Ein Korrespondent (von ; ursprünglich ‚korrespondieren‘, ‚in Verbindung stehen‘) ist ein Journalist, der fest angestellt oder als Freier Mitarbeiter für Printmedien, Hörfunk, Fernsehen, Nachrichtenagenturen oder Online-Redaktionen außerhalb einer Redaktion über ein Land, eine Region oder über besondere Ereignisse berichtet. Es gibt Korrespondenten im In- und im Ausland, wobei die fest angestellten im Allgemeinen über ein eigenes Büro und Mitarbeiter verfügen.
Inlandskorrespondent Korrespondenten im Inland arbeiten entweder in der Bundes- oder in einer Landeshauptstadt, ansonsten handelt es sich um Sonderkorrespondenten (siehe unten). Der Schwerpunkt ihrer Aufgabe ist die politische Berichterstattung, wobei es nicht nur um die Vermittlung von Nachrichten geht, sondern vor allem um Hintergrundberichte und Kommentare. Sie verfolgen die Debatten im Parlament, besuchen Pressekonferenzen und „Pressezirkel“ und nehmen an offiziellen Terminen teil.
Die großen überregionalen Printmedien sowie Fernsehsender mit eigenen Nachrichtensendungen haben eigene Korrespondenten in der Bundeshauptstadt. In den Landeshauptstädten sind nur die regionalen Medien ständig vertreten. Außerdem gibt es eine große Zahl freier Journalisten.
Probleme und Kritik Regierungschefs und Minister laden im Allgemeinen regelmäßig zu informellen Pressegesprächen ein, wobei sie bestimmen, wer auf die „Gästeliste“ kommt. Um Hintergrundinformationen zu bekommen, müssen die Inlandskorrespondenten den Kontakt zu Politikern und Regierungsbeamten pflegen. Diese Nähe zu den Personen, über die sie berichten, kann zum Verlust der journalistischen Objektivität und Unabhängigkeit führen. So können Korrespondenten bewusst oder unbewusst zum Sprachrohr der Regierung oder einer Partei werden. Bei kritischer Berichterstattung müssen sie zudem damit rechnen, nicht mehr zu Hintergrundgesprächen eingeladen zu werden.
Über diese Problematik hat der Spiegel-Korrespondent Jürgen Leinemann 1995 (damals noch über Bonn) kritisch und selbstkritisch geschrieben:
Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur des Stern und Leiter des Hauptstadtbüros, spricht von „Kumpanei“ zwischen Politikern und Journalisten. Er legt Wert auf die Feststellung, dass er keinen Politiker duze und auch keinem Hintergrundzirkel angehöre. In einem taz-Artikel erinnert er sich, dass Anfang der 1980er Jahre „aufstrebende Politiker mit aufstrebenden Journalisten“ in einer Bonner Kneipe zusammengesessen und „den Wahlsieg 1998 dann als gemeinsamen Aufstieg an die Macht“ erlebt hätten.
Auslandskorrespondent Ein Auslandskorrespondent ist ein inländischer Mitarbeiter (Journalist), der aus dem Ausland für sein Land oder eine Region berichtet. Auslandskorrespondenten beherrschen meist die Sprache des Gastlandes und bringen Vorkenntnisse über die politische Lage und Kultur mit.Kurseinheit F010 Auslandsberichterstattung Deutsches Journalistenkolleg Diese Korrespondenten decken das gesamte Themenspektrum ab, von Politik bis Kultur, wobei sie für die heimische Öffentlichkeit die Rolle des Erklärenden spielen. Die rein nachrichtliche Berichterstattung wird meist den Agenturen überlassen, gefragt sind vor allem Hintergrundberichte und Kommentare sowie Reportagen. Da die Beiträge oft Wertungen zum besseren Verständnis von Ereignissen enthalten, werden Korrespondentenberichte in den Printmedien namentlich gekennzeichnet.
Das größte Netz von Auslandsstudios deutscher Fernsehsender unterhält die ARD. Überregionale Zeitungen und größere Fernsehsender haben eigene Auslandskorrespondenten in für wichtig gehaltenen Ländern und Regionen, während kleinere Verlage sich häufig an „Korrespondenten-Pools“ beteiligen, wobei ein Korrespondent alle Zeitungen eines Pools beliefert. Außerdem gibt es sehr viele freie Korrespondenten, die ihre Artikel anbieten und Aufträge annehmen. Die festen Korrespondenten sind häufig nicht nur für ein Land zuständig, sondern für eine ganze Region oder sogar einen Kontinent. So gibt es Auslandsbüros für Osteuropa, Nahost oder Lateinamerika. In diesen Fällen sind die Korrespondenten auf verlässliche einheimische Mitarbeiter und Informanten angewiesen. Sie recherchieren Themen, stellen Kontakte her und bereiten Fernsehproduktionen vor.
Die meisten festen Auslandskorrespondenten arbeiten drei bis sieben Jahre an einem Standort und kehren dann in die Heimatredaktion zurück oder wechseln in ein anderes Land. Das soll eine zu feste Einbindung in Strukturen des Berichtslandes und zu große Routine verhindern – analog zu einer ähnlichen Praxis bei Diplomaten im Ausland.
Probleme und Kritik In Ländern ohne oder mit eingeschränkter Pressefreiheit haben sich die Auslandskorrespondenten mit staatlicher Zensur auseinanderzusetzen; sie können sich nicht unkontrolliert bewegen und nicht ungenehmigt drehen oder Interviews führen. Informationen, die sie erhalten, könnten gefälscht oder manipuliert sein. Mitunter werden missliebige Korrespondenten auch ausgewiesen.
Auslandskorrespondenten beklagen häufig, dass sich das Interesse der Medien auf wenige Themenkomplexe beschränkt, die man für publikumswirksam hält, und andere Themenangebote abgelehnt werden. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild über die Realität der Berichtsländer. Die Berichterstattung über Afrika beschränkt sich so häufig auf Kriege, Katastrophen und Hungersnöte. Matthias Matussek schreibt:
Ein nicht zu unterschätzendes Problem stellt die Tatsache dar, dass ein Korrespondent oft für mehr als ein Dutzend Länder zuständig ist und er seine wesentlichen Informationen aus den dortigen Medien erhält. Diese werden häufig lediglich übersetzt und ohne weitere Recherche in die Heimat übermittelt. Die Auslandskorrespondentin Susanne Gelhard war im ZDF-Studio Wien ab 1992 für die Berichterstattung über zwölf Länder in Mittel- und Südosteuropa verantwortlich. Der Korrespondent Peter Puhlmann äußerte in einem Interview:
So bleibt die gründliche Recherche fast zwangsläufig auf der Strecke. „Besonders problematisch ist der journalistische Jet-Set, der aus ökonomischen Gründen (niedrigere Personalkosten) den Auslandskorrespondenten alter Prägung immer mehr zu verdrängen scheint. Diese Journalisten, die von einer Krise zur nächsten und von Hauptstadt zu Hauptstadt hetzen, haben gar nicht die Zeit für tiefschürfende Recherche“, moniert Michael Kunczik in seinem Aufsatz über Auslandsberichterstattung im Fernsehen (Quelle siehe Weblinks).
Die zunehmende Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung und der Aktualitätsdruck durch die Konkurrenz der Medien – vor allem der Fernsehsender – kommen als weitere Faktoren hinzu. „Mittlerweile vergehen oft nur wenige Minuten zwischen einem Ereignis und den ersten Bildern. Oder das Ereignis wird gleich live präsentiert. […] Bei ZDF und ARD dauert die ‚nachrichtenfreie‘ Zeit nachts nur noch etwa fünf Stunden“, kritisiert Susanne Gelhard (Quelle siehe Weblinks).
Sonderkorrespondent Ein Sonderkorrespondent berichtet über ein bestimmtes Ereignis wie z. B. die Wahl des Papstes, die Folgen eines Erdbebens, eine Sportveranstaltung wie die Olympischen Spiele oder auch aus einem Krisengebiet. Die Dauer des Einsatzes kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten reichen.
Parlamentskorrespondent Ein Parlamentskorrespondent berichtet über das Geschehen im und über die Arbeit eines Parlaments. Dies können Parlamente, wie das Europäische Parlament, der Deutsche Bundestag, das Österreichische ParlamentParlamentskorrespondenz parlament.gv.at oder andere Parlamente sein.
Kriegsberichterstatter
Kriegsberichterstatter () sind im Prinzip Sonderkorrespondenten, die aus einem Kriegsgebiet berichten. Häufig handelt es sich dabei um Auslandskorrespondenten, die sich in der betreffenden Region auskennen. Ihre Aufgabe ist es, den Lesern bzw. Zuschauern die Lage vor Ort als Augenzeugen möglichst realistisch und objektiv zu schildern; bei Rundfunkreportern gehört dazu mittlerweile auch die Live-Berichterstattung.
Als erster Kriegsreporter gilt William Howard Russell, der 1854 für die Times vom Krimkrieg berichtete. Vorher waren Offiziere mit der Aufgabe betraut worden, schriftliche Berichte für die Presse zu verfassen, die mit der Post geschickt wurden. Eine Folge dieser neuen realistischen Schilderungen war, dass der britische Oberkommandierende, General William John Codrington, im Februar 1856 eine Zensur von Kriegsberichten einführte.
Siehe auch Euro-Fremdsprachenkorrespondent Geprüfter Fremdsprachenkorrespondent Volkskorrespondent ARD-Auslandskorrespondenten
Literatur Sylvia Breckl: Auslandsberichterstattung im Deutschen Fernsehen über die Dritte Welt am Beispiel von Weltspiegel und Auslandsjournal (= Internationale und interkulturelle Kommunikation. Band 2). Frank & Timme, Berlin 2006, ISBN 3-86596-025-1. Claudia Cippitelli, Axel Schwanebeck (Hrsg.): Nur Krisen, Kriege, Katastrophen? Auslandsberichterstattung im deutschen Fernsehen. Dokumentation der 21. Tutzinger Medientage. Fischer, München 2003, ISBN 3-88927-323-8. Ute Daniel (Hrsg.): Augenzeugen. Kriegsberichterstattung vom 18. zum 21. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-36737-6. Angela Dressler: Nachrichtenwelten. Hinter den Kulissen der Berichterstattung. Eine Ethnographie (= Medien Welten. Band 2). Transcript, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-961-9. Alexander Foggensteiner: Reporter im Krieg. Was sie denken, was sie fühlen, wie sie arbeiten. Picus-Verlag, Wien 1993, ISBN 3-85452-241-X (Interviews mit Kriegsberichterstattern). Christoph Maria Fröhder, Peter Graf: Ein Bild vom Krieg. Meine Tage in Bagdad. Hoffmann und Campe, Hamburg 2003, ISBN 3-455-09419-8. Michael Grytz: EU-Journalismus (Journalistische Praxis), Wiesbaden 2025, ISBN 978-3-658-48279-4. Oliver Hahn, Julia Lönnendonker, Roland Schröder (Hrsg.): Deutsche Auslandskorrespondenten. Ein Handbuch. UVK-Verlag, Konstanz 2008, ISBN 978-3-86764-091-6. Ulf Hannerz: Foreign News. Exploring the World of Foreign Correspondents (= The Lewis Henry Morgan Lectures. 2000). The University of Chicago Press, Chicago IL u. a. 2004, ISBN 0-226-31575-4. Stefan Hartwig: Konflikt und Kommunikation. Berichterstattung, Medienarbeit und Propaganda in internationalen Konflikten vom Krimkrieg bis zum Kosovo (= Publizistik. Band 4). Lit, Münster u. a. 1999, ISBN 3-8258-4513-3. Martin Herzer: Auslandskorrespondenten und auswärtige Pressepolitik im Dritten Reich (= Medien in Geschichte und Gegenwart. Band 27). Böhlau, Köln u. a. 2012, ISBN 978-3-412-20859-2. Lars Klein, Andreas Steinsieck: Geschichte der Kriegsberichterstattung im 20. Jahrhundert. Strukturen und Erfahrungszusammenhänge aus der akteurszentrierten Perspektive (= Deutsche Stiftung Friedensforschung. Forschung. Nr. 4, ). Deutsche Stiftung Friedensforschung, Osnabrück 2006. Antonia Rados: Live aus Bagdad. Das Tagebuch einer Kriegs-Reporterin (= Heyne-Bücher. 19, Heyne-Sachbuch. 898). Heyne, München 2003, ISBN 3-453-87724-1. Martin Wagner: Auslandskorrespondent/in für Presse, Radio, Fernsehen und Nachrichtenagenturen. List, München 2001, ISBN 3-471-79168-X. Oliver Zöllner (Red.): „Sagt die Wahrheit: Die bringen uns um!“ Zur Rolle der Medien in Krisen und Kriegen (= Deutsche Welle. DW-Schriftenreihe. 3). Vistas-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89158-318-4.
Weblinks
Berufsbild Auslandskorrespondent Dossier über die Krise des Auslandjournalismus (PDF, 530 KiB)
Lars Klein, Andreas Steinsieck: Geschichte der Kriegsberichterstattung im 20. Jahrhundert. (PDF, 792 KiB) Michael Kunsczik: Die „Seiltänzer“ in Krisengebieten. (PDF, 332 KiB) Themenseite der FH Osnabrück zu Kriegsberichterstattung
Einzelnachweise
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