Die Tauber ist ein Fluss in Süddeutschland an beiden Seiten der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Sie entspringt am Westfuß der Frankenhöhe, fließt in nordwestlicher Richtung etwa 130 km durch die Region Franken und mündet in Wertheim von links und Südosten in den Main. Sie hat der sie unmittelbar umgebenden Teilregion Tauberfranken den Namen gegeben.
Name In den ersten urkundlichen Erwähnungen wird die Tauber als tubri(gowe) (= Tauber(gau)) und dubra(goe) bezeichnet.Hugo Stang: Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung der Gemarkung Tauberbischofsheim und des Landkreises. In: Hugo Stang, Anton Ullrich, Wilhelm Ogiermann, Josef Kiefer, August Haun: Tauberbischofsheim. Eigenverlag der Stadtverwaltung, Tauberbischofsheim 1955, S. 51 (bzw. S. 52).Mit Verweis auf: Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. 2. Aufl., Heidelberg 1904–1905. Der Name wird auf das keltische Wort dubr (bzw. Plural: dubra) für Wasser zurückgeführt.Hugo Stang (1955) (s. o.). Mit Verweis auf: O. Springer: Die Flußnamen Württembergs und Badens. In: Tübinger Germanistische Schriften. 11. Bd. Stuttgart 1930, S. 63.
Andere Ableitungen erklären ihn durch Dubron (keltisch) mit der Bedeutung schnell dahineilendes Wasser. Das keltische Wort dubr geht jedenfalls auf die indogermanische Sprachwurzel dhav (= waschen, strömen) zurück, weshalb man auch davon ausgehen kann, dass fließendes Wasser gemeint ist. Im heutigen Walisisch (Kymrisch) steht dwfr einfach für das Wort Wasser, was in Cornwall dem Wort dour (= dowr) entspricht.Hugo Stang (1955) (s. o.). Mit Verweis auf: Hans Krahe: Alteuropäische Flußnamen. Beiträge zur Namenforschung. 1. Jahrgang, Heidelberg 1949–1950. S. 41. Mehrere Ortsnamen wie Dover in Großbritannien gelten als anglisierte Formen davon. In Großbritannien findet sich auch die Ortsbezeichnung DoverdaleDella Hooke, P. H. Sawyer: Worcestershire Anglo-Saxon charter bounds. Woodbridge 1990: Boydell Press, ISBN 0-85115-276-7.Hugo Stang (1955) (s. o.). Mit Verweis auf: Hans Krahe: Alteuropäische Flußnamen. Beiträge zur Namenforschung. 1. Jahrgang, Heidelberg 1949–1950. S. 250. (ein Parish nahe Droitwich, ein Ort in Worcestershire), die dem Wort Taubertal nicht nur klanglich und äußerlich ähnelt, sondern wahrscheinlich eine analoge Wortherkunft besitzt (Dover und Tauber beide aus kelt. Dubr-, Dale und Tal beide später hinzugefügter germanischer erläuternder Wortteil). Manche führen Tauber auch auf das keltische Wort dubo (= schwarz) zurück, was jedoch als sprachwissenschaftlich und sachlich unbegründet anzusehen ist.Hugo Stang (1955) (s. o.). Mit Verweis auf:Karl Schumacher: Die Fluß- und Bachnamen des Tauberlandes und seiner Umgebung. In: Mergentheimer Heimatblätter. 1. Jahrgang, 1931, 6.O. Springer: Die Flußnamen Württembergs und Badens. In: Tübinger Germanistische Schriften. 11. Bd. Stuttgart 1930, S. 62.
Geographie Entstehungsgeschichte Die Tallinie der Tauber zeichnet einen früheren Nebenfluss der Urdonau nach, der entgegen der heutigen Fließrichtung nach Südosten floss. Zu ihm gehörten auch Teile des heutigen Mainvierecks. Vor dem Pleistozän war das Taubertal breiter und flacher. Das heutige enge Tal bildete sich erst während der Kaltzeiten in Verbindung mit weiträumigen tektonischen Hebungen. Vermutlich war das Taubertal auch in die Talverschüttungsphasen des Mains einbezogen. Auch jüngste Formungsprozesse im Taubertal sind ablesbar. Beispielsweise liegt die Grünsfeldhausener St. Achatius-Kapelle heute mehr als drei Meter unter dem Niveau der Talaue, was auf die Ablagerung von Auenlehm zurückzuführen ist, die im Verlauf mehrerer Jahrhunderte die Talsohle um mindestens neun Meter erhöhte.Siegfried Albert: Gewässerschutz im Reich des Bibers. In: Main-Echo Spezial zur Michaelis-Messe Wertheim 2009 vom Oktober 2009. mini|links|Video zum Verlauf der Tauber von der Quelle bis zur Mündung, 2002 Entscheidend für die Entstehung des Reliefs im Taubertal und in den Einzugsgebieten seiner Nebenflüsse sind die flächenhafte Bodenabtragung, die anthropogen und durch Starkregenereignisse verursacht ist, sowie die linienhafte Bodenerosion in den kleinen Hohlwegen, Klingen, Kerben und Schluchten an den steilen Tauberhängen. Beide Vorgänge haben sowohl natürliche Ursachen (geologischer Untergrund, Hangneigung, Bodenart, Niederschläge) als auch vom wirtschaftenden Menschen gesetzte (Landwirtschaft, Art der Bodenbearbeitung wie Wein- oder Ackerbau, Rodung, Weidewirtschaft, Wegebau). Bodenabtragung wie Bodenerosion sind durch historische Belege u. a. im Staatsarchiv Wertheim-Bronnbach nachgewiesen. Diese beschreiben die Bodenschäden seit dem Spätmittelalter, die im 18. Jahrhundert besonders intensiv waren.Horst-Günter Wagner: Bodenerosion in der historischen Agrarlandschaft des Taubertales. Würzburger Geograph. Manuskripte Heft 88, 182 S, Würzburg 2018
Daneben zeigt auch das Landschaftsbild Hinweise auf die Bodenabtragung in Gestalt von Waldrandstufen, Ackerterrassen und besonders durch die Steinriegel an den heute vielfach aufgegebenen Rebhängen. Queranschnitte an den Steinriegeln zeigen unter der Lesesteindecke die Bodenoberfläche konserviert in ursprünglicher Höhe. Neben den Steinriegeln wurde der Boden dagegen durch den Rebhackbau beständig gelockert und so der Abspülung durch Regen ausgesetzt. An solchen Aufschlüssen ist ein Bodenverlust an Rebhängen in historischer Zeit von bis zu 150 Zentimeter ablesbar. Auf die komplementäre Ablagerung dieser Bodenmengen in den Auelehmschichten des Taubertales wurde oben bereits hingewiesen.
Quelle mini|Tauberquelle bei Weikersholz in Rot am See Während der 1970er-Jahre erreichte eine Meinungsverschiedenheit über die Frage, wo der Ursprung der Tauber tatsächlich liege, ihren Höhepunkt: ob bei Wettringen in Bayern oder bei Weikersholz in Baden-Württemberg. Da der mit einem Stein kenntlich gemachte Klingenbrunnen etwa einen halben Kilometer östlich von Weikersholz in der Gemeinde Rot am See die oberste ständig schüttende Quelle ist, wird diese Brunnenstube seit 1976 als Ursprung der Tauber angesehen. Ab dort hat der Fluss eine Länge von etwa 129,1 km. Wird ein am Nordostrand des Waldes Espan etwa einen halben Kilometer nordwestlich von Weikersholz auf rund entstehender Graben-Oberlauf hinzugerechnet, beträgt seine Länge 131,6 km.
Weiterer Verlauf mini|Die Tauber beim Kloster Bronnbach mit sehr geringer Wasserführung im Oktober 2009 mini|An der unteren Tauber mini|Die Mündung der Tauber in den Main bei Wertheim Weniger als einen Kilometer unterhalb ihrer Quelle wechselt die Tauber ins bayerische Mittelfranken über und fließt dann in nordnordöstlicher Richtung durch Wettringen und Diebach nach Gebsattel, mit einem kurzen Abschnitt in Baden-Württemberg an der Thomasmühle (Gemeinde Rot am See). Ab Gebsattel richtet sie ihren Lauf nach Nordnordwesten. Nach dem Zufluss der Schandtauber beginnt sie, ihr Tal tief in die Schichten des Muschelkalks einzugraben, anfangs in engen Schlingen. In einer dieser Schlingen zieht sie an Rothenburg ob der Tauber vorbei, das zu ihrer Rechten 50 Meter über dem Talboden liegt. Unterhalb von Tauberzell wechselt sie an der Holdermühle nach Baden-Württemberg und fließt an Archshofen und Craintal vorbei, dann durch die Stadt Creglingen. Noch einmal durchquert sie um Bieberehren, Röttingen und Tauberrettersheim in einem nach Norden gerichteten Bogen bayerischen Boden (Unterfranken), bevor sie endgültig nach Baden-Württemberg übertritt.
Unterhalb Weikersheims fließt sie dabei zunächst auf einem kurzen Stück in Richtung Westen, kehrt sich aber schon beim etwa 10 km (Luftlinie) entfernten Bad Mergentheim nach Nordwesten und behält diesen Kurs forthin bei. Ihr Tal weitet sich auf seinen nächsten über 20 km mehr und mehr; zwischen Tauberbischofsheim und Werbach in Impfingen erreicht der Talgrund dabei seine maximale Breite von etwa anderthalb Kilometern. Gleich unterhalb von Werbach verengt es sich wieder auf mancherorts fast nur ein Zehntel dieses Werts, der Fluss schafft sich hier wiederum ein tiefes Mäandertal, diesmal im Buntsandstein. Dieser windungsreiche Abschnitt zieht sich über 23 Flusskilometer lang hin (Luftlinie nur etwas über 12 km), an seinem Ende erreicht die Tauber schließlich Wertheim und mündet dort von links in den Main.
Einzugsgebiet und Nebenflüsse mini|rechts|Einzugsgebiet der Tauber Das Einzugsgebiet der Tauber umfasst ungefähr 1.800 Quadratkilometer, von denen 660 in Bayern liegen. Die Tauber entwässert größere Teile der Hohenloher Ebene, den Gollachgau und das Tauberland. Im Süden und Osten grenzt das Einzugsgebiet an die Frankenhöhe und den Steigerwald, im Nordwesten an Bauland und Odenwald.
Wichtigste Nebenflüsse sind die Gollach bei Bieberehren, die Vorbach bei Weikersheim, die Umpfer bei Königshofen sowie der Grünbach bei Gerlachsheim. Weitere Zuflüsse mit Längen zwischen 10 und 20 km sind Herrgottsbach (in Creglingen), Steinach (bei Bieberehren), Nassauer Bach (bei Schäftersheim), Aschbach (bei Elpersheim/Markelsheim), Wachbach (in Bad Mergentheim), Balbach (bei Unterbalbach), Brehmbach (in Tauberbischofsheim) und Welzbach (bei Werbach).
Diagramm mit den Zuflüssen der Tauber (Länge größer 10 km)
Flusssystem Tauber Liste der Fließgewässer im Flusssystem Tauber
Umwelt Gewässergüte Die Tauber war mit Stand von 2004 auf ihrem ganzen hierfür erfassten Lauf in Baden-Württemberg, nämlich von etwa Tauberscheckenbach bis kurz nach Creglingen und dann wieder ab Schäftersheim bis ganz zur Mündung, mäßig belastet (Güteklasse II).
Flussbegradigungen im 19. Jahrhundert mini|Eine Wiesenwässerungssperre in Dittigheim an der Tauber, die im 19. Jahrhundert nach einer Flussbegradigung wegen gesunkenen Grundwasserspiegels errichtet wurde In den 1860er Jahren wurde beim Bau der Eisenbahnbrücke Lauda ein Altarm der Tauber stillgelegt. Der Tauber-Altarm wurde am Ende des 20. Jahrhunderts als flächenhaftes Naturdenkmal Altarm der Tauber beim Chausseehaus Renig (; seit dem 10. März 1992) ausgewiesen. Beim Bau der Eisenbahnbrücke Bronnbach wurde ebenfalls ein Altarm der Tauber stillgelegt, sodass die Eisenbahnbrücke die Tauber nur einmal statt zweimal überqueren muss. Die beiden Tauber-Altarm-Teile links und rechts des Brückendamms wurden am Ende des 20. Jahrhunderts als flächenhafte Naturdenkmale Alte Tauber Bergrain (; seit dem 21. Dezember 1981) und Tauber-Altarm Bergrainwiese (; seit dem 10. März 1992) ausgewiesen.
In den 1890er Jahren wurde die Tauber bei Tauberbischofsheim begradigt, was den Grundwasserspiegel sinken ließ; die ansässigen Landwirte ernteten in dessen Folge weniger Grünfutter für ihre Nutztiere. Um wieder mehr Ertrag zu erzielen, legten sie Wassersperren an und zogen Gräben zur Bewässerung einiger Wiesenabschnitte.Fränkische Nachrichten: Die Tauberwiesenwässerungsgenossenschaft: Ein Unikat im Taubertal aus dem 19. Jahrhundert. Kulturdenkmal entlang der Tauber. 15. August 2015. Online auf www.fnweb.de. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
Renaturierungsmaßnahmen im 21. Jahrhundert 2016 erhielt die Tauber zwischen der Kreisstadt Tauberbischofsheim und Impfingen ein neues Flussbett. Die ehemals begradigte Tauber wurde renaturiert um die Bedingungen für Fauna und Flora zu verbessern.Fränkische Nachrichten: Renaturierung der Tauber: Aufwändige Baumaßnahme des Regierungspräsidiums Stuttgart steigert die ökologische Vielfalt / Kosten von über einer Million Euro. Neues Flussbett nimmt immer mehr Gestalt an. 27. Oktober 2016. Online auf www.fnweb.de. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
Flora Das mittlere sowie weite Teile des unteren Taubertal beherbergen eine Flora, die an sommertrockene Verhältnisse angepasst ist. Hier treffen wärmeliebende Pflanzen aufeinander, deren ursprüngliche Heimat zum einen die osteuropäischen Steppenheiden und zum anderen die mediterranen Trockenrasen sind. Da hier der Weinbau in nicht allzu großem Umfang betrieben wird, sind einige dieser Pflanzen an verschiedenen Standorten noch in ausreichender Zahl anzutreffen.