Die Schlacht bei den Thermopylen fand zu Beginn des Zweiten Perserkrieges im Spätsommer 480 v. Chr. statt.

Die Thermopylen, der Engpass zwischen dem Kallidromo-Gebirge und dem Golf von Malia, waren seit jeher von hoher strategischer Bedeutung. In der Antike maß der durchschnittlich 15 Meter breite Durchgang an den beiden engsten Stellen nur wenige Meter. Infolge von Versandung hat er sich bis heute auf mehrere Kilometer ausgedehnt.

480 v. Chr. stand ein großes persisches Heer unter König Xerxes I. vor diesem Durchgang. Die weit zahlreicheren Perser konnten den Durchbruch erzwingen und die verbliebenen griechischen Kräfte aufreiben. Der Großteil der Griechen zog sich rechtzeitig zurück.

Hintergrund Standort Thermopylen Nachdem eine erste Stellung im nordgriechischen Tempetal kampflos geräumt worden war, gab es innerhalb des griechischen Bündnisses große Meinungsverschiedenheiten über die zu errichtenden Verteidigungsstellungen gegen die heranrückenden Perser. Einige der Mitglieder des Hellenenbundes wollten den Persern offenbar erst am Isthmus von Korinth entgegentreten.Herodot, Historien VII 175. Da Herodot es vermeidet, die Mitglieder zu nennen, welche für eine Verteidigung am Isthmus stimmten, können hierüber nur Vermutungen angestellt werden. Es ist denkbar, dass einige der Bündnispartner Spartas für eine weitgehende Preisgabe Griechenlands votierten; Sparta selbst soll, nach der Darstellung Plutarchs, für die Abwehr an den Thermopylen plädiert haben.Plutarch, Themistokles 7,61. Vor allem wäre auf diese Weise der Wegfall wichtiger Verbündeter aus Mittelgriechenland, vor allem Athens, vermieden worden. Hinzu kamen die topographischen Gegebenheiten. Aufgrund der schmalen Ausdehnung des Passes war es den Persern nicht möglich, ihre numerische Überzahl effizient auszuspielen (siehe den Folgeabschnitt). Außerdem spielten die Nähe zur Heimat und die Tatsache, dass es ein verhältnismäßig kleines Kontingent zur Verteidigung benötigte, eine entscheidende Rolle.

Aus diesen Informationen kann geschlossen werden, dass der Bund fundierte Kenntnisse über die Thermopylen besaß und sich daher bewusst für diesen Standort entschied. Eine andere Forschungsmeinung folgt der Ansicht, dass die Ortskenntnisse vielleicht doch nicht ausreichend waren und die Zeit für intensivere Aufklärungsarbeiten fehlte. Herodot und Diodor berichten, dass der Bund vom zwischenzeitlichen Aufenthaltsort Xerxes’ derart überrascht war, dass die eigenen Truppen schnellstens an die Thermopylen geschickt wurden.Herodot, Historien VII 177; vgl. dazu Diodor, Bibliotheca historica 11,4,1.

Truppenstärken Nach dem Bericht von Herodot, der einzigen Quelle aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., soll Xerxes’ Armee wie folgt ausgesehen haben: Flotte: 517.610, Infanterie: 1.700.000 (VII, 60), Kavallerie: 80.000 (VII, 87), Araber und Libyer: 20.000 (VII, 184), griechische Alliierte: 324.000. Herodot geht noch von einer gleich großen Anzahl an Unterstützungstruppen aus und kommt damit auf über 5 Millionen (VII, 186). Auf Grund des Militärsystems und der logistischen Fähigkeiten der Perser, besonders der Versorgung, aber auch aufgrund der Tendenz vieler antiker Historiker, überzogene Zahlenangaben zu machen, werden diese Zahlen als weit übertrieben erachtet. Diodor berichtet im 1. Jahrhundert v. Chr. von ungefähr 800.000 Kriegern und erwähnt ähnlich wie Herodot eine ähnlich große Flotte von 1200 Schiffen. Der Militärhistoriker Hans Delbrück berechnete in einer niedrigen Schätzung die Zahl der von Xerxes insgesamt in Griechenland eingesetzten kämpfenden Truppen auf 40.000 bis 50.000 Soldaten.Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte, allgemein: Band 1: Das Altertum, 1. Buch: Die Perserkriege. Konkrete Rückrechnung im neunten Kapitel über die Schlacht bei Plataia: „Aus der Stärke des Mardonius dürfen wir jetzt nachträglich schließen, daß auch Xerxes ein Jahr vorher etwa ebenso viel Krieger gehabt hat.“ (www.zeno.org) Auch der Militärhistoriker Hans-Joachim Diesner schätzte die persische Übermacht auf kaum mehr als 50.000 Krieger,Hans-Joachim Diesner: Kriege des Altertums. Militärverlag der DDR, Berlin 1984, S. 32. während der US-amerikanische Militärhistoriker Victor Davis Hanson von mehr als einer Viertelmillion Soldaten ausgeht.Victor Davis Hanson: Die Kriege der griechischen Antike. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 2001, ISBN 3-89488-140-2.

Auf Seiten des hellenischen Bündnisses soll nach Herodot (VII, 202 f.) ein Hoplitenheer mit folgenden Kontingenten am Pass in Stellung gegangen sein: 300 spartanische Hopliten, 1000 Tegeaten und Mantineer, 120 aus Orchomenos, 1000 aus dem restlichen Arkadien, 400 aus Korinth, 200 aus Phleius, 80 aus Mykene, 700 aus Boiotien und Thespiai, 1000 aus Phokis, eine unbekannte (vermutlich aber eher geringe) Anzahl an Männern aus der opuntischen Lokris und 400 Thebaner.

Dieser Bericht bietet einigen Raum für Spekulationen, auch weil sich Herodot innerhalb seiner Erzählung widerspricht. Besonders deutlich wird dieser Umstand beim Betrachten des peloponnesischen Kontingents. Dieses wird bei Herodot mit 3100 Mann angegeben.Herodot, Historien VII 202. Diese Zahl inkludiert 300 Spartiaten, welche von Leonidas mitgenommen wurden.Herodot, Historien VII 205,2. Die von ihm überlieferte Grabinschrift zählt hingegen 4000 Peloponnesier.Herodot, Historien VII 228,1. Entweder vergaß Herodot 900 Heloten zu erwähnen, welche als Waffenträger etc. mitgezogen waren, oder 900 als Hopliten ausgerüstete, emanzipierte Heloten. Diese sind allerdings erst für das Jahr 424 v. Chr. literarisch bei Thukydides greifbar.Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges 4,80. Am wahrscheinlichsten ist die Auslassung von 900 Periöken.

Auch der Bericht von Diodor liefert keine eindeutigen Angaben. Im Zuge seiner Aufzählung berichtet er von 1000 Lakedaimoniern.Diodor, Bibliotheca historica 11,4,5. Fraglich bleibt, ob diese Zahl auf die bereits vorhandenen 300 Spartiaten angerechnet werden muss oder ob es sich insgesamt um 1000 Lakedaimonier handelte (300 Spartiaten und 700 Periöken). Diese Angabe wird dadurch unterstützt, dass Leonidas, laut dem Bericht Diodors, entschied, 1000 Lakedaimonier mit zu den Thermopylen zu nehmen.Diodor, Bibliotheca historica 11,4,2. Hinzu kamen 3000 weitere Peloponnesier,Diodor, Bibliotheca historica 11,4,5–6. womit die Anzahl der Grabinschrift erreicht wäre. Marcus Iunianus Iustinus berichtet in diesem Zusammenhang von nur 4000 Soldaten, weshalb davon auszugehen ist, dass er nur die Soldaten von der Peloponnes aufgezählt hat.Marcus Iunianus Iustinus, Römische Weltgeschichte 2,11,2.

Während die Polis Theben mehr oder weniger offen propersische Politik betrieb, sollen Thebaner auf Seiten des griechischen Bündnisses mitgekämpft haben – es bleibt unklar, ob es sich um exilierte Regimegegner oder aber um ein vom Hellenenbund erzwungenes Kontingent handelte. Bei Herodot sollen die 400 Thebaner von Leonidas als Geiseln mitgenommen worden seinHerodot, Historien VII 205., wohingegen Diodors Ausführungen auf Freiwillige hindeutenDiodor, Bibliotheca historica 11,4,7.. Es ist ebenfalls bemerkenswert, dass sich keine athenischen Hopliten dem Landaufgebot angeschlossen haben.

Aufgrund des doch verhältnismäßig geringen Aufgebotes stand eine offene Feldschlacht nicht zur Diskussion; vielmehr war der Sinn der Positionierung der Truppen der, einen raschen Vormarsch Xerxes’ aufzuhalten. Die Begründung für die geringe Truppenstärke liegt bei Herodot in religiösen Festen begründet.Herodot, Historien VII 206. Entlarvend scheint hier aber die Bitte des Leonidas um Verstärkung zu sein.Herodot, Historien VII 207. Wenn man der Überlieferung Herodots folgt und es wirklich religiöse Restriktionen gab, dann erscheint die Bitte nach Verstärkung als nicht nachvollziehbar. Leonidas muss gewusst haben, dass eine potentielle Verstärkung erst nach Beendigung der Karneien mobilisiert werden konnte, was seine frühzeitige Bitte überflüssig machte.Herodot, Historien VII 206,2. Daher ist davon auszugehen, dass nicht die religiösen Feste für die niedrige Zahl von Soldaten verantwortlich waren, sondern eine zu optimistische Einschätzung seitens des spartanischen Königs. Denn nach dem Bericht Diodors schien es Leonidas zu obliegen, wie viele Truppen ihn zu den Thermopylen begleiten sollten.Diodor, Bibliotheca historica 11,4.

Hergang der Schlacht mini|hochkant=1.3|Schlacht bei den Thermopylen und ihre Folgen mini|hochkant=1.3|Lage der Thermopylen 480 v. Chr.

Verlauf Erster Tag Die Schlacht begann, nachdem Xerxes fünf Tage gewartet hatte, in der Hoffnung, dass die griechische Armee fliehen würde. Zuerst schickte Xerxes die Meder und Kissianer in der Hoffnung, einen schnellen Sieg zu erreichen. Nach der Einschätzung von Xerxes sollte es ihnen möglich sein, den Kampf entschieden zu gewinnen und zusätzlich Gefangene zu nehmen.Herodot, Historien VII 210. Diodor liefert zwei mögliche Erklärungen, warum er sich für die Meder als Vorhut entschieden hat: Erstere wäre, dass Xerxes sie für ihre militärische Kompetenz bevorzugt hat. Andererseits könnte diese Kompetenz dazu geführt haben, dass Xerxes sie im Krieg benutzte, mit dem Ziel, diese zu zermürben, um mögliche Separatisten-Stimmungen aus deren Heimat zu unterdrücken.Diodor, Bibliotheca historica 11,6,3.

Diodor berichtet hier über drei Vorteile in diesen Kämpfen, weswegen sich die griechische Koalition effektiv unter Beweis stellen konnte. Sie kämpften am engen Pass in einem engen Schutzwall, mit langen Speeren und schwererer Rüstung als Phalanx. Die persische Armee hingegen spezialisierte sich auf große Landschlachten, denn sie besaßen kleinere Schilde und leichtere Rüstung.Diodor, Bibliotheca historica 11,7,2-3. Als Resultat konnten die Spartaner den Angriff erfolgreich abwehren.Herodot, Historien VII 210.

Danach schickte Xerxes die „Unsterblichen“ gegen die Spartaner. Diese waren laut Diodor die elitäre Einheit seiner Armee,Diodor, Bibliotheca historica 11,8,4. allerdings konnten sie trotzdem den Schildwall nicht bezwingen. Hinzu kam, so Herodot, dass die Lakedämonier einen Rückzug vortäuschen würden und dann sich im letzten Moment umdrehen würden, was zu vielen Verlusten auf der persischen Seite geführt haben soll. Diese Taktik sei sogar so effektiv, dass Xerxes dreimal von seinem Thron vor Angst um seine Armee hochgefahren sei.Herodot, Historien VII 211-212. Somit endete der erste Tag mit dem Erfolg der Koalitionsarmee. Laut Diodor haben die Griechen nur wenige Verluste erlitten, während bei der persischen Armee das Gegenteil galt.Diodor, Bibliotheca historica 11,7,4. Zweiter Tag Am nächsten Tag erhoffte sich Xerxes, dass die Koalition wegen der vorherigen Kämpfe nicht in der Lage wäre, einen erneuten Angriff zu vereiteln. Während Herodot nur schrieb, dass die Verteidigung eine erfolgreiche warHerodot, Historien VII 212. berichtet Diodor im genaueren Detail. Laut ihm wählte Xerxes die mutigsten Männer seiner Armee und versprach ihnen Ruhm, wenn sie erfolgreich die Griechen besiegen würden, aber verbot ihnen, zu fliehen. Nach Diodor kämpften sie lange gegen die Griechen, waren aber trotzdem nicht erfolgreich. Nachdem sie dann einen Rückzug zur persischen Armee versuchten, wurden sie verwiesen und dazu gezwungen, erneut die Griechen zu bekämpfen.Diodor, Bibliotheca historica 11,8,1-3.

Nach diesen drei erfolglosen Versuchen war sich Xerxes unsicher, wie er den Krieg weiterführen sollte.Diodor, Bibliotheca historica 11,8,4.