mini|Saale in Saalfeld

Saalfeld/Saale ist die Kreisstadt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt im Südosten Thüringens und als Ort mit Heilstollenkurbetrieb ein staatlich anerkannter Kurort. Es liegt an der Saale in der Mitte des Saalebogens. Südwestlich der Stadt beginnt das Thüringer Schiefergebirge. Bekannteste Sehenswürdigkeit sind die Feengrotten. Außerdem ist die Stadt ein bedeutender Eisenbahnknoten. Saalfeld bildet gemeinsam mit Rudolstadt und Bad Blankenburg ein Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums mit 60.000 Einwohnern. Die drei Städte kooperieren im Rahmen des „Städtedreiecks am Saalebogen“ miteinander.

Geografie Saalfeld liegt im Tal der Saale, die der Stadt einst ihren Namen gab, in etwa 235 Metern Höhe. Südwestlich der Stadt beginnt das Thüringer Schiefergebirge mit über 500 Meter hohen Bergen am Stadtrand. In südlicher Richtung liegt das Tal der Saale bzw. ihrer Nebenflüsse Loquitz und Sormitz. Diese Täler sind tiefe, enge Täler, die landschaftlich sehr reizvoll sind. Darüber hinaus liegt im Südosten der Stadt das Talsperrensystem „Saalekaskade“, das sich entlang der Saale bis nach Bad Lobenstein erstreckt und mit der Bleilochtalsperre und der Talsperre Hohenwarte die größten Talsperren Thüringens und zwei der größten Talsperren Deutschlands beinhaltet. Östlich der Stadt beginnt die Orlasenke, eine fruchtbare, breite Talsenke, die sich bis zur 35 Kilometer östlich gelegenen Stadt Triptis erstreckt. Nördlich von Saalfeld die Vordere Heide, der südwestlichste Ausläufer des Thüringer Holzlandes mit dem 481 Meter hohen Kulm, dem Hausberg der Stadt, auf welchem sich ein Stahlfachwerkturm befindet, von dem aus man das gesamte Umland überblicken kann. Bei Saalfeld beginnen die Buntsandsteinlagerstätten, die sich nördlich bis Rothenstein hinziehen. Nordwestlich verlässt die Saale die Stadt; dort liegen auch die Nachbarstädte Rudolstadt und Bad Blankenburg, der Beginn des Schwarzatals.

Die Stadt selbst liegt am westlichen, dem Bergufer der Saale. Die Altstadt liegt auf einem Hügel unweit des Flusses. Sie ist von weiteren Wohngebieten umgeben, während auf der östlichen Seite der Saale rund um den Bahnhof Saalfeld (Saale) Industrie- und Gewerbeflächen dominieren. Hier liegt auch der Ortsteil Gorndorf mit dem Plattenbaugebiet der Stadt. Während diese Plattenbausiedlung nach der Wende als unattraktiv und sozialer Brennpunkt galt, hat Saalfeld es mittels eines eigenen Stadtentwicklungskonzeptes geschafft, diesen Stadtteil erheblich aufzuwerten.

Klima mini|Niederschlagsdiagramm

Die Jahresdurchschnittstemperatur in Saalfeld liegt bei 8,6 °C Über ein Jahr verteilt summieren sich die Niederschläge zu 527 mm auf.Klima Saalfeld. climate-data.org; abgerufen am 16. Juli 2022.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Rudolstadt, Unterwellenborn, Kaulsdorf, Probstzella, Gräfenthal, Neuhaus am Rennweg, Meura, Rohrbach, Döschnitz, Schwarzburg und Bad Blankenburg.

Stadtgliederung Zu Saalfeld gehören folgende Stadtteile, mit Stadtteilnummer nach Hauptsatzung: Saalfeld Altsaalfeld Garnsdorf Graba Köditz Obernitz Remschütz Gorndorf Beulwitz mit Aue am Berg, Beulwitz, Crösten und Wöhlsdorf Arnsgereuth Saalfelder Höhe mit Bernsdorf, Birkenheide, Braunsdorf, Burkersdorf, Dittersdorf, Dittrichshütte, Eyba, Hoheneiche, Kleingeschwenda, Knobelsdorf, Lositz-Jehmichen, Reschwitz, Unterwirbach, Volkmannsdorf, Wickersdorf, Wittmannsgereuth und Witzendorf Wittgendorf Reichmannsdorf mit Gösselsdorf und Schlagetal Schmiedefeld mit Taubenbach

Geschichte Gründung bis 1800 mini|Saalfeld um 1650 bei Merian mini|Blick auf Saalfeld 1858 alternativtext=Das Blankenburger Tor in Saalfeld|mini|Blankenburger Tor Die Quellenlage zur mittelalterlichen Geschichte Saalfelds ist schwierig. Eine erste urkundliche Erwähnung als Salauelda in einer Urkunde Kaiser Arnulfs von 899 gilt unter fast allen Historikern als gesichert, obwohl die Herausgeber des Urkundenverzeichnisses Regnum Francorum online das mitgenannte "Salauelda" als nicht identifiziert bezeichnen (RFO D_Arn 174) und die Herausgeber der Monumenta Germaniae Historica keinen der acht enthaltenen Ortsnamen deuten (MGH DD Arn 174). Hier könnte eine karolingische Königspfalz bestanden haben, die aber keine zeitgenössische Urkunde erwähnt. Deren Kapelle kann die Kirche des Ortsteils Graba gewesen sein. Doch wird Graba erst 997 ohne Nennung eines Königshofs urkundlich erwähnt (Regesta Imperii II,3,1233). Der Mainzer Erzbischof Friedrich feierte Weihnachten 952 hier (RIplus Regg EB Mainz 1), und 979 weilte Kaiser Otto II. hier in einer möglichen Pfalz (Regesta Imperii II,2,791). Der spätere Kaiser Heinrich II. schenkte das Gebiet um Saalfeld im Jahr 1012 dem Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen (eine Urkunde dazu ist in den Regesta Imperii nicht enthalten), dessen Tochter Richeza es 1057 dem Bistum Würzburg, Adalbero, schenkte (nicht in den Regesta Imperii, aber in Monumenta Boica 37, LXVII. anno 1057, 3. Martii (März). Monumenta Boica. 37 = Collectio nova 10, Monumenta episcopatus Wirziburgensis : 788 – 1287 Sicher ist, dass 1071 der Kölner Erzbischof Anno II. hier das Benediktinerkloster St. Peter und Paul gründete und der Mainzer Erzbischof Adalbert I. dem Benediktinerkloster 1125 seine Besitzungen bestätigte (beide Urkunden in RIplus Regg. EB Mainz 1). Der Ort entwickelte sich schnell zum kirchlichen Machtzentrum im östlichen Thüringen. Die Klosterbrüder leiteten die Christianisierung und Besiedlung der Umgebung. Über die Gründung des Klosters berichtet der Geschichtsschreiber Lampert von Hersfeld, der mehrere Wochen im Saalfelder Kloster verweilte. Seine Chroniken sind für viele Jahre die einzigen Schriftquellen zur Regionalgeschichte. Das Kloster bestand bis nach der Reformation (bis 1526).

Nachdem es wieder in Reichsbesitz gekommen war, erhielt Saalfeld 1208 als vierter Ort in Thüringen das Stadtrecht. Parallel dazu wurde von Kaiser Friedrich Barbarossa die Anlage einer städtischen Siedlung beauftragt, die südlich des alten Dorfes (Altsaalfeld) entstand. Bestätigung findet das Stadtrecht im Jahr 1208 bei den Schwarzburgern, die zur damaligen Zeit die Lehnsherren über das Saalfelder Gebiet waren. 1363 wurde die Stadtmauer errichtet, ein erstes Rathaus gab es 1389, und eine erste Saalebrücke wird 1373 genannt. Um 1250 kam zum Benediktinerkloster ein Franziskanerkloster hinzu, welches bis 1534 Bestand hatte. Es befand sich im Gebäude des heutigen Stadtmuseums. Als Wirtschaftszweige sind ab 1258 die Saaleflößerei und ab dem späten 13. Jahrhundert der Bergbau bekannt. 1346 erhielt die Stadt schließlich das Recht, in der Saale Fischfang zu treiben, wofür bis heute die Barben im Stadtwappen stehen. Ein weiteres Recht kam 1482 hinzu, als die Saalfelder die Hohe Gerichtsbarkeit über Hals und Hand erhielten. Eine wirtschaftliche Blütezeit setzte ein. Saalfeld gelangte im Jahr 1389 von den Schwarzburgern an die Wettiner, in deren Besitz es bis zur Novemberrevolution und Abschaffung der Monarchien in Deutschland 1918 blieb. Bei der Erfurter Teilung 1572 gelangte Saalfeld an Sachsen-Weimar, 1603 an Sachsen-Altenburg und 1673 an Sachsen-Gotha.

mini|Stadtkirche mini|Schloss Saalfeld mini|hochkant|links|Die heutige Marktapotheke war im Mittelalter erster Sitz des Stadtvogts

1514 wurde die Johanneskirche nach fast 150-jähriger Bauzeit fertiggestellt. Allerdings zerstörte schon 1517 ein Stadtbrand wieder große Teile Saalfelds. Beim folgenden Wiederaufbau erhielt die Stadt ihr heutiges, durch Renaissancebauten geprägtes Bild. Es entstanden unter anderem das heutige Rathaus (1529 bis 1537), die Münze (1551) sowie viele Bürgerhäuser und etwas später auch die Stadtapotheke (1617 bis 1620).

mini|Empfang von Salzburger Emigranten auf dem Markt im Jahre 1732

Herzog Albrecht machte 1675 Saalfeld zu seiner Residenz und begann 1677 mit dem Bau von Schloss Saalfeld, das dann nach der Erbteilung 1680 von seinem jüngeren Bruder Johann Ernst übernommen und bis 1726 vollendet wurde. Es entstand auf dem Gebiet des ehemaligen Benediktinerklosters, welches dafür abgerissen wurde. Die Notwendigkeit eines Residenzschlosses ergab sich aus einer ab 1675 in Aussicht stehenden und 1680 schließlich durchgeführten Erbteilung der Ernestiner, bei der das Herzogtum Sachsen-Saalfeld entstand, welches nur bis 1745 existierte und anschließend in den Besitz von Sachsen-Coburg (danach als Sachsen-Coburg-Saalfeld bezeichnet) überging. Nachdem die Linie Sachsen-Gotha und Altenburg 1825 ausgestorben war, kam Sachsen-Gotha zu Sachsen-Coburg-Saalfeld (deshalb umbenannt zu Sachsen-Coburg und Gotha), das dafür Saalfeld und den größten Teil Sachsen-Hildburghausens an Sachsen-Meiningen abgab. Friedrich von Sachsen-Hildburghausen wurde Herzog des wiedergegründeten Sachsen-Altenburg.

1800 bis heute mini|Saalfeld um 1900

Am 10. Oktober 1806 fand das Gefecht bei Saalfeld statt, das mit einem Sieg der 14.000 französischen Soldaten über ein 9.000 Mann starkes Heer der Preußen endete und bei dem der preußische Prinz Louis Ferdinand ums Leben kam. Im 19. Jahrhundert begann auch die Industrialisierung in Saalfeld, die ihren größten Aufschwung nach der Eröffnung der Bahnstrecke Leipzig–Gera–Saalfeld im Jahr 1871 nahm. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Saalfeld zu einem wichtigen Eisenbahnknoten zwischen Leipzig und Nürnberg mit weiteren Verbindungen nach Hof und Gera im Osten, Jena im Norden, Nürnberg im Süden sowie Erfurt und Sonneberg im Westen. Lokale Bahnstrecken führten außerdem über Rottenbach nach Königsee und Katzhütte. 1939 wurde die steile Frankenwaldbahn erstmals elektrifiziert, bevor die Sowjetunion die Masten und den Fahrdraht 1945 wie auch bei der Saalbahn als Reparationsleistungen wieder entfernen ließ. Die erneute Elektrifizierung der Strecke zwischen Probstzella und Camburg erfolgte erst 1995 nach der deutschen Wiedervereinigung. Während der Industrialisierung entwickelte sich aus dem seit dem Mittelalter betriebenen Saalfelder Bergbau die Maxhütte Unterwellenborn, ein 1872 gegründetes Zweigwerk der Oberpfälzer Maxhütte. Die ebenfalls seit dem Mittelalter betriebene Saaleflößerei wurde erst 1938 nach dem Bau der Saalekaskade eingestellt.

1914 wurden die Feengrotten öffentlich zugänglich gemacht, nachdem sie bereits 1910 in alten Bergwerksstollen entdeckt worden waren. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution 1918 wurden die Monarchien in Deutschland abgeschafft und der neue Freistaat Thüringen gegründet. Saalfeld wurde nun die Kreisstadt des Landkreises Saalfeld, der noch bis 1994 bestand. Vorher war die Stadt bereits seit 1868 der Verwaltungssitz des Kreises Saalfeld im Herzogtum Sachsen-Meiningen, der jedoch einen wesentlich anderen Gebietszuschnitt als sein Nachfolger hatte.

In der Zeit des Nationalsozialismus waren Menschen aus rassistischen, politischen und religiösen Gründen Verfolgungen ausgesetzt, die 1933 mit der Einlieferung in das Amtsgerichtsgefängnis begannen, im Volksmund Hutschachtel genannt. Verfolgt wurden Menschen auch aus eugenischen Gründen, wie die 571 Personen, die vom Erbgesundheitsgericht zu Opfern der Zwangssterilisation gemacht wurden. Die jüdischen Bürger Saalfelds wurden in die Emigration gedrängt und ab 1941 in Ghettos oder Vernichtungslagern zu Tode gebracht. Das Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 führt namentlich 15 jüdische Einwohner auf, die Opfer des Holocaust wurden.

mini|Gedenkstein „Todesmarsch der Buchenwald-Häftlinge“