Das Combat Vehicle 90 (CV 90) oder schwedisch Stridsfordon 90 (Strf 90) ist eine moderne Panzerfamilie des Rüstungskonzerns BAE Systems. Entwickelt für die Einsatzbedürfnisse Schwedens, ist die Fahrzeugfamilie auch in Dänemark, Norwegen, den Niederlanden, der Schweiz, Finnland, Estland sowie der Ukraine im Einsatz.

Geschichte mini|CV 9040A. Die kastenförmige Abdeckung links an der Turmfront verdeckt den Hydraulikdämpfer der Waffenanlage und ist gleichzeitig Merkmal dieser Serie. Am Fahrzeug aufgerüstet ist auch das Duellsimulatorsystem AGDUS Die Entwicklung des CV 90 begann Anfang der 1980er-Jahre, um die neuen Anforderungen der schwedischen Armee zu erfüllen. Die eingeleitete Truppenreduzierung um 10.000 Soldaten und eine Neuordnung des Heeres sollten durch eine verstärkte Mechanisierung der Streitkräfte aufgefangen werden. Verlangt wurde eine Familie von Fahrzeugen, die über eine hohe strategische und taktische Mobilität sowie Luftverteidigungs- und Panzerabwehrfähigkeit bei möglichst hoher Überlebensfähigkeit verfügen sollte. Instandsetzungsfreundlichkeit sowie ABC-Schutz waren zwingend erforderlich. Die neuen Schützenpanzer sollten in der Lage sein, gegnerische Schützenpanzer in Duellsituationen zu vernichten.

1982 definierte das schwedische Beschaffungsamt Försvarets Materielverk (FMV) den Forderungskatalog und analysierte den internationalen Rüstungsmarkt – mit dem Ergebnis, dass keine der angebotenen Fahrzeugfamilien den Leistungskatalog erfüllen konnte. Eine Eigenentwicklung war damit unumgänglich. Als Bezeichnung für das Basisfahrzeug wurde Stridsfordon 90 festgelegt. Es sollten möglichst viele herkömmliche Bauteile (commercial off-the-shelf) verwendet werden, um die Kosten zu senken und Zeit zu sparen. Bis 1984 baute die schwedische Rüstungsindustrie einen unbewaffneten Versuchsträger, der ausgiebigen Tests unterzogen wurde. Im Mai 1984 folgte ein Holzmodell in Originalgröße. Zeitgleich lief eine Erprobung zweier britischer Panzer (FV107 Scimitar und Stormer) als Mannschaftstransporter. Dieser letzte Versuch des FMV, eine Alternative auf dem Rüstungsmarkt zu finden, scheiterte und führte 1985 zur Auftragsvergabe im Wert von 200 MillionenCarl Schulze: CV 90 Schwedischer Schützenpanzer – Geschichte. Technik, Varianten. Tankograd Militärfahrzeuge Spezial No. 8003, Tankograd Publishing (2010) schwedische Kronen. H-B Utveckling, ein Gemeinschaftsunternehmen von AB Hägglunds & Söner und Bofors AB (seit 2003/2005 BAE Systems) zeichnete für Chassis und 40-mm-Maschinenkanone verantwortlich. 1986 begann die Prototypenfertigung.

Der erste Prototyp wurde im Oktober 1988 an die schwedischen Streitkräfte übergeben. Er hatte ein 40-mm-Bofors-Geschütz Typ 40/70B. Die übrigen vier Exemplare folgten bis Anfang 1989, wobei es sich beim fünften Fahrzeug um den Flugabwehrkanonenpanzer Luftvärnskanonvagn 90 (Lvkv 90) handelte. Der Prototyp 2 erhielt mit der 25-mm-Maschinenkanone M242 Bushmaster von McDonnell Douglas eine abweichende Bewaffnung. Als Antrieb dienten Scania-Motoren und Automatikgetriebe von Volvo, wobei ein Fahrzeug mit dem X-300-5-Getriebe von Detroit Diesel Allison Division ausgestattet wurde. Als Turmantriebsarten waren hydraulische, elektrische und mechanische Systeme im Test. Die anschließende Truppenerprobung erstreckte sich bis 1990 und wurde unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen durchgeführt. Insgesamt legten die Prototypen dabei rund 50.000 km zurück.

Im März 1991 bestellte das FMV das erste Baulos, das ausschließlich den CV-9040-Schützenpanzer umfasste. Die Fahrgestelle entstanden bei Hägglunds Vehicle, die Türme bei Saab Bofors, wo auch die Inbetriebnahme erfolgte. Die Auslieferung des ersten Serienfahrzeuges an die schwedischen Streitkräfte war am 1. November 1993, der Zulauf zur Nutzung in der Truppe begann 1994. Bereits 1990 wurde durch das FMV mit der Bestellung der Prototypen Führungspanzer Stridsledningspansarbandvagn 90 (Stripbv 90) und Beobachtungspanzer Eldledningspansarbandvagn 90 (Ebpv 90) die Fahrzeugfamilie ausgebaut. Ein Jahr später folgte der Bergepanzer Bärgningsbandvagn 90 (Bgbv 90).

Das zweite Baulos wurde 1993 ausgelöst und betraf den Flugabwehrkanonenpanzer, den Führungspanzer, den Beobachtungspanzer und den Bergepanzer. Die Auslieferung begann 1996. Das dritte Baulos mit weiteren CV 9040 sowie das vierte Baulos mit Ebpv 90 und Stripbv 90 wurden 1994 in Auftrag gegeben. Im letzten Baulos waren auch kampfwertgesteigerte Schützenpanzer vom Typ CV 9040B enthalten, die für den Einsatz im Verbund mit dem Kampfpanzer Stridsvagn 122 optimiert sind. Insgesamt erhielten die Streitkräfte bis zum Jahr 2002 509 Fahrzeuge der Stridsfordon-90-Familie, davon waren die letzten 13 CV 9040B1 nochmals verbesserte Varianten. Die Integration der Panzerabwehrlenkwaffe RBS-56 BILL wurde bis 2010 nur an einem Versuchsfahrzeug umgesetzt. Beim Schützenpanzer mit der Bezeichnung CV 9040/56 handelte es sich um einen 9040A mit LEMUR-Aufklärungssystem.

Mit dem ersten Exportkunden Norwegen begann 1994 die Vermarktung im Ausland. Bis Ende 2010 wurden über 1185Deagel.com Total Production: 1,185, abgerufen am 28. Dezember 2010 Fahrzeuge bestellt. Der 1000. Panzer, ein CV 9035NL wurde im Januar 2009 ausgeliefert. Die CV-90-Panzer sind darüber hinaus in Dänemark, Estland, Finnland, den Niederlanden und der Schweiz im Einsatz.Carl Schulze: CV 90 International – Im Dienste von Dänemark, Norwegen, den Niederlanden, der Schweiz und Finnland. Tankograd Militärfahrzeuge Spezial No. 8004, Tankograd Publishing (2010) Ein Panzer kostet zwischen 4 und 5 Millionen Euro. Drei weitere Projekte der Fahrzeugfamilie wurden mit Firmengeldern finanziert. Dies waren 1994 der CV 90105 TML, 1998 der CV 90120-T und 2010 der CV 90 Armadillo.

Technische Beschreibung Bewaffnung Hauptbewaffnung mini|Bushmaster-II-Maschinenkanone auf finnischem CV 9030 MK II mini|Die neue Bofors-40/70Bc-Kanone veränderte die Turmgestaltung des CV 9040B nur im Detail Die Hauptbewaffnung der CV-90-Familie variiert je nach Nutzer. Die Fahrzeuge der schwedischen Streitkräfte verfügen als einzige Variante über die 40-mm-Maschinenkanone 40/70B. Der Höhenrichtbereich der Schützenpanzer liegt zwischen −8° und +27°, die des Flugabwehrkanonenpanzers bei −8° bis +50°. Das Höhen- und Seitenrichten erfolgt elektrisch oder im Notbetrieb mechanisch per Hand. Die ersten Fahrzeuge – die sogenannten CV 9040A – erhielten ab 1996 durch eine Waffenstabilisierungsanlage die Möglichkeit, Ziele auch während der Fahrt zu treffen. Die kampfwertgesteigerten CV 9040B wurden mit der verbesserten Maschinenkanone 40/70Bc mit elektrischer Abfeuerung ausgerüstet und besitzen dadurch aus der Fahrt eine höhere Erstschusstrefferwahrscheinlichkeit. Weitere Verbesserungen betrafen die Höhenrichteinrichtung, die Stabilisierungsanlage, den elektrischen Turmantrieb und die Feuerleitanlage mit Feuerleitrechner. Das Magazin der Waffe besitzt drei Fächer mit je acht Plätzen, die jeweils mit unterschiedlicher Munition gefüllt werden können. Abhängig von der Art des Ziels kann so die Munition schnell gewechselt werden. Die Hülsen werden nach oben durch das Turmdach ausgeworfen. Weitere 24 Patronen Bereitschaftsmunition sind in einem Karussell unter der Waffenanlage verstaut, aus der per Hand nachgeladen werden muss. Der Gesamtvorrat beträgt 234 Patronen im 9040B, davon sind 48 im Turm gelagert. Die 9040C besitzen durch die Zusatzpanzerung einen Stauraum für 120 Patronen. Die maximale Kampfentfernung liegt bei 2000 m für Bodenziele und gegen Luftziele bei 4000 m. Die Führungs-, Beobachtungs- und Bergepanzer Schwedens verfügen nur über MG-Bewaffnung vom Typ 7,62 mm Ksp m/39 als Hauptbewaffnung. Um für den Gegner kein vorrangiges Ziel darzustellen, sind für die Führungs- und Beobachtungspanzer Kanonenattrappen verfügbar.

Die Munitionspalette für den CV 9040 umfasst panzerbrechende Treibspiegelmunition mit Leuchtspur (APFSDS-T), Sprengmunition mit Leuchtspur (HE-T), Spreng-Splittermunition mit Annäherungszünder (3P) und Übungsmunition mit Leuchtspur (TPDS-T). Die 3P-Mehrzweckmunition PFPPX (Kulspränggranat 95 LK) wird nur von den B1- und C-Versionen verschossen. Sie besteht aus einer intelligenten programmierbaren Zündeinheit mit sechs verschiedenen Zündmöglichkeiten an der Spitze und einem vorfragmentierten Gefechtskopf, der 1100 Wolframkugeln mit einem Durchmesser von 3 mm enthält. Die 3P-Standardmunition in der B-Version des CV9040 wird als PFHE (Kulspränggranat 90) bezeichnet und verfügt über zwei Zündmöglichkeiten. Die Bezeichnung 3P stammt von der englischen Bezeichnung Prefragmented Programmable Proximity.dtic.mil PDF von Bofors über die 3P-Munition, 3,55 MB, abgerufen am 25. Dezember 2010

mini|Norwegischer CV 9030NF1 mit Laufwerksschaden nach einem IED-Anschlag Die Schützenpanzer des Typs CV 9030 MK I und MK II nutzten die Bushmaster II MK44 im Kaliber 30 mm. Die vollstabilisierte Maschinenkanone von Alliant Techsystems verschießt panzerbrechende API-Munition, Sprengbrand- (HEI) oder panzerbrechende Treibspiegelmunition (APDS). Für diese werden 160 Schuss 30-mm-Munition feuerbereit gehalten, weitere 240 Schuss sind im Inneren verstaut. Das Höhen- und Seitenrichten funktioniert elektrisch. Die Kampfentfernung liegt bei 3000 m. Die Hülsen werden in Schussrichtung ausgeworfen.

Die von Dänemark und den Niederlanden beschafften CV 9035 MK III werden mit der Bushmaster III ausgeliefert. Die elektrisch angetriebene 35-mm-Maschinenkanone mit einer Kadenz von 200 Schuss/Minute kann gegen Bodenziele und langsam fliegende Flugziele eingesetzt werden. Die Weiterentwicklung der MK 44 ist in der Lage, programmierbare Munition zu verschießen. Dazu verfügt die Waffe an der Rohrmündung über eine Mündungsbremse mit Messbasis. Der Höhenrichtbereich liegt zwischen −8° und +35°. Als Munition steht Sprengsplittermunition mit variabel einstellbarem Annäherungszünder (AHEAD), Sprengbrandmunition mit Leuchtspur (HEI-T), panzerbrechende Treibspiegelmunition mit Zerfallkern und Leuchtspur (FAPDS-T) oder panzerbrechende Treibspiegelmunition mit Leuchtspur (APFSDS-T) zur Verfügung. Die Waffe besitzt eine Zweiwegegurtzuführung und ist vollstabilisiert. Die Hülsen werden ebenfalls in Schussrichtung ausgeworfen. Der gesamte Munitionsvorrat beträgt 203 Patronen, davon jeweils 35 Patronen je Bereitschaftsfach.

Sekundärbewaffnung Das Blendenmaschinengewehr und die Nebelmittelwurfanlage unterscheiden sich wie auch die Hauptbewaffnung je nach Nutzer. Links im Turm montiert ist es koaxial zur Hauptwaffe ausgerichtet. Der Höhenrichtbereich ist mit −10° bis +52° größer als bei der Hauptwaffe. Die verwendeten Typen je nach Land sind: Maschinengewehr 7,62 mm Ksp m/39 für Schweden (9040A/B), 7,62-mm-MG 62/MG 42/59 für Dänemark, 7,5-mm-MG für die Schweiz, 7,62-mm-MG 3 für Norwegen, 7,62-mm-MG FN MAG für die Niederlande und 7,62-mm-MG PKT für Finnland. Die 9040C Schwedens verfügen abweichend durch die Zusatzpanzerung über eine aus dem Innenraum steuerbare Variante auf dem Turmdach. In allen Varianten wird es zur Bekämpfung von Infanterie und ungepanzerten Fahrzeugen sowie zum Niederhalten feindlicher Stellungen eingesetzt.

Die Nebelmittelwurfanlage der Exportkunden wird zum Großteil von Krauss-Maffei Wegmann gefertigt und besteht aus Wurfbechern im Kaliber 76 mm. Die Anzahl und Anordnung variiert je nach Nutzer. Schweden verwendet die 80-mm-Becher des französischen GALIX-Systems.

Antrieb und Laufwerk mini|Scania-Dieselmotor mini|Finnischer CV 9030FIN (CV 90 Mk II). Rechts im Heck sind die Kühleinlassöffnungen sichtbar. An der Seite die adaptierte MEXAS-Panzerung