Wilden ist ein Ortsteil der Gemeinde Wilnsdorf in Nordrhein-Westfalen im Kreis Siegen-Wittgenstein mit ca. 1600 Einwohnern. Der Ortsname „Wilden“ kommt von „Wilde“ und bezeichnete früher etwas Wildes im Ort, den Wildebach. Eine andere Theorie sind „wilde Weiber“, die auf Gehöften auf der Landeskrone lebten.

Geographie mini|links|Karte von Wilden

Wilden liegt im südlichen Siegerland, unweit der Bundesautobahn 45, auch Sauerlandlinie genannt. Wilden ist umgeben von Wald. Wie überall in der Gegend gibt es hier Nadel- und Laubwälder, die größtenteils durch Hauberg bewirtschaftet werden. Landwirtschaft ist hier selten und höchstens in Kleinformen vertreten.

Durch das Tal zieht sich der knapp 11,7 km lange Wildebach. Zuflüsse sind unter anderem der Kleine Wildenbach, der sich durch Oberwilden zieht oder der Sterzenbach in Unterwilden. Der größte Teil des etwa 3,3 km langen Ortes liegt im Tal und zieht sich nur teils die Berge hoch. Geografisch war der Ort in Unter-, Ober- und Mittelwilden aufgeteilt, die jedoch zusammenwuchsen. Unter- und Mittelwilden liegen im Wildebachtal, Oberwilden im Richtung Wilnsdorf anschließenden und leicht auslaufenden Tal des Kleinen Wildenbachs.

Erhebungen oder Berge um Wilden sind unter anderem der Elkersberg () im Nordosten mit anschließendem Bergrücken in Richtung Westen bis hin zur Rausche, die sich in die Erhebungen Große Rausche () und Kleine Rausche () aufteilt und weiter in Richtung Pfannenberg. Im Südosten liegt der Wildenberg () und im Süden der Bautenberg (), um den und dessen Ausläufer sich der Ort durch das Tal zieht. In Richtung Westen schließt sich der Bergrücken des in Salchendorf liegenden Rassbergs an.

Der Ort hat eine Gemarkungsfläche von 7,21 km² und liegt, bedingt durch seine Länge auf einer Höhe zwischen über NN beim Ortsausgang in Richtung Salchendorf und über NN beim Ortsausgang Oberwilden in Richtung Wilnsdorf.

Nachbarorte Die umliegenden Nachbarorte sind Rinsdorf im Norden, Wilnsdorf im Osten, Gilsbach (Gemeinde Burbach) im Süden, Wiederstein und Zeppenfeld (Gemeinde Neunkirchen) im Südwesten und Salchendorf (Gemeinde Neunkirchen) im Westen.

Geschichte Ersterwähnungen und Entwicklung des Ortes Erste Anzeichen von Besiedlung gehen laut Ausgrabungen des Heimatforschers Otto Krasa bis ins La-Tène-Zeitalter zurück. Dies belegen Funde von Windöfen nördlich des Wildebachs. Die heutige Besiedlung des Kernortes sowie des Hofes „Bondorf“ fing zwischen 800 und 950 an, während der Hof „Windhain“ erst zwischen 950 und 1050 besiedelt wurde.Dieter Pfau: Zeitspuren in Siegerland und Wittgenstein. Früh- und Hochmittelalter 750–1250. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89534-861-7. Durch das langgezogene Tal am Wildebach siedelten die Menschen hier an mehreren Stellen. Aus den anfänglichen Höfen wurden drei kleine Orte, Unterwilden, Mittelwilden und Oberwilden, die im Laufe der Zeit zusammenwuchsen. Diese Bezeichnungen benutzt man heute noch. Sie sind auf fast jeder Landkarte zu finden und dienen zur Orientierung im Ort.

Am 7. Dezember 1339 erschien das Hofgut „in der Wilden-Selbach“ in einer Urkunde als adeliges Gut im Besitz des Geschlechts der Herren von Selbach.Friedrich Philippi (Hrsg.): Siegener Urkundenbuch. Band 1: Bis 1350. Kogler, Siegen, 1887, S. 135–136, Nr. 229. Vielfach ist angenommen worden, der Name "Seelbach" weise auf die adelige Familie von Se(e)lbach hin. Dafür gibt es aber keinen urkundlichen Beleg. Da "Wilden Seelbach" eindeutig ein Flurname ist und auch der angrenzende Bach "Seelbach" heißt, liegt es näher an eine Ableitung der indogermanischen Wurzel "sal" = "Bach, fließendes Wasser" zu denken. Denkbar ist auch, dass an diesem Bach früher Sal-Weiden wuchsen. In Deutschland gibt es sehr viele Orts- und Gewässernamen Selbach oder Seelbach. Am 28. Mai 1367 wurden die „drei Wilden“ (Ober-, Mittel- und Unterwilden) erstmals urkundlich erwähnt.Siegerländer Heimatkalender. 1977, , S. 14. 1404 wurde der Name „Heinrich Wilde“ (Heinrich aus Wilden) und damit nochmals der Ort „Wilde“ erwähnt, umgangssprachlich wird „auf der Wilde“ auch noch heute genutzt. 1355 erscheint „Wiebelhausen“ erstmals in den Urkunden. Der Ort, im Wiebelhäuser Tal oberhalb des Landeskroner Weihers gelegen, wurde aber bereits 1417 letztmals mit der Notiz „Wüstung“ erwähnt, was auf eine verlassene oder im Begriff zu verlassene Siedlung schließen lässt. Bereits 1461 wurde der Ort in einem Register nicht mehr aufgeführt.

Im Mittelalter betrieb man eine Mühle oberhalb des heutigen Landeskroner Weihers im Quirnbachtal (Gemarkung Wilnsdorf). Diese Mühle brannte um das Jahr 1500 ab und wurde durch eine neue Mühle auf dem Gebiet des ehemaligen Hofes Hillingisdorf in Mittelwilden ersetzt. Nachdem diese Mühle im 16. Jahrhundert ebenfalls durch einen Brand in Mitleidenschaft gezogen wurde, baute der damalige Müller Hermann (auch Müllers Hermann, Herman Flick oder Flockenhermann genannt) die heute als „Heßsche Mühle“ bekannten Gebäude neu auf. Im 16. Jahrhundert wurde der Wert dieser Mühle auf 1200 Gulden geschätzt, was damals eine stattliche Summe war. 1597 kam der Müller, seine Frau und ihre 3 Kinder durch die Pest um. 1711 wurde unterhalb von Unterwilden eine neue Mühle errichtet, die seit 1845 (erst teilweise und später ganz) im Besitz der Familie Spieß ist.Joosten, H. D.: Mühlen und Müller im Siegerland, Münster 1996, besonders S. 255 f. Die älteren Angaben stammen hauptsächlich aus Dokumenten im Staatsarchiv Wiesbaden, besonders Bestand 171 Nr. Z 908.

Im Jahre 1600 bekamen die Wildener die Erlaubnis, ihr Kinder im Ort selbst zu unterrichten und sie nicht mehr zu den zur damaligen Zeit weit entfernten Schulen in den Kirchspielorten Neunkirchen und Burbach schicken zu müssen. Einhundert Jahre später, 1700, wurde in Mittelwilden mit einer Kapellenschule die erste Schule im Ort errichtet. Zum Unmut der Mittelwildener bekam Unterwilden im Jahr 1708 die Erlaubnis zum Bau einer Schule mit Betsaal. Diese wurde 1714 eingeweiht, von nun an gingen auch die Ober- und Mittelwildener Kinder nach Unterwilden zur Schule. Dies hielt bis 1780 an. Mittel- und Oberwildener Schüler gingen ab nun wieder in Mittelwilden zur Schule. Ein häufiger Lehrerwechsel lässt sich durch die beiden Tatsachen erklären, dass das Bezahlen von zwei Lehrern im Ort schwer zu bewältigen war und zudem keine Lehrerwohnung bestand.

Neben dem Schulbesuch war auch der Kirchenbesuch und die Bestattung von Toten schwierig. 1716 wurde daher die Erlaubnis zur Anstellung eines eigenen Pfarrers gegeben. Dieser wurde Johannes Brücher, der 1681 in Wilden geboren war. Bereits ein Jahr später konnte ein eigener Totenhof angelegt werden, allerdings mit der Bedingung, dass die Wildener weiterhin auch die Kirchfriedhöfe mit finanzierten.

Häuseranzahl in WildenMGV „Sangeslust“ Wilden: Fest- und Heimatbuch. 1955, S. 25.700 Jahre Neunkirchen. Otto Braun, Neunkirchen 1988.Heinrich Hamann: Geschichte des Freiengrundes, Druck der Westdeutschen Verlagsanstalt, Neunkirchen 1925, S. 6. Jahr 1588 1600 1698E. Weidenbach: Geschichte der Grafschaft Sayn und der Bestandtheile derselben, Druck E. Weidenbach, Dillenburg 1874, S. 287. 1700 1704 1706 1725 1739 1788 1810 1846 1850 1867 1913 1955 Häuser 15 30 24 27 27 27 35 42 43 44 54 56 75 132 200

1810 waren von den 44 Häusern 13 im Amt Neunkirchen und 31 im Amt Burbach, die Amtsgrenze verlief entlang des Wildebaches. Diese Trennung rührte noch von der Doppelherrschaft von Sayn und Nassau im Freien Grund.

Wilden hatte eine Roheisenhütte, welche 1580 erstmals erwähnt wurde. Die Stilllegung der Wildener Hütte fand zwischen 1867 und 1878 statt. In 70–80 Arbeitstagen sollen in der Hütte knapp 170 Wagen Roheisen pro Jahr verarbeitet worden sein. 1810 wurde sie als Doppelhütte, mit „Ofen und Feuerwerk“, d. h. mit Hochofen zum Umwandeln von Roheisen in Schmiede- und Stahleisen, bezeichnet.

Bergbau mini|links|Grubenanlage der Grube Landeskrone um 1880 mini|links|Der zugefallene Stolleneingang der Grube Morgenröte unterhalb des Elkersbergs

Wie im restlichen Siegerland war auch hier der Bergbau vertreten. Der Göpelschachtgang, auf dem die Grube Landeskrone baute, wurde bereits 1298 erstmals erwähnt. Alte Bleischlackenfunde am westlichen Bautenberghang, Pingenzüge am östlichen Hang sowie Verhüttungsreste weisen auf mittelalterlichen Bergbau hin. Am Südhang des Bergrückens zwischen Elkersberg und Rausche finden sich Hinweise auf Windöfen aus der La-Tène-Zeit zwischen 500 und 100 v. Chr. Ebenfalls finden sich in dem Gebiet Spuren aus dem frühen Mittelalter (10. bis 13. Jahrhundert) in Form von Buntmetallverhüttungen. Diese finden sich vermehrt auch im Gebiet der Grube Landeskrone zwischen Bautenberg und Kalteiche bis hin zum Elkersberg wieder.

Der Bergbau kann namentlich bis ins Jahr 1461 zurückverfolgt werden, die Grube Bautenberg am Fuße des gleichnamigen Berges war bis 1942 in Betrieb. 1770 wurde die Grube Grüne Hoffnung erstmals erwähnt, im Stollenbau wurde Eisen-, Kupfer-, Blei- und Zinkerz gewonnen. Wesentlich älter sind die Betriebe Goldener Hut und Sophie, hier wurde bereits um 1550 über Obere Stollen und kleine Tagesschächte Eisen und Blei gefördert.

1801 wurde auf der Landeskrone mit dem Bau eines Stollens begonnen, der später für den 1852 angelegten Schacht als Erbstollen diente. Bis 1917 wurde hier unter anderem Bleierz für die Herstellung von Silber abgebaut. 1852 wurde eine der ersten Dampfmaschinen im Siegerland in Betrieb genommen.

1827 wurden die Gruben Poppelszeche in Unterwilden und Arbach, die teils auf Gilsbacher Gebiet lag, erstmals erwähnt. Der Abbau dürfte allerdings älter sein. Erstere gehörte später zur Grube Bautenberg.

Eine weitere Grube, Morgenröte, lag hinter der früheren Grundschule in der Mitte des Ortes am Hang des Elkersbergs und war eine kleine Grube mit einem Stollen, der mittlerweile verfallen ist und versperrt wurde. Neben den drei erwähnten Gruben gab es zahlreiche Stollengänge rund um den Ort, besonders am und um den Bautenberg.

Weitere Gruben sind unter anderem:

Eisenzeche / Unterwilden Erzgang (zu Bautenberg) / Unterwilden Frisches Feld (zu Landeskrone) Lethe (zu Bautenberg) Salzgang (zu Bautenberg) / Unterwilden Sophienstöllchen (zu Bautenberg) Unterwilden / am Bautenberg

Die Grube Bautenberg betrieb zwischen 1873 und 1907 eine Schmalspurbahn nach Neunkirchen zum Transportieren der Erze. Dieser Weg ist jetzt ein Waldweg und wird noch heute umgangssprachlich Bähnchen genannt. Ab 1907 war die Grube über Schienen direkt zum Wildener Bahnhof an die Schienen der Freien Grunder Eisenbahn angebunden, die durch die Einstellung des Grubenbetriebs zwischen Wilden und Salchendorf nur noch selten genutzt wurde. Die Grube Bautenberg wurde geschlossen, nachdem der Lorenzschacht zum zweiten Mal zusammenbrach. Mit über 1000 m Teufe war die Grube eine der tieferen in der Region und die Bedeutendste im Wildebachtal.

Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert mini|Wilden um 1955 aus der Dell

Der 1714 in Unterwilden errichteten Schule folgte erst 1854 eine, mit Mittelwilden gemeinsame neue Kapellenschule, nachdem die beiden alten Schulen für zu klein befunden wurden. Diese wurde bis zum Neubau 1955 genutzt. Am 20. Oktober 1858 wurde die neue Straße von Wilden nach Salchendorf eingeweiht. Aufgrund des sumpfigen Wildebachtalbodens wurde der Neubau nötig, da die Strecke eine wichtige Handelsstraße zwischen Hütten und Gruben war. 1874 endete die Postzustellung aus Wilnsdorf per Hundegespann.