mini|Stadtgebiet von Langenselbold
Langenselbold ist eine große KleinstadtHessisches Statistisches Landesamt: (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu). im Main-Kinzig-Kreis mit 14.048 Einwohnern (Stand: Juni 2019) und liegt im Süden von Hessen im Kinzigtal zwischen Gelnhausen und Hanau.
Geografie Geografische Lage Langenselbold liegt am Rande des Kinzigtals (NSG). Der nordöstliche Teil der Stadt liegt am Weinberg. Durch Langenselbold fließt die Gründau, die bei Langenselbold in die Kinzig mündet. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt liegen die künstlich angelegten Gewässer Ruhlsee und der Kinzigsee, der intensiv für Freizeitaktivitäten genutzt wird, sowie der Birkenweiher in Bahnhofsnähe. Ebenfalls zur Gemarkung Langenselbold gehört der Buchberg.
Nachbargemeinden Langenselbold grenzt im Norden an die Gemeinde Ronneburg, im Osten an die Gemeinden Gründau und Hasselroth, im Süden an die Gemeinde Rodenbach sowie im Westen an die Stadt Erlensee und die Gemeinde Neuberg.
Stadtgliederung Langenselbold besitzt keine offiziellen Stadtteile. Ursprünglich gab es die Orte bzw. Ortsteile Klosterberg, Oberdorf, Hinserdorf und Hausen. Historisch und politisch wird Langenselbold jedoch als eine geschlossene Ortschaft aufgefasst.
Geschichte Mittelalter Hochmittelalter mini|hochkant|Bruderdiebacher Hofmühle
Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung von (Langen-)Selbold datiert von 1108. Hier bestätigte Papst Paschalis II die Stiftung des Klosters Selbold durch Graf Dietmar von Selbold-Gelnhausen (der dem Adelsgeschlecht der Reginbodonen entstammte) und stellte das Kloster unter seinen Schutz und gewährte dem Kloster verschiedene Freiheiten. Nach Forschungen von Wolfgang Hartmann kam Dietmar durch seine den Ludowingern und Wettinern nahestehende Gattin Adelheid zu Besitz in Thüringen, insbesondere in Camburg und weiteren Orten im heutigen Saale-Holzland-Kreis. Hartmann schlussfolgert, dass in Thüringen die Gründungen mehrerer Burgen und Klöster auf Nachkommen des Ehepaares zurückgehen. Der – obwohl mit den Saliern verwandt – kaiserfeindlich gesinnte Graf Dietmar fiel wahrscheinlich 1115 in der Schlacht am Welfesholz. Wolfgang Hartmann vermutet, dass die Statuen Dietmars von Selbold, seiner Gattin Adelheid und seines Sohnes Timo unter den berühmten Stifterfiguren im Naumburger Dom stehen und die politische Programmatik dieses Skulpturenzyklus prägen.
Spätmittelalter Seit dem 13. Jahrhundert ist ein Niederadligen-Geschlecht fassbar, das sich von Selbold nennt und vermutlich über einen Sitz in Langenselbold verfügte. Nun gehörte Selbold zum Territorium von Kurmainz und dort zum Gericht Langenselbold, das Kurmainz 1426 zu einem Drittel an die Grafen von Hanau verpfändete. Diese Pfandschaft wurde 1476 von den Grafen von Isenburg eingelöst.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 209. Seitdem gehörte Langenselbold zu deren Grafschaft.
Frühe Neuzeit Die Gebäude des von Graf Dietmar in Selbold gegründeten Klosters wurden später von den Ysenburgern erworben, die dort 1727 das Schloss Langenselbold errichteten, das heute unter anderem die Stadtverwaltung nutzt.
Im Fürstentum Isenburg (Rheinbund) 1806 entstand als Nachfolger des alten Reichsterritoriums Fürstentum Isenburg am 12. Juli 1806 in Paris das neue Fürstentum Isenburg unter Fürst CarlBei einem Festbankett mit etlichen Diplomaten deutscher Reichsterritorien soll Außenminister Talleyrand diesen die Anordnung Napoleons mitgeteilt haben: „Mit Bayern und Württemberg ist bereits alles ausgehandelt“, den übrigen Souveränen bliebe daher nichts anderes übrig als mit zu machen, falls sie ihre Länder behalten wollten, Gesandter von Beust aus Paris an seinen Landesherrn, den Kurfürsten von Mainz Karl Theodor von Dalberg am 3./4. Juli 1806; BStA (Bayerisches Staatsarchiv) Würzburg, MGK 494, 3, fol. 138–143, zitiert nach: Konrad M. Färber: Kaiser und Erzkanzler – Carl von Dalberg und Napoleon. Dissertation 1982. Mittelbayerische Druck- und Verlags-Gesellschaft, Regensburg 1994, ISBN 3-927529-51-6, S. 93 . – es war ein Bundesstaat des rheinischen Bundes, einer Konföderation dessen Protektor Napoleon Bonaparte war (per Abstimmung Empereur par la volonté nationale – Kaiser durch den Willen der NationHeinrich Karl Wilhelm Berghaus Deutschland seit hundert Jahren: Geschichte der Gebietseintheilung und der politischen Verfassung des Vaterlandes Zweite Abtheilung, Zweiter Band, Leipzig: Voigt und Günther, 1861, S. 157 ff. [Rheinbund-Vertrag mit Kurzkommentar], S. 198 f. (Isenburg); DigitalisatHermann Kersting: Die Sonderrechte im Kurfürstenthum Hessen, Sammlung des Fuldaer, Hanauer, Isenburger, Kurmainzer und Schaumburger Rechts, einschließlich der Normen für das Buchische Quartier und für die Cent Mittelsinn sowie der im Fürstenthume Hanau recipierten Hülfsrechte. Mit Anmerkungen und mit einer Einleitung herausgegeben von Hermann Kersting (Criminal-Gerichtsdirector zu Fulda). Verlag von A. F. Euler und J. L. Uth in Fulda, Fulda 1857, Einleitung S. XI.), wodurch Fürst Carl souverainer Fürst über alle isenburgische Lande wurde.Artikel 24 Abs. 11 der Rheinbundakte, amtlich: Vertrag zwischen dem Bevollmächtigten Sr. Majestät des Kaisers der Franzosen, Königs von Italien mit den im Vertrage selbst genannten Bevollmächtigten deutscher Fürsten vom 12. Juli 1806.
Napoleon soll insgesamt sieben Mal durch Langenselbold gekommen sein, zuletzt nach der Völkerschlacht bei Leipzig (16.–19. Oktober 1813) am 28./29. Oktober 1813. Es kam zum schnellen Rückzug der Grande Armée durch das Kinzigtal auf der neuen gut ausgebauten Straße mit SteinbahnKarl Arnd: Der Straßen- und Wegebau, in staatswirthschaftlicher und technischer Beziehung, oder systematische Darstellung der Grundsätze und des practischen Verfahrens, nach welchem der Bau und die Unterhaltung der Straßen und Wege anzuordnen und auszuführen ist für Verwaltungs- und Straßenbau-Beamte, (Verlag von Joh. Wilh. Heyer) Darmstadt 1827, S. 203., die erst 1810 dem Verkehr übergeben wurde.Carl Arnd: Geschichte der Provinz Hanau und der unteren Maingegend, (Verlag von Friedrich König) Hanau 1858, S. 223. Die Avantgarde der österreichischen, preußischen und russischen Verfolger war den napoleonischen Truppen dicht auf den Fersen. Am 28. Oktober 1813 kamen größere Kolonnen nach Gelnhausen, wo sie aber von den Kosaken des Generals Tschernyschow (ca. 8000 Mann) vertrieben wurden.Norbert Breunig: Vor 200 Jahren in Gründau: 1813, ein Schicksalsjahr für die Gründauer Orte: Voller Sorgen – Napoleon und die Grande Armée, Kriegslasten, Räuber, Seuchen, Soldaten in Grindaha Heft 23 - 2013 (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V.), S. 25 ff., Karl Bode: Der Rückzug Napoleons 1813 durch das Kinzigtal und seine Folgen für die Gesundheit der Einheimischen in Grindaha 23 (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V.), Heft 23 - 2013, S. 34 ff., Napoleon hielt sich nicht in Gelnhausen auf, sondern stieg nachmittags in Rothenbergen bei dem Gastwirt Peter Schmick ab (Gasthaus Faß) und ließ sich beim Studium der Landkarten von ihm über die Geländeverhältnisse der Gegend beraten, die französische Avantgarde war derweil in ein Scharmützel mit österreichischen Truppen an der Abtshecke (östlich von Langenselbold) verwickelt.Wilfried Günther: Der Rückzug der französischen Armee und damit verbundene Schicksale in Grindaha, Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau e. V., Heft 23 - 2013, S. 42 ff., Gegen Abend erreichte Napoleon zu Fuß Langenselbold, um im dortigen Schloss des Fürsten Carl zu Isenburg zu übernachten. Derweil wählte Napoleons Generalquartiermeister ca. 70.000 kampffähige Soldaten der durch Rothenbergen marschierenden Kolonnen aus, um mit dem Verband über Hanau (Schlacht bei Hanau, ein letzter Sieg Napoleons in Deutschland) und Frankfurt Mainz (damals französisch als Mayence) zu erreichen.
1814/15 kriegsrechtlich besetzt unter dem Generalgouvernement Frankfurt Isenburg war als „Feindesland“ kriegsrechtlich besetzt und wurde unter die Verwaltung des neu gebildeten Generalgouvernements Frankfurt (amtlich: General-Gouvernement des Großherzogthums Frankfurt und des Fürstenthums Isenburg) gestellt. Auf Antrag der Ehefrau des als Napoleon-Freund verdächtigten, nach Basel geflohenen Fürsten, Charlotte Auguste zu Erbach-Erbach, die seinerzeit Regentin des Fürstentums war, beschied Fürst Metternich diese mit Bescheid vom 15. Februar 1815, dass er veranlassen werde, das Fürstentum aus der Abhängigkeit vom Generalgouvernement in Frankfurt zu entlassen.Ernst Ludwig Posselt: Europäische Annalen 1815. Cotta, Tübingen 1815, S. 253.Manfred Mayer: Geschichte der Mediatisirung des Fürstenthumes Isenburg. M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1891, S. 206. Die von der Fürstin erhoffte Wiederherstellung der Souveränität wurde ihr aber nicht zugesagt.
Langenselbold kommt zu Österreich Durch den Wiener Kongress gelangte Isenburg am 8. Juni 1815 an Österreich,Artikel 52: Das Fürstenthum Isenburg wird unter die Souverainetät Sr. Maj. des Kaisers von Österreich gestellt, und wird mit demselben in solche Beziehungen kommen, wie die Föderativ-Constitution Deutschlands es für die mediatisirten Staaten bestimmen wird. uni-goettingen.de der Kaiser ergriff am 3. Juli 1815 von dem Land Besitz (Kaiser Franz I., von dem Hof-Feldlager Saarburg aus).Kurt Hermann: Inbesitznahme des Fürstentums Isenburg durch Österreich. In: Mitteilungsblatt der Heimatstelle des Main-Kinzig-Kreises, Heft 2, Gelnhausen 1981 (ohne Seitenangaben) Gleichwohl war es ab diesem Zeitpunkt kein völkerrechtliches Subjekt mehr, der Staat Isenburg war rechtlich untergegangen.
Langenselbold kommt zu Kurhessen