mini|Gold-Oktadrachmon Ptolemaios IV. Philopator, 220 v. Chr. mini|Tetradrachmenrückseite des Trajan mit Adler nach ptolemaischem Vorbild Als Alexandrinische Münzen werden im antiken Alexandria geschlagenen Münzen bezeichnet, vornehmlich die griechisch beeinflussten ptolemaiischen Prägungen mit den Konterfeis der Herrscher, weiterhin römische Münzen, die von fast allen Kaisern ab Augustus bis zur Münzreform des Kaisers Diocletians geschlagen wurden.

Griechische Prägungen in der Antike Griechische Münzen in der archaischen und klassischen Zeit Bereits vor der Eroberung Ägyptens durch Alexander wurden in Nordostafrika Münzen in der Kyrene durch Griechen und in anderen Städten der Kyrenaika durch die Phönizier geprägt, während es in Ägypten vor Alexander nur wenige Prägungen von Münzen, hauptsächlich durch persische Satrapen gab. Dennoch waren griechische Münzen im Umlauf, die aber zunächst nur zu ihrem Metallwert gehandelt wurden, wofür die vielen gehackten Münzen in ägyptischen Schatzfunden sprechen.Eva und Wolfgang Szaivert, David R. Sear: Griechischer Münzkatalog. Band 2: Asien und Afrika. Battenberg Verlag, München 1983, ISBN 3-87045-187-4, S. 309 ff. mini|Münze des Antoninus Pius aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., Pharos und Segelschiff (Revers) Teilweise wird vertreten, dass bereits Nektanebos II. (reg. 362–343 v. Chr.), der letzte einheimische Pharao vor den persischen Eroberern, Münzen geprägt hat.Künker, Auktion 347, 22./23. März 2021, Nr. 1 mit weiteren Nachweisen

Griechische Münzen in hellenistischer Zeit Seit dem Beginn der ptolemäischen Königszeit im 4. Jahrhundert v. Chr. mit Ptolemaios I. in der Epoche des Hellenismus waren nur die von ihnen geprägten Münzen als Zahlungsmittel in Ägypten zugelassen. Die ptolemäischen Münzen orientierten sich am attischen Münzsystem und übernahmen griechische Gestaltungsgrundsätze. Die Prägung im attischen Münzfuß sorgte für ein Gewicht von ca. 17 Gramm bei den Tetradrachmen. Die ersten Motive zeigen Alexander auf der Portraitseite und den Gott Zeus oder die Göttin Athene als Athena Alkidemos auf der Rückseite. Ptolemaios I. verstand sich zu dieser Zeit, selbst noch Jahre nach dessen Tod, nur als Satrap Alexanders. Diese Prägungen wurden von Porträts von Ptolemaios I. und einem auf einen Blitz stehenden Adler auf der Rückseite abgelöst. Eine Umschrift um den Adler herum bezeichnet Ptolemaios nun als König (ΠΤΟΛΕΜΑΙΟΥ ΒΑΣΙΛΕΩΣ). Die Nachfolger von Ptolemaios I. bleiben im Wesentlichen bei diesen Gestaltungsgrundsätzen für ihre Münzprägungen. Diese hellenistischen Prägungen zeigen von wenigen Einzelheiten wie der Elefantenhaube als Kopfschmuck kaum ägyptische Motive, sondern wirken sehr griechisch. Auch die Beschriftung ist griechisch, wenn man von der Verwendung des „L“ als einem demotischen Zeichen für „Jahr“ absieht. Da nur ein Teil der ägyptischen Bevölkerung zu dieser Zeit griechischer Herkunft war, kann die Verwendung fast rein griechischer Gestaltungsgrundsätze und Motive als Beitrag zur Hellenisierung der gesamten Bevölkerung Ägyptens gesehen werden.

Münzen zur Zeit als römische Provinz Im engeren Sinne meint der Begriff der Alexandrinischen Münzen die Münzen, die für die Binnenwährung der Provinz Ägypten geprägt wurden. Geissen weist darauf hin, dass, wenn auch in seltenen Fällen, die Münzstätte in Alexandria auch Münzen für die Provinz Syria (Tetradrachmen für Trajan in seinem 12. Regierungsjahr) und reichsrömische Aurei (zur Zeit von Vespasian und Septimius Severus) und Denare (für Septimius Severus) geprägt habe.Geissen in: The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, p. 563 Die Münzstätte von Alexandria war in vier offizinae untergliedert.Geissen in: The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, p. 562 Im weiteren Sinn gelten als alexandrinische Münzen auch diejenigen, die nicht in der Stadt Alexandria, sondern in Städten und Gauen, die zur Provinz Alexandria gehörten, hergestellt worden sind. Diese Prägungen sind selten. Sie zeigen auf der Rückseite meistens Motive, die eng mit den lokalen Bräuchen in Verbindung stehen.Kampmann/Ganschow, Seite 364 mini|Obol unter Hadrian aus Koptites, Kampmann/Ganschow Nr. N 21.2 mini|Revers des Obols aus Koptites, mit Kronos-Sobek-Geb, Jahr 11 des Hadrian

Binnenwährung und Geldmenge

Von den Römern wurde die Praxis nur eine BinnenwährungUrsula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, Regenstauf 2008, S. 16. zuzulassen mit der Eroberung Ägyptens unter Augustus seit dem Jahr 30 v. Chr. übernommen, was dazu führte, dass alle fremden Währungen bei der Einreise nach Alexandria in die dort gültigen Zahlungsmittel umgetauscht werden mussten. Die Ausgabe erfolgten zunächst weiter in der Form der Silbertetradrachme oder Drachme (gr. Δραχμή), die in vielen Diadochen-Staaten dieser Epoche offizielle Zahlungsmittel waren. Es wird geschätzt, dass sich der Silbermünzenbestand innerhalb eines 50-Jahreszeitraums zwischen dem letzten Prägejahr unter Kleopatra VII. und der Wiederaufnahme der Prägungen unter Tiberius durch die allgemeine Verlustrate und Abrieb in etwa halbiert hat. Die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Steuererhebung erforderten die (Wieder-)Erhöhung der Geldmenge. Allein die Kopfsteuer, als eine von vielen Steuern, soll zu dieser Zeit für Ägypten ein Volumen von rund 20 Millionen Tetradrachmen ausgemacht haben. Die Gesamtgeldumlaufmenge wird auf über 75 Millionen Tetradrachmen geschätzt.E. Gölitzer: Entstehung und Entwicklung des alexandrinischen Münzwesens. 2004, S. 104. Eine kontinuierliche Ergänzung der Verlustrate fand nicht statt. So wurden unter Caligula kaum alexandrinische Münzen geprägt.Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, Regenstauf 2008, S. 49. In volumenstarken Prägejahren soll die Jahresproduktion von Tetradrachmen bei maximal 2,5 Millionen gelegen haben.E. Gölitzer: Entstehung und Entwicklung des alexandrinischen Münzwesens. 2004, S. 100. Anders als in den kleinasiatischen Provinzen waren Gegenstempelungen auf Alexandrinischen Münzen unbekannt.Geissen in: The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, p. 564

Nominalstruktur mini|rechts|Gewichtsreduktion der Tetradrachmen (von links oben nach rechts unten): Hadrian, Philipp I., Salonina, Probus, Maximianus Das von den Griechen übernommene Nominalsystem ändert sich in mehreren Schritten. Unter Kaiser Tiberius wird das Silberdrachmensystem durch die Billontetradrachme als wichtigstem Nominal abgelöst.Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, Regenstauf 2008, S. 47. Der Silbergehalt der Münzen und sogar ihr Gesamtgewicht sinken nun ständig. Die Bronzemünzen wurden seit Augustus in vier Nominalstufen geprägt, die dann unter Nero auf sechs erweitert wurden.Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, Regenstauf 2008, S. 16. Unter Claudius werden der Obol mit drei Mohnköpfen und zwei Ähren in einer Hand als Rückseitenmotiv verwendet und zur Unterscheidung auf dem kleineren Dichalkum das Krokodil.Gisela Förschner: Die Münzen der römischen Kaiser in Alexandrien. (= Kleine Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main. Band 35). Melsungen 1987, S. 35. Insgesamt ist es für viele Bronzemünzen Alexandrias aber schwierig sie in ein verlässliches System zu unterteilen, weshalb der gängige deutschsprachige Katalog diese Prägungen nicht mit nach Nominalbezeichnungen, sondern nach dem Durchmesser untergliedert. Während die ersten Billontetradrachmen wenigstens in ihrem Durchmesser mit 22 bis 26 mm noch den früheren Silbertetradrachmen ähnelten, sinkt der Durchmesser der letzten Billontetradrachmen auf 16 bis 18 mm. Bereits unter Tiberius sinkt der Silbergehalt auf 20 bis 25 Prozent. Diese gegen Ende des 3. Jahrhunderts geprägten Tetradrachmen enthalten sogar nur noch 0,6 Prozent Silber. Die Entwicklung zu immer leichteren und weniger silberhaltigen Münzen verläuft damit ähnlich wie bei den reichsrömischen Münzen, die ebenfalls von Inflation betroffen waren. mini|Alexandrinische Drachme z.Zt des Antoninus Pius, ca. 35 mm Durchmesser

Datierung alexandrinischer Münzen mini|Alexandrinische Münze (Numerianus) mit griechischen Wort für „Jahr“ Die Datierung der Münzen folgte den kaiserlichen Regierungsjahren und begann deshalb bei jedem neuen Kaiser von vorne. Üblicherweise begann die Datierung mit dem demotischen Zeichen L für Jahr. Nur selten wurde statt des demotischen L das griechische Wort für Jahr (ETOYΣ oder ETOYC) ausgeschrieben. Dahinter folgten in alphabetischer Reihenfolge der Buchstabe A für das erste Regierungsjahr, B für das zweite, Γ für das dritte, Δ für das vierte und so weiter.Kampmann/Ganschow, S. 15

Motive auf Münzen mini|Kanopos auf Tetradrachme aus Alexandria, L S (Jahr 6) des Kaisers Hadrian mini|Kalathos auf Kleinbronzemünze aus Alexandria, ca. 20 mm Durchmesser Auch der ptolemäische auf einem Blitz stehende Adler wird als Motiv weitergeprägt, wird in seiner Gestaltung aber später stark abgewandelt. Die Umschriften der Münzen verdeutlichen, dass die göttliche Verehrung der hellenistischen Könige auf den römischen Kaiser übertragen werden sollte.Gisela Förschner: Die Münzen der römischen Kaiser in Alexandrien. (= Kleine Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main. Band 35). Melsungen 1987, S. 23 und 364. Das Avers zeigt – bis auf wenige Ausnahmen – den jeweils herrschenden römischen Kaiser oder einen engen Angehörigen (Kaiserin, Sohn als Cäsar). Das Revers weist meistens eine weitere Porträtansicht, Götterbilder, Symbole oder Bauwerke auf. Während die Anzahl der Reversmotive unter Augustus und Tiberius noch überschaubar ist, nimmt die Motivvielfalt unter Claudius schon deutlich zu und erreicht unter Nero schon einen frühen Höhepunkt, in dem die Münze ihre Nebenfunktion als Massenkommunikationsmittel schon voll entfaltet hat.E. Gölitzer: Entstehung und Entwicklung des alexandrinischen Münzwesens. 2004, S. 121 f.

Einige Münzprägungen, besonders die im 2. Jahrhundert unter den Kaisern Hadrian, Antoninus Pius, Marcus Aurelius und Commodus in Alexandria herausgegeben wurden, zeigen als herausragendes Motiv neben dem Kaiserporträt auf dem Avers den Pharos von Alexandria auf dem Revers, allein oder mit der Isis Pharia oder mit anderen Zusatzmotiven. Diese Münzen, meist Kupfer-Drachmen oder Halbdrachmen, sind die einzigen aus der Antike überlieferten bildlichen Darstellungen des gewaltigen siebten Weltwunders und damit einzige Originaldarstellungen, die zu dessen Rekonstruktion herangezogen werden konnten.