mini|Seit 2024 ist das neue Haus am Bonner Bundeskanzlerplatz Standort der Behörde mini|Das ehemalige Gebäude der Bundeszentrale in der Bonner Adenauerallee

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern mit Sitz in Bonn. Sie wurde 1952 als Bundeszentrale für Heimatdienst in der Bundesrepublik Deutschland gegründet.Pressetext des offiziellen Festakts zu 50 Jahre bpb. Den heutigen Namen trägt sie seit 1963. Die bpb unterhält Medienzentren in Bonn, Berlin und Gera.

Aufgabe Die Landeszentralen und die Bundeszentrale für politische Bildung arbeiten an der Schnittstelle zwischen Staat, Politik, Bildungsinstitutionen, Wissenschaft und Medien. Ihr Wirkungsspektrum umfasst die außerschulische politische Jugend- und Erwachsenenbildung, wie auch die politische Bildung in der Schule. Sie arbeiten im öffentlichen Auftrag und orientieren sich dabei an den Prinzipien des Pluralismus, der Kontroversität und der Rationalität.

Im Münchner Manifest vom 26. Mai 1997 wurden die Ziele der politischen Bildung konkretisiert, amtlich definiert sind die Aufgaben im Erlass über die Bundeszentrale für politische Bildung vom 24. Januar 2001. Darin heißt es im § 2:

§ 6 Abs. 1 des Erlasses über die Bundeszentrale für politische Bildung besagt, dass die politisch ausgewogene Haltung und die politische Wirksamkeit der Arbeit der Bundeszentrale von einem aus 22 Mitgliedern des Deutschen Bundestages bestehenden Kuratorium kontrolliert werden.

Geschichte mini|hochkant|50 Jahre bpb: deutsche Briefmarke von 2002

Die Bundeszentrale wurde 1952 als Bundeszentrale für Heimatdienst gegründet, um einen deutschen Beitrag zur Erziehung zur Demokratie (Reorientation) zu leisten. Der Name war eine Anlehnung an die „Reichszentrale für Heimatdienst“ der Weimarer Republik, die selbst aus der im Frühjahr 1918 gegründeten „Zentralstelle für Heimatdienst“ hervorgegangen war. Während die Zentralstelle die Widerstandskraft der Bevölkerung während des Ersten Weltkrieges stärken sollte, bekam die Reichszentrale 1919 den Auftrag, demokratisches Bewusstsein zu fördern und Kenntnisse über die parlamentarische Demokratie zu vermitteln.Siegfried Schiele: Politische Bildung im öffentlichen Auftrag – Die Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung. In: Gotthard Breit, Siegfried Schiele (Hrsg.): Demokratie braucht politische Bildung. Wochenschau, Schwalbach/Taunus 2004, ISBN 3-89331-561-6, S. 257–266.

Die Institutionalisierung der Zentralen für politische Bildung sowohl auf der Ebene der Länder als auch auf der Ebene des Bundes ist das Ergebnis der Erfahrungen mit dem Zusammenbruch der Weimarer Demokratie und der darauf folgenden nationalsozialistischen Diktatur. Ihre Wurzel liegt aber auch in der Reeducation-Politik der westlichen Alliierten nach 1945 mit dem Ziel der „Umerziehung“ der Deutschen zur Demokratie. Es gab aber auch Bemühungen von Bürgern selbst, Demokratie zu lehren und zu lernen. So schlossen sich z. B. im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz Bürgerinnen und Bürger in Vereinen zusammen, um der zarten Pflanze Demokratie zum Wachstum zu verhelfen.

Ihr Angebot entwickelt die Bundeszentrale im Dialog mit Gesellschaft, Wissenschaft und Politik und orientiert die thematischen Schwerpunkte an aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen. So war der Antikommunismus in den Anfangsjahren prägend. Diese führte am 28. November 1957 (Erlass) auf Initiative des Bundesinnenministeriums zur Gründung des Ostkollegs in Köln, das später nach Brühl verlegt wurde. Im Erlass wurde das Kolleg beauftragt, „durch Studientagungen zur geistig-politischen Auseinandersetzung mit dem internationalen Kommunismus“ beizutragen.Zitiert nach Publikationshinweis „Ostkolleg der Bundeszentrale für Heimatdienst“ auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (19. Mai 2006). Später wurde die Einrichtung in „Ost-West-Kolleg“ umbenannt und diente vor allem dem Dialog mit den mittel- und osteuropäischen Staaten. Seit 2003 hieß das Ost-West-Kolleg nur noch „KonferenzCentrum Brühl“Bundeszentrale für politische Bildung: Jahresbericht 2002/2003 (). und wurde zum 1. September 2004 aufgelöst.Bundeszentrale für politische Bildung: Jahresbericht 2004/2005 (PDF; 2,5 MB).

Ein Erlass, dem zufolge politische Bildung nur „im deutschen Volk“ stattzufinden habe, wurde 2001 geändert. Die bpb entwickelte ihr Angebot daraufhin im Sinne einer interkulturellen Öffnung weiter, um auch junge Menschen aus Einwandererfamilien zu erreichen und politische Bildungsangebote gemeinsam mit ihnen zu gestalten.

Anknüpfend an eine Initiative von Bundesinnenminister Seehofer, mehr Behörden in Ostdeutschland anzusiedeln, wurde im Juli 2020 beschlossen, dass die Bundeszentrale neben den bisherigen Standorten in Bonn (Hauptsitz) und Berlin eine neue Nebenstelle in der thüringischen Stadt Gera erhält. Die im August 2021 eröffnete Außenstelle widmet sich schwerpunktmäßig der politischen Bildung in ländlichen Regionen. Dies soll insbesondere durch aktivierende und beteiligungsorientierte Veranstaltungsformate und aufsuchende politische Bildung erfolgen. Zudem sind in Gera die drei neuen Fachbereiche „Politische Bildung in Veränderungsprozessen“, „Politische Bildung und plurale Demokratie“ sowie „Politische Bildung und Soziale Medien angesiedelt“. Am neuen Standort in Gera sollen künftig rund 40 Beschäftigte tätig sein.

Im Januar 2024 wurden die beiden vorigen Standorte in Bonn zusammengefasst und sind seitdem am Bundeskanzlerplatz angesiedelt.

Leitung, Beirat und Kuratorium Direktoren und Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung waren:Direktoren und Präsidenten der Bundeszentrale für Heimatdienst / Bundeszentrale für politische Bildung

1952–1969: Paul Franken (parteilos) 1969–1976: Hans Stercken (CDU) 1976–1992: Franklin Schultheiß (SPD) 1992–2000: Günter Reichert (CDU) 2000–2025: Thomas Krüger (SPD) 03/2026–07/2026: Sönke Rix (SPD)

Den Präsidenten unterstützen ein zwölfköpfiger Wissenschaftlicher Beirat und ein Kuratorium, das aus 22 Bundestagsabgeordneten besteht.

Haushalt Zur Finanzierung ihrer Aufgaben standen der Bundeszentrale im Haushaltsjahr 2013 37,8 Millionen Euro zur Verfügung. Für Printprodukte gab sie 9,3 Millionen Euro aus, für Veranstaltungen 7,2 Millionen Euro, für Online- und Multimediaprodukte 5,7 Millionen Euro.Bundeszentrale für politische Bildung: Jahresbericht 2004/2005 (PDF; 2,5 MB). Das verausgabte Haushaltsbudget betrug 2014 43 Mio.€, 2015 46,7 Mio.€ und 2016 50,2 Mio.€. Ebenso stieg der Anteil der Sachausgaben in diesem Zeitraum von 66,5–68,3 %. Zu erklären ist das Ansteigen des Budgets mit dem steigenden Bedarf politischer Bildungsarbeit innerhalb der deutschen Bevölkerung.

Von 2016 bis 2022 stieg der Haushalt der Bundeszentrale pro Jahr durchschnittlich um 5,8 Mio.€ auf 90,9 Mio.€ im Haushaltsjahr 2022 an. Für das Haushaltsjahr 2024 plant die Bundesregierung mit einer Reduzierung des Haushalts um 20 Mio.€ auf insgesamt nur noch 76 Mio.€. Laut Bundesinnenministerium biete der Haushaltsentwurf dennoch die Gewähr dafür, dass die Arbeit in allen Politikbereichen fortgeführt werden könne.

Schwerpunkte der Arbeit Die bpb verfolgt die Ziele politischer Bildung über Angebote in folgenden Bereichen:

Tagungen, Seminare, Foren, Kongresse und Studienfahrten Publikationen zu wichtigen Themen Lehr- und Lernmittel zur politischen Bildung Entwicklung neuer Methoden und Nutzung neuer Informationsvermittlungstechniken Ausstellungen und Wettbewerbe Aufbau und Koordination eines „Netzwerks der politischen Bildung“ Unterstützung und Förderung eines pluralistischen Bildungsangebots

Publikationen Die bpb verlegt in dreimonatlichem Abstand die Informationen zur politischen Bildung (bekannt als „Schwarze Hefte“) und die wöchentlich erscheinende Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ). Die APuZ beschäftigen sich in ihren Ausgaben schwerpunktmäßig in Fachaufsätzen und Essays mit einem Thema. Sie erscheinen in der Regel wöchentlich als Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, die von 1952 bis 2000 ebenfalls von der bpb herausgegeben wurde. Seit 2001 wird Das Parlament vom Deutschen Bundestag herausgegeben. Die Informationen zur politischen Bildung sind ebenfalls monothematisch und greifen politikwissenschaftliche, ökonomische, historische und gesellschaftliche Thematiken auf. Die Zeitschrift ist kostenlos bei der bpb zu beziehen. Eine weitere Publikation der Bundeszentrale ist das Deutschland Archiv. Bis 1995 erschien das Deutschland Archiv monatlich, bis Ende 2010 dann sechsmal jährlich. Es existiert weiterhin, jedoch mit dem Jahreswechsel 2012/2013, nur noch als Online-Publikation.

Ebenfalls kostenlos für alle Bürger erhältlich ist über die bpb das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (in deutscher, arabischer, russischer und türkischer Sprache).

Mit der Schriftenreihe bietet die Bundeszentrale schließlich Monographien und Sammelbände zu politikwissenschaftlichen, zeitgeschichtlichen, soziologischen und ökonomischen Themen an. Die Publikationen können gegen eine Pauschale, die für die meisten Titel zwischen 4,50 € und 7 € liegt, bestellt werden. 2005 hat die bpb 11,9 Millionen Euro für Druckwerke einschließlich Versand aufgewendet, die Einnahmen aus der Bereitstellungspauschale beliefen sich auf 2,7 Millionen Euro, die vorwiegend für die Refinanzierung von Nachdrucken vergriffener Titel verwendet werden.

Eine Publikation mit Rückmeldemöglichkeit ist die Ausschreibung des seit 1971 jährlich angebotenen Schülerwettbewerbs zur politischen Bildung. Inzwischen haben mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche die vorgeschlagenen Unterrichtsprojekte bearbeitet und ihre Ergebnisse eingeschickt. Der Schülerwettbewerb der bpb wird auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und in Österreich ausgeschrieben.

Die bpb ist zudem Herausgeber des journalistischen Service-Heftes drehscheibe, das monatlich die besten Ideen und Konzepte aus Lokalredaktionen vorstellt und Lokaljournalisten damit als Ideengeber dient. Die drehscheibe gibt es seit 1981.

Seit Oktober 2001 verantwortet die bpb auch das Jugendmagazin fluter – Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Onlinemagazin fluter.de wird in Berlin redaktionell betreut; monatlich wechselnde Themenschwerpunkte werden in den vier Rubriken „Thema“, „Lesen“, „Film“ und „Aktuell“ vorgestellt. Das Print-Heft fluter erscheint viermal im Jahr und wird vom Berliner DUMMY Verlag produziert.

Auf der Internetseite www.hanisauland.de präsentiert die bpb seit Juni 2002 einen Comic und ein politisches Lexikon. Beides erscheint auch als Printausgabe. Zielgruppe sind Kinder zwischen 8 und 12 Jahren.

Seit 2001 publiziert die bpb jährlich den Schülerkalender „Timer“. Im Kalendarium bietet der Timer an jedem Wochentag Hintergrundinformationen aus Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Gesellschaft sowie einen Serviceteil mit Linklisten, Landkarten und redaktionelle Artikeln. Die Auflage beträgt über 300.000 Exemplare. Der Kalender richtet sich an Schüler ab 15 Jahren.

In Kooperation mit der Robert-Havemann-Gesellschaft wurde das Multimedia-Projekt „Jugendopposition in der DDR“ gegründet, das mit seiner Internetpräsenz jugendopposition.de im Jahr 2005 den Grimme Online Award erhielt.

Newsletter Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet elf verschiedene Newsletter an,Liste der Newsletter. darunter die Europäische Presseschau eurotopics sowie die Sicherheitspolitische Presseschau.

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