mini|Die Stadt Vöcklabruck vor dem Anlegen in Attersee (2023) Der Artikel Attersee-Schifffahrt behandelt die Geschichte der kommerziellen Schifffahrt auf dem österreichischen Attersee, die sich bis ins Jahr 1869 zurückverfolgen lässt.

Geschichte

Den Einbaum von Weyregg fand ein Taucher vor Weyregg am Attersee im Attersee. Es ist der erste Unterwasserfund eines Einbaums in Oberösterreich.

Gründung der ersten konzessionierten Attersee-Dampfschifffahrt

Im Jahr 1869 gründet Graf Khevenhüller-Frankenburg, Besitzer der Herrschaft Kammer, den ersten Schifffahrtsbetrieb auf dem Attersee. Schon im Februar 1869 stellt er den von der Linzer Ignaz-Mayer-Werft gebauten und etwas über 15 m langen Schraubendampfer Ida in Dienst. Ihm folgt im Jahr 1870 der Schaufelraddampfer Attersee und im Jahr 1872 der ähnliche Schaufelraddampfer Kammer. Im selben Jahr verkaufte Graf Khevenhüller auch die Ida wieder wegen zu geringer Leistung der englischen Dampfmaschine an einen Schifffahrtsbetrieb auf dem Mondsee. Die Dampfschiffe dienten nicht nur dem Personenverkehr, sondern befördern auch Stückgut und dienten als Schleppdampfer für die antriebslosen Plätten der Seefrächter. Während die Attersee zufriedenstellend betrieben wurde, erwies sich die Kammer als labil und konnte nie voll ausgefahren werden.

Die Schifffahrt übernahm 1887 Ida v. Horvath von der weiblichen Seitenlinie des gräflichen Geschlechts. Diese musste sie jedoch bald darauf wegen erheblicher Schulden an den Wiener Seidenhändler Ferdinand Peratoner verkaufen. Der neue Schifffahrtsbesitzer übernahm beide Dampfschiffe, gab ihnen jedoch neue Namen aus dem Geschlecht der Habsburger. Das Dampfschiff Attersee hieß nun Franz Ferdinand, der Dampfer Kammer nun Alma. Schließlich beschaffte Peratoner im Jahr 1894 noch einen Schraubendampfer, dem er den Namen Hubert Salvator gab. Dieser musste zu Beginn des Ersten Weltkriegs wegen des zu hohen Kohlenverbrauchs außer Dienst genommen werden. Der Rumpf erwies sich aber als langlebig. Er wurde 1924 an die Kalkwerke am Traunsee verkauft, erhielt dort 1934 einen Dieselmotor und war bis zur Schließung der Kalkwerke im Jahr 1968 als Kalktransportschiff im Einsatz. Danach erwarb ihn der Seefrächter Enichlmayer, der erst 1978 das Schiff abwrackte.

Gründung der Elektro-Schifffahrtsunternehmung am Attersee mini|Baron Handel in Attersee am Attersee, 1913

Die in Gmunden am Traunsee ansässige Firma Stern & Hafferl gründete im Winter 1912/1913 ein eigenes Elektroschifffahrtsunternehmen und beschaffte dafür bei der deutschen Werft Lürssen in Vegesack zwei Elektroboote, mit denen sie im Sommer 1913 den Betrieb aufnahm. Während das eine Elektroboot bis zu seiner Ausmusterung den Namen Attergau behielt, trug das zweite im Laufe seines Lebens vier Namen. Zunächst als Baron Handel bezeichnet, hieß es ab 1920 wegen Abschaffung der Adelstitel nur mehr Handel. Nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich wurde es aus politischen Gründen in Heimatgau umbenannt. Nach dem Kriegsende 1945 wechselte es erneut den Namen. Es hieß nun bis zu seinem Ausscheiden Burgau.

Eine oder die Ladestation für alle Boote befand sich in Attersee oder Unterach.

Ende der ersten konzessionierten Attersee-Dampfschifffahrt

mini|Landungsplatz in Kammer am Attersee vor 1900

Ab 1914 verschlechterte sich die Wirtschaftlichkeit der Dampfschifffahrt. Die Kohlenpreise stiegen an und die Seefrächter motorisierten ihre Plätten, was zum Ende des Schleppens der bis dahin antriebslosen Plätten durch die Dampfer führte. Auch Teile des Stückgutverkehrs wanderten durch die zunehmende Zahl von Lastwagen auf die Straße ab. Schließlich machte sich die Konkurrenz der Elektroschifffahrt immer stärker bemerkbar. Im Jahr 1916 starb der Schifffahrtseigner Peratoner. Die Dampfschifffahrt wurde nun von seinen beiden Töchtern weitergeführt. Um wirtschaftlicher fahren zu können und der Konkurrenz Paroli zu bieten, wurden zwei Benzinmotorboote angeschafft. Mit der für nur 20 Personen zugelassenen Möve wurde im oberen Seebecken ein Dreiecksverkehr Kammer-Litzlberg-Attersee-Weyregg-Kammer eingeführt. Die Weissenbach, die neben 30 Personen auch etwas Stückgut und Post befördern konnte, besorgte im Winter den Liniendienst. Beide Motorboote bewährten sich nicht und fuhren nur eine Saison. Nach dem Ende der Monarchie erfuhr der früher als Attersee und dann als Franz Ferdinand bezeichnete Schaufelraddampfer seine zweite Umbenennung. Der Name des Habsburger Erzherzogs war nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) nicht mehr erwünscht, das Schiff wurde auf Forderung des Arbeiterrates dann in Unterach umgetauft. Nach Kriegsende kaufte ein rumänischer Händler gemeinsam mit dem Traunseedampfschiff Sophie die Alma. Die Schiffsrümpfe sollten auf dem Wasserweg nach Linz gebracht, um dort übergeben zu werden, wo der Käufer dann auch den Kaufpreis begleichen wollte. Doch erwies sich der Transport auf dem Wasserweg unmöglich, so dass sowohl die Attersee- wie auch die Traunsee-Schifffahrtsgesellschaft kein Geld erhielt. Man war einem Betrüger aufgesessen, die Alma stand ohne Maschinen in Kammer und musste abgebrochen werden. 1921 kaufte der mährische Industrielle Rudolf Randa von den beiden Peratonertöchtern die Dampfschifffahrt mit dem einen noch vorhandenen Dampfer Unterach und die Liegenschaft in Kammer. Um noch ein zweites Schiff zur Verfügung zu haben, mietete er im Jahr 1921 zunächst vom Traunsee den Schraubendampfer Maria Valerie und setzte ihn als erstes Schiff mit Stahlrumpf am Attersee als Valerie ein. Wenig später kaufte er das Schiff.

Jahre der Elektroschifffahrt

Die Firma Stern & Hafferl erwarb einen alten verrosteten Schraubendampfer für 25 Personen. Aus der unteren Save stammend kam er im Verlauf der Kriegswirren nach Österreich. Seine Instandsetzung erfolgte in der Stern-&-Hafferl-Werkstätte Gmunden. Im Jahr 1923 wurde er als Dampfschiff Burgau in Betrieb gesetzt. Wegen der großen Rauchentwicklung und des Funkenflugs erhielt er von den Bewohnern der Seeorte den Spitznamen „Feuerspeiender Berg“. Nach wenigen Monaten Dienst musste er wegen schwerer Rohrbrüche und Kesselschäden verschrottet werden.

Ein Unglück der Elektroschifffahrt ereignet sich im Frühjahr 1922. Nach einer Firmung brach in Unterach der Landungssteg unter der Last der wartenden Fahrgäste, vor allem Firmlinge und deren Angehörige, zusammen. Es gab drei Tote und viele Verletzte. Ein zweiter Unfall ereignet sich am 17. September 1923. Ein Matrose und der Schiffsführer eines Elektrobootes schliefen ein. Führerlos prallte das Schiff mit voller Wucht gegen die Insel Litzlberg. Während der Schiffsführer den Schaden von Land aus besichtigte, schnitt sich der Matrose die Kehle durch und starb. Dem einzigen Fahrgast geschah nichts.

Fusion der beiden Unternehmen

Ing. Stern gelang es, mit Herrn Randa einen Kaufvertrag bezüglich der Dampfschifffahrt abzuschließen. Die Unterach und die Valerie gehen schon im Sommer 1923, die Liegenschaft im Februar 1924 in den Besitz von Stern & Hafferl über. Die Villa des bisherigen Besitzers mit der darin eingerichteten Schlosserwerkstätte verblieb in dessen Besitz.

Zeit bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs

Das Dampfschiff Valerie stellte Stern & Hafferl 1928 außer Dienst, holte es in Attersee auf Land und verkaufte den Kessel und die Maschine an einen Altwarenhändler. Der geplante Einbau eines Holzgasmotors erwies sich jedoch als nicht realisierbar. Anfang der 1930er Jahre musste es an einen Alteisenhändler verkauft werden. Als Ersatz kam 1929 ein kleiner Mahagoni-Bootskörper auf den Attersee. Stern & Hafferl hatte vor dem Ersten Weltkrieg auf dem ebenfalls in Österreich gelegenen Wallersee eine Schifffahrt eröffnet und dort das neue Elektroboot mit dem Namen Wallersee eingesetzt. Der Betrieb wurde bei Kriegsbeginn eingestellt und nach dem Krieg nicht mehr aufgenommen. Die Wallersee erhielt nun in Attersee einen Dieselmotor und kam als Attersee in Fahrt. Die Vibrationen des Dieselmotors führten zu einer „rumpligen“ Fahrweise. Deshalb stand das Motorboot nur von 1929 bis 1932 (oder 1934?) in Betrieb, dann zersprang der Motorblock. Im Jahr 1947 erwarb Karl Eder vom Traunsee den Rumpf, baute ihn zur Erika um und begann damit einen neuen Schifffahrtsbetrieb. Die Beförderungszahlen stiegen im Lauf der Jahrzehnte kontinuierlich an. Wurden 1913 von der Elektroschifffahrt noch rund 28.000 Personen befördert, benutzten 1937 bereits 46.000 Fahrgäste die Schiffe am Attersee. Nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich im Jahr 1938 nahm die Fahrgastfrequenz schlagartig zu. Durch die Organisation Kraft durch Freude (KdF) kamen zahlreiche Urlauber aus dem Altreich in die Ostmark. 1939 waren mehr als 100.000 Fahrgäste zu befördern. Deshalb bestellte Stern & Hafferl bei der Bodan-Werft in Kressbronn ein neues Schiff vom Typ Munot der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein und leistete sofort eine Anzahlung. Der Bau musste jedoch nach Kriegsausbruch eingestellt werden.

Kriegs- und Nachkriegszeit

Auch nach Kriegsbeginn war die Schifffahrt voll ausgelastet und ein weiteres Schiff erforderlich. Stern & Hafferl erwarben vom Schiffunternehmer Rudolf Ippisch das damals kleinste Traunsee-Schiff (60 Personen), das Elektroboot Traunstein. Es kam am 29. September 1941 nach Attersee, wurde als Hochlecken in Betrieb genommen und erhielt in der Schiffshütte den Platz der Attersee. Da der Platz in Attersee zum Aufziehen der Schiffe auf Land enger begrenzt ist und vor allem der Dampfer Unterach dort nicht an Land genommen werden konnte, kaufte das Unternehmen 1941 dafür vom Besitzer des Schlosses Kammer ein Seegrundstück in Kammer.

Die Benutzung der Schifffahrt änderte sich in den Kriegsjahren grundlegend. Bis zum Kriegsbeginn waren es neben den Einheimischen vor allem die Urlauber und Ausflügler, die das Schiff benutzten. Befördert wurde auch die Post und in geringem Umfang auch noch etwas Fracht. Dementsprechend lief der Verkehrsstrom am Vormittag von der Eisenbahnstation Kammer – Bahnverbindung in die Ballungszentren der Städte Salzburg, Linz und Wien – nach Unterach (also vom Norden nach Süden) und am Nachmittag umgekehrt von Unterach nach Attersee (von Süden nach Norden). Nun änderte sich der Verkehrsstrom. In Lenzing entstand eine neue Zellwollfabrik, zu der nun Menschen aus dem Attersee-Gebiet zur Arbeit fuhren. Viele fuhren auch zur Berufsausübung oder zur Erledigung von Angelegenheiten in den Dienststellen der öffentlichen Verwaltung in die Bezirkshauptstadt Vöcklabruck. Der Hauptverkehrsstrom ging nun am Vormittag von Süden nach Norden und am Abend umgekehrt vom Norden nach Süden.

Benötigt wurde jetzt neben dem morgendlichen Postschiff nach Unterach und dessen abendlicher Rückkehr nach Kammer zusätzlich ein Frühschiff ab 5.00 Uhr von Unterach zur Eisenbahnstation Kammer und ein Abendschiff ab Kammer gegen 18.00 Uhr nach Unterach. Wegen der Gefahr von Fliegerangriffen musste ohne Beleuchtung gefahren werden. Außerdem erforderte es tägliche nächtliche Leerfahrten zwischen Unterach und Attersee, um die Elektroboote in Attersee wieder aufladen zu können. Die Fahrgastfrequenz lag im Jahr 1942 bei rund 200.000, im Jahr 1944 schon bei 343.000 beförderten Personen. Nach Einmarsch der Amerikaner kurz vor dem Kriegsende in das Atterseegebiet im Frühjahr 1945 benutzten die Soldaten die Elektroboote und Dampfer zu ihrem Vergnügen. Ein Schiffsmann durfte später mitfahren, um größere Schäden zu verhindern.