mini|Teschener Schlesien mini|Grenzänderungen im 20. Jahrhundert

mini|Teschener Schlesien und die Mährische Pforte zwischen den Sudeten im Westen und Karpaten im Osten Das Teschener Schlesien (auch Teschener Raum, Teschener Land, Teschener Gebiet;Teschener Schlesien im Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Universität Oldenburg Śląsk Cieszyński, Těšínsko oder Těšínské Slezsko) ist eine historische Landschaft am Fluss Olsa, die in den letzten Jahrzehnten der Habsburgermonarchie der östliche Teil des Kronlandes Österreichisch-Schlesien gewesen war und davor einmal das Herzogtum Teschen gebildet hatte. Das Gebiet bildete bis zum Ende des Ersten Weltkriegs eine historisch-kulturelle Einheit, aber wurde dann zwischen der Tschechoslowakei, heute Tschechien, und Polen aufgeteilt. Historisch gehört das Gebiet auch zu Oberschlesien, aber unter der ansässigen Bevölkerung entwickelte sich eine schlesische, jedoch separate regionale Identität und sie identifizieren sich nicht als Oberschlesier.Zbigniew Greń: Zależności między typami poczucia regionalnego i etnicznego. In: Śląsk Cieszyński. Dziedzictwo językowe. Warszawa: Towarzystwo Naukowe Warszawskie. Instytut Slawistyki Polskiej Akademii Nauk, 2000, ISBN 83-86619-09-0.

Das Gebiet hat eine Fläche von 2283 km² (vergleichbar mit Luxemburg), davon 1274 km² (55,8 %) in Tschechien und 1009 km² (44,2 %) in Polen, über 800.000 Einwohner, davon um 463.000 im tschechischen und um 350.000 im polnischen Teil.

Name In älterer Schreibweise wurde auch das Adjektiv Teschener als Teschner geschrieben, z. B. im Namen des Teschner Kreises. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften in der Mitte des 19. Jahrhunderts verlor zum großen Teil die Benutzung der Namen der Herzogtümer, Freiherrschaften usw. ihren Sinn. Die polnischen Aktivisten benutzten noch der Name des Herzogtums bis zum frühen 20. Jahrhundert, damit romantisch an die polnische Piasten erinnernd – dies wurde von der größten örtlichen deutschsprachigen Zeitung Silesia kritisiert, die den Namen Ostschlesien bevorzugte.Hanna Baron: WYSTAWA LUDOZNAWCZA W CIESZYNIE W 1903 ROKU, 2017, S. 56 (polnisch) In Österreich wurde das Gebiet als Ostschlesien von 1870 bis 1921 bezeichnet, wie auch im Polnischen Śląsk Wschodni. Der Name Śląsk Cieszyński verbreitete sich in Polen in der Zwischenkriegszeit und wurde auch am 9. Februar 1919 in einem Memorial der Schlesischen Volkspartei benutzt.G. Wnętrzak, 2014, S. 402. Der Name Zaolzie und Śląsk Zaolziański für den traditionell polnischsprachigen Anteil der Region in der Tschechoslowakei sickerte auch in die offiziellen polnischen Dokumente.

1938/39 wurde ein 869 Quadratkilometer großes Gebiet des tschechoslowakischen Teils in der Folge des Münchner Abkommens von Polen völkerrechtswidrig annektiert. Auf Deutsch wurde es in der Zwischenkriegszeit meistens Olsagebiet genannt, aber auch Olsa-Land. Der polnische Bezeichnung Zaolzie, seltener Śląsk Zaolziański, tschechisch Záolží oder Záolší bezeichnet [ein Gebiet] hinter der Olsa. Teilweise wird mit dem Begriff Olsagebiet nur dieses Teilgebiet bezeichnet, aber im Zweiten Weltkrieg wurde die Bezeichnung für den ganzen Landkreis Teschen benutzt. Auch im Polnischen wurden gelegentlich Namen wie Nadolzie ([das Gebiet] an der Olsa), Kraj Nadolziański usw. als Synonyme für Śląsk Cieszyński benutzt, die sich auf den zentralen Fluss beziehen.

In der Volksrepublik Polen wurden oft neue regionale Bezeichnungen umgangssprachlich benutzt, die an die neue Verwaltungseinheiten angepasst wurden, wie z. B. Cieszyńskie oder ziemia cieszyńska für Powiat Cieszyński und Podbeskidzie für die Woiwodschaft Bielsko-Biała. Ähnlich bezeichneten in der Tschechoslowakei Karvinsko und Jablunkovsko Anteile des Gebiets, aber z. B. Ostravsko konnte das ganze Českotěšínsko umfassen.

Nach 1989 blühten die regionalen Identitäten wieder auf, sowie Erinnerungen an die älteren Namen der historischen Landschaften. Der Name Teschener Schlesiens setzte sich für die im Jahr 1998 begründeten Euroregion durch.

Geographie Die Grenzen des Teschener Schlesiens wurden in groben Zügen zunächst als eine polnische Kastellanei umrissen, aber in endgültiger Form (mit Bohumín/Bogumin/Oderberg) erst nach dem ersten Schlesischen Krieg (1742) kristallisiert, als es vom Preußischen Schlesien durch die staatliche Grenze, sowie vom westlichen Teil Österreichisch–Schlesiens eindeutig durch den mährischen Keil um Mährisch Ostrau abgeteilt wurde.

Das Gebiet liegt am Fluss Olsa, einem rechten Zufluss der Oder, in den Westbeskiden, Westbeskiden-Vorgebirgen und im Ostrauer Becken sowie Auschwitzer Becken, nordöstlich der Mährischen Pforte, einem Tal auf der Höhe von 310 m zwischen den Sudeten und den Karpaten. Historisch war das Gebiet eine Straßenkreuzung von Prag und Wien durch die Mährische Pforte nach Krakau, sowie von Breslau durch den Jablunkapass nach Ungarn.

Die westliche Grenze verläuft entlang der ganzen Ostravice (poln. Ostrawica) – von der Quelle der Schwarzen Ostrawitza im Süden bis zur Mündung in die Oder im Norden. Danach geht die Grenze wie die Grenze zwischen Polen und Tschechien – flussabwärts der Oder bis zur Mündung der Olsa. Die nördliche Grenze, mit Ausnahme der Strecke zwischen Petrovice/Piotrowice im Westen und Strumień (im Frühmittelalter ein Sumpfland), geht entlang der Olsa und Weichsel, den größten Fluss Polens, der in der gleichnamigen Stadt beginnt. Die Biała konstituiert die östliche Grenze, zusammen mit dem Barania-Kamm in den Schlesischen Beskiden. Im Süden liegt die Europäische Hauptwasserscheide der Westkarpaten, mit Ausnahme der Czadeczka mit dem Zufluss Krężelka, die zum Zuflussgebiet der Donau gehören. Der höchste Berg ist Lysá hora/Łysa Góra (1325 m) in den Mährisch-Schlesischen Beskiden in Tschechien, während es für den polnischen Teil Barania Góra (1220 m) ist.

Administrativ umfasst die Region den ganzen Powiat Cieszyński und die westliche Teile des Powiats Bielski und der kreisfreien Stadt Bielsko-Biała in der Woiwodschaft Schlesien in Polen, sowie in Tschechien den ganzen Kreis Okres Karviná, und die östliche Teile vom Okres Frýdek-Místek und Okres Ostrava-město in der Mährisch-Schlesischen Region.

Geschichte Vorgeschichte In den Jahren 2004 und 2005 wurden in Kończyce Wielkie Spuren des Homo erectus gefunden, 800.000 Jahre alt, die ältesten in Polen.

Die Intensivierung der Besiedlung durch den anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) kam mit der Gravettien–Kultur. Die ersten Bauern aus der späteren Lengyel-Kultur siedelten sich erst im vierten Jahrtausend v. Chr. an. In der Kupfersteinzeit und der Bronzezeit wurde die Region zu einer ziemlich schwach besiedelten Kommunikationsroute. Erst in der späten Bronzezeit und in der frühen Eisenzeit begann ein Zivilisationsboom mit der Lausitzer Kultur. Die zahlreichen Lausitzer Siedlungen wurden wahrscheinlich von Skythen an der Wende des 5. Jahrhunderts v. Chr. angegriffen. Der Burgwall in Chotěbuz/Kocobędz wurde danach weiterhin in die Latènezeit besiedelt, als Südpolen unter den Einfluss der Kelten kam. Es gab eine Ansiedlung auf dem Burgberg in Teschen, aber ohne Befestigung. Eine größere und gut erforschte Siedlungskammer der Puchauer Kultur sowie ein keltisches Oppidum am Berg Kotouč in Štramberk befand sich im Westen, hinter der Ostrawitza. Aus der Zeit der römischen Einflüsse vor der Völkerwanderung wurden lange Zeit hauptsächlich nur römische Münzen gefunden, aber letztlich tauchten auch Spuren größerer vermutlich germanischen Siedlungen in Łazy und Kowale auf. Sie sind jedoch schwach erforscht und nicht genauer klassifiziert. Im Jahr 2013 wurden die Funde in Kowale zur Przeworsk-Kultur gezählt.Bożena i Bogusław Chorąży: Kim byli mieszkańcy Podbeskidzia w czasach cesarstwa rzymskiego? (polnisch)

Frühgeschichte mini|Alt-Teschen, Rekonstruktion am Burgwall in Chotěbuz/Kocobędz mini| Die Archäologen fanden zwei Burgwälle aus dem 7. Jahrhundert in der slawischen Stammeszeit im Gebiet, in Chotěbuz/Kocobędz und Międzyświeć. Der deutsche Forscher Gottlieb Biermann klassifizierte sie zunächst als Burgwälle der Wislanen im Jahr 1867, aber die moderne Forschung verbindet sie meistens mit den vom Bayerischen Geographen erwähnten Volksstamm der Golensizen (mit fünf civitates im Sinne von Slawischen Burgwällen, mit begleitenden vicinias, vergleiche Gespanschaft) – was von der Minderheit der Forscher abgelehnt oder bezweifelt wurde. Wegen des Lages der zwei Burgwälle mussten sie eine politische Rolle in den Beziehungen zwischen den Wislanen und den Mährern spielen.Piotr Bogoń: Na przedpolu Bramy Morawskiej – obecność wpływów południowych na Górnym Śląsku i zachodnich krańcach Małopolski we wczesnym średniowieczu, Katowice, 2012, S. 41. Beide Burgwälle wurden im späten 9. Jahrhundert am wahrscheinlichsten von Svatopluk I. niedergebrannt. Der vermeintliche folgende Anschluss an das Mährerreich wurde oft von verschiedenen Historikern bezweifelt, aber nicht der Anstieg der mährischen Einflüsse. Falls Krakau noch in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts zu den böhmischen Přemysliden gehörte, dann auch das Gebiet der Golensizen.P. Bogoń, 2012, S. 53. Das Gebiet wurde wahrscheinlich um 990 von den Piasten übernommen. Viele Historiker verbinden den wahrscheinlich damals gebauten Burgwall in Kylešovice, einem Stadtteil von Troppau mit den Piasten,P. Bogoń, 2012, S. 54. dem der Burgwall in Chotěbuz/Kocobędz politisch unterstände. Zu dieser Zeit besetzte Boleslaw I. Chrobry (=„der Tapfere“) von Polen das ganze Mähren bis 1019, aber in den späten 1030er Jahren folgte ein Machtverfall der Piasten, der von Böhmen ausgenutzt wurde. Nach der Versammlung in Quedlinburg im Jahr 1054 könnte das Gebiet der Golensizen an Böhmen gekommen sein, jedoch ist es nicht ganz sicher, ob das Gebiet an der Olsa noch eine Einheit mit dem Gebiet um Hradec nad Moravicí war. Der polnisch-böhmische Krieg in der Umgebung in den 1130er Jahren wurde viel besser in den Urkunden überliefert, und der Pfingstfrieden von Glatz aus 1137 ist eine Zäsur, die weniger Unklarheiten lässt. Aus dieser Zeit stammt die Kapelle St. Nikolaus und St. Wenzel, das älteste gemauerte Gebäude des Teschener Schlesiens, sowie ein sehr bekanntes Symbol der Landschaft, am frühesten unter Boleslaw Chrobry gebaut.

Die erste urkundliche Erwähnung von Tescin (jedoch die Identifizierung mit Teschen ist manchmal umstritten) stammt aus einer Urkunde des Papstes Hadrian IV. im Jahr 1155, und zwar unter den wichtigsten Orten, später den Sitzen der Kastellaneien im Bistum Breslau bzw. Herzogtum Schlesien, als es von Bolesław IV. von Polen regiert wurde. Ab 1172 gehörte das Gebiet zum Herzogtum Ratibor, während der Rest des Stammesgebiets der Golensizen zur Markgrafschaft Mähren gehörte, und zwar 1201 als eine Provinz der Golensizen erwähnt wurde, aus der später das Herzogtum Troppau entstand.

Die politische und kirchliche Zugehörigkeit beeinflusste separate Entwicklungen der örtlichen Mundarten. Die ersten Spuren der Sprache der örtlichen Bevölkerung stammen aus urkundlichen Erwähnungen der Ortsnamen in den lateinischsprachigen Dokumenten. Zu dieser Zeit standen die alten Formen der polnischen und tschechischen Sprachen noch viel näher zueinander als heute, aber die in diesen Namen bestehenden Nasalvokale helfen bei der Kategorisierung dieser Sprachform zu den lechischen Sprachen, nicht tschecho-slowakischen Dialekten. Die zweite am besten in alten Quellen erkennbare sprachliche Eigenschaft, die die alten Teschener Mundarten von den mährischen lachischen Sprachen unterscheiden, ist ab dem 13. und besonders dem 14. Jahrhundert die fehlende Spirantisierung g ≥ h (in Teschener Mundarten, wie im Polnischen wurde g beibehalten, lachische und tschechisch-slowakische Dialekte ersetzten es zum h).

Kastellanei Teschen