Der Westliche Große Erg (, französisch Grand Erg Occidental) in Algerien ist ein Erg, das heißt ein Sandmeer, im nördlichen Zentrum der Algerischen Sahara. Er ist der drittgrößte Erg Algeriens nach dem Erg Chech und dem Östlichen Großen Erg.

Geographische Lage Der Westliche Große Erg schließt südlich an die Monts des Ksour des Saharaatlas an. Im Westen ist die Stein- und Felswüste Hammada du Guir benachbart, im Süden das Tademait-Plateau und im Osten die Chebka du Mzab. Seine Ost-West-Ausdehnung beträgt etwa 550 km, die Nord-Süd-Ausdehnung 340 km, seine Fläche etwa 75.000 km². Im Uhrzeigersinn umrandet wird das Sandmeer im Westen von der Nationalstraße 6, die dem Oued Saoura folgt, im Norden von der Nationalstraße 6B und der Nationalstraße 107, im Osten von der Nationalstraße 1 und im Süden von der Nationalstraße 51. Durchquert wird die Dünenregion in Nord-Süd-Richtung auf dem Weg nach Timimoun von der Nationalstraße 118.

Entstehung und Entwicklung In den Perioden von feuchterem Klima ab dem späten Pliozän vor 2,5 Mio. Jahren, vor allem aber im frühen Holozän-Klimaoptimum, wurde durch die Flüsse aus dem Sahara-Atlas viel Geschiebe in das Becken transportiert, in dem sich später der Westliche Große Erg bildete. In den Liefergebieten verwitterte das anstehende Gestein, vor allem Sandstein, und wurde durch Erosion abgetragen. Dieses Material lagerte sich als Sand wieder ab. Im Pleistozän, in den Perioden von aridem Klima ab etwa 120.000 bis 26.000 BP (before present - vor heute) und ab 20.000 bis 12.700 BP, wurden die Dünenformationen des Ergs gebildet. Dies ging im Holozän weiter, in dem es auch drei aride Epochen gab. Während diesen Trockenperioden war der Sand nicht durch Vegetation stabilisiert und die Dünen wurden immer wieder durch andere Windregimes umgestaltet. In gewissen Zeitabschnitten waren die Windstärken dabei höher als heute, was vor allem im Osten, südwestlich von Ghardaia, und im Westen entlang des Saoura-Tals die Bildung von hohen Dünen bewirkte.

mini|Flugbild Westlicher Großer Erg: komplexes Dünennetzwerk, das sich über den primären (alten) Dünen entwickelt hat

Während jüngerer Trockenperioden überlagerten Sekundärdünen die meisten der höheren Dünen und bildeten ein Netzwerk aus Quer- und Barkandünen, die sich auch über viele Korridore zwischen den Dünen ausbreiteten. Geprägt wurden diese Formen durch das Zusammenwirken von winterlichen zyklonalen Nordwest- und Westwinden und von mit dem Sommermonsun verbundenen Südwestwinden.

Topographie Der Gesteinssockel, auf dem die Sandmassen des Ergs ruhen, weist eine Nord-Süd-Neigung auf. In der Nordwestecke beträgt die Höhe 720 m, am Südwestrand 350 m. Zwei kleine Felsformationen ragen 40 km und 50 km östlich von Taghit aus dem Dünengebiet. Ansonsten scheint der Sockel flach zu sein.

mini|Dünenstruktur des Ergs

Neben den Längsdünen sind die Kuppeldünen eine häufige Dünenform des Ergs. Sie messen oft 2 km im Durchmesser. Es gibt sie in Reihen und solche Reihen verschmelzen sich auch zu Längsdünen. Im mittleren Sektor hatte sie starker Wind deformiert, so dass sie eine Fächer- oder Pfeilspitzenform erhielten. Einzeldünen von über 100 m Höhe findet man unter den Kuppeldünen nördlich von El Meniaa und jenen östlich von Taghit. Die höchsten Dünen aber erheben sich östlich des Oued Saoura, mit einer Sterndüne 3 km nordwestlich von Kerzas, die sich 180 m über dem Flussbett des Oued Saoura erhebt.

Der Dünensand im Erg besteht zu 95 % aus reinem Quarz, neben anderen langlebigen Mineralien wie Zirkon, Turmalin und Rutil. Dies ist für die Sahara typisch, nicht aber für Sandmeere in andern Weltregionen. Dass dieser Sand so stark von weniger stabilen Mineralien gereinigt ist, erklärt man sich damit, dass er das Ergebnis mehreren Zyklen von Verwitterung und Diagenese sein muss. Diese begannen nach dem Ende des Proterozoikums von 540 Mio. Jahren, dem letzten großen Ereignis des Krustenwachstums in der Region der Sahara.

Die Sedimentbilanz ist im südlichen Streifen zwischen El Meneaa und der Südwestspitze des Ergs negativ. Hier wandert Sand in Richtung Südwesten und bedroht die Siedlungen der Regionen Gourara und Touat. Im Mittelstreifen ist die Bilanz ausgeglichen, und in der Nordhälfte entlang des Oued Saoura positiv. Hier gibt es eine Sandanreicherung aus dem Sahara-Atlas.

Im östlichen Teil des Ergs sind viele Senken zwischen Kuppeldünen vorzufinden. Diese bildeten sich in Trockenzeiten durch starke Winderosion. Darin entstanden in den Feuchtzeiten des Holozäns vorzeitliche Seen. Heute bilden diese Senken meist von einer Salzkruste bedeckte Sebkhas.

Drei Flüsse aus dem Atlasgebirge, Oued Namous, Oued er Rharbi und Oued Seggeur, überfluten bei Hochwasserereignissen Teile der Hammada Bet Touadjine und erreichen auch den Erg. Den Verlauf des Oued Namous kann man innerhalb des Ergs auf Satellitenbildern gut verfolgen, obwohl er zum Teil von Dünen versperrt ist. Er endet im Mittelteil in einer Sebkha.

Klima mini|Bei Béni Abbès: der Erg während regnerischem Wetter. Der Sand ist dunkler gefärbt.

Die jährliche Niederschlagsmenge variiert zwischen 62 mm im Nordwesten, 47 mm im Osten, 36 mm im Südwesten und 33 mm im Zentrum des Ergs. Die Mengen sind relativ hoch im Vergleich mit anderen Ergs, z. B. beträgt der durchschnittliche jährliche Niederschlag im benachbarten Erg er Raoui 16 mm bis 19 mm, im Erg Chech 8 mm bis 10 mm.

+Daten von Timimoun Das Klima ist gemäß Köppen-Geiger als BWh (heißes Wüstenklima) klassifiziert. Mittleres Monatsmittel des wärmsten Monats Juli, 37 °C Höchstes Monatsmittel 47,8 °C Tiefstes Monatsmittel 29 °C Mittleres Monatsmittel des kältesten Monats Januar, 7 °C Höchstes Monatsmittel 19 °C Tiefstes Monatsmittel 2,9 °C Monat mit den meisten Niederschlägen April Trockenster Monat Juni

Vom Dezember bis März ist der Wind aus Nordost am stärksten (Nordostpassat), vom Juni bis September herrscht Ostwind, die restlichen Monate vorwiegend Ostwind. Im April und Mai wehen die stärksten, von Oktober bis Januar die schwächsten Winde.

Hydrologie Das Gebiet des Ergs gehört zum südwestlichen Rand des Aquifer Continental Intercalaire, einem der größten geschlossenen Grundwasserleiter der Welt. Diese wasserführende Schicht beginnt etwa 300 bis 500 m unterhalb der Oberfläche des Ergs. Darüber befindet sich der Grundwasserleiter Grand Erg Occidental, der von den Oueds aus dem Sahara-Atlas, Überschwemmungen auf Höhe des Jebel El Kehla in Marokko und von Versickerung von Niederschlagswasser gespeist wird. Das Wasser zirkuliert dabei nicht im Sand des Ergs, sondern darunter in einer Kalkstein-Formation aus dem Miozän und Pliozän. Am Südrand des Ergs ist der Grundwasserspiegel nahe der Oberfläche, so dass in der Region Gourara mit dem Foggara-System bewässert werden kann. Doch diese bewährte und nachhaltige Methode ist gefährdet, weil sich hier der Grundwasserspiegel in den letzten Jahrzehnten gesenkt hat und viele Foggaras austrocknen. Ursache ist die Übernutzung der Grundwasserreserven durch viele Bohrungen, verbunden mit ineffektiver Bewässerung von Kulturen und mangelnder Wartung.

Flora und Fauna mini|Buschlandschaft im Erg, in der Nähe von Taghit Da der Erg im Vergleich mit anderen Sandwüsten der Sahara relativ viele Niederschläge erhält, ist seine Vegetation mit Sträuchern, Kräutern und Gräsern üppiger. Im westlichen Teil des Ergs wurde die Pflanzengesellschaft der Wüsten-Sandvegetation (Calligono-Aristidetea) nachgewiesen, mit den Namensgebern der Gattungen Calligonum (Knöterichsträucher) und Aristida (Dreiblattgräser). Es sind tiefwurzelnde Sträucher und ausdauernde Gräser, die auf mobilen Dünen und Sandflächen gedeihen. Die Calligonum azel ermöglichen es den Baumameisen der Gattung Crematogaster, in dieser Dünenumgebung zu leben, während Aristida pungens den größten Teil der Nahrung für die körnerfressenden Ameisen der Gattungen Messor und Monomorium liefern. Sehr häufig ist auch das Drinn-Gras (Stipagrotis pungens), ein begehrtes Futter für Antilopen. Bei einer Bestandesaufnahme im nordwestlichen und nordöstlichen Teil des Ergs herrschten in Dünengebieten Meerträubel (Ephedra alata subsp alenda)Der Oberteil dieser Pflanze wird in der nördlichen algerischen Sahara in der traditionellen Medizin als Aufguss zur Behandlung verschiedener Krankheiten verwendet, insbesondere bei Krebs- und Atemwegserkrankungen. und Ginstersträucher (Retama raetam) vor, neben Calligonum und dem Wurmförmigen Salzkraut (Salsola vermiculata).

mini|Canis anthus mit Drohgebärden

Folgende (weitere) Tierarten wurden im Erg nachgewiesen: Afrikanischer Goldwolf (Canis anthus) Fennek (Vulpes zerda) Libysches Streifenwiesel (Ictonyx libycus) Äthiopischer Igel (Paraechinus aethiopicus) Sandkatze (Felis margarita) Nordafrikanische Dornschwanzagame (Uromastyx acanthinura)

Im Jahre 2007 wurde im nördlichen Gebiet des Ergs und in der Hammada Ben Touadjine eine Inventarisierung der Fauna in ausgewählten Sektoren durchgeführt. Dabei wurden folgende weitere Tiere oder Spuren davon im Bereich des Ergs oder am Rande davon gesichtet:

Dünengazelle (Gazella leptoceros): Ihr Bestand in den Ergs Algeriens und Tunesiens wird auf höchstens ein paar hundert erwachsene Tiere geschätzt und von der IUCN als stark gefährdet eingeschätzt. Bei der Erkundung wurde festgestellt, dass die Dünengazellen flaches Gelände mit Sand oder Kies bevorzugen, das von hohen Dünen umgeben ist. Dieses Gelände weist dichtere und vielfältigere Vegetation als die Dünen auf, erlaubt eine gute Sicht und Fluchtmöglichkeiten auf und über die Dünen. In solcher Umgebung werden sie selten gestört, da der Zugang über die Dünen für Fahrzeuge schwierig ist.

mini|Saharakragentrappe

Dorkasgazelle (Gazella dorcas): Die IUCN stuft die Art als gefährdet ein. Goldschakal (Canis aureus) Falbkatze (Felis silvestris lybica) Kaphase (Lepus capensis) Gewöhnliches Stachelschwein (Hystrix cristata) Val-Gundi (Ctenodactylus valii) Rennratten (Meriones crassus/libycus) Fettschwanz-Rennmaus (Pachyuromys duprasi) Zwei Arten der Gattung Echte Rennmäuse (Gerbillus tarabuli, Gerbillus amoenus) Schlangenadler (Circaetus gallicus) Rohrweihe (Circus aeruginosus) Saharakragentrappe (Chlamydotis undulata): Die IUCN stuft die Art als gefährdet ein. Adlerbussard (Buteo rufinus) Rennvogel (Cursorius cursor)

Bodenschätze Im Westen der algerischen Sahara wird vor allem Erdgas gefördert. Große Felder gibt es nordöstlich des Ergs, bei Hassi R’Mel und etwa 140 km südöstlich von Timimoun, ein weiteres liegt bei Hassi Tidjerane, wenig nördlich des Ergs. Innerhalb des Ergs sind es das Erdgasfeld Tinerkouk, 70 km nordnordöstlich von Timimoum und jenes von Hassi Ba Hamou, 100 km westnordwestlich von El Meniaa, die ausgebeutet werden. Beide Felder gehören der Sonatrach, einem algerischen Staatsunternehmen im Mineralölbereich. Von Hassi Tidjerane über Hassi Ba Hamou führt eine Erdgasleitung durch den Erg, bis zum Anschluss an andere Pipelines, die nach Hassi R'Mel führen.

Siedlungen Der größte Teil des Ergs ist unbewohnt. Doch im Südwesten, nördlich und westlich von Timimoun in der Region Gourara, bestehen über 40 Weiler bis mittelgroße Dörfer innerhalb oder direkt am Rande von Dünengebieten des Ergs. Ihre Einwohnerzahl beträgt ungefähr 45.000. Sie leben vorwiegend von der Landwirtschaft (Dattelpalmen, Gemüseanbau, bewässert über das traditionelle Foggara-System und gebohrte Brunnen). Die größten Dörfer sind Ouled Aissa, Ouled Said, Ksar Kaddour und Zaouiet Debagh.

Weiter westlich liegt die kleine Siedlung Ben Abdel Kader, auf einer asphaltierten Straße ab Timmoudi im Saoura-Tal erreichbar. Sie zählt etwa 160 Einwohner (2020) und besitzt Dattelpalmen, die zum Teil vor Sandverwehungen geschützt sind durch Sandwälle, mit Palmwedeln auf deren Kämmen („Ghouds“).

Verkehrswege mini|Die RN118 im südlichen Teil des Sandmeers, mit Wanderdünen