerätschaften und Instrumenten für wissenschaftliche Beobachtungen, mit denen er auch Handel trieb. 1762 gründete Breithaupt in dem Eckhaus Obere Karlstraße/Amalienstraße seine eigene Werkstatt, was als Gründungsdatum der heutigen Firma gilt.Christine Belz-Hensoldt (Hrsg.): Lehr- und Wanderjahre. Moritz Hensoldts Jugendbriefe an seinen Vater 1838-1843. Paque Verlag, Ramstein-Miesenbach 2002.
1767 wurde Johann Christian Breithaupt durch Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel zum Hofmechanicus ernannt und fertigte Instrumente für Fürsten- und Königshöfe,http://www.breithaupt.de/unternehmen/historie/#event-firmengrundung auch für die 1709 in den Zwehrenturm verlagerte Sternwarte der Landgrafen von Hessen-Kassel. Ein Distanzmesser nach Kleinschmidt wurde 1770 angefertigt. Die beide Fernrohre tragende Basis maß 987 mm,Georg Breithaupt: Die astronomische, geodätische und physikalische Sammlung des Königlichen Museums. In: Beiheft zur Festschrift der 75. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte, Cassel, 1903. Druck und Verlag von L. Döll, Kassel 1903 (Volltext online). Ein Mauerquadrant mit ca. 2 m Durchmesser und einer Genauigkeit von einer Bogensekunde wurde 1785 gefertigt.http://www.breithaupt.de/unternehmen/historie/#event-prazises-schmuckstuck-fur-die-sternwarte Im Jahr 1789 wurde ein gleichartiger Quadrant an die gerade im Bau befindliche Seeberg-Sternwarte bei Gotha geliefert.
In den folgenden Jahren erweiterte die Firma ihr Produktspektrum kontinuierlich, und 1796 gab Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt (1775–1856), Johann Christian Breithaupts älterer Sohn,https://www.deutsche-biographie.de/sfz5750.html den ersten Katalog heraus, in dem, detailliert beschrieben und mit Anwendungsbeispielen, ein Messtisch mit Zubehör, ein Astrolabium mit integriertem Fernrohr, eine verbesserte Bussole sowie ein Proportionalzirkel angeboten wurden.Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt: Ueber den Gebrauch verschiedener neuer und verbesserten Arten mathematischer und geometrischer Instrumente die zur Feldmesskunst leicht und gut gebraucht weren können. Druck und Verlag J. H. Griesbach, Kassel 1796 (Volltext online). Ein Jahr später beschrieb H. C. W. Breithaupt in einer weiteren Publikation eine neue Wasserwaage sowie eine neue Setzwaage.Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt: Vollständige Beschreibung einer neuen Merkurial-Niveau- oder Wasserwaage mit Anweisung zum Gebrauch derselben, nebst einem Anhang über eine neue Setz-Waage. Griesbachsche Hofbuchhandlung, Kassel 1797. 1798, im Alter von 23 Jahren, konstruierte Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt den ersten Grubentheodolit mit konischen Steckzapfen auf verschiebbaren Stativen zur Aufnahme des Instruments sowie von Öllampen als Signalen. Der Steckzapfen setzte sich durch und wurde in der Vermessungstechnik zur Norm.Georg August Breithaupt: Der Gruben-Theodolit nebst verschiedenen dazu gehörigen Hülfs-Apparaten mit Rücksicht auf Construction, Justirung und Anwendung. J. Chr. Krieger’sche Buchhandlung, Kassel 1860 (Volltext online).
1799 starb Firmengründer Johann Christian Breithaupt im Alter von 63 Jahren. Seine beiden Söhne Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt und Friedrich Wilhelm Breithaupt übernahmen die Geschäfte. F. W. Breithaupt wäre an sich lieber Maler geworden, wie sein Onkel mütterlicherseits Ludwig Philipp Strack, fand sich dann aber schnell in seine neue Rolle.http://malerei19jh.museum-kassel.de/show.html?kuenstler_id=26&nr=2&sort=B Neue Produkte wie das von H. C. W. Breithaupt, seit 1798 Hofmechanicus und Opticus des Landgrafen von Hessen-Philippsthal,Adolf Callisen: Medicinisches Schriftsteller-Lexicon der jetzt lebenden Aerzte, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker und Naturforscher aller gebildeten Völker, 3. Band. Kopenhagen/Altona 1830, S. 122 (Volltext online). erfundene Markscheiderinstrument wurden nun hergestellt.Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt: Beschreibung eines neu erfundenen Markscheider-Instruments nebst Anweisung zum Gebrauch desselben. Griesbachische Hofbuchhandlung, Kassel 1800. 1800 kam ein neuer Katalog mit Preisverzeichnis heraus, der 1801 und 1804 zwei weitere Auflagen erlebte.Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt: Verzeichniß aller neuerfundenen und verbesserten mathematischen, physikalischen, optischen und mechanischen Instrumenten und Maschinen wie auch andern Kunstsachen, die theils bei der Ausübung mancher wissenschaftlicher Sachen zur Erleichterung, theils auch zur Unterhaltung dienen. Griesbachische Hofbuchhandlung, Kassel 1800/1801.Friedrich Wilhelm Breithaupt: Verzeichniß aller neuerfundenen und verbesserten mathematischen, physikalischen, optischen und mechanischen Instrumenten und Maschinen wie auch andern Kunstsachen, die theils bei der Ausübung mancher wissenschaftlichen Lehre zur Erleichterung, theils auch zur Unterhaltung dienen. Griesbachische Hofbuchhandlung, Kassel 1804.
mini|Das für Carl Friedrich Gauß hergestellte Heliotrop Im Jahr 1805 nahm Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt eine Stelle als Mathematiklehrer am Gymnasium Bückeburg in der Grafschaft Schaumburg-Lippe an, blieb aber der Geodäsie weiterhin verbunden. Er veröffentlichte neben einer Reihe von Lehrbüchern für den Mathematik-Unterricht (H. C. W. Breithaupt’s Mathematik für Schulen und Privatunterricht) in den Jahren 1824/25 ein zweibändiges Hand- und Lehrbuch der Feldmeßkunst für Trigonometer, Geometer, Forstmänner und Landwirte.Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt: Hand- und Lehr-Buch der Feldmesskunst für Trigonometer, Geometer, Forstmänner und Landwirthe, mit verschiedenen noch nicht bekannten und durch Beispiele erläuterten geometrischen und trigonometrischen Vermessungs- und Theilungs-Methoden. Verlag von Heinrich Oßwald, Heidelberg/Speyer 1824/1825. Die Geschicke der Firma lagen nun in den Händen von Friedrich Wilhelm Breithaupt. Größere Aufträge waren hier die Lieferung von 12 Messtisch-Apparaten an die Landesvermessung in Fulda im Jahr 1807, eine große Teilmaschine mit ca. 1 m Durchmesser und 3–5″ Abweichung für den Mathematiker und Astronomen Christian Ludwig Gerling – seinerzeit noch Lehrer am Lyceum Fridericianum in Kassel – im Jahr 1816 und ein Heliotrop für dessen Doktorvater Carl Friedrich Gauß 1821. Im letzteren Fall handelte es sich um eine Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie, wie sie einige Jahrzehnte später auch die Firma Otto Fennel Söhne praktizieren sollte (Otto Fennel hatte ab 1841 bei Breithaupt Feinmechaniker gelernt). Carl Gauß hatte 1818 die Idee, mit Sonnenlicht und Spiegeln Vermessungspunkte über große Entfernungen sichtbar zu machen. Zwei Jahre später beschrieb er das Heliotrop („zur Sonne gewandt“), ein Gerät, das am Zielpunkt mittels eines Fernrohrs auf den bis zu 100 km entfernten Theodolit ausgerichtet werden konnte und mit einem Spiegel das Sonnenlicht dorthin reflektierte, wo der dortige Landvermesser dann das Ziel als hellen Lichtpunkt wahrnahm. Nach dieser Beschreibung baute Breithaupt das Heliotrop, mit dem Gauß bei der Triangulation des Königreichs Hannover (1821–25) eine Messgenauigkeit erzielte, die bis heute als vorbildlich gilt.http://www.breithaupt.de/unternehmen/historie/#event-kooperation-mit-gauss
F. W. Breithaupt & Sohn in der Georgenstraße, 1831–1945 1831 trat Friedrich Wilhelm Breithaupts älterer Sohn Georg August Breithaupt (1806–1888), der sich bereits 1829 mit der Konstruktion einer kleinen Teilmaschine einen Namen gemacht hatte und in der Wilhelmshöher Straße, zwei Querstraßen von der Amalienstraße entfernt, eine eigene Werkstatt besaß, als Teilhaber in die Firma ein, die fortan „F. W. Breithaupt & Sohn“ hieß.http://www.breithaupt.de/unternehmen/historie/#event-die-dritte-generation Wie bereits erwähnt, hatte Heinrich Carl Wilhelm Breithaupt 1798 den ersten Grubentheodolit konstruiert. Nach dem Eintritt von Georg August Breithaupt in die Firma erweiterte man nun stark das Geschäftsfeld Markscheidewesen – 1836 wurde ein neuer Grubentheodolit mit fünfzölligem Horizontalkreis auf den Markt gebracht. 1839 erwarb Georg Breithaupt das Haus Georgenstr. 9 (heute Georgenstr. 1), das 1845/46 aufgestockt wurde; nach dem Ende der Umbauarbeiten wurde die Produktion von der Wilhelmshöher Straße in den 4. Stock des neuen Gebäudes verlegt.
Während Breithaupt bis dahin primär für Wissenschaft und zivile Landvermessung gefertigt hatte, wurde 1840 das Militär als Kundenkreis erschlossen. Friedrich Wilhelm Breithaupt konstruierte zunächst für den kurhessischen Generalstab eine Kippregel mit Messtisch, die, wie später mit den Tachymetern, eine rasche Geländevermessung ermöglichte: Ein Lineal (die sogenannte „Regel“) mit einem darauf montierten beweglichen Fernrohr wurde auf den horizontal ausgerichteten Messtisch mit daraufgelegtem Kartenblatt gesetzt, wodurch Geländepunkte sowohl lage- als auch höhenmäßig aufgenommen und gleichzeitig kartiert werden konnten. Der preußische Generalstab bestellte ebenfalls diese Konstruktion und ließ sie in Berlin nachbauen.http://www.breithaupt.de/unternehmen/historie/#event-instrumente-fur-die-feldmessung-und-geodasie. 1866 wurde Kurhessen dann von Preußen besetzt und annektiert. Ab 1875 bezog die Preußische Landesaufnahme, eine Unterabteilung des Großen Generalstabs, auch Nivelliere und Theodolite von Breithaupt. Um diese Zeit entwickelten sich diese beiden Instrumente neben Grubenkompassen zu den am meisten verkauften Produkten der Firma: 1868 wurde das 1000. Nivelliergerät an die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft und 1872 der 1000. Theodolit an eine Tunnelbaufirma in Palermo ausgeliefert.Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland. Walter de Gruyter, Berlin 2009, S. 205.
1851 war Friedrich Wilhelm Breithaupt in den Ruhestand getreten und die Firma wurde zunächst von Georg August Breithaupt allein geführt, der 1855, dem Todesjahr seines Vaters, zum Hofmechanicus ernannt wurde. 1864 trat mit seinen Söhnen Friedrich Breithaupt (1840–1907) und Wilhelm Breithaupt (1841–1931) die vierte Generation der Breithaupts in die Firma ein. Beide hatten an der Polytechnischen Schule Hannover sowie am Polytechnikum Karlsruhe studiert. Während Friedrich Breithaupt anschließend in der optischen Werkstätte von C. A. Steinheil in München sowie bei A. & G. Repsold in Hamburg praktisch arbeitete, ging Wilhelm zu Lerebours & Secretan nach Paris, wo er auch Vorlesungen bei dem Astronomen Maurice Loewy vom Pariser Observatorium hörte.http://www.breithaupt.de/unternehmen/historie/#event-die-vierte-generation. Marc Secretan, zu diesem Zeitpunkt bereits Alleininhaber der Firma an der Place du Pont-Neuf, war offizieller Optiker des Pariser Observatoriums. :fr:Marc Secretan, :fr:Secretan