Gammertingen (schwäbisch Gamertenga) ist eine Kleinstadt im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg.
Geographie Geographische Lage mini|Gammertingen – Lauchert mit Stadtansicht und Kirche
Gammertingen liegt auf der Schwäbischen Alb im Tal der Lauchert, eines linken Nebenflusses der Donau.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Gammertingen. Sie werden im Uhrzeigersinn genannt, beginnend im Nordosten:
Pfronstetten (Landkreis Reutlingen), Langenenslingen (Landkreis Biberach), Hettingen, Neufra, Burladingen (Zollernalbkreis), Trochtelfingen (Landkreis Reutlingen).
Stadtgliederung Neben der Kernstadt Gammertingen mit rund 5000 Einwohnern zählen zur Gesamtstadt auch fünf Stadtteile, nämlich die drei Teilgemeinden Feldhausen, Harthausen und Kettenacker zusammen mit der fürstlich-hohenzollerischen Domäne Lusthof auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb sowie Bronnen und Mariaberg. mini|Harthausen Wappen Ortsteil EinwohnerStadtverwaltung Gammertingen, Einwohnermeldeamt, Stand 31. Dezember 2024 Fläche 30px|Gammertingen Gammertingen (Kernstadt) 4639 1769 ha 30px|Bronnen Bronnen 379 ? 30px|Feldhausen Feldhausen 409 991 ha 30px|Harthausen Harthausen 243 671 ha 30px|Kettenacker Kettenacker 263 1084 ha 30px|Kein Wappen Verfügbar Mariaberg 373 ?
Schutzgebiete
Gammertingen hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Laucherttal mit Nebentälern, das sich von Norden nach Süden entlang der Lauchert durch das Stadtgebiet zieht. Die Lauchert gehört ebenso wie einige Flächen um den Kleine Burren zum FFH-Gebiet Gebiete um das Laucherttal. Südöstlich von Gammertingen befindet sich zudem eine Teilfläche des Vogelschutzgebiets Südwestalb und Oberes Donautal.
Gammertingen ist außerdem die nördlichste Mitgliedsgemeinde des Naturparks Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Vorgeschichte mini|hochkant|Helm eines hochrangigen Kriegers aus Gammertingen (spätes 6. Jahrhundert)
Die historischen Wurzeln Gammertingens reichen bis in die Bronzezeit zurück. Eine römische Fundmünze datiert in eine Zeit zwischen 341 und 354 n. Chr., in der der römische Limes in der Region bedeutungslos geworden war.Liste 3: Enddatierung der nachlimeszeitlichen Münzen in Südwestdeutschland. In: Claudia Theune: Germanen und Romanen in der Alamannia: Strukturveränderungen aufgrund der archäologischen Quellen vom 3. bis zum 7. Jahrhundert. Verlag Walter de Gruyter, 2004, ISBN 3-11-017866-4, S. 423–430, hier S. 427. Der bekannte Spangenhelm aus dem Fürstengrab von Gammertingen und weitere reiche Grabbeigaben aus einem Reihengräberfeld geben Aufschluss über eine frühe Besiedelung in der Merowingerzeit.Angela Vielstich, Edwin Ernst Weber: Der »Dreiländerkreis« Sigmaringen im geschichtlichen Überblick. In: Dirk Gaerte (Hrsg.), Edwin Ernst Weber (Konzeption): Der Dreiländerkreis Sigmaringen. Ein Führer zu Natur, Wirtschaft, Geschichte und Kultur. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2007, ISBN 978-3-89977-512-9, S. 23–36, hier S. 24. Der bronzevergoldete Spangenhelm aus dem späten 6. Jahrhundert aus einem alemannischen Fürstengrab bei Gammertingen befindet sich in den Fürstlich Hohenzollernschen Sammlungen Sigmaringen.Edwin Ernst Weber: Der „Dreiländerkreis“ Sigmaringen im geschichtlichen Überblick.
Mittelalter und frühe Neuzeit mini|Schloss und Stadt Gammertingen von Osten (1905)
Gammertingen wurde erstmals 1101 auf einer Urkunde des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen erwähnt. Damals gehörte der Ort den Grafen von Gammertingen, die auch Besitzungen im Oberengadin hatten. Später ging der Besitz an die Grafen von Veringen. Gammertingen wurde 1311 erstmals als Stadt erwähnt.Ludwig Eglers Chronik der Stadt Hechingen. Hechingen 1980, S. 14 Anmk. Ab 1524 waren die Freiherren von Speth zu Zwiefalten Eigentümer. Dies dauerte bis 1806, als das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen die Oberhoheit erlangte und Gammertingen erst hohenzollerische, später preußische Oberamtsstadt wurde. In der hohenzollerischen und ab 1849 als Teil der Hohenzollernschen Lande preußischen Zeit war Gammertingen Sitz von Oberamt, Amtsgericht, Forstamt und Katasteramt.
20. Jahrhundert mini|Gammertingen (1985) In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich in Gammertingen eines von fünf Lagern des weiblichen Reichsarbeitsdienstes (RAD) im damaligen preußisch-hohenzollerischen Landkreis Sigmaringen.Edwin Ernst Weber: Sophie Scholl im Reichsarbeitsdienstlager Schloss Krauchenwies. In: Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben (Hrsg.): Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen in den Landkreisen Bodenseekreis und Sigmaringen. 2012. S. 30. Im Jahre 1940 wurden im Rahmen der „Euthanasie“-Tötungsaktion T4 von den NS-Machthabern 61 behinderte Menschen aus dem Heim Mariaberg nach Schloss Grafeneck verlegt und dort ermordet. Seit 1990 erinnert eine Gedenkstätte mit einer Stele des Bildhauers Harald Walter mit dazugehörigen Texttafeln an diese Verbrechen. Auch eine Dauerausstellung im Benediktinerinnen-Kloster informiert darüber.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Bd.I, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 38.
Im Kalten Krieg plante die NATO den so genannten Fliegerhorst Gammertingen/Birkhof zur Stationierung eines Jagdbombergeschwaders mit zwei Staffeln des Typs F-104G.Vgl. Bernd Lemke, Dieter Krüger, Hillrich von der Felsen, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt: Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration. Verlag Oldenbourg, 2006, ISBN 3-486-57973-8. Dieser sollte vier Kilometer südwestlich von Gammertingen auf der Albhochfläche entstehen. Die Planungen dauerten von 1958 bis 1963 und wurden dann aufgegeben, nachdem sich das Vorhaben als baulich zu aufwändig herausgestellt hatte. Neben den Problemen mit der Quellfassung für die Gammertinger Trinkwasserversorgung und den nicht unerheblichen Erdarbeiten hatte es hartnäckigen Widerstand des Besitzers der Domäne Birkhof gegeben.Vgl. Klaus Kropf: Jet-Geschwader im Aufbruch. Erste Jets der Bundeswehr in Luftwaffe und Marine. VDM Heinz Nickel, 2006, ISBN 3-86619-001-8.Klaus Böhme: Ausstellung. Warum Birkhof kein Flugplatz wird. In: Schwäbische Zeitung, 4. Mai 2010.
Eingemeindungen Die ehemals selbstständige Gemeinde Harthausen bei Feldhausen wurde unter Leo Leipert († 2009), von 1967 bis zur Eingemeindung Bürgermeister von Harthausen, am 1. Januar 1971 freiwillig in die Stadt Gammertingen eingemeindet.Leo Leipert. Nachruf der Stadt Gammertingen. In: Schwäbische Zeitung, 7. Januar 2009.
Am 1. Januar 1975 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Bronnen, Feldhausen und Kettenacker eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerschaft von Gammertingen erhielt Wachstum von den Heimatvertriebenen der Nachkriegszeit über die Gastarbeiter und Zuwanderer der letzten Jahrzehnte – insbesondere aus Italien, dem früheren Jugoslawien, der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion und von anderen Kontinenten.Ausstellung. Lebenslinien von Migranten. In: Schwäbische Zeitung, 15. Oktober 2010.
Nach dem Ende des Laotischen Bürgerkriegs 1975 nach Gammertingen umgesiedelte Hmong-Familien und deren Nachkommen bilden mit 77 Mitgliedern (Stand 2002) die größte Hmong-Gemeinschaft Deutschlands.Tou T. Yang: Hmong of Germany. Preliminary Report on the Resettlement of Lao Hmong Refugees in Germany. In: Hmong Studies Journal, Band 1, 2003, S. 1–14.
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Gammertingen von 1939 bis 2017
Jahr Einwohner 1939 2681 1950 3154 1961 3444 1970 4910 1980 5843 1990 6508 1995 6758 Jahr Einwohner 2000 6916 2005 6828 2010 6451 2015 6341 2016 6.367 2017 6.338 2020 6.370 Anzahl der Einwohner einschließlich der eingemeindeten Orte
Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren 25,5 % der Einwohner evangelisch, 56,4 % römisch-katholisch und 18,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Anfang 2020 (Stand 1. Januar) hatte Gammertingen 6.433 Einwohner davon 50,9 % Katholiken, 21,9 % Protestanten und 27,2 % hatten entweder eine andere oder gar keine Religionszugehörigkeit.Stadt Gammertingen: Zahlen Daten Statistik, abgerufen am 24. April 2021.
Politik Verwaltungsverband Gammertingen ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Laucherttal, bestehend aus Gammertingen, Neufra, Hettingen und Veringenstadt.
Gemeinderat Der Gemeinderat von Gammertingen umfasst derzeit 17 ehrenamtliche gewählte Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie den Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigten Vorsitzenden. Er wird nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt, das den einzelnen Ortsteilen Gammertingens jeweils eine bestimmte Anzahl an Vertretern im Gemeinderat garantiert. Durch Ausgleichsmandate kann sich dadurch die Gesamtzahl an Sitzen jedoch verändern. Die letzte Wahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,0 % (2019: 55,8 %) zu folgendem Ergebnis:
+ Gemeinderatswahl 2024 Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze +/− CDU 46,5 % − 0,5 8 ± 0 Gleiches Recht für Alle (GRfA) 40,7 % + 4,4 7 + 1 Grüne + SPD + Unabhängige Bürger 12,9 % − 3,8 2 − 1
Darüber hinaus bestehen für die Ortsteile Bronnen/Mariaberg, Feldhausen, Harthausen und Kettenacker jeweils eigene Ortschaftsräte.
Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. Juni 2023 Andreas Schmidt (parteilos). Er konnte sich bei der Bürgermeisterwahl am 5. März 2023 mit knapp zwei Dritteln der Stimmen gegen Amtsinhaber Holger Jerg (CDU), der von 1999 bis 2023 amtierte, durchsetzen.
Frühere Bürgermeister Johann Göggel (1840–1919) von 1899 bis 1912 Karl Löffler (Hohenz. Zentrumspartei) (1862–1941) von 1912 bis 1931 Jakob Hirning (1879–1959) bis 1945 Marquard Spohn (CDU) (1885–1969) von 1945 bis 1949 Johann-Georg Menz (CDU) (1895–1963) von 1949 bis 1955 Eugen Reich (gest. 1978) von 1955 bis 1963 Erwin Hirschle (CDU) (1936–2015), von 1963 bis 1999 Holger Jerg (CDU) (* 1962), von 1999 bis 2023
Wappen
Städtepartnerschaften Trégueux in Frankreich, seit 1988Trégueux auf Gammertingen.de
Kultur und Sehenswürdigkeiten Gammertingen liegt an der Hohenzollernstraße und ist Teil der Ferienregion „Im Tal der Lauchert“.
Museen Das städtische Museum im alten Oberamt zeigt wechselnde Ausstellungen, die vom Arbeitskreis „Museum Altes Oberamt“ gestaltet werden.Stefanie Häußler: Kreativ: Die Gruppe strotzt vor Ideen, Arbeitskreis „Museum Alter Oberamt“ gewährt Blick hinter die Kulissen. In: Schwäbische Zeitung, 29. Januar 2011. Das Harthauser Heimatmuseum verwahrt viele Exponate der Heimatgeschichte, unter anderem einen Wegweiser, der an einen schlauen Benzinger Dorfpolizisten erinnert. Dieser hatte einen Gänsedieb überführt, indem er nach den Schnäbeln suchte. Bis heute werden die Benzinger „Gaus-Schnäbel“ genannt. Der Wegweiser war 1938 bei der Straßenkreuzung am Winterlinger Rathaus in Richtung Sigmaringen aufgestellt worden.Heimatmuseum öffnet. Am Sonntag ist Tag der offenen Tür. In: Schwäbische Zeitung, 22. März 2011.
Bauwerke Gammertingen besitzt eine historische Altstadt im sogenannten Oser („Unser“) mit Resten der Stadtmauer und des Stadtgrabens sowie im Altstadtkern bei der Stadtmühle die frühmittelalterliche „St. Michaels-Kapelle“. Besonders bedeutsam ist auch das „Stadtschloss“ der ehemaligen freireichsritterlichen Herren von Speth, das heutige Rathaus. Nach Plänen des Architekten Pierre Michel d’Ixnard ist es 1775 unmittelbar an der Lauchert erbaut worden.
Oberamtsgebäude