Das Willstätter-Gymnasium ist ein Gymnasium in Nürnberg, das nach seinem ehemaligen Schüler Richard Willstätter, dem Nobelpreisträger für Chemie, benannt wurde.
Geschichte Das Gymnasium wurde am 1. Oktober 1864 als eines der ersten sechs „Königlich Bayerischen Realgymnasien“ im sog. „Kalkstadel“ im Bauhof gegründet. Das Abitur dieses 6-klassigen Schultyps berechtigte zum Studium an einer technischen Hochschule und einiger Universitätsstudiengänge.
In den Jahren 1900–1902 wurde, wie anderorten in Bayern auch, eine Oberstufe aufgebaut und 1903 konnte der Neubau für die 9-klassige Schulform auf dem Areal des ehemaligen Landauer-Klosters bezogen werden. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Dominanz der technischen Ausrichtung abgeschwächt und ab 1906 wurde der Lehranstalt ein „Reformrealgymnasium“ angegliedert.Historie des Willstätter-Gymnasiums Von 1938 bis 1945 hieß die Jungenschule „Deutsche Oberschule am Laufer Schlagturm“, sie wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört.
1956 war der Neubau der „Oberschule am Laufer Schlagturm“ abgeschlossen. Im Jahr 1965 wurde sie entsprechend dem Hamburger Abkommen in Willstätter-Gymnasium umbenannt, Mädchen waren fortan auch offiziell zum Schulbesuch zugelassen (Koedukation). Der Namensgeber Willstätter war von 1884 bis 1890 Schüler des Realgymnasiums gewesen und wurde nach dem Abitur für das Maximilianeum vorgeschlagen. Neben dem Neubau nutzt das Gymnasium heute auch den sogenannten Melanchthonbau am Egidienplatz, in dem sich früher das Melanchthon-Gymnasium befand.
Die höchste Schüleranzahl erreichte das Gymnasium 1976 mit fast 1200 Schülern.
Das Gymnasium ist als eine von 64 MINT-EC-Schulen in Bayern (Stand: 2024) berechtigt, Schülern das MINT-EC-Zertifikat zu erteilen.
Schülerverbindung miniatur|Richard Willstätter drei Jahre nach dem Abitur beim späteren Nobelpreisträger Adolf von Baeyer in München (1893) 1867 wurde von den Schülern der oberen Klassen die Schülerverbindung „Rot-Weiss-Rote Absolvia Nürnberg“ gegründet. Der Chemiker und Nobelpreisträger Richard Willstätter ist bis heute ihr berühmtestes Mitglied.
Zweig- und Sprachenwahl Das Willstätter-Gymnasium ist ein neusprachlich sowie naturwissenschaftlich-technologisch ausgerichtetes Gymnasium. Von 1992 bis 2009 – vor Einführung des G8 in Bayern – bot es als europäisches Gymnasium in den Klassen 10 bis 11 eine dritte Fremdsprache sowie eine Verstärkung naturwissenschaftlicher Fächer an. Das letzte Abitur nach G8-Bedingungen fand 2024 statt. Beginnend mit dem Schuljahr 2017/18 erfolgte die Rückkehr zum G9, das erste G9-Abitur findet 2026 statt.
Als eines von zwei bayerischen Gymnasien bietet das Willstätter-Gymnasium Russisch als dritte Fremdsprache an.
Sprachliche Ausbildungsrichtung mit drei Sprachen: 5. Klasse: Englisch oder Latein; 6. Klasse: Französisch oder Latein oder Englisch; 8. Klasse: Spanisch oder Russisch oder Französisch
Naturwissenschaftlich-technologische Ausbildungsrichtung mit zwei Sprachen: 5. Klasse: Englisch oder Latein; 6. Klasse: Französisch oder Latein oder Englisch
Bekannte Lehrkräfte Gerhard Fink (1934–2013), Altphilologe und Fachdidaktiker Sieghard Rost (1921–2017), Philologe, Politiker (CSU) Jürgen Weineck (1941–2020), Sportwissenschaftler
Bekannte Absolventen Julius Tafel (1862–1918), Professor, Chemie Erwin Goller (1864–1918), Reichstagsabgeordneter 1905–1912 Richard Willstätter (1872–1942), Nobelpreis 1915 für Untersuchungen der Pflanzenfarbstoffe Chlorophyll und Anthocyanidine Emmy Noether (1882–1935), Professorin, Mathematikerin Joseph E. Drexel (1896–1976), Gründer der Nürnberger Nachrichten Hugo Distler (1908–1942), Kirchenkomponist Ronald Grierson (1921–2014), Flüchtling, britischer Bank- und Industriemanager, geboren als Rolf Hans Griessmann Arno Hamburger (1923–2013), 1. Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Hans Magnus Enzensberger (1929–2022), Dichter, Schriftsteller, Herausgeber, Übersetzer und RedakteurLebenslauf Hans Magnus Enzensberger auf studienstiftung.de [PDF] Günther Beckstein (* 1943), ehem. Bayerischer Ministerpräsident Roland „Golly“ Hertlein (* 1952), Musiker, Komponist, Musikproduzent, Veranstalter, Maler und Autor Rolf Raum (* 1956), Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof Bernd Regenauer (* 1956), Kabarettist und Autor Jürgen Egger (1959–2009), Filmregisseur und Drehbuchautor Konrad Schuller (* 1961), Journalist und Buchautor Michael Frieser (* 1964), Politiker (CSU), Mitglied des Deutschen Bundestages Susanne Aschhoff (* 1971), Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg Katrin Höffler (* 1977), Juristin und Hochschullehrerin Ferda Ataman (* 1979), Journalistin und Autorin, Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung Lena Dörrie (* 1982), Schauspielerin Ronen Steinke (* 1983), Jurist und Redakteur Süddeutsche Zeitung
Literatur Jahresbericht über das K. Bayer. Realgymnasium und die Reformschule in Nürnberg. Nürnberg 1864–1910 ( Jg. 1874; 1889) Jahresbericht über das K. Realgymnasium und das Reformrealgymnasium in Nürnberg. Nürnberg 1910–1916 ( Wiss. Beil. zu den Jg. 1912; 1915)
Weblinks
Website des Gymnasiums
Einzelnachweise
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