Der amerikanische Freund ist ein deutscher Kriminalfilm von Wim Wenders aus dem Jahr 1977 nach dem Roman Ripley’s Game (1974) von Patricia Highsmith. Die Hauptrollen spielen Bruno Ganz und Dennis Hopper.

Er gilt heute als einer von Wenders’ besten Filmen und wichtiges Werk des neuen deutschen Films.

Handlung Der in Hamburg lebende US-Amerikaner Tom Ripley betreibt ein lukratives Geschäft, bei welchem er über das Hamburger Auktionshaus Gantner bislang unbekannte Gemälde des totgeglaubten Malers Derwatt für hohe Preise versteigern lässt. In Wahrheit lebt Derwatt in New York und malt dort für Ripley fleißig weiter.

Dem Rahmenmacher und Familienvater Jonathan Zimmermann, dessen Frau Marianne für Gantner arbeitet, ahnt jedoch den Betrug, da ihm Veränderungen in den Blautönen der neuen Derwatts auffallen, was an Derwatts schwindender Sehkraft liegt.

Bei einer dieser Auktionen trifft Ripley auf Zimmermann. Als man Zimmermann und Ripley einander vorstellt, zeigt sich Zimmermann unhöflich gegenüber diesem und gibt Ripley nicht die Hand. Gantner entschuldigt dieses Verhalten vor Ripley damit, dass Zimmermann an einer unheilbaren Krankheit leide und nicht mehr lange zu leben habe.

Kurz darauf kriegt Ripley in seiner Hamburger Villa Besuch von seinem französischen Bekannten Minot, welcher zur Pariser Mafia gehört und von Ripley will, dass er ihm einen Außenstehenden für einen Auftragsmord in Paris besorgt. Ripley sträubt sich zunächst, macht Minot aber mit Zimmermann bekannt, nachdem er diesen mit gezielt gestreuten Gerüchten über eine Verschlimmerung seiner Krankheit verunsichert hat. Minot lockt Zimmermann unter dem Vorwand nach Paris, ihm eine unabhängige Untersuchung im renommierten Krankenhaus American Hospital of Paris zu finanzieren. Mit gefälschten Laborergebnissen und dem Argument, seiner kleinen Familie nach seinem Tod eine den Unterhalt sichernde Summe – die Rede ist von 250.000 DM – hinterlassen zu können, gelingt es Minot, Zimmermann zur Ausführung eines Auftragsmordes an einem jüdischen US-amerikanischen Gangster zu überreden. Zimmermann erschießt den Mann, wie angewiesen, in einer Pariser Métro-Station. Obwohl Zimmermann sich hierbei äußerst ungeschickt anstellt, kann er unbehelligt entkommen und nach Hamburg zurückreisen. Marianne vermutet ein Geheimnis hinter der Reise, seine Heimlichtuerei ihr gegenüber macht sie erst recht argwöhnisch.

Minot gelingt es, im Rahmen einer weiteren ärztlichen Untersuchung in München Zimmermann erneut zu einem Auftragsmord zu überreden. Der Mord an einem Mitglied einer mit der Gruppe des ersten Opfers konkurrierenden Bande soll im Trans-Europ-Express ausgeführt werden. Dieses Mal droht die Tat zu scheitern, da erscheint unerwartet Ripley im Zug und hilft Zimmermann, den Auftrag zu Ende zu bringen. Wenig später entdeckt Marianne auf dem gemeinsamen Sparbuch einen Geldeingang von 97.000 DM und stellt ihren Mann zur Rede, der ihr ausweicht. Die Ehe gerät in eine Krise, Marianne verlässt die Wohnung vorübergehend mit dem gemeinsamen Kind.

Minot sucht Zimmermann in Hamburg auf und wirft ihm vor, eine der Gangsterbanden habe ihn als Drahtzieher der Morde enttarnt und einen Sprengstoffanschlag auf seine Pariser Wohnung verübt. Zimmermann ruft daraufhin Ripley an, der ihn in seine Villa holt, wo sie sich auf den Überfall der Gangster vorbereiten, der noch in derselben Nacht erfolgt. Es gelingt ihnen, alle Angreifer zu überwältigen und zu töten; dabei befreien sie Minot, der von den Gangstern misshandelt wurde. Am Ende dieser Szene stößt Marianne dazu, um Zimmermann nach Hause zu holen. Dieser verfällt in völlige Teilnahmslosigkeit. Ripley gelingt es, Marianne dazu zu überreden, bei der Beseitigung der Leichen mitzuhelfen, indem sie ein zweites Auto fährt.

Ripley fährt den Krankenwagen mit den Leichen der Gangster an den Nordseestrand und setzt ihn in Brand. Als er explodiert, erwacht Zimmermann aus seiner Apathie, er lässt Ripley am Strand stehen und fährt mit Marianne davon. Er wirkt befreit und fährt auf der leeren Küstenstraße übermütig Schlangenlinien, doch kurz darauf wird ihm schwarz vor Augen, und er stirbt am Steuer seines Wagens.

Die letzten Bilder zeigen die Protagonisten voneinander isoliert: Marianne lässt Zimmermanns Leichnam in seinem Wagen liegen, Ripley sitzt am Strand, wo er zurückgelassen wurde, wo er sagt „We made it, Jonathan“, und Derwatt läuft allein den West Side Highway in New York entlang.

Hintergrund Produktionsvorbereitung „Nach dem letzten Film Im Lauf der Zeit, der fast ohne Drehbuch, vor allem aber ohne ‚Geschichte‘ entstanden war, hatte ich Lust, in dem festen Rahmen einer Geschichte zu arbeiten, die jemand anders geschrieben hatte.“ (Wenders)

Schon seit einigen Jahren hatten Wenders die Romane von Patricia Highsmith fasziniert: „Hier entstehen Geschichten aus Ängsten und kleinen Feigheiten und den ganz winzigen Fehlleistungen, die jeder kennt, so gut, daß man sie an sich selbst kaum noch bemerkt. […] Aus einer kleinen und harmlosen Lüge, aus einem angenehmen Selbstbetrug entsteht allmählich eine böse Geschichte, ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann, weil man ihn so gut versteht.“Gerd Gemünden und Michael Töteberg (Hrsg.): Wim Wenders: Einstellungen. Zur Werkausgabe, Atlas Film/Verlag der Autoren, Duisburg/Frankfurt 1993, und im

Wenders hatte sich vergebens bemüht, die Filmrechte zu Patricia Highsmiths Romanen Der Schrei der Eule, Das Zittern des Fälschers und Venedig kann sehr kalt sein zu sichern, auf die bereits andere Produktionsfirmen eine Option erworben hatten. Highsmith bot ihm daraufhin bei einem Besuch das noch nicht abgeschlossene Manuskript zu Ripley’s Game an.

Für die Rolle des Tom Ripley versuchte Wenders zunächst John Cassavetes zu gewinnen, der jedoch ablehnte. Cassavetes machte ihn wiederum mit Dennis Hopper bekannt, der die Rolle akzeptierte. Der amerikanische Freund war auch Wenders’ erste Zusammenarbeit mit Bruno Ganz. Lisa Kreuzer, Wenders’ damalige LebensgefährtinPresseheft zum Dokumentarfilm Von einem der auszog – Wim Wenders’ frühe Jahre, Arsenal Filmverleih, Tübingen/Berlin 2007., hatte bereits in seinen Filmen Alice in den Städten, Falsche Bewegung und Im Lauf der Zeit mitgewirkt.

Wenders, bekennender Anhänger der Filme von Nicholas Ray, und dieser lernten einander während der Dreharbeiten kennen. Als Ray das Angebot annahm, den Maler Derwatt zu spielen, schrieb Wenders eigens für ihn das Drehbuch um.

Der amerikanische Freund war Wenders’ erste internationale Koproduktion. Neben der Bavaria Film, Road Movies Filmproduktion, dem WDR und Wenders eigener Produktionsfirma beteiligte sich auch die französische Les Films du Losange (1962 von Eric Rohmer und Barbet Schroeder gegründet) an dem Projekt.

Film und Romanvorlage Patricia Highsmiths Roman erschien in Deutschland zunächst unter dem Titel Ripley’s Game oder Regel ohne Ausnahme, wurde aber mit Erscheinen des Films in Ripley’s Game oder Der amerikanische Freund umbenannt. Der Film hält sich relativ eng an die Vorlage; den Schauplatz weiter Teile des Romans, in bzw. nahe der Stadt Fontainebleau südlich von Paris, verlegte Wenders nach Hamburg. Im Roman kommt es zu zwei finalen Konfrontationen zwischen Ripley und Jonathan Trevanny (im Film Zimmermann) und den sie verfolgenden Gangstern, der Film verkürzt diese zu einer. Im Buch wird Trevanny/Zimmermann beim letzten Aufeinandertreffen erschossen, im Film stirbt er augenscheinlich an den Folgen seiner Krankheit. Zudem machte Wenders Gebrauch von einem Motiv aus Highsmiths Roman Ripley Under Ground, in dem ein unbekannter Maler Bilder im Stil des toten Künstlers Derwatt herstellt, die hohe Preise erzielen. Im Film ist es Derwatt selbst, der seinen Tod vorgetäuscht hat, aber weiterhin heimlich aktiv ist.

Die größte Abweichung zur Vorlage betraf den Charakter des Tom Ripley: Im Buch eine Art Wildescher Lebemann, ist dieser im Film ein heimatloser, zerrissener und einsamer Charakter, der an einer Stelle sogar Bob Dylans Lied I Pity the Poor Immigrant singt. Wenders, klagte Highsmith, habe aus Ripley einen Gangster gemacht, und Dennis Hopper entspräche nicht ihrer Vorstellung von der Figur.Andrew Wilson: Beautiful Shadow: A Life of Patricia Highsmith, Bloomsbury, London 2003; deutsch Schöner Schatten. Das Leben von Patricia Highsmith, Berlin Verlag, Berlin 2003. Dazu Wenders: „Obwohl ich ein großes Vertrauen in die Geschichten von Patricia Highsmith hatte, ist es mir dann aber doch nicht leicht gefallen, mich darin zu bewegen: Alles strebte aus der Geschichte hinaus, vor allem die Figuren, die alle in eine andere Richtung wollten, als in die von der Highsmith vorgezeichnete.“

Dreharbeiten und Erstaufführung Die Dreharbeiten fanden vom 18. Oktober bis 18. Dezember 1976, 20. Dezember 1976 bis 12. Januar 1977, 24. Januar bis 11. Februar und 3. März bis 11. März 1977 in Hamburg, München, Paris, New York und an der Nordsee sowie im Atelier der Bavaria in Geiselgasteig statt.CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. Lieferung 32 – Wim Wenders. Hoppers Mitwirkung war wegen seines schlechten Gesundheitszustands nach den Dreharbeiten zum Film Apocalypse Now sowie exzessiven Drogenkonsums gefährdet.

Der Film hatte seine Uraufführung am 26. Mai 1977 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes und startete dann am 24. Juni 1977 in den bundesdeutschen Kinos. auf Festival-cannes.fr, abgerufen am 5. Mai 2012.Der amerikanische Freund in der Internet Movie Database.

Analyse Männerfreundschaft Wie schon in seinem vorigen Film Im Lauf der Zeit erzählt Wenders auch hier wieder von einer Männerfreundschaft. Nachdem er zu Beginn des Filmes von Jonathan brüskiert wird, beschließt Ripley sich zu rächen und setzt so die ganze Geschichte in Gang. Je näher sich die beiden Männer kommen, umso stärker schätzen sie die Qualitäten des anderen. Langsam nähern sich die beiden einander an, sie machen sich gegenseitig kleine Geschenke und stehen sich schließlich in der Auseinandersetzung mit den Mafia-Gangstern gegenseitig bei. „Wenders beschreibt […] Männerbeziehungen mit einer faszinierenden Mischung aus ‚coolem‘ Understatement und unterschwelliger Homoerotik.“ (Wolfgang Limmer)

Film- und amerikanische Kultur Der amerikanische Freund steckt voller Verweise zum Medium Film und seinen kinematografischen Vorläufern. So besetzte Wenders viele der Gangsterrollen mit Regisseuren wie Nicholas Ray, Peter Lilienthal und Samuel Fuller „weil das die einzigen richtigen Gauner sind, die ich kenne, und die einzigen, die über Leben und Tod ähnlich lässig verfügen wie die Mafia“. Dazu widmete er den Film im Vorspann Henri Langlois, dem Gründer der Cinémathèque Française. In dem Amerikanischen Krankenhaus in Paris, in dem sich Zimmermann untersuchen lässt, starb, wie von Minot erwähnt, der Schauspieler Jean Gabin. Zimmermanns Flucht durch die Métro-Station, den Schauplatz des ersten Mordes, sieht man als von Überwachungskameras übertragene Aufnahmen. In seinem Laden führt Zimmermann Ripley ein Spielzeug vor, das die Illusion bewegter Bilder erzeugt, und sein Sohn spielt in verschiedenen Szenen mit einem Zoetrop und einem Malteserkreuzgetriebe. Wenders drehte auch mehrere Szenen, die Marianne bei ihrer Arbeit als Synchronsprecherin zeigen, verwendete diese aber nicht in der Endfassung.Wim Wenders auf der 2005 bei Arthaus erschienenen DVD von Der amerikanische Freund.