Die fiktive, angeblich 25.911 oder 26.911 Wörter umfassende EG-Verordnung zur Einfuhr von Karamelbonbons stammt aus einem Zitat des Unternehmers Alwin Münchmeyer aus dem Jahr 1974, später übernommen von Franz Josef Strauß, und wurde von Bodo H. Hauser und Ulrich Kienzle neu aufgelegt.
Alwin Münchmeyer, damals Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, wird im SPIEGEL 29/1974 mit den Worten zitiert:
Der bayerische CSU-Politiker Thomas Goppel wird mit den Worten zitiert:
Goppel übernimmt damit die Zahl 25.911 aus einem Zitat von Franz Josef Strauß aus dem Jahr 1986, mit dem er die Bürokratie der EG anprangern wollte:
In diesen Zitaten stimmt jedoch nur die Wortzahl der Zehn Gebote einigermaßen (110 Wörter inklusive 30 Wörter für die Überschriften). Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung hat tatsächlich (ohne Unterschriften) über 1.300 Wörter.http://www.archives.gov/exhibits/charters/declaration_transcript.html
Das von Bodo H. Hauser und Ulrich Kienzle gemeinsam mit Stephan Reichenberger zur Sendung Frontal verfasste Buch Noch Fragen, Kienzle? Ja, Hauser! veröffentlichte das Zitat als ironisch gemeinte Bemerkung über ein besonders umfangreiches, aber überflüssiges Gesetz. Nach Recherchen Hausers gab es Anfang der 1970er Jahre tatsächlich Überlegungen zu einer solchen Verordnung, sie wurde jedoch bis heute nicht realisiert. Nach der seit 1985 auf europäischer Ebene verfolgten Konzeption der Produktregulierung wird eine derartige Verordnung der EU auch nicht erlassen werden.
Seitdem wird der Vergleich als angeblicher Beleg für wuchernde EU-Bürokratie immer wieder von deutschen Medien aufgegriffen, z. B. in Süddeutscher Zeitung, Spiegel Online und Financial Times Deutschland,Eintrag bei www.bildblog.de vom 18. Dezember 2012 über die Verbreitung des Karamellbonbonimportverordnungs-Hoaxes in deutschen Medien Abgerufen am 18. Dezember 2012. wie auch von Autoren wie Peter Hahne.
Abwandlungen In ZitatensammlungenSonja Sammüller; Andreas Ehrlich: Schwarzer Humor. Edition XXL, Fränkisch-Crumbach 2012, ISBN 3-89736-917-6, S. 112. und im Netz Abgerufen am 4. Januar 2013. kursiert ein abgewandelter Satz, der dem CSU-Politiker Erwin Huber zugeschrieben wird: Anders als beim Ausspruch über die angebliche Karamellverordnung existierte §19a des Einkommensteuergesetz (Überlassung von Vermögensbeteiligungen an Arbeitnehmer) tatsächlich , ist aber mittlerweile abgeschafft.Vgl. Einkommensteuergesetz. Die anderen Angaben können aber wie oben kritisiert werden: Die beiden mathematischen Sätze kann man auf unterschiedliche Art und Weise in Text fassen, zu den zehn Geboten gibt es ebenfalls unterschiedliche Fassungen und Übersetzungen aus dem Hebräischen, und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung ist bedeutend länger.
Literatur Bodo H. Hauser, Ulrich Kienzle, Stephan Reichenberger: Noch Fragen, Kienzle? Ja, Hauser! Hoffmann und Campe, Hamburg 1995 (diverse weitere Auflagen), ISBN 3-455-11075-4.
Einzelnachweise
Kategorie:Moderne Sage