Der Blauflecken-QuerzahnmolchH. Zucchi & R. Gonschorek: Zur Biologie, insbesondere zur Verhaltensbiologie des Axolotls Ambystoma mexicanum (Shaw, 1789) (Caudata: Ambystomatidae). In: Salamandra, Band 19, Nummer 3, 1983, S. 123–140, (Digitalisat). (Ambystoma laterale), auch Blaufleck-QuerzahnmolchTh. C. H. Cole: Wörterbuch der Tiernamen: Latein-Deutsch-Englisch Deutsch-Latein-Englisch. 2. Auflage, Springer Verlag, 2015, ISBN 978-3-662-44241-8, S. 18, (Leseprobe). oder BlaupunktsalamanderF. Mutschmann: Erkrankungen der Amphibien. 2. Auflage, Enke Verlag, 2010, ISBN 978-3-8304-1097-3, S. 18, (Leseprobe). genannt, ist ein im östlichen Nordamerika verbreiteter Schwanzlurch aus der Familie der Querzahnmolche (Ambystomatidae). Im Osten Nordamerikas ist es die am nördlichsten vorkommende Art aus der FamilieK. J. Ryan, J. D. Zydlewski & A. J. K. Calhoun: Using Passive Integrated Transponder (PIT) Systems for Terrestrial Detection of Blue-Spottet Salamanders (Ambystoma laterale) in situ. In: Herpetological Conservation and Biology, Band 9, Nummer 1, 2014, S. 97–105, (Digitalisat). und kann noch in Gebieten von bis zu 55° nördlicher Breite vorkommen.W. E. Duellman & S. S. Sweet: Distribution Patterns of Amphibians in the Nearctic Region of North America. In: W. E. Duellman (Hrsg.): Patterns of Distribution of Amphibians: A Global Perspective. Johns Hopkins University Press, 1999, ISBN 0-8018-6115-2, S. 31–110, (Leseprobe)
Forschungsgeschichte Die Art wurde 1856 durch Edward Hallowell bereits unter der noch heute gebräuchlichen Bezeichnung Ambystoma laterale erstmals wissenschaftlich beschrieben.E. Hallowell: Description of several species of Urodela, with remarks on the geographical distribution of the Caducibranchiate Division of these animals and their classification. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, Band 8, 1856, S. 6–11, (Digitalisat). 1868 interpretierte Edward Drinker Cope Ambystoma laterale als Varietät des Jefferson-Querzahnmolches (Ambystoma jeffersonianum). Gleichzeitig beschrieb er mit Ambystoma platineum eine neu Art innerhalb der Gattung und betonte insbesondere deren Ähnlichkeit mit Ambystoma jeffersonianum var. laterale.E. D. Cope: A review of the species of the Amblystomidae. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, Band 19, 1868, S. 166–211, (Digitalisat) Mehrere Jahre später revidierte Cope seine ursprüngliche Meinung teilweise und wertete die von ihm neu beschriebene Art nun ebenfalls als Unterart des Jefferson-Querzahnmolches.E. D. Cope: Check-list of North American Batrachia and Reptilia; with a systematic list of the higher groups, and an essay on geographical distribution. Based on the specimens contained in the U.S. National Museum. In: Bulletin of the United States National Museum, Band 1, 1875, S. 1–104, (Digitalisat). Copes Gliederung (nur eine Art mit drei Unterarten) hatte für mehrere Jahrzehnte Gültigkeit.
1934 beschrieb Wesley Clanton eine Population dieser Schwanzlurche aus dem Süden von Michigan, in der er zwei unterschiedliche Formen unterscheiden konnte, die er schlicht als „dunkle Form“ und als „helle Form“ bezeichnete. Beide Formen paarten sich offenbar untereinander. Zu Clantons Überraschung zeigte die von ihm untersuchte Gesamtpopulation einige Besonderheiten in Bezug auf die Geschlechterverteilung. Weibliche Tiere waren wesentlich häufiger als männliche, wobei das Verhältnis zwischen Weibchen und Männchen zwischen 2 : 1 und 52 : 1 variieren konnte. Der Überschuss an Weibchen war offenbar auf die „helle Form“ zurückzuführen; wurde nur die „dunkle Form“ betrachtet, fand er stets ein Verhältnis von annähernd 1 : 1. Zudem stellte Clanton fest, dass die „helle Form“ zu fast 100 % aus weiblichen Tieren bestand. Kreuzungsversuche zeigten ihm, dass bei einer Paarung zwischen Männchen und Weibchen der „dunklen Form“ stets etwa gleich viele weibliche und männliche Larven der „dunklen Form“ aus den Eiern schlüpften, während eine Paarung von „hellen Weibchen“ und „dunklen Männchen“ ausschließlich weibliche Exemplare der „hellen Form“ hervorbrachte. Er vermutete zwar, dass es sich bei der „hellen Form“ um eine Hybride handelte und stellte Überlegungen zum weiteren Fortbestand der Gesamtpopulation an, zog aber keine Rückschlüsse auf die taxonomischen Konsequenzen seiner Beobachtungen.W. Clanton: An unusual situation in the salamander Ambystoma jeffersonianum (Green). In: Occasional Papers of the Museum of Zoology - University of Michigan, Band 290, 1934, S. 1–14, (Digitalisat).
Mit Ambystoma tremblayi wurde 1943 aus dem Süden Kanadas eine weitere, sehr ähnliche Form als eigenständige Art beschrieben.N.-M. Comeau: Une ambystome nouvelle. In: Annales de l'Association Canadienne-Française pour l'Avancement des Sciences, Band 9, 1943, S. 124–125. 1954 identifiziert Sherman A. Minton Clantons „dunkle Form“ als Ambystoma laterale und verleiht ihr ebenfalls wieder eigenständigen Artstatus. Clantons „helle Form“ identifizierte er als Hybride zwischen Ambystoma laterale und Ambystoma jeffersonianum.Sh. A. Minton: Salamanders of the Ambystoma jeffersonianum complex in Indiana. In: Herpetologica, Band 10, Nummer 3, 1954, S. 174–179.
Erst in den 1960er Jahren gelang es Thomas M. Uzzell Jr. in mehreren Arbeiten den Knoten zu lösen. Ihm gelang der Nachweis, dass es sich bei den im Wesentlichen rein weiblichen Formen, die er zwei Arten (Ambystoma platineum und Ambystoma tremblayi) zuordnete um Tiere mit triploiden Chromosomensätzen (3n = 42) handelt, die durch Hybridisierung aus zwei Arten (Ambystoma laterale und Ambystoma jeffersonianum) mit normaler Geschlechterverteilung und diploiden Chromosomensätzen (2n = 28) entstanden waren. Gemeinsam mit Sarah M. Goldblatt fand er Hinweise, dass Ambystoma tremblayi über zwei Chromosomensätze von Ambystoma laterale und einen Chromosomensatz von Ambystoma jeffersonianum verfügt, während bei Ambystoma platineum die umgekehrten Verhältnisse vorliegen.Th. M. Uzzell Jr. & S. M. Goldblatt: Serum Proteins of Salamanders of the Ambystoma jeffersonianum Complex, and the Origin of the Triploid Species of this Group. In: Evolution, Band 21, Nummer 2, 1967, S. 345–354, (Digitalisat). mini|292px|Farbzeichnung und Rippenfurchen des Blauflecken-Querzahnmolches
Merkmale Erwachsene Tiere erreichen eine Gesamtlänge von 7 bis 14 Zentimetern, wobei etwa 40–50 % auf den langen Schwanz entfallen.W. F. Weller & W. G. Sprules: Taxonomic status of male salamanders of the Ambystoma jeffersonianum complex from an Ontario population, with the first record of the Jefferson salamander, A. jeffersonianum (Green), from Canada . In: Canadian Journal of Zoology, Band 54, 1976, S. 1270–1276, (Digitalisat). Die Männchen bleiben im Durchschnitt etwas kleiner als die Weibchen und haben einen etwas längeren Schwanz in Relation zum Rumpf. Der Rumpf selbst wird durch 12–14 Rippenfurchen segmentiert.F. L. Downs: Unisexual Ambystoma from the Bass Islands of Lake Erie. In: Occasional Papers of the Museum of Zoology - University of Michigan, Nummer 685, 1978, 36 S., (Digitalisat).
Die Grundfärbung am Rücken ist schwarz bis grauschwarz, am Bauch etwas heller. Rücken, Bauch und vor allem die unteren Bereiche der Flanken zeigen eine Vielzahl an bläulich-weißen Flecken. Die auffällige Zeichnung der Flanken brachte dem Blauflecken-Querzahnmolch auch seinen wissenschaftlichen Artzusatz laterale (nach dem lateinischen lateralis – „seitlich“) ein.Th. M. Uzzell Jr.: Ambystoma laterale Hallowell - Blue-spotted Salamander. In: Catalogue of American Amphibians and Reptiles (CAAR), Eintrag 48, 1967, S. 48.1–48.2, (https://repositories.lib.utexas.edu/handle/2152/44974 [Digitalisat]).
Die Weibchen der triploiden Hybridform Ambystoma tremblayi werden mit einer Gesamtlänge von bis zu 16 Zentimetern etwas größer als die Weibchen der diploiden Form. Die Grundfärbung ist etwas heller und wird als dunkelgrau bis grauschwarz beschrieben. Die bläuliche Farbzeichnung ist weniger stark ausgeprägt und diffus.Th. M. Uzzell Jr.: Ambystoma tremblayi Comeau - Tremblay's salamander. In: Catalogue of American Amphibians and Reptiles (CAAR), Eintrag 50, 1967, S. 50.1–50.2, (https://repositories.lib.utexas.edu/handle/2152/44978 [Digitalisat]).
Verbreitung, Lebensraum, Lebensweise mini|292px|Verbreitungsgebiete des Blauflecken-Querzahnmolches (magenta), des Jefferson-Querzahnmolches (gelb) und der Hybriden beider Arten (violett) Der Blauflecken-Querzahnmolch kommt in nordöstlichen Staaten der Vereinigten Staaten rund um die Großen Seen (Minnesota, Michigan, Wisconsin, Indiana, Illinois, Ohio, New York), in Iowa und New Jersey und den Neuenglandstaaten New Hampshire, Connecticut, Maine, Massachusetts und Vermont vor. Im südöstlichen Kanada erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über die Provinzen Ontario, Québec, die Seeprovinzen Prince Edward Island, Nova Scotia und New Brunswick sowie die Teilprovinz Labrador. Im Süden überlappt das Verbreitungsgebiet mit dem des Jefferson-Querzahnmolches. Hier dominieren die Hybriden der beiden Arten.
Die Populationen befinden sich vorwiegend nördlich der sogenannten Wisconsin-Glaziallinie (Vergletscherungsgrenze der letzten Kaltzeit; die Wisconsin-Kaltzeit entspricht der Würm-Kaltzeit im europäischen Alpenraum und der Weichsel-Kaltzeit in Nord- und nördlichem Mitteleuropa). Es kann dementsprechend davon ausgegangen werden, dass der Blauflecken-Querzahnmolch sein heutiges Verbreitungsgebiet erst nach Ende der letzten Kaltzeit besiedelt hat.J. W. Demastes, J. M. Eastman & J. S. East: Phylogeography of the Blue-spotted Salamander, Ambystoma laterale (Caudata: Ambystomatidae). In: American Midland Naturalist, Band 157, 2009, S. 149–161, (Digitalisat)
Als Landlebensräume werden feuchte Laub- und Mischwälder und sumpfiges Buschland bevorzugt. Tagsüber verbergen sich die Tiere in Nagetrierbauten, unter Totholz, Falllaub oder Felsen, um in der Abenddämmerung und nachts auf Nahrungssuche nach Insekten, Würmern und Schnecken zu gehen. Die Überwinterung findet in frostsicheren Unterschlüpfen an Land statt. Als Fortpflanzungsgewässer dienen zeitweise wasserführende Kleingewässer wie Tümpel und Gräben innerhalb von Wäldern, die nicht zu früh austrocknen dürfen, um die Larvenentwicklung zu gewährleisten.Massachusetts Division of Fisheries & Wildlife: Blue-spottet Salamander Fact Sheet. 2016, 6 S., ().
Fortpflanzung und Individualentwicklung mini|292px|Blauflecken-Querzahnmolch (Ambystoma laterale)